Ita­li­en macht Sor­gen

Rom be­schließt kost­spie­li­gen Etat / Scholz mahnt zur Vor­sicht

Ems-Zeitung - - NORDWEST -

Ita­li­en ist we­gen sei­ner ho­hen Schul­den­last zum Sor­gen­kind der Eu­ro­zo­ne ge­wor­den. Doch An­lass zu Pa­nik be­steht nicht, sagt der deut­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz. ROM

Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung sorgt mit ih­ren Haus­halts­plä­nen für Ner­vo­si­tät an den Märk­ten und ge­rät in­ter­na­tio­nal im­mer mehr in die Kri­tik. Die Re­gie­rung will ei­ne Rei­he kost­spie­li­ger An­lie­gen um­set­zen – und da­für ho­he De­fi­zi­te in Kauf neh­men. Das be­rei­tet den an­de­ren Eu­ro­staa­ten Sor­gen.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) sag­te ges­tern bei der Jah­res­ta­gung von In­ter­na­tio­na­lem Wäh­rungs­fonds (IWF) und Welt­bank im in­do­ne­si­schen Nu­sa Dua, wenn man Rom ei­nen Rat ge­ben wol­le, lau­te der: „Seid vor­sich­tig mit dem, was ihr macht.“Zugleich warn­te Scholz vor zu stär­ker Ein­mi­schung von­sei­ten der EU, denn es ge­he um die Haus­halts­plä­ne ei­nes Staa­tes: „Das ist kein The­ma der Eu­ro­päi­schen Uni­on, son­dern des Staa­tes Ita­li­en.“Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU)woll­te­ges­tern­in­Ber­lin die Haus­halts­la­ge Ita­li­ens nicht be­wer­ten.

Das ita­lie­ni­sche Par­la­ment hat­te am Don­ners­tag der um­strit­te­nen Fi­nanz­pla­nung der Re­gie­rung zu­ge­stimmt. Die Haus­halts­plä­ne se­hen Mehr­aus­ga­ben von 36,7 Mil­li­ar­den Eu­ro vor. Als Re­ak­ti­on auf die hö­he­ren Schul­den stei­gen die Zin­sen auf Staats­an­lei­hen, und es wird für Ita­li­en teu­rer, Schul­den

zu­rück­zu­zah­len. Die po­pu­lis­ti­sche Fünf-Ster­ne-Be­we­gung und die rech­te Le­ga wol­len ne­ben ei­ner Ab­sen­kung des Ren­ten­al­ters ei­ne Grund­si­che­rung ein­füh­ren.

Die Sor­ge um die ita­lie­ni­sche Haus­halts­po­li­tik trüb­te zu­letzt die Stim­mung der An­le­ger am Ak­ti­en­markt in Eu­ro­pa deut­lich ein. Bis zum 15. Ok­to­ber muss Rom den Haus­halts­ent­wurf bei der EU-Kom­mis­si­on ein­rei­chen, die die­sen dann prüft.

Ita­li­en weist ei­nen enor­men Schul­den­berg von et­wa 2,3 Bil­lio­nen Eu­ro auf, das sind mehr als 130 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts. In der EU sind nach ge­mein­sam ver­ein­bar­ten Re­geln le­dig­lich 60 Pro­zent er­laubt, um die Fi­nanz­sta­bi­li­tät des Eu­ros nicht zu ge­fähr­den.

Auch an­de­re Län­der der EU rei­ßen die Maas­trich­tHür­de bei den Ge­samt­schul­den, Deutsch­land kehrt erst in die­sem Jahr vor­aus­sicht­lich wie­der un­ter die 60-Pro­zent-Gren­ze zu­rück – erst­mals seit 2002.

Fi­nanz­ex­per­ten be­ton­ten in, man dür­fe sich in kei­ne Pa­nik hin­ein­re­den. IWF-Che­fin Chris­ti­ne La­g­ar­de hat­te Ita­li­en zu­vor auf­ge­for­dert, die Schul­den­re­geln der EU ein­zu­hal­ten. „Ich möch­te al­le dar­an er­in­nern, dass, wenn man Mit­glied ei­nes Clubs ist und sich ent­schei­det, in die­sem Club zu blei­ben, dann spielt man nach den Re­geln die­ses Clubs.“

Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann warn­te in­des vor ei­ner ho­hen Be­las­tung der Bi­lan­zen ita­lie­ni­scher Ban­ken mit Staats­an­lei­hen. „Wir se­hen die Ent­wick­lung, dass die Bank­bi­lan­zen in Ita­li­en in letz­ter Zeit eher mehr Staats­an­lei­hen auf­wei­sen als we­ni­ger“, sag­te Weid­mann. Im Fal­le ei­ner ge­mein­sa­men Ein­la­gen­si­che­rung in Eu­ro­pa wür­de die Ge­fahr be­ste­hen, dann über die­ses In­stru­ment auch Aus­fall­ri­si­ken für Staa­ten zu über­neh­men.

Bei der IWF-Jah­res­ta­gung ge­riet Chi­na zu­neh­mend in den Fo­kus. Die Teil­neh­mer der Ta­gung for­der­ten, Chi­na sol­le sich an die Re­geln des so­ge­nann­ten Pa­ri­ser Clubs hal­ten, des­sen Län­der ver­gleich­ba­re Kre­dit­re­geln ha­ben.

Fo­to: im­a­go/Chris­ti­an Ode

Die ho­he Ver­schul­dung Ita­li­ens be­un­ru­higt die Eu­ro­staa­ten.

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