Ga­b­ri­el backt klei­ne Bröt­chen und ent­schul­digt sich bei Schulz

Wenn die SPD Nah­les zur Che­fin macht, sind nur zwei Par­tei­en oh­ne Frau­en an der Spit­ze: CSU und FDP

Ems-Zeitung - - EINBLICKE - Von Bea­te Ten­fel­de

BERLIN. Noch-Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) gilt als ei­ner, der nicht die sanf­te Tour be­vor­zugt. Jetzt kommt er ganz klein­laut da­her: Der Nie­der­sach­se hat sich beim Ex-Par­tei­chef Mar­tin Schulz ent­schul­digt we­gen sei­ner um­strit­te­nen Äu­ße­rung zu des­sen Aus­se­hen („Der Mann mit den Haa­ren im Ge­sicht“) .

Er ha­be Schulz zu­nächst ei­ne SMS ge­schickt, auf die die­ser al­ler­dings nicht re­agiert ha­be, sag­te Ga­b­ri­el der Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“. Dann ha­be er sich bei ei­ner Be­geg­nung in der SPD-Zen­tra­le in Berlin aber auch noch ein­mal per­sön­lich ent­schul­digt. Kein Wun­der, dass Ga­b­ri­el ein­lenkt. Mit sei­ner Rup­pig­keit hat er Zorn er­regt und sich mög­li­cher­wei­se die Op­ti­on auf das Au­ßen­amt ver­scherzt. Die Ge­nos­sen re­agie­ren sehr emp­find­lich auf Ga­b­ri­els Aus­rut­scher.

Der Nie­der­sach­se backt jetzt al­so klei­ne Bröt­chen. „Je­der Par­tei­vor­stand hat das Recht, Mi­nis­ter­pos­ten neu zu be­set­zen“, sag­te er der „Zeit“. Da blei­be nur, „zum Ab­schied lei­se Ser­vus zu sa­gen“. Schulz hat­te Au­ßen­mi­nis­ter wer­den wol­len. Da es auch dar­an in­ner­par­tei­li­che Kri­tik gab, ver­zich­te­te er. Wer nun das Aus­wär­ti­ge Amt lei­ten wird, ist noch of­fen.

Klar ist: Als ers­te Frau soll Andrea Nah­les nach dem Wil­len der SPD-Par­tei­spit­ze im April zur Vor­sit­zen­den ge­wählt wer­den. Dann gibt es un­ter den grö­ße­ren Par­tei­en ak­tu­ell nur noch zwei, bei de­nen für den Spit­zen­pos­ten bis­her kei­ne Frau in Sicht ist: FDP und CSU.

Seit April 2000 ist An­ge­la Mer­kel Vor­sit­zen­de der CDU. Als da­ma­li­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin lös­te sie Hel­mut Kohl ab, der 25 Jah­re an der Spit­ze der Christ­de­mo­kra­ten stand. Mer­kel ge­lang es, 2005 das Kanz­ler­amt zu er­obern, das sie seit­her ver­tei­dig­te. Ob sie die vier­te Amts­zeit an­tre­ten kann, hängt vom SPD-Mit­glie­der­vo­tum zur Neu­auf­la­ge der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ab.

Bei den Grü­nen stan­den seit der Par­tei­grün­dung im Jahr 1980 stets Frau­en ganz oben, als Teil von Drei­er- und spä­ter von Dop­pel­spit­zen. Den An­fang mach­te Pe­tra Kel­ly. Seit Kur­zem bil­det An­na­le­na Ba­er­bock mit Ro­bert Ha­beck das neue Füh­rungs­duo. Bei der Lin­ken-Vor­gän­ger­par­tei PDS rück­te Ga­bi Zim­mer im Ok­to­ber 2000 auf den Spit­zen­pos­ten. Sie blieb bis 2003 im Amt. Ge­gen­wär­tig, und zwar seit 2012, bil­den Kat­ja Kip­ping und Bernd Ri­ex­in­ger das Füh­rungs­duo. Die AfD star­te­te im April 2013 mit ei­nem Füh­rungs­trio, dem Frau­ke Pe­try an­ge­hör­te. Sie ver­ließ die Par­tei, die jetzt von zwei Män­nern ge­führt wird.

Wird der Ton sanf­ter, wenn Frau­en das Sa­gen ha­ben? Durch­aus nicht. So hält Lin­ken-Che­fin Kip­ping den Start von SPD-Frak­ti­ons­che­fin Nah­les als mög­li­che Par­tei­che­fin für „miss­glückt“. Die SPD-Spit­ze ha­be of­fen­bar „noch nicht ver­in­ner­licht“, dass ein „En­de der Bas­ta-Po­li­tik“über­fäl­lig sei, sag­te Kip­ping un­se­rer Re­dak­ti­on. Ent­schei­dun­gen in Spit­zen­gre­mi­en nach dem Prin­zip „Top/ Down“sei­en „sel­ten de­mo­kra­tisch“, kri­ti­sier­te die Lin­ken-Po­li­ti­ke­rin den ur­sprüng­li­chen Plan von Nah­les, oh­ne Be­tei­li­gung der Ba­sis zur Vor­stand­skan­di­da­tin zu wer­den.

Nah­les hat aus die­sem Grund auch par­tein­tern Kon­kur­renz: Flens­burgs Ober­bür­ger­meis­te­rin Si­mo­ne Lan­ge will am 22. April auf dem SPD-Wahl­par­tei­tag ge­gen Nah­les an­tre­ten. Die Nord­lich­ter sind re­bel­lisch: Auch Dith­mar­schens SPD-Vi­zeK­reis­chef Dirk Died­rich, ein Be­rufs­schul­leh­rer, hat sich als wei­te­rer Ge­gen­kan­di­dat ge­mel­det. „Die Orts­ver­ei­ne sind min­des­tens genau­so SPD wie un­se­re 50 bes­ten Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­ker“, fin­det er.

Ges­tern Abend wirft dann auch noch Udo Schmitz sei­nen Hut in den Ring: Der 59jäh­ri­ge Rechts­an­walt aus Stadland bei Bre­mer­ha­ven kön­ne nicht mit an­se­hen, „wie der kom­plet­te Par­tei­vor­stand die SPD im frei­en Fall ab­stür­zen lässt“, heißt es in ei­nem Brief an den SPD-Vor­stand. „An­schei­nend habt Ihr kom­plett jeg­li­che Form von Bo­den­haf­tung ver­lo­ren.“

Schmitz ist ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter ver­schie­de­ner SPDPo­li­ti­ker wie Hans-Jo­chen Vo­gel und Re­na­te Schmidt. „Es müs­sen noch viel mehr auf­ste­hen und die Ge­nos­sen da oben er­den“, sag­te er in Han­no­ver. „Der Fisch fängt im­mer am Kopf an zu stin­ken, des­we­gen muss man da oben an­fan­gen.“

Fo­to: imago/ Chris­ti­an Ditsch

Wer­den wohl so schnell kei­ne Freun­de mehr: Noch-Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (links) und Mar­tin Schulz.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.