Bren­nen­de Tanks

Feuerwehr-Magazin - - In­halt - Text und Fo­tos: Micha­el Rüf­fer, Fach­jour­na­list, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-re­dak­teur [891]

In Maas­v­lak­te-rot­ter­dam (Nie­der­lan­de) ist die Falck Fi­re Aca­de­my be­hei­ma­tet, vor­mals RISC Rot­ter­dam. Auf ei­ner Flä­che von 4,5 Hekt­ar bie­tet sie für Feu­er­weh­ren aus der gan­zen Welt un­ge­wöhn­lich rea­li­täts­na­he Mög­lich­kei­ten zum Üben der Brand­be­kämp­fung. Zu den Sze­na­ri­en des Trai­nings­zen­trums zäh­len In­dus­trie­an­la­gen mit Tan­kla­gern, Be­cken für Groß­flä­chen­brän­de so­wie Schif­fe, Zü­ge und Hub­schrau­ber.

In Maas­v­lak­te-rot­ter­dam (Nie­der­lan­de) ist die Falck Fi­re Aca­de­my be­hei­ma­tet, frü­her als RISC Rot­ter­dam be­kannt. Auf ei­ner Flä­che von 4,5 Hekt­ar bie­tet sie für Feu­er­weh­ren aus der gan­zen Welt un­ge­wöhn­lich rea­li­täts­na­he Mög­lich­kei­ten zum Üben der Brand­be­kämp­fung. Zu den Sze­na­ri­en des Trai­nings­zen­trums zäh­len In­dus­trie­an­la­gen mit Tan­kla­gern, Be­cken für Groß­flä­chen­brän­de so­wie Schif­fe, Zü­ge und Hub­schrau­ber.

Au­tosnel­weg (Au­to­bahn) 15 im Süd­wes­ten von Rot­ter­dam. Vor­bei an rie­si­gen Tan­kla­gern, qual­men­den Schorn­stei­nen und kom­pli­zier­ten Rohr­lei­tungs­sys­te­men fah­ren wir ent­lang ei­nes der größ­ten See­hä­fen Eu­ro­pas. Das rund 100 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Ha­fen­ge­biet er­streckt sich zir­ka 40 Ki­lo­me­ter von der Rot­ter­da­mer In­nen­stadt bis zum Stadt­teil Ho­ek van Hol­land. Ganz im Wes­ten ragt wie ei­ne Zun­ge die künst­li­che In­sel Maas­v­lak­te (deutsch: Maasebe­ne) in die Nord­see hin­ein. Dort, in­mit­ten der In­dus­trie- und Ha­fen­an­la­gen, liegt un­ser Ziel: die Falck Fi­re Aca­de­my. Auf dem letz­ten Ki­lo­me­ter kön­nen wir das Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät ge­trost aus­schal­ten und auf Sicht fah­ren: Ei­ne rie­si­ge schwar­ze Rauch­säu­le schraubt sich über dem Ge­län­de in den Him­mel.

„Zur­zeit üben bei uns un­ter an­de­rem Grup­pen aus den Nie­der­lan­den, Deutsch­land und dem Iran“, be­grüßt uns Marc van

Hoof, In­ter­na­tio­nal Ac­count Ma­na­ger, am Ein­gang zur Falck Fi­re Aca­de­my. Die­sen Na­men trägt das Trai­nings­zen­trum erst seit kur­zem. Als es 1985 ge­grün­det wur­de, hieß es zu­nächst Rot­ter­dam In­ter­na­tio­nal Sa­fe­ty Cen­ter, kurz RISC. Spä­ter wur­de es dann in Falck Risc um­be­nannt, um die Zu­ge­hö­rig­keit zum dä­ni­schen Mut­ter­kon­zern Falck kennt­lich zu ma­chen.

