Ver­ba­ler Rund­um­schlag des An­ge­klag­ten

Plä­doy­ers im Pro­zess um Falsch­geld – Kri­tik an Jus­tiz und Po­li­zei

Ems-Zeitung - - KREIS EMSLAND - Von Sven Lam­pe

OS­NA­BRÜCK/LIN­GEN. Ei­ner der bei­den An­ge­klag­ten, aus Lin­gen, die sich seit acht Mo­na­ten vor dem Land­ge­richt Os­na­brück we­gen Geld­fäl­schens ver­ant­wor­ten müs­sen, hat am Frei­tag zu ei­nem ver­ba­len Rund­um­schlag ge­gen Staats­an­walt­schaft, Po­li­zei und Jus­tiz­voll­zug aus­ge­holt.

Er hal­te das Plä­doy­er des Staats­an­wal­tes für sehr über­trie­ben, lei­te­te A. sei­ne fast 45 Mi­nu­ten wäh­ren­den Aus­füh­run­gen ein. Aber da­für sei der Staats­an­walt ja be­kannt. Im Üb­ri­gen sei­en ei­ni­ge Aus­füh­run­gen des An­kla­ge­ver­tre­ters „kom­plet­ter Schwach­sinn.“Dar­über hin­aus warf er der Staats­an­walt­schaft und der Po­li­zei vor, dass die­se ver­sucht hät­ten, ihn ent­las­ten­de „Din­ge zu ver­schlei­ern, da­mit sie nicht in Ak­ten auf­tau­chen“. Da die Aus­sa­gen der als Zeu­gen ge­la­de­nen Po­li­zis­ten Un­wahr­hei­ten sei­en, hät­ten die­se kei­ner­lei Be­weis­wert.

Kein gu­tes Haar ließ A. an den Be­din­gun­gen in der Un­ter­su­chungs­haft: „Das ist wie ein Bahn­hof, an dem je­den Tag neue Pen­ner an­kom­men“, re­de­te sich A. in Ra­ge. Er ha­be noch kei­nen nor­ma­len Ty­pen er­lebt und ge­he des­halb gar nicht mehr aus sei­ner Zel­le hin­aus. Noch nie ha­be er so vie­le Dro­gen und Dro­gen­kon­sum er­lebt: „Und die Jus­tiz guckt weg, da­mit al­les ru­hig bleibt.“Ei­ne durch­aus be­mer­kens­wer­te Sicht der Din­ge leg­te A. bei sei­ner Beur­tei­lung des mög­li­cher­wei­se von ihm an­ge­rich­te­ten volks­wirt­schaft­li­chen Scha­dens dar. Of­fen­sicht­lich ha­be der Staats­an­walt kei­ner­lei volks­wirt­schaft­li­chen Kennt­nis­se, so A. Scha­den ha­be er nicht an­ge­rich­tet, so der An­ge­klag­te. Ganz im Ge­gen­teil: „Durch uns ist das Brut­to­in­lands­pro­dukt er­höht wor­den, da wir das Geld, das wir durch den Han­del mit den ge­fälsch­ten Schei­nen ver­dient ha­ben, wie­der in Ver­kehr ge­bracht ha­ben.“Ei­nes neh­me er je­doch aus dem Pro­zess mit, ließ A. wis­sen: „Herr Staats­an­walt, Sie sind die bes­te Ab­schre­ckung. Wer ein­mal mit Ih­nen zu tun hat­te, wird nie wie­der kri­mi­nell.“

Ne­ben die­sen Aus­sa­gen ver­blass­ten die Plä­doy­ers der ins­ge­samt drei Ver­tei­di­ger und des Staats­an­wal­tes et­was. Der Staats­an­walt hat­te in sei­nem Plä­doy­er für den An­ge­klag­ten A. we­gen des Geld­fäl­schens und der Dro­gen­de­lik­te ei­ne Ge­samt­frei­heits­stra­fe von sie­ben Jah­ren ge­for­dert. Für den An­ge­klag­ten B., mit dem im Vor­feld ei­ne Ver­stän­di­gung aus­ge­han­delt wor­den war, for­der­te der An­kla­ge­ver­tre­ter für das Fäl­schen vier Jah­re Haft. Auf­grund des ju­ris­ti­schen De­als war die An­kla­ge we­gen der Dro­gen­ver­ge­hen fal­len­ge­las­sen wor­den.

Die Ver­tei­di­ger des An­ge­klag­ten A. for­der­ten für ih­ren Man­dan­ten aus Grün­den der Ge­rech­tig­keit eben­falls vier Jah­re Haft. Es sei nicht fest­zu­stel­len, dass ihr Man­dant mehr zu den Ta­ten bei­ge­tra­gen ha­be als der Mit­tä­ter, so die Ju­ris­ten. Von „Zeit für mehr Ge­rech­tig­keit“sprach ei­ner der bei­den Ver­tei­di­ger des An­ge­klag­ten A. Er hat­te kurz vor En­de des Ver­fah­rens ei­nen Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen das Ge­richt ge­stellt. Im Plä­doy­er sprach er von Ver­let­zun­gen der Per­sön­lich­keits­rech­te sei­nes Man­dan­ten und kri­ti­sier­te die lan­ge Dau­er der Un­ter­su­chungs­haft. Ver­tei­di­ger Num­mer zwei konn­te sich ein paar ver­ba­le Spit­zen ge­gen sei­nen Man­dan­ten nicht ver­knei­fen. Die­ser sei im Pro­zess „kein Sym­pa­thie­trä­ger“ge­we­sen. Un­ter an­de­rem sei der vom An­ge­klag­ten vor Ge­richt ver­mit­tel­te Ein­druck, das Ge­sche­hen nicht wirk­lich ernst zu neh­men, nicht son­der­lich klug ge­we­sen. Das Ur­teil soll am 19. Sep­tem­ber ver­kün­det wer­den.

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