Hei­di Klum: Mehr als ein schö­nes Ge­sicht

ERFOLG Magazin - - Inhalt - Von Dr. Dr. Rai­ner Zi­tel­mann

Hei­di Klum war ei­nes der best­be­zahl­ten Mo­dels der Welt und ver­dien­te mehr als die meis­ten Dax-vor­stän­de. Sah sie bes­ser aus als al­le an­de­ren Mo­dels? Wenn sie selbst schreibt, dass sie kei­nes­wegs bes­ser aus­sieht als „vie­le, vie­le, sehr vie­le an­de­re Mo­dels drau­ßen in der Welt“, dass sie „klei­ner als die meis­ten und schwe­rer“ist, dann ist dies kei­ne Ko­ket­te­rie, son­dern ent­spricht den Tat­sa­chen. Das Aus­se­hen ist in der Mo­del­bran­che nur die Ein­tritts­kar­te – über den Er­folg ent­schei­den nach­her an­de­re Fak­to­ren.

Preu­ßi­sche Dis­zi­plin

Durch Me­dien­be­rich­te gel­ten Mo­dels als schwie­rig, zi­ckig und un­pünkt­lich. Weil es ein oder zwei er­folg­rei­che Mo­dels gibt, de­nen dies nach­ge­sagt wird, den­ken Hun­dert­tau­sen­de an­de­re Mo­dels, sie bräuch­ten eben nicht selbst­dis­zi­pli­niert, zu­ver­läs­sig, pünkt­lich, freund­lich und ko­ope­ra­tiv zu sein. Ein fa­ta­ler Irr­tum, der wohl die Ur­sa­che ist, war­um eben auch Hun­dert­tau­sen­de Mo­dels, die von ih­rem äu­ße­ren Er­schei­nungs­bild al­le Vor­aus­set­zun­gen hät­ten auf­zu­stei­gen, nie den Sprung auf die gro­ße Büh­ne schaf­fen. Wahr­schein­lich braucht man in kaum ei­nem an­de­ren Be­ruf so viel Selbst­dis­zi­plin wie beim Mo­del­be­ruf. Der Zeit­plan ei­nes gut be­zahl­ten Mo­dels sieht nicht an­ders aus als der ei­nes in­ter­na­tio­na­len Top­ma­na­gers. Nur dass der Top­ma­na­ger nicht ge­zwun­gen ist, im glei­chen Ma­ße auch noch auf Er­näh­rung, Fit­ness usw. zu ach­ten und bei all dem Stress je­der­zeit toll aus­zu­se­hen. Hei­di Klum hat die Er­folgs­fak­to­ren auf­ge­schrie­ben, die für ih­re ei­ge­ne Kar­rie­re und für die je­des an­de­ren Top­mo­dels aus­schlag­ge­bend sind. Nicht zu­fäl­lig steht an ers­ter Stel­le da­bei die Auf­for­de­rung: „Sei pünkt­lich!“Und sie fügt hin­zu: „Sei or­ga­ni­siert“, „Ach­te auf dei­ne Lau­nen“, „Ma­che dei­ne Haus­auf­ga­ben“. Sind die­se Ei­gen­schaf­ten selbst­ver­ständ­lich für jun­ge Mäd­chen, die oft schon mit 14 oder 15 Jah­ren ih­re Mo­del­kar­rie­re be­gin­nen? Na­tür­lich nicht. Aber das Maß, in dem je­mand in der La­ge ist, Selbst­dis­zi­plin auf­zu­brin­gen, ent­schei­det am Schluss über Er­folg oder Miss­er­folg.