Das zwei­ge­schos­si­ge Haupt­ge­bäu­de der Aca­de­my ist ein ein­fa­cher Zweck­bau in den Far­ben des Un­ter­neh­mens: Rot, Schwarz und Weiß. Mö­wen nis­ten vor dem Ein­gang di­rekt auf dem Bo­den. Um zu dem Übungs­ge­län­de zu kom­men, neh­men wir ei­ne Ab­kür­zung über ei­nen Steg zu ei­nem Übungs­schiff, das im Ha­fen – „Hud­son Har­bour“ge­nannt – vor An­ker liegt. In der an­ge­dock­ten Schwimm­hal­le für ma­ri­ti­mes und off­shore Trai­ning fin­det ge­ra­de ein HU­ET-KURS statt: He­li­c­op­ter Un­der­wa­ter Escape Trai­ning (He­li­ko­pter-un­ter­was­ser-eva­ku­ie­rungs­Trai­ning). Die Teil­neh­mer müs­sen sich aus ei­nem un­ter­ge­tauch­ten Hub­schrau­berDum­my be­frei­en und an die Was­ser­ober­flä­che tau­chen.

PSA lässt sich aus­lei­hen

„Wir bie­ten hier ein brei­tes Spek­trum von Ons­hore- und Off­shore-kur­sen an“, sagt van Hoof, als wir über wei­te­re Ste­ge auf die an­de­re Sei­te des Ha­fens ge­lan­gen. Von ei­nem Ge­rüst auf ei­ner Platt­form hin­ter uns saust ein voll be­setz­tes Frei­fall­ret­tungs­boot ins Was­ser. An ei­nem Übungs­turm vor­bei, der ei­ner Wind­ener­gie­an­la­ge nach­emp­fun­den ist, ge­lan­gen wir zur Klei­der­kam­mer der Falck Fi­re Aca­de­my. Als Be­su­cher müs­sen wir zu­min­dest Si­cher­heits­schu­he und ei­nen Helm tra­gen.

„Kurs­teil­neh­mer kön­nen die Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) selbst mit­brin­gen oder von uns lei­hen“, be­rich­tet der In­ter­na­tio­nal Ac­count Ma­na­ger. „Die PSA wird täg­lich ge­wech­selt, bei Be­darf auch mehr­mals am Tag – das ist nicht in al­len eu­ro­päi­schen Trai­nings­zen­tren so.“Van Hoof zeigt uns die Atem­schutz­werk­statt und die Wä­sche­rei. „Rund 200 Atem­schutz­ge­rä­te zäh­len zu un­se­rem Be­stand“, sagt der Feu­er­wehr-of­fi­zier, der seit 1997 bei Falck ar­bei­tet.

Bei un­se­rem Gang über das Übungs­ge­län­de se­hen wir nie­der­län­di­sche Werk­feu­er­wehr­leu­te in sand­far­be­nen Schutz­an­zü­gen und an­de­re Kurs­teil­neh­mer, die in dun­k­len Falck-over­alls ste­cken. Über­all qualmt und zischt es, aus un­zäh­li­gen Dü­sen sprüht ein fei­ner Was­ser­ne­bel auf die Nach­bil­dun­gen von mehr­ge­schos­si­gen In­dus­trie­ge­bäu­den, Tanks, Wär­me­tau­schern, Pum­pen und Pi­pe­lines. Es riecht nach sal­zi­ger Mee­res­luft und ver­brann­tem Holz. An zwei Stel­len steigt gleich­zei­tig ein Feu­er­ball auf, ein­ge­hüllt in dich­ten schwar­zen Rauch. Ein­satz­kräf­te kämp­fen die Flam­men mit Schaum­roh­ren nie­der.

