Ret­tungs­me­tho­den im Ver­gleich

Feuerwehr-Magazin - - Briefe -

Nach­rich­ten, Heft 1/2017, Sei­te 16

Grund­sätz­lich ist es sehr zu be­grü­ßen, dass hier erst­mals ein wis­sen­schaft­lich be­glei­te­ter Ver­gleich durch­ge­führt wur­de. Das Er­geb­nis zeigt, dass die ein­zel­nen Me­tho­den – aus Feu­er­wehr­sicht – zeit­lich nicht sehr von­ein­an­der ab­wei­chen. Be­rück­sich­tigt man noch die im Ein­zel­fall sehr un­ter­schied­li­chen Si­tua­tio­nen so­wie den ge­ge­be­nen­falls un­ter­schied­li­chen Aus­bil­dungs­stand der Ein­satz­kräf­te, sind die Zei­ten fast iden­tisch (Me­di­zi­ner mö­gen das an­ders se­hen).

In­ter­es­sant ist die Er­kennt­nis, dass ein Bat­te­rie­ma­nage­ment nicht er­for­der­lich war. Hier wur­den in der Ver­gan­gen­heit si­cher oft­mals – un­nö­ti­ge – Schä­den am Fahr­zeug ver­ur­sacht.

Zur „Os­lo-me­tho­de“sei­en ein paar kri­ti­sche An­mer­kun­gen ge­stat­tet. In den ers­ten Ar­ti­keln wur­de die­se Me­tho­de – viel­leicht auch weil sie aus dem Aus­land kam – als der neue St­ein der Wei­sen ge­fei­ert. In der Pra­xis gab es auch schon – in Ver­bin­dung mit Sche­re und Sprei­zer – ei­ni­ge er­folg­rei­che Ret­tungs­ein­sät­ze. Da­zu ei­ni­ge In­for­ma­tio­nen aus der Ver­gan­gen­heit. Bis zur Be­schaf­fung von Sche­re und Sprei­zer im De­zem­ber 1980 be­frei­te man in Burg­dorf ein­ge­klemm­te Per­so­nen, in­dem die Fahr­zeu­ge aus­ein­an­der­ge­zo­gen wur­den. Zur Un­fall­ret­tung stand ein Rüst­wa­gen (RW) 2 zur Ver­fü­gung. Für den Ein­satz der Seil­win­de muss­te ei­ne Art Ga­bel vom Dach des Fahr­zeugs ge­holt und an der Front­sei­te des RW 2 be­fes­tigt wer­den. Dann wur­de das Draht­seil ein­ge­fä­delt. Das dau­er­te je­doch viel zu lan­ge!

Bei ein­ge­klemm­ten Per­so­nen wur­de dann wie folgt ver­fah­ren: Das Un­fall­fahr­zeug wur­de mit ei­nem Draht­seil an ei­nem Fest­punkt (Stra­ßen­baum oder Tank­lösch­fahr­zeug) fi­xiert. Ein zwei­tes Seil wur­de an der Front­sei­te des RW 2 an­ge­schla­gen. Durch Rück­wärts­fah­ren wur­de das Fahr­zeug aus­ein­an­der­ge­zo­gen und so die ein­ge­klemm­te Per­son be­freit. Durch das Rück­wärts­fah­ren hat­te der Fah­rer das Un­fall­fahr­zeug im­mer im Blick. Mit ei­nem vir­tuo­sen Zu­sam­men­spiel von Kupp­lung, Brem­se und Gas­pe­dal war das ei­ne ef­fek­ti­ve Me­tho­de zur Per­so­nen­be­frei­ung (der Be­griff „pa­ti­en­ten­ge­rech­te Ret­tung“war noch nicht er­fun­den).

Pro­ble­ma­tisch wur­de es, wenn das Fahr­zeug im Stra­ßen­gra­ben lag oder von der Stra­ße ge­schleu­dert war. Dann muss­te es erst auf die Stra­ße ge­zo­gen wer­den, be­vor die Per­son mit der be­schrie­be­nen Me­tho­de be­freit wer­den konn­te. Hin­weis für die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on: die Fahr­zeu­ge wa­ren im Fahr­gast­be­reich lan­ge nicht so sta­bil wie heu­te, da­für war die Brand­ge­fahr hö­her. Es liegt auf der Hand, dass die Be­las­tung der ver­un­fall­ten Per­so­nen da­durch er­heb­lich grö­ßer war als beim Ein­satz von hy­drau­li­schem Ret­tungs­ge­rät. Die be­schrie­be­ne Ket­ten­me­tho­de kann des­halb mei­ner Mei­nung nach al­len­falls ei­ne Er­gän­zung, aber kei­ne Al­ter­na­ti­ve zu den der­zei­ti­gen Ret­tungs­me­tho­den sein. Ins­be­son­de­re wenn die räum­li­chen Ver­hält­nis­se be­grenzt sind, wird es schwie­rig. Der zeit­li­che Rah­men wur­de hier un­ter re­la­tiv op­ti­ma­len Vor­aus­set­zun­gen er­mit­telt.

Als Fa­zit bleibt fest­zu­hal­ten, dass die um­fas­sen­de Er­kun­dung und die dann fol­gen­de Ent­schei­dung die Grund­la­ge für ei­nen er­folg­rei­chen Ein­satz bil­den. Da­zu ge­hört ei­ne gu­te Aus­bil­dung der Ein­satz­kräf­te und im Ein­zel­fall der Mut, auch mal von Stan­dards ab­zu­wei­chen.

Ernst-au­gust Be­ne­ke, 31303 Burg­dorf

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