Die Woh­nungs­po­li­tik ist das Pro­blem

Ems-Zeitung - - POLITIK - Von Mar­kus Pöhl­king m.po­ehl­king@noz.de

Der Ur­teils­spruch aus Karlsruhe ist un­spek­ta­ku­lär, am ei­gent­li­chen Pro­blem än­dert er nichts. Hart­zIV-Emp­fän­ger ha­ben wei­ter­hin kei­nen An­spruch auf die un­be­schränk­te Über­nah­me von Wohn- und Heiz­kos­ten durch die Job­cen­ter.

Statt­des­sen wer­den wie ge­habt „an­ge­mes­se­ne“Auf­wen­dun­gen be­zahlt, die sich je­weils an den re­gio­na­len Ver­hält­nis­sen ori­en­tie­ren. Die For­de­rung der Klä­ge­rin auf vol­le Kos­ten­über­nah­me für ei­ne 77-Qua­drat­me­terWoh­nung er­scheint da fast dreist. Der Zu­schnitt liegt deut­lich über dem, was die Be­hör­den üb­li­cher­wei­se zu­ge­ste­hen. Vie­le Men­schen, auch be­rufs­tä­ti­ge, ha­ben we­ni­ger Platz zur Ver­fü­gung. An­de­rer­seits gilt es, den Ein­zel­fall zu be­trach­ten, der hin­ter dem Ur­teil steht: Ei­nen lieb ge­won­ne­nen Platz gibt nie­mand gern auf – und ge­nau dar­um geht es wohl der Klä­ge­rin.

Aus ih­rer Per­spek­ti­ve ist das Karls­ru­her Ur­teil bit­ter: Am En­de ver­liert sie viel­leicht den Ort, der ihr Zu­hau­se ist. Frei­lich, das kann man auch an­ders­wo – und im Zwei­fels­fall auf ein paar Qua­drat­me­tern we­ni­ger – fin­den. Al­ler­dings wird das im­mer schwe­rer: Ge­ra­de in städ­ti­schen Be­rei­chen stei­gen die Mie­ten schnel­ler als die Re­gel­sät­ze. Als Leis­tungs­emp­fän­ger sei­ne Woh­nung auf­ge­ben zu müs­sen kann schnell mit dem Ver­lust des ge­wohn­ten Um­fel­des ein­her­ge­hen. Das ist ein ho­her Preis, der un­ter­streicht: Es braucht ei­ne an­de­re Woh­nungs­po­li­tik.

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