„Die Falck Fi­re Aca­de­my ist ei­nes der mo­derns­ten Aus­bil­dungs­zen­tren in Eu­ro­pa“, er­klärt van Hoof. „Auf ei­ner Flä­che von 4,5 Hekt­ar – das sind et­was mehr als sechs Fuß­ball­fel­der – bie­ten wir Aus­bil­dungs- und Übungs­mög­lich­kei­ten für frei­wil­li­ge, Be­rufs­und Werk­feu­er­weh­ren an, dar­un­ter auch die Falck-feu­er­weh­ren. Ich bin für das Kur­s­pro­gramm für Kun­den aus deutsch­spra­chi­gen Län­dern zu­stän­dig.“Zum An­ge­bot zäh­len of­fe­ne Stan­dard­kur­se für Teil­neh­mer aus Deutsch­land, Ös­ter­reich, Lu­xem­burg und der Schweiz, bei­spiels­wei­se Flash-over-trai­ning und in­dus­tri­el­le so­wie Flug­zeug­brand­be­kämp­fung. „Al­ler­dings sind fast 95 Pro­zent un­se­rer Kur­se maß­ge­schnei­dert“, sagt

der Falck-ma­na­ger, „je nach Ziel­set­zung, Wün­schen und Bud­get der Auf­trag­ge­ber.“

Als Mo­du­le ste­hen zur Aus­wahl: In­dus­trie-, Flug­zeug- so­wie nor­ma­le Brand­be­kämp­fung im In­nen­an­griff, Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung nach Ver­kehrs­un­fall, Un­fall mit Ge­fahr­gut so­wie Kri­sen­ma­nage­ment. „Wald­brand­be­kämp­fung de­cken wir nicht ab“, so der Feu­er­wehr-of­fi­zier. „Da­für bie­ten wir als ein­zi­ge in Eu­ro­pa ei­ne Aus­bil­dung im Be­reich LNG – Li­que­fied Na­tu­ral Gas, deutsch Flüs­si­gerd­gas – an.“

In­ter­na­tio­na­le Kun­den

Wir ge­hen auf ei­nen fünf­ge­schos­si­gen Stahl­ske­lett­bau zu. Auf dem La­ge­plan der Falck Fi­re Aca­de­my wird er als „Pro­cess 1 Mo­du­le“aus­ge­wie­sen. Flam­men lo­dern auf meh­re­ren Ebe­nen auf. Aus dem Ven­til ei­nes Be­häl­ters tritt mit ho­hem Druck Dampf aus. Der Ein­satz­lei­ter ei­nes In­dus­trie­brand­be­kämp­fungs-kur­ses be­müht sich mit sei­ner Mann­schaft, die La­ge mit zwei hand­ge­führ­ten Strahl­roh­ren und meh­re­ren Mo­ni­to­ren in den Griff zu be­kom­men.

„Wir bie­ten Kur­se auf vier Ni­veaus an: Mann­schaft, Grup­pen- und Zug­füh­rer, Ein­satz­lei­ter so­wie Kri­sen­ma­nage­ment für Fir­men-füh­rungs­kräf­te“, er­zählt der Falck-ma­na­ger. „Für je­de Stu­fe kön­nen wir Grund­lehr­gän­ge, Fort­bil­dun­gen und Wie­der­ho­lun­gen durch­füh­ren.“Der ehe­ma­li­ge Werk­feu­er­wehr­mann ist ei­ner von 40 Mit­ar­bei­tern der Falck Fi­re Aca­de­my. Da­zu zäh­len elf fest an­ge­stell­te und 27 ex­ter­ne Aus­bil­der. „Die Ex­ter­nen sind meist spe­zia­li­siert, bei­spiels­wei­se un­ter an­de­rem auch auf Hö­hen­ret­tung“, sagt van Hoof. „Welt­weit kom­men noch 15 Aus­bil­der von Falck Fi­re Ser­vices da­zu, die un­ter dem Na­men der Falck Fi­re Aca­de­my Trai­nings vor Ort an­bie­ten.“

