Lin­ke: Fahn­dung nach Ter­ro­ris­ten zu streng

„Un­be­schol­te­ne ge­ra­ten ins Vi­sier“– Ge­fähr­der vor Ab­schie­bung

Ems-Zeitung - - POLITIK - Von Ma­ri­on Trim­born

OS­NA­BRÜCK. Der An­schlag auf den Weih­nachts­markt am Ber­li­ner Breit­scheid­platz 2016 hat ei­ne fa­ta­le Pan­ne der Ter­ror­fahn­der of­fen­ge­legt. Nur we­ni­ge Wo­chen zu­vor hat­ten die Be­hör­den den At­ten­tä­ter Anis Am­ri be­wer­tet und ka­men zu dem Schluss, er sei kein aku­tes Si­cher­heits­ri­si­ko mehr. Im Rück­blick ei­ne fa­ta­le Fehl­pro­gno­se.

Als Leh­re dar­aus füh­ren die Be­hör­den seit ver­gan­ge­nem Win­ter das neue Com­pu­ter­pro­gramm „Ra­da­r­iTE“, das vom Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) mit­ent­wi­ckelt wur­de, bun­des­weit ein. Die Fahn­der kön­nen da­mit die Ge­fähr­lich­keit von Ver­däch­ti­gen ein­stu­fen. Als so­ge­nann­te Ge­fähr­der gel­ten Per­so­nen, de­nen die Be­hör­den ei­nen An­schlag zu­trau­en. Nun wur­den De­tails da­zu be­kannt, wie das Pro­gramm läuft – das hat Kri­tik aus­ge­löst.

Wie aus ei­ner Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne Klei­ne An­fra­ge der Lin­ken her­vor­geht, wer­den ins­ge­samt 73 Merk­ma­le ab­ge­fragt. Hat der Ver­däch­ti­ge schon Ge­walt­de­lik­te ver­übt? Hat er Er­fah­rung mit Waf­fen und Spreng­stoff? Ist er in der ra­di­kal mi­li­tant-sala­fis­ti­schen Sze­ne ak­tiv und hat in Kriegs­ge­bie­ten mit­ge­kämpft? Ist er so­zi­al ein­ge­bun­den oder psy­chisch auf­fäl­lig?

Je nach Er­geb­nis mar­kiert das Sys­tem die Na­men der Ge­fähr­der mit ei­ner Far­be: Gelb, Oran­ge und Rot. Rot steht für hoch­ge­fähr­lich. Wenn ein ho­hes Ri­si­ko be­steht, wird die Po­li­zei „ziel­ge­rich­te­te Maß­nah­men bei den Per­so­nen ein­lei­ten“, schreibt die Bun­des­re­gie­rung. Et­wa Te­le­fon­über­wa­chung oder Ob­ser­vie­rung.

Ein­stu­fung um­strit­ten

Die Lin­ke kri­ti­siert, dass es noch kei­ne ge­setz­lich de­fi­nier­te ein­heit­li­che Re­gel für die Ein­stu­fung von Ge­fähr­dern gibt. Die in­nen­po­li­ti­sche Ex­per­tin der Lin­ken, Ul­la Jelp­ke, sag­te: „Das BKA be­zie­hungs­wei­se die Län­der­po­li­zei­en han­deln im recht­li­chen Grau­be­reich. Das ist nicht ver­tret­bar.“

Laut Bun­des­re­gie­rung reicht es nicht, schon ein­mal ge­walt­tä­tig ak­ten­kun­dig ge­wor­den zu sein und zum ra­di­kal­is­la­mi­schen Spek­trum zu ge­hö­ren, um in die ro­te Stu­fe zu ge­ra­ten. „Da­zu be­darf es wei­te­rer Merk­ma­le“, heißt es.

Jelp­ke sag­te: „So all­ge­mein, wie die­se Kri­te­ri­en for­mu­liert sind, müss­te auch je­der Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­ge, der an ei­nem Aus­lands­ein­satz teil­ge­nom­men hat und schon mal we­gen Kör­per­ver­let­zung be­langt wur­de, ei­ner ge­nau­en Ri­si­ko­be­wer­tung un­ter­zo­gen wer­den.“Da­her müs­se die Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te mit ein­be­zo­gen wer­den.

Un­ter­des­sen wur­de be­kannt, dass ein 18-jäh­ri­ger is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der nun doch aus Bre­men nach Russ­land ab­ge­scho­ben wer­den kann. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hob den vor­läu­fi­gen Stopp der Ab­schie­bung auf. Dem rus­si­schen Staats­bür­ger, der in Deutsch­land auf­ge­wach­sen ist, wird ein Ter­ror­an­schlag zu­ge­traut.

Der 18-Jäh­ri­ge ist der An­sicht, dass ihm in sei­nem Ge­burts­land Fol­ter, Über­wa­chung oder Ver­haf­tung dro­hen wür­den. Bre­mens In­nen­se­na­tor Ul­rich Mäu­rer (SPD) er­klär­te: „Es wird nicht der letz­te Ge­fähr­der sein, den wir ab­schie­ben.“ Ter­ror vor der Haus­tür: Be­rich­te auf noz.de/ the­men/ter­ro­ris­mus

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