„Es macht mich sprach­los“

Ems-Zeitung - - DIALOG -

Zum Kom­men­tar „Die Ex­tre­mis­ten von der Um­welt­hil­fe“von Burk­hard Ewert (Aus­ga­be vom 25. Au­gust).

„Ist ,an­ti­ka­pi­ta­lis­tisch an­ge­haucht‘ , wer den Die­selskan­dal als hoch­kri­mi­nel­len Be­trugs­ver­such der Au­to­in­dus­trie be­trach­tet? Führt ei­nen ,Kreuz­zug‘ , wer die kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit ein­for­dert, die im zwei­ten Ar­ti­kel un­se­rer Ver­fas­sung ga­ran­tiert ist? […] Schon in den 80er-Jah­ren er­klär­te ei­ne schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung, in den Städ­ten sei das Au­to der ,Um­welt­feind Nr. 1‘ . War Kohl al­so An­ti­ka­pi­ta­list, Kreuz­züg­ler oder Ex­tre­mist? Mo­bi­li­tät, oh­ne die an­geb­lich Deutsch­lands Wohl­stand nicht mög­lich sei, ist mehr als das Fah­ren mit dem ei­ge­nen Fahr­zeug, das in den meis­ten Fäl­len 23 St­un­den am Tag ein Steh­zeug ist, oft, weil es an ei­ner Al­ter­na­ti­ve fehlt. Zu Fuß ge­hen oder ra­deln, Bus­se und Bah­nen er­hal­ten nicht die po­li­ti­sche Wert­schät­zung, die sie nö­tig hät­ten. Wie wä­re es, nach dem Die­sel­gip­fel ei­nen Ver­kehrs­wen­de-Gip­fel aus­zu­ru­fen? Zum Wohl­stand ge­hört auch sau­be­re Luft und zum Wohl­füh­len die Ge­wiss­heit, dass die Re­gie­ren­den nicht ge­mein­sa­me Sa­che ma­chen mit Be­trü­ger­bos­sen. Üb­ri­gens: ,Blitz­sau­be­re Die­sel‘ gibt es so we­nig wie ge­sun­de Zi­ga­ret­ten!“Tho­mas Po­lew­sky Os­na­brück

„Der Streit um Die­selFahr­ver­bo­te in den Städ­ten wird zu­neh­mend hys­te­risch ge­führt. Was mir da­bei zu kurz kommt, ist ein Blick auf die nack­ten Fak­ten. So ist fest­zu­hal­ten, dass [...] ganz un­ter­schied­li­che Grenz­wer­te gel­ten, die weit aus­ein­an­der­klaf­fen. So gilt in deut­schen Bü­ros laut Bun­des­ge­sund­heits­blatt ein Wert von 950 Mi­kro­gramm Stick­stoff pro Ku­bik­me­ter, wäh­rend für un­se­re Städ­te ein Grenz­wert von ge­ra­de ein­mal 40 Mi­kro­gramm Stick­stoff pro Ku­bik­me­ter gilt. Wie kann das sein? Vi­el­leicht ist es an der Zeit, auch ein­mal über das Zu­stan­de­kom­men die­ser Grenz­wer­te nach­zu­den­ken. Ich ver­mag je­den­falls nicht ein­zu­se­hen, war­um für un­ter­schied­li­che Be­rei­che sol­che ex­trem aus­ein­an­der­fal­len­den Grenz­wer­te gel­ten müs­sen und auf die­ser Ba­sis ge­ra­de un­se­re wich­tigs­te In­dus­trie in Grund und Bo­den ge­re­det wird. Nichts ist in St­ein ge­mei­ßelt, al­les kann an­ge­passt wer­den. Vor al­lem, wenn sich in der Pra­xis her­aus­stellt, dass es zu un­an­nehm­ba­ren Här­ten für Un­ter­neh­men und Au­to­be­sit­zer führt. Al­so Po­li­tik, über­neh­men Sie!“Jo­hann Ko­ops Lin­gen

„[...] Der Kom­men­ta­tor be­zeich­net Ver­tre­ter der Deut­schen Um­welt­hil­fe als ,Ex­tre­mis­ten‘ – die­je­ni­gen, die wirk­lich (in­di­rekt) Druck auf die Ver­ur­sa­cher und Dul­der die­ses Skan­dals ma­chen. Die ,kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung‘ Au­to­in­dus­trie be­trügt – mit Wis­sen der Po­li­tik – seit Jah­ren vor­ran­gig ih­re Die­sel­kun­den und schä­digt die Ge­sund­heit der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung mit durch­aus ver­meid­ba­ren Ab­gas­gif­ten. Die Au­to­in­dus­trie hat auf ei­ge­ne Kos­ten schnells­tens da­für zu sor­gen, dass der von ihr zu ver­ant­wor­ten­de Man­gel tat­säch­lich be­ho­ben wird – un­ab­hän­gig da­von, ob die Be­völ­ke­rung in Ost­fries­land oder in den Bal­lungs­ge­bie­ten be­trof­fen ist! [...]“Wer­ner Wol­ters Mep­pen

Dan­ke, Herr Ewert! Dan­ke für den mu­ti­gen, lan­ge schon fäl­li­gen Kom­men­tar auf Sei­te 1. Sehr gu­te Wort­wahl, sehr tref­fend aus­ge­drückt. „Die Ex­tre­mis­ten von der Um­welt­hil­fe“– genau auf den Punkt ge­bracht. Karl Mey­er Os­na­brück

„Die­ser Kom­men­tar mach­te mich zu­nächst sprach­los. In ei­ner Welt, in der wir täg­lich mit Ter­ror und Ex­tre­mis­mus kon­fron­tiert sind, ei­nen Ver­ein, der ver­sucht, EU-Ge­setz­ge­bung um­zu­set­zen, als Ex­tre­mis­ten zu be­zeich­nen, ist an Un­ver­fro­ren­heit kaum zu über­bie­ten. Herr Ewert dreht den Spieß um; nicht das be­trü­ge­ri­sche Vor­ge­hen der Au­to­in­dus­trie wird ver­ur­teilt, son­dern der Um­stand, ge­gen die­sen Be­trug vor­zu­ge­hen. Seit Jah­ren sin­ken die Stick­oxid­be­las­tun­gen in den Städ­ten nicht, ob­wohl im­mer mehr Eu­ro-6-Die­sel zu­ge­las­sen wur­den und die Ab­gas­rei­ni­gung neu­er Lkw au­gen­schein­lich funk­tio­niert. War­um wur­den die ,blitz­sau­be­ren‘ Die­sel für Pkw bis­her nicht ge­baut, Herr Ewert? Dem Kun­den wer­den sie of­fi­zi­ell be­reits seit Jah­ren ver­kauft. Üb­ri­gens: Die un­ab­hän­gi­gen Ge­rich­te tei­len bis­her die Sicht­wei­se der Um­welt­hil­fe.“Dr. Hol­ger Za­gratz­ki Os­na­brück

Fo­to: dpa

Wie ge­fähr­lich sind Die­sel­ab­ga­se?

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