Frank The­len: Ich las­se ein­fach nicht los .....

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Di­rekt nach der Schu­le hast du dein ers­tes Un­ter­neh­men im Mul­ti­me­dia­sek­tor ge­grün­det und wur­dest auch ziem­lich schnell von gro­ßen Fir­men für klei­nes Geld be­auf­tragt.

Aber ich bin nur über grö­ße­re Agen­tu­ren als Un­ter-di­enst­leis­ter an die­se Kun­den ge­kom­men. Hier ha­be ich mir nach und nach ei­nen Ruf als zu­ver­läs­si­ger Soft­ware­ent­wick­ler er­ar­bei­tet. Ich hat­te ei­ne ei­ge­ne Soft­ware Li­bra­ry als Al­ter­na­ti­ve zum Bran­chen­stan­dard ent­wi­ckelt, die schnel­ler und fle­xi­bler war. Ich selbst war zu Be­ginn nie in der Ak­qui­se beim End­kun­den, das ha­ben die grö­ße­ren Ver­triebs­agen­tu­ren ge­macht. Ich war in der Ebe­ne dar­un­ter und für klei­nes Geld der Pro­gram­mier­knecht. Es hat mir aber Spaß ge­macht, die Din­ger zu bau­en. Am En­de des Ta­ges war es dann mei­ne Lö­sung, die 1&1, Ag­fa, den Bun­des­tag und an­de­re große Kun­den be­dient hat.

Vie­le be­haup­ten ja, man muss es als Un­ter­neh­mer al­lei­ne schaf­fen. Aber das ist doch Un­sinn oder? Man braucht doch im­mer Un­ter­stüt­zer, För­de­rer, Tür­öff­ner.

Al­lei­ne wür­de man ir­gend­wann ver­zwei­feln, weil man auch kei­nen hat, der ei­nem Zu­spruch oder Gui­dance gibt. In mei­ner schwie­ri­gen Pha­se war es für mich ex­trem wich­tig, Leu­te zu ha­ben, die an mich ge­glaubt ha­ben und mir neue We­ge ge­zeigt ha­ben. Es gibt nicht den ei­nen Iron­man, der al­lei­ne durch­läuft und al­les macht. Das ist Blöd­sinn.

Wie fin­det man als Grün­der ge­dank­lich die Ba­lan­ce zwi­schen Fremd­ka­pi­tal und dem Ka­pi­tal­auf­bau durch Ver­käu­fe oder Dienst­leis­tun­gen?

Man muss hier zwi­schen nor­ma­len Ge­schäf­ten und Tech­no­lo­gie-star­tups un­ter­schei­den. Wenn ich wie z. B. Li­li­um Avia­ti­on ei­nen elek­tri­schen Jet ent­wi­ckeln will, be­nö­ti­ge ich sehr vie­le Wag­nis­ka­pi­tal. Aber vie­le Star­tups kön­nen auch oh­ne ex­ter­nes Ka­pi­tal weit vor­an ge­bracht wer­den. Je­der gu­te Grün­der, den ich ken­ne, hat ein­fach mit Ar­beit an­ge­fan­gen. Der hat pro­gram­miert, hat ver­kauft und di­rekt los­ge­legt. Das ist das, wor­an ich oft­mals die Leu­te un­ter­schei­de. Ge­hen sie mög­lichst vie­le Schrit­te sel­ber bis zum Ma­xi­mum oder sa­gen sie: "Da­für ha­be ich kein Geld ge­habt.“Ein gu­tes Bei­spiel war bei „Die Höh­le der Lö­wen". Da hat ei­ner ge­sagt: „Ich weiß nicht, wie vie­le Leu­te auf die­sem Flug­ha­fen lang­lau­fen, weil ich nicht da­hin kom­me, oh­ne ein Ti­cket zu kau­fen.“Ich sag­te nur, dass er auch ir­gend­wie ein Ti­cket für ei­nen Flie­ger um vier Uhr für 29 - 50 Eu­ro kau­fen könn­te, weil das wich­tig fürs Un­ter­neh­men wä­re und er die­se Schrit­te hät­te ge­hen kön­nen. „Da hät­te ich ja sehr früh auf­ste­hen müs­sen“, ant­wor­te­te er. Ja, aber ge­nau dar­an er­kennt man, ob je­mand das wirk­lich ma­chen will oder nicht. Des­we­gen braucht man am An­fang nicht viel Geld, um die ers­ten Schrit­te zu ge­hen. Das sieht man selbst bei den Grün­dern von Li­li­um. Das Un­ter­neh­men hat mitt­ler­wei­le 100 Mil­lio­nen Dol­lar Wag­nis­ka­pi­tal, aber die Grün­der ha­ben sich erst­mal mit ih­rem ei­ge­nen Ta­schen­geld von den El­tern ir­gend­wo Mo­du­le zu­sam­men­ge­kauft und da­mit schon mal ei­nen ers­ten Jet schwe­ben las­sen. Na­tür­lich in klein, aber sie ha­ben Tag und Nacht ge­baut und sich nicht ge­fragt, wo sie 100 Mil­lio­nen her­be­kom­men, um so ein Flug­zeug zu bau­en. Das ist ei­ne ganz wich­ti­ge Ei­gen­schaft, die auch ich mir glück­li­cher­wei­se an­ge­eig­net ha­be. Neh­men wir zum Bei­spiel das Buch, das ich jetzt ver­öf­fent­licht ha­be. Da­für set­ze ich mich sel­ber spät abends bis um Mit­ter­nacht an den Desk­top und ver­kau­fe es. Ich schrei­be auf Xing und Lin­ke­din über­all Leu­te an mit: „Du hast doch drei­ßig Tank­stel­len, du hast doch dies, du hast doch das, und hier ist das Buch.“Die Erst­auf­la­ge hat 100.000 Stück, was wohl für ein Buch re­la­tiv viel ist, aber ich möch­te das schaf­fen.

