Den­ke wie ein Freak ...................................

Von der Kunst, sich nicht von Emo­tio­nen lei­ten zu las­sen

ERFOLG Magazin - - Inhalt -

Un­ser Den­ken ist in­spi­riert von dem, was als »der öko­no­mi­sche An­satz« be­kannt ist. Das be­deu­tet al­ler­dings kei­ne Fo­kus­sie­rung auf »die Öko­no­mie« – ganz und gar nicht. Der öko­no­mi­sche An­satz ist brei­ter an­ge­legt so­wie auch ein­fa­cher als das. Er stützt sich auf Da­ten statt auf Ah­nung und Ver­mu­tung oder Ideo­lo­gie, um zu ver­ste­hen, wie die Welt funk­tio­niert, zu ler­nen, wie An­rei­ze er­folg­reich (oder er­folg­los) sind, wie man Res­sour­cen zu­ge­teilt be­kommt und wel­cher­lei Hin­der­nis­se Leu­te da­von ab­hal­ten, je­ne Res­sour­cen zu be­kom­men, sei­en sie nun kon­kret (wie Nah­rungs- und Trans­port­mit­tel) oder an­spruchs­vol­ler (wie Bil­dung und Lie­be).

Es ist nichts Ma­gi­sches an die­ser Denk­wei­se. Sie han­delt nor­ma­ler­wei­se im Of­fen­kun­di­gen und legt ei­nen rie­si­gen Wert auf den ge­sun­den Men­schen­ver­stand. Hier al­so die schlech­te Nach­richt: Soll­ten Sie . . . in der Hoff­nung kom­men, es sei das Äqui­va­lent für ei­nen sei­ne Ge­heim­nis­se aus­plau­dern­den Zau­be­rer, mö­gen Sie ent­täuscht wer­den. Aber es gibt auch die gu­te Nach­richt: Zu den­ken wie ein Freak ist ein­fach ge­nug, so­dass es je­der kann. Das Ver­blüf­fen­de ist, dass es so we­ni­ge Leu­te tun.

War­um ist das so? Ein Grund liegt da­rin, dass es leicht ist, Ih­re – po­li­ti­schen, in­tel­lek­tu­el­len oder an­der­wei­ti­gen – Vor­ein­ge­nom­men­hei­ten Ih­re Welt­an­sicht ein­fär­ben zu las­sen. Im­mer mehr For­schungs­er­geb­nis­se le­gen na­he, dass selbst die ge­schei­tes­ten Leu­te da­zu nei­gen, Be­le­ge oder In­di­zi­en aus­zu­su­chen, die be­stä­ti­gen, was sie be­reits den­ken, statt neue oder an­de­re In­for­ma­tio­nen zu be­rück­sich­ti­gen, die ih­nen ei­ne ro­bus­te­re Sicht der Wirk­lich­keit ge­ben wür­den. Es ist auch ver­lo­ckend, mit ei­ner Her­de zu lau­fen. Selbst bei den wich­tigs­ten Ta­ges­fra­gen über­neh­men wir häu­fig die An­sich­ten un­se­rer Freun­de, Fa­mi­li­en­mit­glie­der und Kol­le­gen. Auf ei­ner be­stimm­ten Ebe­ne ist das sinn­voll: Es ist leich­ter, kon­form zu ge­hen mit dem, was Ih­re Fa­mi­lie und Freun­de den­ken, als neue Fa­mi­li­en­mit­glie­der und Freun­de zu fin­den! Aber mit der Her­de zu lau­fen be­deu­tet, dass wir leicht den Sta­tus quo an­neh­men, nur wi­der­wil­lig un­se­re Mei­nung än­dern und gern un­ser Den­ken de­le­gie­ren.

Ei­ne wei­te­re Bar­rie­re für das Den­ken wie ein Freak ist, dass die meis­ten Leu­te zu be­schäf­tigt sind, um die Art, wie sie den­ken, neu zu durch­den­ken – oder auch nur viel Zeit da­mit zu ver­brin­gen, über­haupt zu den­ken. Wann ha­ben Sie sich das letz­te Mal für ei­ne St­un­de rei­nen, un­ver­fälsch­ten Den­kens hin­ge­setzt? Wenn Sie wie die meis­ten Leu­te sind, ist das schon ei­ne Wei­le her. Ist das ein­fach ei­ne Funk­ti­on un­se­res Hoch­ge­schwin­dig­keits­zeit­al­ters? Viel­leicht nicht. Der aber­wit­zig ta­len­tier­te Ge­or­ge Ber­nard Shaw – ein Welt­klas­se­schrift­stel­ler und ein Grün­der der Lon­don School of Eco­no­mics – hob die­ses Denk­de­fi­zit vor vie­len Jah­ren be­son­ders her­vor. »We­ni­ge Leu­te den­ken mehr als zwei- oder drei­mal im Jahr«, sag­te Shaw Be­rich­ten zu­fol­ge. »Ich ha­be mir ei­nen in­ter­na­tio­nal gu­ten Ruf er­wor­ben, in­dem ich ein- oder zwei­mal in der Wo­che den­ke.« Auch wir ver­su­chen, ein- oder zwei­mal in der Wo­che zu den­ken (ob­gleich si­cher­lich nicht so in­tel­li­gent wie Shaw), und er­mun­tern Sie, das­sel­be zu tun. Das heißt nicht, dass Sie un­be­dingt wie ein Freak den­ken wol­len soll­ten. Es weist ei­ni­ge po­ten­zi­el­le Nach­tei­le auf. Sie se­hen sich mög­li­cher­wei­se weit, weit ent­fernt von den vor­herr­schen­den Strö­mun­gen. Sie könn­ten ge­le­gent­lich Din­ge sa­gen, die an­de­re Leu­te sich win­den las­sen. Bei­spiels­wei­se tref­fen Sie viel­leicht ein al­ler­liebst ge­wis­sen­haf­tes Paar mit drei Kin­dern und plat­zen ganz un­will­kür­lich da­mit her­aus, dass Kin­der­sit­ze ei­ne Zeit- und Geld­ver­schwen­dung sind (je­den­falls sa­gen eben­dies die Crash­test­da­ten aus). Oder Sie schwa­feln bei ei­nem Fest­tags­es­sen mit der Fa­mi­lie Ih­rer neu­en fes­ten Freun­din dar­über, in­wie­fern die Lo­cal-food-be­we­gung tat­säch­lich der Um­welt scha­den kann – nur um zu er­fah­ren, dass ihr Va­ter ein zum har­ten Kern ge­hö­ren­der Lo­ca­vo­re ist und al­les auf dem Tisch im Um­kreis von 80 Ki­lo­me­tern an­ge­baut oder ge­züch­tet wur­de. Sie wer­den sich dar­an ge­wöh­nen müs­sen, dass die Leu­te Sie ei­nen Spin­ner nen­nen, sich vor Ent­rüs­tung er­ei­fern oder viel­leicht so­gar auf­ste­hen und den Saal ver­las­sen. Dies­be­züg­lich ha­ben wir ei­ne Er­fah­rung aus ers­ter Hand.

Es ist leich­ter, kon­form zu ge­hen mit dem, was Ih­re Fa­mi­lie und Freun­de den­ken, als neue Fa­mi­li­en­mit­glie­der und Freun­de zu fin­den!

Sie wer­den sich dar­an ge­wöh­nen müs­sen, dass die Leu­te Sie ei­nen Spin­ner nen­nen.

Buch­aus­zug aus "Think li­ke a freak!" Ste­ven D. Le­vitt & Ste­phen J. Dub­ner, Gold­mann Ver­lag ISBN-13: 978-3442158867

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