Ki­ta-Ge­büh­ren sol­len weg­fal­len

Neu­er Nie­der­säch­si­scher Land­tag nimmt Ar­beit auf – And­ret­ta wird Prä­si­den­tin

Ems-Zeitung - - VORDERSEITE - Von Mei­ke Baars und Klaus Wie­sche­mey­er

Auf dem Weg zur Gro­ßen Ko­ali­ti­on in Nie­der­sach­sen er­zie­len SPD und CDU wei­te­re Fort­schrit­te: Bei­de Sei­ten ei­nig­ten sich auf ei­ne Ab­schaf­fung der Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren. Am Di­ens­tag hat sich der Land­tag kon­sti­tu­iert und erst­mals ei­ne Frau zur Prä­si­den­tin ge­kürt.

HAN­NO­VER. Die Regierungsbildung in Nie­der­sach­sen schrei­tet zü­gig vor­an. Am Mon­tag­abend ei­nig­ten sich die Spit­zen­grup­pen von SPD und CDU auf Wei­chen­stel­lun­gen in der Bil­dungs­po­li­tik: So wol­len die Par­tei­en die Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren lan­des­weit „so schnell wie mög­lich“ab­schaf­fen, wie SPDLan­des­ge­schäfts­füh­rer Ge­org Brock­mey­er sag­te.

Dem­nach könn­te be­reits im kom­men­den Jahr das zwei­te Kin­der­gar­ten­jahr kos­ten­los wer­den. Auch das ers­te Jahr soll dem­nach so schnell wie mög­lich ge­büh­ren­frei wer­den. Das letz­te Jahr vor der Ein­schu­lung ist im Land be­reits bei­trags­frei.

Da die Ge­büh­ren Sa­che der Kom­mu­nen sind, sol­len bald Ver­hand­lun­gen mit den Kom­mu­nen be­gin­nen. Der nie­der­säch­si­sche Städ­te- und Ge­mein­de­bund (NSGB) for­der­te vom Land mehr En­ga­ge­ment. „Wenn die künf­ti­ge Lan­des­re­gie­rung groß­zü­gig die bei­trags­freie Ki­ta be­schließt, muss sie jetzt auch die vol­le Über­nah­me der ent­ste­hen­den Kos­ten ga­ran­tie­ren“, sag­te NSGB-Prä­si­dent Mar­co Trips. Die Qua­li­tät der Be­treu­ung dür­fe nicht un­ter der Ge­büh­ren­frei­heit lei­den.

SPD und CDU ei­nig­ten sich zu­dem auf die Rück­kehr ver­pflich­ten­der No­ten ab der vier­ten Klas­se. Au­ßer­dem ver­stän­dig­ten sich bei­de Sei­ten auf ei­ne dua­le Er­zie­he­r­aus­bil­dung. Strit­tig war am Mon­tag­abend noch die Zu­kunft der In­klu­si­on, al­so der ge­mein­sa­men Be­schu­lung von be­hin­der­ten und nicht be­hin­der­ten Kin­dern. SPD und CDU ver­stän­dig­ten sich zwar grund­sätz­lich auf den Er­halt der För­der­schu­le Ler­nen und ei­ne en­ge­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen För­der- und Re­gel­schu­len. Doch ei­ne Ei­ni­gung konn­ten bei­de Sei­ten am Mon­tag nicht er­rei­chen. Auch bei der Schü­ler­be­för­de­rung blie­ben De­tails strit­tig.

Ges­tern und heu­te wol­len die Ver­hand­lungs­grup­pen in ganz­tä­gi­gen Sit­zun­gen al­le strit­ti­gen Punk­te abräu­men. Der Ko­ali­ti­ons­ver­trag und das künf­ti­ge Ka­bi­nett sol­len mög­lichst be­reits am Don­ners­tag ste­hen. Der Zeit­plan ist ehr­gei­zig: Am Sams­tag und Mon­tag sol­len klei­ne Par­tei­ta­ge von SPD und CDU den Ver­trag ab­seg­nen, da­mit Ste­phan Weil am kom­men­den Di­ens­tag vom Land­tag zum Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ge­wählt wer­den kann.

Das Lan­des­par­la­ment kam am Di­ens­tag zu sei­ner kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung zu­sam­men, bei der erst­mals in der Ge­schich­te des Lan­des noch kein Mi­nis­ter­prä­si­dent be­stimmt wur­de. Es gab wei­te­re Pre­mie­ren: 56 der 137 Ab­ge­ord­ne­ten sind neu da­bei, zu­dem ist als fünf­te Frak­ti­on erst­ma­lig die AfD mit neun Ab­ge­ord­ne­ten im Land­tag ver­tre­ten.

Al­le fünf Frak­tio­nen wähl­ten ein­stim­mig Ga­b­rie­le And­ret­ta zur neu­en Land­tags­prä­si­den­tin. Die SPD-Po­li­ti­ke­rin aus Göt­tin­gen be­zeich­ne­te ih­re Wahl als his­to­risch, da erst­mals ei­ne Frau das höchs­te Amt des Par­la­ments be­setzt.

Fo­to: dpa

Herz­li­che Umar­mung: Land­tags­prä­si­den­tin Ga­b­rie­le And­ret­ta (SPD) wird nach ih­rer Wahl von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil be­glück­wünscht.

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