Ich las­se ein­fach nicht los. Die­se Ei­gen­schaft, zu sa­gen „ich ge­he die­sen Schritt und grei­fe zum Te­le­fon oder zur Tas­ta­tur und schrei­be die hun­derts­te Mail“fehlt mir oft­mals bei Grün­dern und die fra­gen sich dann, wie sie an den Han­del kom­men. Ich bin frü­her zu 20 Vor­stel­lun­gen ge­gan­gen und ha­be Ka­pi­tal­ge­ber an­ge­spro­chen, so­bald sie von der Büh­ne ge­gan­gen sind. Ich ha­be auf sie ge­war­tet, um sie dort zu tref­fen. Und die­se DNA braucht man, um et­was zu er­rei­chen.

Das heißt, es gibt tat­säch­lich zwei La­ger be­ste­hend aus de­nen, die grün­den, weil es cool ist und de­nen, die aus Lei­den­schaft grün­den?

Ja ge­nau. Ich ha­be ein Team, das re­la­tiv viel ab­schirmt, aber ich las­se mir ein­mal die Wo­che das be­scheu­erts­te High­light ge­ben und das ist ak­tu­ell Zeit in Do­sen. Und die woll­ten Geld von uns! Ha­ben die sich gar nicht da­mit be­fasst, was wir ma­chen? Wir ma­chen High­tech, Deep Tech und Food. Wer mich kennt, weiß, dass ich da durch­dre­he. Da­von krie­gen wir pro Wo­che be­stimmt 100 Stück.

Gab es nicht schon ähn­li­che Kan­di­da­ten bei „Die Höh­le der Lö­wen“?

Da­von hat­ten wir ganz vie­le. Du kannst ganz ge­nau se­hen, dass die ei­gent­lich nur Bock aufs Rei­sen ha­ben oder ger­ne Fo­tos von wil­den Lö­wen ma­chen, aber nicht hart ar­bei­ten wol­len. Auf die Nach­fra­ge, ob es schon on­li­ne ist, hieß es, dass sie nicht pro­gram­mie­ren kön­nen. Pass auf mein Freund, lern pro­gram­mie­ren oder su­che dir ei­nen Stu­den­ten, der pro­gram­mie­ren kann oder nimm ir­gend­ein Frame­work wie Jim­do aus Ham­burg und stell den Kram ir­gend­wie on­li­ne! Die­se DNA hat da ge­fehlt. Es kam nur „Ja gebt mir mal Geld, ich will rei­sen und ich will fo­to­gra­fie­ren“. Das er­lebt man sehr häu­fig, so­gar der grö­ße­re Teil, aber man sieht sie na­tür­lich auch nicht lan­ge, weil sie sehr schnell ver­glü­hen. Mit eu­rem spä­te­ren Un­ter­neh­men Twisd muss­tet ihr In­sol­venz an­mel­den und in dei­nem Buch schreibst du dar­über, dass ihr das even­tu­ell hät­tet ver­mei­den kön­nen, wenn ihr mehr Wis­sen ge­habt hät­tet. Ist man als Grün­der ein biss­chen ver­lei­tet zu glau­ben, man müs­se al­les sel­ber wis­sen? Dass man ir­gend­wann auf­hört, sich Ex­per­ten an Bord zu ho­len und glaubt, man sei der Gott für al­les?

