Ha­se­lün­ner we­gen Mord­ver­suchs an­ge­klagt

Mit Spa­ten­stiel zu­ge­schla­gen und Kon­tra­hent schwer ver­letzt – Tä­ter leug­net Tö­tungs­ab­sicht

Ems-Zeitung - - KREIS EMSLAND -

jod OS­NA­BRÜCK. Der Straf­pro­zess ge­gen ei­nen 51-Jäh­ri­gen aus Haselünne we­gen Mord­ver­suchs hat am Land­ge­richt Os­na­brück be­gon­nen.

Die An­kla­ge wirft dem vor 20 Jah­ren nach Deutsch­land ge­flüch­te­ten Ira­ker vor, ei­nen Lands­mann in Mord­ab­sicht schwer ver­letzt zu ha­ben. Am 16. März 2017 soll er mit dem Fahr­rad zum Wohn­ort ei­nes 38-jäh­ri­gen Lands­manns ge­fah­ren sein. Er nahm in ei­ner Plas­tik­tü­te ver­bor­gen ei­nen Kin­der­spa­ten mit, des­sen Blatt ab­ge­bro­chen war. Er nä­her­te sich dem 38-Jäh­ri­gen von hin­ten, der eben­falls ra­delnd vom Ein­kauf zu­rück­kehr­te. Laut Staats­an­walt schlug er mit dem Kin­der­spa­ten­stiel dem 38-Jäh­ri­gen auf den Hin­ter­kopf, wo­nach der 38-Jäh­ri­ge stürz­te. Der 51-Jäh­ri­ge schlug wei­ter auf den am Bo­den Lie­gen­den ein. Durch Schmerz­schreie des Op­fers und Droh­ge­brüll des Tä­ters be­ka­men Pas­san­ten und die Ehe­frau des Op­fers das Tat­ge­sche­hen mit. Sie dräng­ten den Tä­ter ab, der die Flucht er­griff.

Durch sei­nen An­walt ließ der An­ge­klag­te sei­ne Ein­las­sung ver­le­sen. Den Ta­t­ab­lauf ha­be der Staats­an­walt im Gro­ßen und Gan­zen zu­tref­fend wie­der­ge­ge­ben, bis auf ei­nen ent­schei­den­den Punkt: Er ha­be sei­nem Ne­ben­buh­ler nicht be­wusst auf den Kopf ge­schla­gen. Er ha­be ihn zu­nächst vom Fahr­rad her­un­ter­ge­tre­ten. Die Kopf­ver­let­zung kön­ne da­her rüh­ren, dass das Op­fer auf ei­ne St­ein­kan­te auf­ge­schla­gen sei.

Kei­nes­falls ha­be er die Ab­sicht ge­habt, den Lands­mann zu tö­ten, sonst wä­re er an­ders vor­ge­gan­gen. Er ha­be ihm ei­ne öf­fent­li­che kör­per­li­che Lek­ti­on er­tei­len wol­len, er­klär­te der An­ge­klag­te.

Die Fa­mi­lie des An­ge­klag­ten ha­be sich sehr um frisch ein­ge­trof­fe­ne Lands­leu­te aus dem Irak ge­küm­mert, auch um die vor ein­ein­halb Jah­ren ge­flüch­te­te Fa­mi­lie des Ge­schä­dig­ten. Der An­ge­klag­te selbst half ak­tiv beim Um­zug der Flücht­lings­fa­mi­lie nach Haselünne. „Zum ‚Dank‘ flir­tet er dann mit mei­ner Frau und ver­dreht ihr den Kopf“, so der An­ge­klag­te. „Ich konn­te die­se Si­tua­ti­on als Ehe­mann und Fa­mi­li­en­ober­haupt nicht dul­den.“

Der 51-Jäh­ri­ge wur­de ge­fragt, war­um er nicht in ei­nem Ge­spräch ei­ne Klä­rung ver­sucht ha­be. In Ge­sprä­chen wür­de es im­mer so hin­ge­dreht, dass die Frau dem Mann schö­ne Au­gen ge­macht ha­be und die­ser dann gar nicht an­ders konn­te, als die­sen Avan­cen nach­zu­kom­men, ant­wor­te­te der An­ge­klag­te. Da­her ha­be er lie­ber den Weg der öf­fent­li­chen Straf­lek­ti­on ge­wählt. Die Fa­mi­li­en­eh­re sei nun wie­der­her­ge­stellt, der 38-Jäh­ri­ge brau­che kei­ne Angst mehr vor ihm zu ha­ben.

Das Lei­den des Ta­top­fers

Aus Furcht vor er­neu­ten Über­grif­fen hat der Ge­schä­dig­te Haselünne ver­las­sen. Zu ei­ner Zeu­gen­aus­sa­ge in An­we­sen­heit des An­ge­klag­ten sah er sich nicht in der La­ge, da er un­ter post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­stö­run­gen lei­de. Ein fach­ärzt­li­ches Gut­ach­ten be­schei­nig­te ihm, dass es bei Tä­ter­kon­takt zu Ver­schlech­te­run­gen des Krank­heits­bil­des kom­men wer­de. Des­halb fand sei­ne Ver­neh­mung in ei­nem an­de­ren Raum des Ge­richts statt und wur­de per Bild- und Ton­über­tra­gung in den Ge­richts­saal ge­spielt.

Für den Fort­gang des Pro­zes­ses sind wei­te­re neun Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­setzt, an de­nen es haupt­säch­lich um die Fra­ge ge­hen wird, ob man dem An­ge­klag­ten ei­ne Tö­tungs­ab­sicht nach­wei­sen kann.

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