Zwie­späl­ti­ge Ge­füh­le bei Mau­rice Teb­bel nach der EM

Zu­frie­den mit der No­mi­nie­rung, un­zu­frie­den mit der Leis­tung – Va­ter ver­zich­tet auf Ein­zel­fi­na­le – Jus­ti­ne fünf­mal feh­ler­frei

Ems-Zeitung - - EMSLANDSPORT - Von Hel­mut Diers

EMSBÜREN. Das hat­te es bis zum letz­ten Tag der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft der Spring­rei­ter noch nie in ei­nem Cham­pio­nat ge­ge­ben, dass gleich drei Rei­ter aus ei­ner Fa­mi­lie in der glei­chen Dis­zi­plin am Start wa­ren. Die­ses ein­zig­ar­ti­ge Er­eig­nis dür­fen sich aber Va­ter Re­né Teb­bel, Sohn Mau­rice und Toch­ter Jus­ti­ne auf die Fah­ne schrei­ben. Re­né Teb­bel star­te­te bei der EM in Schwe­den für die Ukrai­ne, Sohn Mau­rice ver­trat die deut­schen Far­ben, und Toch­ter Jus­ti­ne ritt im Rah­men­pro­gramm in der U-25Tour.

Seit 2015 sat­telt Re­né Teb­bel sein Pferd für die Ukrai­ne. In Gö­te­borg ver­fehl­te der 48-Jäh­ri­ge mit der Mann­schaft im Te­am­wett­be­werb die Run­de der bes­ten zehn. Auf das Fi­na­le in der Ein­zel­wer­tung ver­zich­te­te der Ems­bü­re­ner mit sei­nem Pferd Con­sun. „Es fing in Gö­te­borg für mich al­les su­per an. Ich hat­te ein rich­tig gu­tes Ge­fühl. In den fol­gen­den Sprin­gen fehl­te dem Pferd zum En­de des Par­cours die Kraft. Der Bo­den war un­heim­lich lo­cker und schwie­rig zu rei­ten“, stell­te Teb­bel fest, dass „al­le zwar su­per trai­niert ha­ben im Team, es aber nicht reich­te“. Und er weiß nicht erst heu­te: „Auf so ein Cham­pio­nat musst du dich län­ger vor­be­rei­ten, als wir es ge­tan ha­ben, wenn du was rei­ßen willst.“

Der Wurm drin

Sohn Mau­rice, den Re­né Teb­bel auch trai­niert, war nach Gö­te­borg zu­frie­den mit der Tat­sa­che, für die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft no­mi­niert ge­we­sen zu sein. Zu­frie­den war und ist er al­ler­dings nicht mit sei­ner und der Leis­tung des Hengs­tes Chac­co’ s Son. War­um es nicht wie ge­wünscht rund lief für den erst 23-jäh­ri­gen Cham­pio­nats­ka­der­rei­ter, das konn­te Mau­rice Teb­bel auch nach Gö­te­borg noch nicht sa­gen. „Im Vor­feld der EM lief es her­vor­ra­gend, in Gö­te­borg war der Wurm drin.“Mit dem recht jun­gen deut­schen Team um Mar­cus Eh­ning, Phil­ipp Weis­haupt und um der auch erst 23 Jah­re al­ten Lau­ra Kla­pha­ke reich­te es am En­de zu Platz fünf in der Mann­schafts­wer­tung. Gold hol­ten die Iren, Sil­ber die Schwe­den und die Bron­ze­me­dail­le die Schwei­zer. Platz vier fiel an Bel­gi­en.

Bun­des­trai­ner Ot­to Be­cker sag­te nach der Mann­schafts­wer­tung: „Wir ha­ben ein jun­ges Team und wuss­ten vor­her, dass wir mit Cham­pio­nats­neu­lin­gen an­tre­ten und dass da vi­el­leicht der ein oder an­de­re Feh­ler pas­sie­ren kann. Mau­rice hat rich­tig ge­kämpft, sein Pferd sprang hier nicht so wie in den Wo­chen zu­vor. Die jun­gen Rei­ter ha­ben hier viel ge­lernt, das ist ei­ne In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft“. Mau­rice Teb­bel sag­te im Ge­spräch mit der Ems­land­sport­re­dak­ti­on nach der Rück­kehr aus Schwe­den: „In Gö­te­borg wa­ren vie­le Rei­ter, die sich mehr als er­reicht aus­ge­malt hat­ten. Zu schwer wa­ren die Run­den nicht, aber der Bo­den war nicht im­mer so, wie er sein soll­te.“

In der Ein­zel­wer­tung schramm­te Mau­rice Teb­bel knapp am Fi­na­le vor­bei, wäh­rend Mar­cus Eh­ning, Phil­ipp Weis­haupt und Lau­ra Kla­pha­ke zu den bes­ten 25 Ein­zel­rei­tern zähl­ten. „Ich ha­be in Gö­te­borg ei­ne Men­ge an Er­fah­rung ge­sam­melt“, ge­winnt Teb­bel, der schon man­che EM-Me­dail­le im Ponyund Ju­nio­ren­al­ter ge­won­nen hat, der EM durch­aus Po­si­ti­ves ab. Jetzt ist erst mal ein we­nig Tur­nier­pau­se, dann geht es an die neu­en Auf­ga­ben ran. Die Gold­me­dail­le ge­wann in der Ein­zel­wer­tung der Schwe­de Pe­der Fred­ric­son, Sil­ber der Nie­der­län­der Har­rie Smol­ders. Die Bron­ze­me­dail­le nahm der Ire Ci­on O’ Con­nor mit.

Das Fa­zit des Bun­des­trai­ners nach Gö­te­borg fiel nach ei­ner Pres­se­mel­dung der Deut­schen Rei­ter­li­chen Ver­ei­ni­gung durch­aus po­si­tiv aus. „Wir ha­ben mit ei­nem su­per Team vie­le gu­te Run­den ge­se­hen, auf die wir in Zu­kunft bau­en kön­nen. Die jun­gen Paa­re ha­ben sich durch Leis­tung emp­foh­len. Ich wür­de die­se Aus­wahl wie­der tref­fen“, hofft Be­cker, die Früch­te im nächs­ten Jahr ern­ten zu kön­nen. Und Re­né Teb­bel selbst meint: „Mau­rice ist noch jung. Chac­co’ s Son ist noch jung. Jetzt bloß nicht ver­kramp­fen, son­dern lo­cker an neue Auf­ga­ben ran­ge­hen.“

Jus­ti­ne oh­ne Feh­ler

Nach die­sem Mot­to war die erst 18-jäh­ri­ge Jus­ti­ne Teb­bel, frisch­ge­ba­cke­ne Vi­ze­eu­ro­pa­meis­te­rin der Jun­gen Rei­ter, die U-25-Tour im Rah­men­pro­gramm der EM in Schwe­den an­ge­gan­gen. Im Team­sprin­gen mit Va­nes­sa Borg­mann auf Cas­par hol­te sich Teb­bel mit Light Star die Bron­ze­wer­tung hin­ter Schwe­den (1.) und Eu­ro­pa (2.). Im Gro­ßen Preis blieb Teb­bel im Um­lauf und Ste­chen feh­ler­frei und be­leg­te Rang sechs. Kom­men­tar ih­res Va­ters: „Das war ab­nor­mal, was Light Star und Jus­ti­ne in fünf Sprin­gen oh­ne Feh­ler ge­bo­ten ha­ben.“

Fo­to: Friso Gentsch/dpa

Mau­rice Teb­bel mit Chac­cos’ Son beim Sprung über den Was­ser­gra­ben.

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