Mein Pro­blem war nie, dass ich ge­dacht ha­be, ich wüss­te al­les. Für mich war der Zu­griff auf die Ex­per­ten das Pro­blem. Ich wuss­te nicht wer mir bei wel­chen Her­aus­for­de­run­gen ef­fek­tiv hel­fen kann. Ex­akt das wol­len wir heu­te mit mei­nem Frei­geist Team lie­fern. Wir ha­ben 20 Jah­re Er­fah­rung und den An­spruch, dass, wenn ein Grün­der uns et­was fragt wie „Wie er­öff­ne ich im Le­bens­mit­tel­ein­zel­han­del?“oder „Ich bin ge­ra­de in ei­ner schwie­ri­gen Si­tua­ti­on, muss ich In­sol­venz an­mel­den?“, wir ihm in 95 Pro­zent der Fäl­le ent­we­der so­fort ei­ne kom­pe­ten­te Ant­wort ge­ben kön­nen, oder noch­mal kurz in un­ser Netz­werk grei­fen. Wir lie­fern ex­akt das, was mir da­mals ge­fehlt hat. Mir hat ein Men­tor oder Coach ge­fehlt, der mir ge­sagt hät­te: „Frank hör jetzt mal auf, Leu­te ein­zu­stel­len und ver­kauf erst­mal wel­che von die­sen Kis­ten, von da aus ge­hen wir dann ei­nen Schritt wei­ter.“Ich ha­be nie ge­glaubt, al­les zu wis­sen. Nur hat­te ich nicht die rich­ti­gen Leu­te und muss­te ir­gend­wann Ent­schei­dun­gen tref­fen und da­durch ha­be ich bit­ter­bö­se und sau­dum­me Fehl­ent­schei­dun­gen ge­trof­fen.

Kann man das als Wald-und-wie­sen­grün­der um­ge­hen? Die Leu­te bei euch ha­ben jetzt das Glück, aber so ein klei­ner Grün­der um die Ecke?

Ein klei­ner Grün­der um die Ecke muss meist nicht so große Ent­schei­dun­gen tref­fen und es geht nicht um so viel Geld, wie bei mir da­mals. Wir ha­ben ja 1,4 Mil­lio­nen D-mark in mei­nem Ven­ture Ca­pi­tal ge­habt. Nur war der Ven­ture Ca­pi­tal-markt noch kom­plett neu und un­se­re Ka­pi­tal­ge­ber hat­ten von nichts ei­ne Ah­nung. Die ha­ben ir­gend­ei­nen Ge­schäfts­füh­rer ein­ge­stellt, der dann ein För­der­pro­gramm lei­ten soll­te. Da­mals gab es kei­ne Grün­der­sze­ne. Heut­zu­ta­ge kann man so­gar Ge­sprä­che dar­über füh­ren, es gibt tol­le Blogs oder Bü­cher. Das ist ein­fach ge­wach­sen. Ba­sis­the­men kann man si­cher­lich bes­ser ler­nen, es gibt so­gar Kon­fe­ren­zen. Es ist bes­ser ge­wor­den und des­we­gen kann man sich heu­te ef­fek­ti­ver in­for­mie­ren. Ich kann auch im­mer nur da­zu ra­ten, dir ei­nen Coach oder Men­tor zu su­chen, der es schon mal ge­macht hat und groß ist. Na­tür­lich ist es schwie­rig, sol­che Leu­te zu fin­den.

Muss man de­nen et­was ab­ge­ben oder sie be­tei­li­gen?

