Shaun wie­der

Der Ame­ri­ka­ner Whi­te fei­ert bei sei­ner vier­ten Olym­pia-Teil­nah­me sei­nen drit­ten Sieg

Ems-Zeitung - - DIALOG - Von Mar­co Schein­hof

PYEONGCHANG. Welch ei­ne Show! Shaun Whi­te hat es wie­der ge­schafft. Zu­nächst bleibt er zu­rück­hal­tend. Er fasst sich an den Helm, schaut et­was un­gläu­big. Aber ei­gent­lich weiß er: Das ist es. Mein drit­ter Olym­pia­sieg bei mei­ner vier­ten Teil­nah­me. Nach die­sem Traum­lauf in der Half­pipe kann für den Snow­boar­der nichts mehr schief­ge­hen. Die Punkt­rich­ter se­hen es kur­ze Zeit spä­ter genau­so. 97,75 Punk­te – das ist Gold. Da kann sich der Ja­pa­ner Ayu­mu Hi­ra­no noch so sehr an­stren­gen, sei­ne 95,25 Punk­te rei­chen nicht. Wie­der tri­um­phiert Whi­te. Es ist ein mit­rei­ßen­der Wett­kampf. Bes­te Wer­bung für den Snow­board­sport.

Un­ten im Ziel fällt Shaun Whi­te sei­nem Team in die Ar­me. Er weint hem­mungs­los. Sei­ne Mut­ter Ca­thy ist nach Süd­ko­rea ge­reist, eben­so sei­ne Schwes­ter Ka­ri. Sie al­le fei­ern zu­sam­men ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Tri­umph. Und Whi­te tut das mit al­len Emo­tio­nen. Der Gang vor die Fern­seh­ka­me­ras wird zum Tri­umph­zug. Je­dem Re­por­ter fällt er zu­nächst um den Hals, ehe er ant­wor­tet. Ein wun­der­ba­rer Tag sei das, ein­fach groß­ar­tig. „Ich muss­te al­les in den drit­ten Durch­gang le­gen“, sagt er, „ich wuss­te, was ich zu tun hat­te, ich muss­te es aber auch noch run­ter­brin­gen.“

Im drit­ten Durch­gang steht der 31-Jäh­ri­ge un­ter Zug­zwang. Hi­ra­no hat vor­ge­legt, er ist an der Spit­ze. Whi­te star­tet als Letz­ter, der Druck ist enorm, nach­dem er in sei­nem zwei­ten Ver­such ge­stürzt war. Die Zu­schau­er brül­len, es sind sehr vie­le US-Ame­ri­ka­ner auf der Tri­bü­ne un­ter den 5000 Fans. Sie schwen­ken Flag­gen, vie­le von ih­nen ha­ben ei­ne Ko­pie von Whi­tes Ge­sicht aus­ge­druckt und hal­ten sie in die Hö­he. Das Zei­chen da­hin­ter: Wir sind al­le Shaun Whi­te. Die Stim­mung ist präch­tig.

Whi­te bleibt cool, er lässt sich nicht be­ein­dru­cken. Da­für hat der 31-Jäh­ri­ge ein­fach schon zu viel er­lebt. Zu Be­ginn die­ser Sai­son ei­nen schwe­ren Sturz in Neu­see­land, als er im Ge­sicht mit 62 Sti­chen ge­näht wer­den muss­te. All das aber ist in die­sem Mo­ment ver­ges­sen. Whi­te bril­liert, Whi­te fliegt durch die Röh­re, Whi­te steht je­den Sprung fel­sen­fest. Und Whi­te zeigt sein gan­zes Kön­nen. Er muss das auch, die Kon­kur­renz ist sehr stark. Al­so packt Whi­te al­les aus, was sei­ne Trick­kis­te zu bie­ten hat. Er er­staunt die Zu­schau­er mit zwei Sprün­gen mit vier­fa­cher Dre­hung. Im­mer wie­der wa­bert ein „Oh“über die Rän­ge. Es ist ein Aus­druck des Er­stau­nens. Ein Wort der Be­wun­de­rung. Für ei­nen ganz Gro­ßen der Sport­sze­ne.

2014 in Sot­schi hat­te Whi­te ei­ne Ent­täu­schung er­lebt. Kei­ne Me­dail­le, das kann­te er nicht. Er zieht sich zu­rück. Er be­schäf­tigt sich in­ten­siv mit der Musik und tritt als Gi­tar­rist mit der In­die-Rock­band „Bad Things“auf. De­ren ehe­ma­li­ge Schlag­zeu­ge­rin Le­na Za­wai­deh be­zich­tigt ihn 2016 der se­xu­el­len Be­läs­ti­gung, es kommt zu ei­ner au­ßer­ge­richt­li­chen Ei­ni­gung. Im Zu­ge der #Metoo-De­bat­te kommt das The­ma nun wie­der auf.

Nach sei­ner Pau­se kehrt Whi­te in die Half­pipe zu­rück. Stär­ker als zu­vor. Und in Süd­ko­rea lie­fert er. Zu­nächst in der Qua­li­fi­ka­ti­on, als ihm mit 98,50 Punk­ten ein Lauf na­he der Per­fek­ti­on von 100 Zäh­lern ge­lang. „Er hat mal wie­der al­len ge­zeigt, dass er noch da ist“, sagt Jo­han­nes Höpfl. Der deut­sche Snow­boar­der kam über die Qua­li­fi­ka­ti­on nicht hin­aus. Für ihn aber war schon die Teil­nah­me in Süd­ko­rea ein Er­folg.

Frü­her trug Whi­te ei­ne ro­te, wal­len­de Haar­mäh­ne. Fly­ing To­ma­to, die flie­gen­de To­ma­te, wur­de er des­halb ge­nannt. Heu­te trägt er ei­nen Kurz­haar­schnitt. Der sitzt auch nach den an­stren­gen­den drei Läu­fen per­fekt. Muss er auch, Whi­te hat noch viel vor. 2020 in To­kio will er un­be­dingt als Skate­boar­der bei den Som­mer­spie­len an­tre­ten. Zwei Jah­re spä­ter in Pe­king noch ein­mal als Snow­boar­der. Und ver­su­chen, wie­der ei­ne gro­ße Show ab­zu­lie­fern.

Spek­ta­ku­lär: Shaun Whi­te fliegt zu sei­nem drit­ten Olym­pia­sieg.

Fo­tos: AFP, dpa

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