„Ich woll­te es mit je­der Fa­ser“

Vor­aus­set­zung für Selbst­dis­zi­plin ist je­doch ein ho­hes Maß an Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit. Denn nie­mand wird Er­folg ha­ben, wenn er sich stän­dig zu Din­gen zwin­gen muss, die er gar nicht un­be­dingt ma­chen will und die ihn nicht be­geis­tern (ob­wohl auch das manch­mal eben da­zu­ge­hört). Selbst­dis­zi­plin fällt um­so leich­ter, je be­geis­ter­ter ich bin. „Zum Glück“, so Hei­di Klum, „hat­te ich – au­ßer ei­nem Bes­ser-als-durch­schnitt­lich-ge­sicht und -Kör­per – noch ein Ass im Är­mel: Ich woll­te es mit je­der Fa­ser.“Aus­schlag­ge­bend für den Er­folg sei „das un­bän­di­ge Ver­lan­gen. Es treibt dich an, wie ver­rückt zu ar­bei­ten und nicht vor­schnell oder leicht­fer­tig auf­zu­ge­ben.“Be­gon­nen hat­te es für Hei­di Klum im Jahr 1992, als sie sich bei ei­nem von Thomas Gott­schalk mo­de­rier­ten Mo­del­wett­be­werb ge­gen 30.000 Kon­kur­ren­tin­nen durch­setz­te und ei­nen Drei­jah­res­ver­trag über 300.000 Dol­lar ge­wann. Im glei­chen Al­ter, als auch Ar­nold Schwar­ze­negger zu dem Er­geb­nis ge­kom­men war, dass er nur in den USA sei­ne am­bi­tio­nier­ten Zie­le wür­de er­rei­chen kön­nen, näm­lich mit 19 Jah­ren, ging auch Hei­di Klum nach New York. Sie wur­de zu­erst zu­sam­men mit zwei an­de­ren deut­schen Mäd­chen in ei­ne Wohn­ge­mein­schaft ein­quar­tiert. Das Ge­bäu­de hat­te kein Warm­was­ser, die De­cken hat­ten un­dich­te Stel­len und übe­r­all wim­mel­te es von Ka­ker­la­ken. „Drei Mo­na­te lang trot­te­te ich je­den Tag zu Cas­ting­ter­mi­nen, manch­mal bis zu zehn pro Tag. Ich war nur ei­nes von Tau­sen­den neu­er Mäd­chen, die ihr Glück als Mo­del in New York such­ten, und je­de von ih­nen sah um­wer­fend aus. In der Re­gel war­te­te ich in der Schlan­ge, dann sah sich der Kun­de mei­ne Map­pe an, dank­te mir und schick­te mich wie­der heim. Es war echt be­schis­sen, so ein klei­ner Fisch im gro­ßen Teich zu sein.“

Der ers­te gro­ße Job, den sie be­kam, war die Ti­tel­sei­te für Mi­ra­bel­la, ein an­ge­se­he­nes Mo­de­jour­nal, da­nach be­kam sie ei­nen Job als Mo­del für die Kos­me­tik­se­rie Bon­ne Bell und im Au­gust 1995 lan­de­te sie dann auf der Ti­tel­sei­te der Zeit­schrift Self. Der gro­ße Durch­bruch kam drei Jah­re spä­ter, als sie auf der Ti­tel­sei­te der Ba­de­mo­den­aus­ga­be der ame­ri­ka­ni­schen Zeit­schrift Sport Il­lus­tra­ted er­schien, die 55 Mil­lio­nen Le­ser er­reicht. Da­von träumt je­des Mo­del. Ihr war klar, dass sich ihr Le­ben da­mit kom­plett ver­än­dern wür­de. Bald schon be­kam sie den be­gehr­ten Job als Mo­del der Un­ter­wä­s­che­fir­ma Vic­to­ria’s Se­cret und er­schien auf den Ti­tel­sei­ten von Zeit­schrif­ten wie Vo­gue und El­le.

Das Maß, in dem je­mand in der La­ge ist, Selbst­dis­zi­plin auf­zu­brin­gen, ent­schei­det am Schluss über Er­folg oder Miss­er­folg.

„…sonst bist du nur ei­ne Ein­tags­flie­ge“

Klum er­kann­te je­doch, dass sie sich selbst po­si­tio­nie­ren und ein ei­ge­nes Image kre­ieren muss­te, woll­te sie dau­er­haft Er­folg ha­ben und nicht nur ei­ne von vie­len Stern­schnup­pen am Mo­del­ho­ri­zont sein. „Mir wur­de bald klar: Wenn du nicht ei­ne Per­sön­lich­keit aus dir machst, mehr als nur ein Ge­sicht, wenn du nicht je­mand wirst, den die Öf­fent­lich­keit kennt (oder ken­nen­ler­nen will), bist du ganz schnell wie­der aus dem Ge­schäft raus. Es mag krass klin­gen, aber du musst dich zu je­man­dem ma­chen, um dich län­ger im Re­gal hal­ten zu kön­nen. Sonst bist du nur ei­ne Ein­tags­flie­ge.“

»Wenn du nicht je­mand wirst, den die Öf­fent­lich­keit kennt, bist du ganz schnell wie­der aus dem Ge­schäft raus.«

Dr. Dr. Rai­ner Zi­tel­mann ist ein er­folg­rei­cher Im­mo­bi­li­en­in­ves­tor und mehr­fa­cher Buch­au­tor.

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