Das ist ei­ne schwie­ri­ge Fra­ge. Es gibt die­sen tol­len Be­griff „Skin in the ga­me.“Wenn du mir jetzt sa­gen wür­dest, dass du

mich als Coach ha­ben willst und mir 2,5 Pro­zent an dei­ner Fir­ma gibst, oh­ne wei­te­res Geld da­zu, dann krie­ge ich das von dir ge­schenkt und bin ent­we­der ein sta­bi­ler und fai­rer Typ und hel­fe dir auch oder ich neh­me ein­fach die 2,5 Pro­zent und ma­che nichts. Ein­fach ir­gend­wel­chen Be­ra­tern oder Coa­ches An­tei­le zu ge­ben ist mei­nes Erach­tens kei­ne gu­te Idee. Wenn man das macht, dann im so­ge­nann­ten „Ves­ting“. Das heißt, das Ziel sind zum Bei­spiel 2,5 Pro­zent über vier Jah­re. Im ers­ten Jahr, darf ich je­der­zeit sa­gen, dass du mir nicht ge­hol­fen hast und du gehst mit 0,0 Pro­zent zu­rück. Wenn du mir ein Jahr ge­hol­fen hast und ich wei­ter­hin auf dei­nen Rat zäh­le, dann kriegst du ein oder zwei Pro­zent.

Macht man das so ähn­lich wie in der Soft­ware mit ei­nem Pflich­ten­heft? Denn der kann be­haup­ten, du hast mir nicht ge­hol­fen, aber letzt­end­lich hat er ihm viel­leicht doch ge­hol­fen.

Nein, das ist ganz schwie­rig. Auch heut­zu­ta­ge ha­ben wir manch­mal das Pro­blem, dass Grün­der sich fra­gen, ob wir ih­nen auch wirk­lich hel­fen. Dann sa­ge ich, frag die 30 an­de­ren Grün­der oder lass es. Aber es ist wirk­lich schwie­rig, wenn er mich fragt, ob wir mal fest­le­gen, was ich für ihn tue. Dann ist mei­ne Ant­wort, dass ich nicht weiß, was ich für ihn tun wer­de. Viel­leicht hast du ein Ver­triebs­pro­blem, oder dein Co-foun­der geht und wir müs­sen für dich ein neu­es Team auf­bau­en. Ein Men­tor ist im Ide­al­fall je­mand, der dich 360 Grad be­treut. Die Fra­ge, wird es da oder dort bren­nen, kann ich dir vor­her nicht be­ant­wor­ten. Des­we­gen ist es am bes­ten, wenn man ihn be­tei­ligt, aber über meh­re­re Jah­re ge­ves­tet und ihm schritt­wei­se die An­tei­le zu ge­ben, wenn bei­de sa­gen: „Ich ru­fe dich ger­ne an und du hilfst mir.“

Du hast eben schon über eu­re da­ma­li­ge Fir­ma ge­spro­chen. Wenn du das Wort

schei­tern hörst, was be­deu­tet das für dich? Ich se­he ak­tu­ell zwei Ex­tre­me. Wenn ich an man­che Dax CE­OS den­ke, dann den­ke ich, dass die drin­gend ler­nen müs­sen, das schei­tern mög­lich sein muss. Hier fehlt der Mut. S Wenn ich Fuck­up Nights se­he, dann den­ke ich mir, dass ihr doch bit­te Schei­tern nicht fei­ern sollt. Auf der an­de­ren Sei­te hat sich zum Bei­spiel Jeff Be­zos ge­traut, das Fi­re Pho­ne zu ma­chen, weil er ge­se­hen hat, dass das Smart­pho­ne der wich­tigs­te Kon­takt zu sei­nen Kun­den ist. Al­so hat er 300 Mil­lio­nen in­ves­tiert, das Fi­re Pho­ne ge­baut und ist da­mit kom­plett ge­schei­tert. Er hat die Ver­ant­wor­tung auf sich ge­nom­men und war zwar ent­täuscht, aber er stand da­hin­ter und es war gut, dass sie es ver­sucht ha­ben. Auch wenn es trau­rig war, da­bei rich­tig viel Geld ver­lo­ren zu ha­ben, ist das ge­nau der rich­ti­ge An­satz. Weil er sich das ge­traut hat und ge­schei­tert ist, konn­te er da­nach den Echo raus­brin­gen. Das ist der rich­ti­ge Weg. Trau dich, wenn sich in dei­nem Markt et­was ver­än­dert und trau dich, im Grenz­be­reich dar­an zu ar­bei­ten und das Ri­si­ko zu neh­men. Das kann dein größ­ter Er­folg wer­den und wenn es da­ne­ben geht, re­flek­tie­re es und fra­ge dich, wel­che An­nah­men wa­ren falsch, wo hät­ten wir bes­ser oder här­ter ar­bei­ten müs­sen.

