Stadt­ar­chiv: Be­wäh­rung und Frei­sprü­che

Zu­fäl­le ver­hin­dern Ka­ta­stro­phe

Ems-Zeitung - - VORDERSEITE -

KÖLN Neun Jah­re nach dem töd­li­chen Ein­sturz des Köl­ner Stadt­ar­chivs sind drei An­ge­klag­te im Straf­pro­zess frei­ge­spro­chen wor­den. Das Land­ge­richt ver­häng­te ges­tern zu­dem ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe von acht Mo­na­ten we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung ge­gen ei­nen Bau­über­wa­cher der Köl­ner Ver­kehrs­be­trie­be (KVB). Bei dem Ein­sturz wa­ren am 3. März 2009 zwei An­woh­ner ums Le­ben ge­kom­men. Un­zäh­li­ge his­to­ri­sche Do­ku­men­te wur­den ver­schüt­tet, der Scha­den liegt nach Schät­zung der Stadt Köln bei 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Un­glücks­ur­sa­che konn­te nach Über­zeu­gung des Ge­richts ge­klärt werden.

Kein Tun­nel, kein Ne­bel und rou­ti­nier­te Hel­fer di­rekt vor Ort. Es ist wo­mög­lich gleich meh­re­ren Zu­fäl­len zu ver­dan­ken, dass es bei ei­nem Feu­er in ei­nem ICE im Wes­ter­wald nur Leicht­ver­letz­te gibt.

DIER­DORF Von dem aus­ge­brann­ten ICE-Wag­gon ist nur noch ein schwarz ver­kohl­tes Ge­rip­pe üb­rig. Zer­bors­te­nes Fens­ter­glas ist auf den Glei­sen na­he Dier­dorf im Wes­ter­wald zer­streut, da­ne­ben die Res­te von Sit­zen. In der Bö­schung liegt ei­ne her­aus­ge­ris­se­ne, ver­bo­ge­ne Zug­tür. Auch in den an­gren­zen­den Zug­tei­len sieht es düs­ter aus: Al­le Sit­ze sind an­ge­k­okelt, die Fens­ter ge­sprun­gen. Die­ses Sze­na­rio könn­te Schau­platz ei­ner gro­ßen Ka­ta­stro­phe sein. Dass der Brand an der ICE-Schnell­stre­cke zwi­schen Köln und Frank­furt mit fünf Leicht­ver­letz­ten ver­gleichs­wei­se glimpf­lich ver­lief, ist wo­mög­lich meh­re­ren glück­li­chen Um­stän­den zu ver­dan­ken.

Im Un­glücks­wa­gen sitzt zu­fäl­lig ein Bun­des­po­li­zist, wie ein Spre­cher der Be­hör­de be­rich­tet. Be­reits in Uni­form, sei er un­ter­wegs zur Ar­beit ge­we­sen, als er Rauch be­merkt und rou­ti­niert die Ret­tung or­ga­ni­siert ha­be. So ha­be der Be­am­te nicht nur den Nothalt ein­ge­lei­tet, son­dern auch da­für ge­sorgt, dass nicht al­le Pas­sa­gie­re plan­los aus den Tü­ren ge­stürmt sei­en. Der Kol­le­ge ha­be die Men­schen dann auf ei­nem be­stimm­ten Kor­ri­dor in Si­cher­heit ge­lei­tet, be­rich­tet der Spre­cher der Bun­des­po­li­zei.

Hil­fe bei der Zug­räu­mung be­kam das Zug­per­so­nal au­ßer­dem von an­de­rer er­fah­re­ner Sei­te: „Es wa­ren wei­te­re An­ge­hö­ri­ge von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen im Zug“, er­zählt der Kreis­feu­er­weh­r­inspek­tor Wer­ner Bö­cking, dar­un­ter so­gar meh­re­re Feu­er­wehr­leu­te. Ein lei­ten­der Hel­fer be­rich­tet nach dem Ein­satz von der be­son­ne­nen At­mo­sphä­re am Un­glücks­ort. „Die Leu­te wa­ren sehr dis­zi­pli­niert.“

Und ein wei­te­rer glück­li­cher Um­stand ha­be den Ret­tern in die Kar­ten ge­spielt: das Wet­ter. Es war tro­cken und nicht all­zu kalt. Vie­le Rei­sen­de hät­ten sich aus­drück­lich bei den Ein­satz­kräf­ten be­dankt.

Der Un­glücks­ort liegt hin­ter ei­ner Bö­schung zur Au­to­bahn 3, da war der Zu­gang nach An­ga­ben der Hel­fer zwar „et­was schwie­rig“. Wenn man aber ein­mal auf der ICE-Stre­cke sei, sei es re­la­tiv eben, und al­le Fahr­gäs­te hät­ten über be­fes­tig­te We­ge die nächs­te Stra­ße er­rei­chen kön­nen.

Die Rei­sen­den sei­en zu ei­nem Dorf­ge­mein­schafts­haus in der Nä­he und dann teils zum ICE-Bahn­hof Montabaur ge­bracht wor­den. Ei­ni­ge wur­den von An­ge­hö­ri­gen ab­ge­holt oder setz­ten ih­re Rei­se im Ta­xi fort.

Es ge­be für die ICE-Stre­cke ei­nen Alarm- und Ein­satz­plan, sagt Kreis­feu­er­weh­r­inspek­teur Bö­cking. „Ge­nau nach die­sem Plan wur­de heu­te vor­ge­gan­gen, und es hat funk­tio­niert.“Man kön­ne von Glück spre­chen, dass der Brand auf frei­er Stre­cke war und nicht in ei­nem Tun­nel. „Die­se Hit­ze­ent­wick­lung in ei­nem Tun­nel, das hät­te ganz an­de­re Aus­ma­ße an­ge­nom­men.“

Ob­wohl es nicht im Zug saß, hat­te das Un­glück auch er­heb­li­chen Ein­fluss auf die Ta­ges­pla­nung ei­nes Paars in Dier­dorf. Ei­gent­lich sei de­ren Hoch­zeits­fei­er im Rat­haus ge­plant ge­we­sen, der Raum sei je­doch für die Pres­se­kon­fe­renz ge­braucht wor­den, be­rich­tet ei­ne Mit­ar­bei­te­rin der Ge­mein­de. Für das et­was ver­un­si­cher­te Paar sei je­doch kurz­fris­tig ein Er­satz­raum or­ga­ni­siert wor­den.

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Fo­to: dpa

Schock für Pend­ler: der bren­nen­de ICE auf der Schnell­stre­cke in der Nä­he von Montabaur.

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