Je­de Teil­neh­mer­grup­pe wird von ei­nem Aus­bil­der (In­struc­tor) und ei­nem Si­cher­heits­as­sis­ten­ten be­glei­tet. Beim In­nen­an­griff sind es so­gar zwei Si­cher­heits­as­sis­ten­ten. Jähr­lich ins­ge­sammt 40.000 Teil­neh­mer für Off­shore und Ons­hore in Rot­ter­dam und in den Vor-ort-schu­lun­gen stam­men aus al­len Tei­len der Welt. „Wir hat­ten ne­ben eu­ro­päi­schen Kun­den bei­spiels­wei­se auch schon Teil­neh­mer aus Aus­tra­li­en, Du­bai, Ku­wait, Ni­ge­ria und Is­ra­el“, sagt der 50-Jäh­ri­ge. „Die Grup­pe aus dem Iran, die sich hier zur­zeit auf­hält, bil­det sich im Kri­sen­ma­nage­ment fort. Sie sind ex­tra zu uns ge­kom­men, um raus aus dem All­tags­ge­schäft in ih­rer Hei­mat zu sein.“

14 Me­ter ho­her Steh­tank

Un­weit vom In­dus­trie­brand-sze­na­rio sto­ßen wir auf ei­ne Grup­pe von Atem­schutz­ge­rä­te­trä­gern, die ge­ra­de ei­nen Flash-over­Con­tai­ner be­tritt. Im In­nern ist bren­nen­des Holz zu se­hen. „In dem fest­stoff­be­feu­er­ten Con­tai­ner geht es uns nicht um die Durch­zün­dung an sich, son­dern dar­um, dass die Teil­neh­mer die Ent­wick­lung zum Flash-over se­hen“, er­klärt van Hoof. „So ler­nen sie, bei Ein­sät­zen früh­zei­tig zu re­agie­ren.“

Di­rekt da­ne­ben macht sich ein An­wärter­kurs von Werk­feu­er­weh­ren aus Nord­rheinWest­fah­len (NW) für ei­ne Übung be­reit. Auf die Feu­er­wehr­leu­te war­tet ein ein­drucks­vol­les Sze­na­rio: Voll­brand ei­nes 14 Me­ter ho­hen Steh­tanks, Durch­mes­ser 9 Me­ter. Ge­wal­ti­ge Flam­men schla­gen aus dem Be­häl­ter. Mit zwei Schwerschaum­roh­ren (S8) rin­gen die Ein­satz­kräf­te den Brand in­ner­halb von ein paar Mi­nu­ten nie­der. „60 Pro­zent des Schaums ge­hen ver­lo­ren“, kom­men­tiert van Hoof das Ge­sche­hen. „Das sind Er­fah­run­gen, die man hier bei uns un­ter rea­lis­ti­schen Be­din­gun­gen ma­chen kann.“

„Wir kön­nen hier al­les aus­pro­bie­ren – das hast du nicht je­den Tag“, sagt ein Voll­ma­schi­nist ei­ner Werk­feu­er­wehr aus NW. „Zu Hau­se kön­nen wir nicht mit Wär­me­strah­lung üben. Du kriegst in der Fi­re Aca­de­my mehr Re­spekt vor dem Feu­er.“„Vie­le se­hen beim Ein­satz das Um­feld nicht, son­dern ha­ben ei­nen Tun­nel­blick“, er­gänzt der Brand­meis­ter ei­ner an­de­ren Werk­feu­er­wehr aus NW. „Es ist ei­nes der Übungs­zie­le, das zu än­dern.“

„Werk­feu­er­weh­ren müs­sen rich­tig vor­be­rei­tet sein, da brennt es sel­ten“, sagt van Hoof. „Das bes­te Equip­ment und die Theo­rie

nüt­zen dir nichts, wenn Pra­xis und Er­fah­rung feh­len.“Je­des Land, teil­wei­se je­de Feu­er­wehr ha­be ein ei­ge­nes Ein­satz­kon­zept. „Wir sa­gen nicht, das Kon­zept ist gut oder schlecht“, be­tont der Falck-ma­na­ger. „Ent­schei­dend ist: Das Feu­er macht die Vor­ga­ben. Wir bie­ten den Teil­neh­mern die Mög­lich­keit, sich aus­zu­pro­bie­ren, die Theo­rie auf Pra­xis­taug­lich­keit zu tes­ten. Was hier nicht klappt, funk­tio­niert auch drau­ßen im Ein­satz nicht.“