Aber bit­te mach kei­ne coo­le Schei­tern-par­ty.. Wo­her stammt dein heu­ti­ger Wunsch in an­de­re Star­tups zu in­ves­tie­ren? Das wirkt bei dir schon fast wie so ei­ne Sport­art.

Ers­tens ha­be ich mich vor ein oder zwei Jah­ren da­zu ent­schlos­sen, für zehn Jah­re lang nicht mehr sel­ber zu grün­den und sel­ber CEO zu wer­den, son­dern an­de­ren zu hel­fen. Das ist das, was wir hier tun. Der Ansporn ist, klü­ge­re Men­schen als mich zu fin­den, die grö­ße­re und bes­se­re Ide­en ha­ben als ich. Wenn man sich Li­li­um oder Neu­fund an­guckt, dann sind das un­fass­bar in­tel­li­gen­te Grün­der, mit sehr gro­ßen Vi­sio­nen. Ein Buch zum The­ma Quan­ten­com­pu­ting liegt hier vor mir, das ist ei­ne völ­lig neue Art, wie Com­pu­ter ge­baut und pro­gram­miert wer­den. In sol­che Be­rei­che wer­den wir rich­tig pro­gres­siv und mit ho­hem Ri­si­ko in­ves­tie­ren.

Je­der hat hin­ter sei­nem Han­deln ei­nen in­ne­ren Wert, ein „Des­we­gen ma­che ich das ei­gent­lich.“Der ei­ne will An­er­ken­nung, der an­de­re will aus­ge­sorgt ha­ben etc. Was ist das bei dir?

Die meis­ten Leu­te wür­den über mich wahr­schein­lich sa­gen: „Der ist Mul­ti­mil­lio­när, der kennt die Kanz­le­rin und hat ein schnel­les Au­to.“So se­he ich mich aber nicht. Angst ist viel­leicht das fal­sche Wort, aber ich ha­be je­den Tag Re­spekt da­vor, dass ich hin­fal­le und mir weh tue, wie­der plei­te ge­he und füh­le mich des­we­gen als Un­der­dog. Ich füh­le mich über­haupt nicht als ei­ner von de­nen, die da­zu­ge­hö­ren, viel­leicht tue ich es ir­gend­wann. Im­mer wenn ich ir­gend­wo­hin kom­me, muss ich zei­gen, dass ich da sein darf, dass ich des­we­gen frü­her kom­me, län­ger blei­be und ein ti­cken schnel­ler lau­fe. Ich glau­be, ich ha­be die­se Mo­ti­va­ti­on, weil mei­ne Kind­heit echt nicht gut war. Nicht we­gen mei­nen El­tern, son­dern we­gen mir, weil ich to­tal un­der­per­formt ha­be. Ich bin von der Schu­le ge­flo­gen und ha­be nichts auf die Ket­te be­kom­men. Als die an­de­ren ei­nen sta­bi­len Job, die ers­te Freun­din oder den ers­ten Golf hat­ten, bin ich mit ei­ner Mil­li­on Schul­den nach Hau­se ge­kom­men, die kei­ner je­mals hät­te be­zah­len kön­nen. Das war schon ei­ne sehr un­schö­ne Zeit. Die­ses Stig­ma ha­be ich nie ab­ge­legt. Es treibt mich aber auch an, zu sa­gen: „Ihr wer­det se­hen.“Ich wür­de ger­ne ir­gend­wann mal da­mit auf­hö­ren, mei­nen Frie­den da­mit ha­ben, um sa­gen zu kön­nen: „So, jetzt sind wir wie­der bei null, jetzt ist der Frank ein ganz nor­ma­ler Mensch und kein Ver­lie­rer mehr.“Aber ich ha­be heu­te noch zwei, drei The­men, die ich vor­her er­le­di­gen will.

Trau dich, rich­tig bö­se zu ar­bei­ten und das Ri­si­ko zu neh­men. Es kann dein größ­ter Er­folg wer­den . . .

