End­lich kla­re Wor­te

Feuerwehr-Magazin - - Briefe -

Edi­to­ri­al, Heft 4/2017, Sei­te 3

In der Apri­l­aus­ga­be ha­ben Sie sehr di­rekt ein Pro­blem an­ge­spro­chen, wel­ches lei­der Got­tes nach wie vor ak­tu­ell und dem An­schein nach nicht für je­de Feu­er­wehr ver­ständ­lich ist. „Vor­bild Feu­er­wehr“! Ich selbst bin seit mitt­ler­wei­le 18 Jah­ren ak­ti­ves Mit­glied der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr, ha­be über 12 Jahre als Werk­feu­er­wehr­mann ge­ar­bei­tet und bin jetzt Be­am­ter ei­ner frei­wil­li­gen Feu­er­wehr mit haupt­amt­li­chen Kräf­ten. Dass wir als Feu­er­wehr ein Vor­bild sind, wird mir im­mer dann wie­der klar, wenn ich mei­ne Jüngs­te im Kin­der­gar­ten ab­ho­le. Die dor­ti­gen Vor­schul­kin­der be­grü­ßen mich im­mer to­tal be­geis­tert und er­zäh­len ih­ren El­tern stolz, dass ich Feu­er­wehr­mann bin und sie mich im Ge­rä­te­haus be­sucht ha­ben. Wie vie­le Jun­gen träu­men da­von, wenn sie groß sind, zur Feu­er­wehr zu ge­hen? Wo­her kommt die­se Be­geis­te­rung denn? Ich den­ke, dass in un­se­rer heu­ti­gen Zeit die Jun­gen und auch Mäd­chen ih­re „Hel­den“su­chen. Schaut man Nach­rich­ten von Un­fäl­len, Brän­den und Ter­ror­an­schlä­gen, wer fällt dort im­mer als ers­tes ins Au­ge? Die Feu­er­wehr!

Durch die­se Bil­der be­kom­men die Kin­der ver­mit­telt: „Das sind die Lie­ben, die Gu­ten!“Hin­zu kommt die all­seits be­kann­te Se­rie des Feu­er­wehr­manns Sam, der all­zeit be­reit im­mer zur Stel­le in der Not hilft. Su­per­man, Bat­man? Ja, die sind toll, aber so weit weg. „Aber den Feu­er­wehr­mann da, den ken­ne ich, ich weiß so­gar, wie der heißt, und stell dir vor Ma­ma, der kennt mei­nen Na­men und der wohnt so­gar hier im Dorf!“So oder so ähn­lich lau­fen die Ge­sprä­che zwi­schen den Kin­dern und ih­ren El­tern ab.

Ja, wir sind die Vor­bil­der die­ser Kin­der. Und manch ein Kind wird spä­ter viel­leicht wirk­lich ei­ner von uns. Um­so schlim­mer ist es dann, wenn die­ses Ide­al­bild des „hel­den­haf­ten Feu­er­wehr­man­nes“ka­putt „ge­sof­fen“wird. Ich sel­ber ha­be lei­der auch schon ähn­li­che Er­fah­run­gen ge­macht, mit voll­trun­ke­nen Ka­me­ra­den in Uni­form. Auch das öf­fent­li­che Auf­tre­ten an Ein­satz­stel­len lässt oft zu wün­schen üb­rig. Sei es das schlam­pi­ge Tra­gen der Uni­form oder ein bun­ter Mix aus Je­ans, Stie­fel, Über­ja­cke und Kap­pe, ge­krönt mit Kip­pe im Mund. Das will ich nicht se­hen und es macht uns in der Be­völ­ke­rung un­se­ri­ös.

Spricht man das an, wird man so­gar noch be­lä­chelt und muss sich als Spie­ßer be­zeich­nen las­sen. Ist es denn so schwer, sich kor­rekt zu ver­hal­ten? Ist es zu viel ver­langt, die Ja­cke zu schlie­ßen, den Helm ge­ra­de und dem Ein­satz an­ge­pass­te Uni­form zu tra­gen? Und wenn der Ein­satz län­ger dau­ert, der Ni­ko­tin­be­darf ge­stillt wer­den muss, dann stellt man sich eben et­was ab­seits, zieht den Helm ab und raucht sei­ne Zi­ga­ret­te. Die­se muss dann aber auch nicht mit tol­lem Fin­ger­schnipp in den Vor­gar­ten der An­woh­ner flie­gen.

Und wenn es zum Feu­er­wehr­fest geht oder zum Zelt­la­ger oder, oder, oder, dann muss auch nicht ge­sof­fen wer­den – nach dem Mot­to, der Volls­te fährt!

Wir wol­len Re­spekt, An­er­ken­nung und neue Mit­glie­der? Dann müs­sen wir uns das auch ver­die­nen und nicht durch un­ser Ver­hal­ten ka­putt ma­chen. Und un­ser Nach­wuchs muss die­se Wer­te vor­ge­lebt be­kom­men, sonst ist der Feu­er­wehr­mann der Zu­kunft ein voll­trun­ke­ner Al­ko­ho­li­ker mit Kip­pe im Mund, ran­zi­gen Kla­mot­ten, un­ra­siert und un­brauch­bar.

Ste­fan Fuß, 52372 Kreu­zau

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