Ham­burg ver­liert wei­ter Markt­an­tei­le

Con­tai­ner­um­schlag im Ha­fen sinkt un­ter das Ni­veau des Jah­res 2011

Ems-Zeitung - - WIRTSCHAFT - Von Bar­ba­ra Glo­se­mey­er

Das lan­ge War­ten der Ha­fen­wirt­schaft auf die Elb­ver­tie­fung soll in die­sem Jahr ein En­de fin­den. Dann wird es auch mit dem Um­schlag wie­der auf­wärts­ge­hen, meint der Ha­fen­se­na­tor. Doch einst­wei­len setzt sich die jah­re­lan­ge Sta­gna­ti­on fort.

HAM­BURG. Ei­ne wich­ti­ge Mess­lat­te für den wirt­schaft­li­chen Er­folg ei­nes Ha­fens ist im­mer der Con­tai­ner­um­schlag – nicht aber für Ham­burgs Wirt­schafts­se­na­tor Frank Horch (par­tei­los). Er warn­te ges­tern bei der Prä­sen­ta­ti­on der Jah­res­bi­lanz 2017 da­vor, den Er­folg des Ham­bur­ger Ha­fens „al­lein an der Zahl der um­ge­schla­ge­nen Con­tai­ner zu mes­sen“. Wohl auch, weil der Con­tai­ner­um­schlag schon seit Jah­ren in Ham­burg sta­gniert und der­zeit mit 8,8 Mil­lio­nen Stan­dard­con­tai­nern (TEU) noch un­ter den Men­gen des Jah­res 2011 liegt. Der ge­sam­te Gü­ter­um­schlag des größ­ten deut­schen Ha­fens ging ge­gen­über dem Vor­jahr um ein Pro­zent auf 136,5 Mil­lio­nen Ton­nen zu­rück.

Der größ­te Wett­be­wer­ber Rot­ter­dam leg­te beim Con­tai­ner­um­schlag um rund zehn Pro­zent zu, Ant­wer­pen um vier Pro­zent. „Rot­ter­dam hat 5,2 Mil­li­ar­den Eu­ro in­ves­tiert; die müs­sen sie wie­der her­ein­be­kom­men“, sag­te Mar­ke­ting-Vor­stand In­go Eg­loff. Der größ­te eu­ro­päi­sche Ha­fen schlägt rund 50 Pro­zent mehr Con­tai­ner um als Ham­burg und wirbt mit güns­ti­gen Prei­sen um Kun­den, vor al­lem für Tran­sit­ver­keh­re in den Ost­see­raum.

Der Wirt­schafs­se­na­tor und der Chef der Ha­fen­be­hör­de HPA, Jens Mei­er, ma­chen vor al­lem die feh­len­de Fahr­rin­nen­an­pas­sung für die Sta­gna­ti­on ver­ant­wort­lich. Um­so grö­ßer ist ih­re Hoff­nung, dass nun die Tal­soh­le durch­schrit­ten sein könn­te. Der Wirt­schafts­se­na­tor ist „op­ti­mis­tisch“, dass nach ei­ner er­neu­ten Aus­le­gung der Er­gän­zungs­plä­ne und vier­wö­chi­ger Frist für ein­zu­rei­chen­de Kla­gen das Bau­recht für die Elb­ver­tie­fung noch in die­sem Jahr er­teilt wird. Mit dem Be­ginn der Elb­ver­tie­fung wer­de das Wachs­tum im Ha­fen wie­der an­zie­hen.

„Wir müs­sen den Ha­fen so ent­wi­ckeln, dass er an der Spit­ze der Be­we­gung steht. Der Ham­bur­ger Ha­fen muss ein Ha­fen 4.0 wer­den“, sag­te der Wirt­schafts­se­na­tor mit Blick in die Zu­kunft des Ha­fens. ,Wir müs­sen uns mit In­dus­trie 4.0, mit Di­gi­ta­li­sie­rung be­schäf­ti­gen und wie das die Lie­fer­ket­ten ver­än­dert.“Das sei nicht nur Auf­ga­be der Po­li­tik, son­dern al­ler Ak­teu­re im Ha­fen. Mit der Er­pro­bung des neu­en Mo­bil­funk-Stan­dards 5G im Ham­bur­ger Ha­fen, die An­fang Fe­bru­ar be­gon­nen hat, sei ein wich­ti­ger Schritt zur Di­gi­ta­li­sie­rung des Ha­fens ge­tan. Dar­über hin­aus wer­de der Ha­fen noch in die­sem Jahr wei­ter mit um­welt­freund­li­chen Land­strom­an­la­gen für Con­tai­ner­schif­fe um­ge­rüs­tet. Au­ßer­dem ar­bei­te die Ha­fen­be­hör­de HPA dar­an, die zu­neh­men­de Ver­schli­ckung des Ham­bur­ger Ha­fens in den Griff zu be­kom­men. Ham­burg möch­te sei­nen Ha­fen­schlick künf­tig nicht nur vor Hel­go­land, son­dern vor al­lem auf ho­her See au­ßer­halb der 15-See­mei­len­Zo­ne ent­sor­gen. Der An­trag soll noch in die­sem Jahr ein­ge­reicht wer­den.

Für die nä­he­re Zu­kunft kün­dig­ten Horch und Mei­er meh­re­re in­no­va­ti­ve Pro­jek­te und Plä­ne an. So soll schon in die­sem Jahr die Ener­gie­ver­sor­gung von Con­tai­ner­schif­fen an ih­ren Lie­ge­plät­zen mit Land­strom oder Strom aus ver­flüs­sig­tem Erd­gas ei­nen Schritt vor­an­kom­men.

Nord­deut­sche Wirt­schaft im Fo­kus: Mehr Ana­ly­sen im In­ter­net auf noz.de/wirt­schaft

Fo­to: dpa

Das Plus beim Con­tai­ner­um­schlag in Rot­ter­dam und Ant­wer­pen be­deu­tet ein Mi­nus für Ham­burg.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.