Was sind denn die Kar­di­nal­feh­ler, die Grün­der heu­te im­mer noch ma­chen?

Al­so der größte Feh­ler ist, dass man vom Geld, vom Exit oder vom Markt kommt. Du musst zu­erst zum Bei­spiel das er­folg­reichs­te Ma­ga­zin, ein Flug­zeug oder ei­nen Taskma­na­ger ma­chen wol­len, der feh­ler­frei funk­tio­niert und von je­dem ver­stan­den wird. Von da aus kommt dann die Fra­ge, ob es da­für ei­nen Markt gibt und wie viel Ka­pi­tal man braucht. Aber im­mer die­ses: „Ich ha­be BWL stu­diert oder ich ha­be ge­se­hen, der fährt ei­nen Fer­ra­ri, des­we­gen ma­che ich das.“Ich bin nie­mals

ir­gend­wel­chen Märk­ten hin­ter­her­ge­rannt. Wir hat­ten mal ein Team, wel­ches ich ret­ten woll­te und ha­be mir ge­sagt, dass ich mal so ei­nen rich­tig gei­len BWL Ca­se ma­che. Weißt du, was wir ge­macht ha­ben? Tier­fut­ter. In je­dem vier­ten Haus­halt gibt es ein Tier, das sind 2.000.000 Tie­re. Die Tie­re fres­sen zwei bis drei­mal am Tag und le­ben zehn Jah­re. Das ist na­tür­lich geil, wenn du das hoch­rech­nest und siehst, dass der be­re­chen­ba­re Markt rie­sen­groß ist. Al­so ha­be ich ge­sagt „passt mal auf lie­bes Team, da­mit ihr nicht ar­beits­los wer­det, ma­chen wir jetzt Tier­fut­ter“und ha­be Fut­ter­land.de ge­grün­det. Das war ein er­folg­rei­ches E-com­mer­ce Team und trotz­dem ist es ge­gen die Wand ge­fah­ren, weil das ge­nau die­ser An­satz aus der BWL war, den ich has­se. In dem Fall ha­be ich ihn ge­macht, um den Leu­ten zu hel­fen. Es ist im­mer der fal­sche An­satz zu sa­gen, es gibt 2.000.000 Tie­re und des­we­gen ma­che ich jetzt Tier­fut­ter. Der rich­ti­ge An­satz ist sowas wie: „Ich hat­te ein kran­kes Tier, des­we­gen ha­be ich dies und das ge­macht und ge­merkt, dass funk­tio­niert bes­ser und jetzt wür­de ich das auch ger­ne an­de­ren ge­ben. Mal schau­en, wie groß der Markt ist.“Die­ser Twist ist der wirk­lich ent­schei­den­de. Du musst auch be­reit sein, al­les an­de­re zur Prio­ri­tät B zu ma­chen und das ist nicht im­mer schön. Auch ei­nes mei­ner schlim­men Sa­chen auf mei­ner Lis­te ist, dass ein De­si­gner die Ge­burt sei­nes Kin­des ver­passt hat, weil die­ses Kind frü­her als ge­plant kam und er in San Fran­cis­co war. Das ent­steht, wenn du grün­dest und wenn du es zu dei­ner Prio­ri­tät A machst. Es ist toll, wenn du ein Un­ter­neh­men auf­bau­en kannst, denn ich glau­be, das ist ei­ne der schöns­ten Er­fah­run­gen im Le­ben. Aber du musst da­zu be­reit sein, dass al­les an­de­re nur noch zur Prio­ri­tät B wird. Das hört sich jetzt viel­leicht me­ga cool an, ist es aber gar nicht. Es ist echt ein rie­sen Pro­blem. Und du musst be­reit sein, durch wirk­lich tie­fe Durst­stre­cken zu lau­fen. Die Leu­te sa­gen oft ein­fach „Ja ich bin dann in der Zei­tung“oder „Da gibt es ei­ne coo­le Par­ty und ei­nen Grün­der­preis.“Ne, du musst ein­fach al­lei­ne viel Zeit vor dei­nem Schreib­tisch und auf der Stra­ße ver­brin­gen, weil du zu Kun­den fährst. Du musst be­reit sein, die­sen har­ten Weg zu ge­hen und der Weg des An­ge­stell­ten ist da deut­lich ein­fa­cher.

