Stopp­schil­der set­zen

Ems-Zeitung - - NORDWEST - Von Ma­ri­on Trim­born

Es ist ein Déjà-vu: Da ver­teilt ei­ne Re­gie­rung trotz Re­kord­schul­den wei­ter groß­zü­gig Wahl­ge­schen­ke, ver­spricht frü­he Ren­ten und nied­ri­ge­re Steu­ern, hat aber gar nicht das Geld da­für. Die­ses Mal geht es nicht um das Eu­ro-Sor­gen­kind Grie­chen­land, son­dern um Ita­li­en, das sich auf wag­hal­si­ge Wei­se ins Schul­den­ma­chen stürzt.

Mit ei­nem gra­vie­ren­den Un­ter­schied: Ita­li­en ist als dritt­größ­te Volks­wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne ein völ­lig an­de­res Ka­li­ber als das öko­no­mi­sche Leicht­ge­wicht Grie­chen­land. Wür­de Ita­li­en zah- lungs­un­fä­hig, kä­me der Eu­ro-Ret­tungs­schirm schnell an sei­ne Gren­zen.

Was treibt die po­pu­lis­ti­sche Re­gie­rung Ita­li­ens nur an? Pa­thos und über­stei­ger­ter Na­tio­na­lis­mus ge­hö­ren wohl da­zu, aber auch Ent­täu­schung über EU-Part­ner, von de­nen Rom sich be­son­ders in der Flücht­lings­kri­se ver­las­sen fühlt. Es scheint, als ob Ita­li­ens Po­li­ti­ker dar­auf spe­ku­lie­ren, Geld von an­de­ren Eu­ro­staa­ten für die Ret­tung zu er­zwin­gen oder eben aus dem Eu­ro aus­zu­tre­ten. Ge­nau da soll­te die EU-Kom­mis­si­on ein Stopp­schild set­zen. Sie muss Rom klar­ma­chen, dass nie­mand auf Kos­ten an­de­rer Län­der le­ben kann. Auch das Ta­bu, dass kein Land aus dem Eu­ro­raum aus­tre­ten kann, muss fal­len. Sonst wä­re Eu­ro­pa auf dem Weg in die Trans­fer­uni­on – mit Deutsch­land als Zahl­meis­ter.

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