Als In­ves­tor hat man viel mit Ver­lus­ten zu­tun. Ge­wöhnt man sich da ir­gend­wann dran? Ist das ir­gend­wann ein­fach ei­ne Kal­ku­la­ti­on?

De­fi­ni­tiv. Ich glau­be so­gar, dass wir mehr Din­ge ab­schrei­ben müs­sen, weil wir von un­se­rer DNA her oft­mals ver­su­chen, noch et­was zu ret­ten und ma­chen noch ei­ne Bridge. Aber man muss es ein­fach aus­spre­chen, wenn et­was ge­schei­tert ist und man sieht, dass es nicht das große Ding wird oder die Grün­der hoff­nungs­los über­for­dert sind. Es ist ei­ne schwie­ri­ge Auf­ga­be ei­nes In­ves­tors, den Ste­cker zu zie­hen, weil es halt nicht mehr geht. Das ge­hört da­zu und man muss es kon­se­quent ma­chen. Es ist „sur­vi­val of the fit­test“sich auf die Ge­win­ner zu kon­zen­trie­ren. Da­rin müs­sen wir bei­spiels­wei­se noch bes­ser wer­den.

Das ist ein biss­chen, wie das ko­mi­sche Spar­ver­hal­ten der An­le­ger in Deutsch­land.

Je­mand kauft Ak­ti­en oder Ver­mö­gens­pro­duk­te und geht da­von et­was schief, macht er das nie wie­der. An­statt ein Prin­zip von bei­spiels­wei­se zehn In­vest­ments zu ha­ben und da­von funk­tio­nie­ren sechs und vier eben nicht. Dass man das ein­fach als nor­mal ak­zep­tiert, ist bei euch auch wich­tig.

Das ist bei uns su­per wich­tig. Das An­le­gen der Deut­schen ist ge­nau das. Wenn es erst­mal ei­ne gan­ze Zeit ge­lau­fen ist, le­gen sie ihr Geld da an und wenn es run­ter geht, dann ge­hen sie wie­der raus. An­statt ein­fach mal ei­ne lang­fris­ti­ge Stra­te­gie zu ha­ben, lang­fris­tig zu in­ves­tie­ren und mit der Vo­la­ti­li­tät klar­zu­kom­men. Am En­de des Ta­ges, wenn man nicht kom­plett da­ne­ben liegt, ver­dient man mit Ak­ti­en Geld, aber man muss die­se Kon­se­quenz ha­ben, da­bei zu blei­ben.

Könn­test du dir vor­stel­len, dass die Deut­schen ir­gend­wann geis­tig so­weit sind, in ei­ne Art Star­t­up Fonds zu in­ves­tie­ren?

Es ist auf je­den Fall noch ein lan­ger Weg. Mit Neu­fund aus Ber­lin ver­su­chen wir das in­ves­tie­ren in Tech­no­lo­gie-un­ter­neh­men mehr Men­schen mög­lich zu ma­chen. Aber man muss auch ehr­lich sa­gen, nicht je­der soll­te in die­se ris­kan­te Ri­si­ko­klas­se in­ves­tie­ren, der An­le­ger muss sich mit der Tech­no­lo­gie und dem Un­ter­neh­men vor­her be­fas­sen. Al­so zu­erst ei­ni­ge Jah­re mit Ak­ti­en Er­fah­run­gen sam­meln und dann lang­sam im Be­reich Star­tups Er­fah­rung sam­meln. Das wich­tigs­te ist, mög­lichst we­nig auf dem Spar­kon­to oh­ne Zin­sen lie­gen zu las­sen und in An­la­ge­klas­sen, die man ver­steht, breit zu streu­en.

So, jetzt sind wir wie­der bei null, jetzt ist der Frank ein ganz nor­ma­ler Mensch und kein Ver­lie­rer mehr.

Mit Bil­dern von Chris­ti­an Holt­hau­sen

Ju­li­en Back­haus und Frank The­len (rechts), bei­de Fir­men­grün­der di­rekt nach der Schu­le, un­ter­hiel­ten sich über Fir­men­grün­dun­gen.

Der be­kann­te Tech-in­ves­tor und Ju­ror bei "Die Höh­le der Lö­wen" hat sei­ne Au­to­bio­gra­phie "Star­t­up DNA" auf den Markt ge­bracht.

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