Man­che Kun­den – zum Bei­spiel aus Du­bai – woll­ten Trai­ning und Be­ra­tung von A bis Z. Dies ge­he vom Vor­beu­gen­den Brand­schutz über die Brand­be­kämp­fung und die Hö­hen­ret­tung bis hin zu Alarm­plä­nen. „Wir ha­ben den Mas­ter­plan für Lng-er­eig­nis­se auf dem Rhein-mainDo­nau-ka­nal ge­schrie­ben – auf die­sem Feld sind wir die ein­zi­gen, die das kön­nen“, be­rich­tet van Hoof. „Falck Fi­re Ser­vices ist zu­dem in der La­ge, ein Emer­gen­cy Re­s­pon­se Team zu stel­len, das welt­weit tä­tig wer­den kann – in ers­ter Li­nie bei der Brand­be­kämp­fung auf dem Meer, ge­ge­be­nen­falls auch Ons­hore.“Er selbst ha­be mehr­mals als Ein­satz­lei­ter mit­ge­wirkt.

Trai­ning mit Flüs­si­gerd­gas

Der Falck-ma­na­ger zeigt uns die Übungs­an­la­ge für LNG, die durch ei­nen Erd­wall von dem rest­li­chen Ge­län­de ge­trennt ist. Auf ei­nem ge­pflas­ter­ten Platz ist in der Mit­te ei­ne 2.500-Li­ter-wan­ne ein­ge­las­sen. Aus ei­nem Tank läuft das -161 Grad Cel­si­us kal­te Flüs­si­gerd­gas dort hin­ein. „Der Tank wird erst di­rekt vor dem Trai­ning aus ei­nem Lkw be­füllt, das La­gern ist auf dem Ge­län­de nicht ge­stat­tet“, sagt van Hoof.

Die Nut­zung von LNG neh­me im­mer mehr zu, et­wa als Kraft­stoff für Ver­bren­nungs­mo­to­ren von Schif­fen. Im Trai­nings­zen­trum kön­ne ei­ne Gas­le­cka­ge und -ex­plo­si­on si­mu­liert wer­den, um Er­fah­run­gen mit der Aus­brei­tung, Zünd­fä­hig­keit so­wie den Lösch­mög­lich­kei­ten zu sam­meln. „Lösch­was­ser ver­dampft, das Aus­brin­gen ei­nes Schaum­tep­pichs reicht nicht“, er­klärt der 50-Jäh­ri­ge, „da­her ist Lösch­pul­ver das ge­eig­nets­te Mit­tel.“

Wer mit Erd­gas un­ter Hoch­druck bei 13 bis 15 bar üben will, kann dies in dem dä­ni­schen Trai­nings­zen­trum Esbjerg von Falck Sa­fe­ty Ser­vices tun (sie­he Kas­ten „Trai­nings­zen­trum Esbjerg“). „Wir von der Falck Fi­re Aca­de­my ar­bei­ten eng mit den dä­ni­schen Kol­le­gen zu­sam­men und ent­wi­ckeln ge­mein­sam Pro­gram­me“, sagt van Hoof. „So ist es bei­spiels­wei­se mög­lich, in Rot­ter­dam zu­nächst die Lng-ba­sics zu üben und spä­ter in Esbjerg ein Gas­hoch­druck-trai­ning zu ab­sol­vie­ren.“

Auch bei an­de­ren Kur­sen lie­ßen sich bei­de Stand­or­te kom­bi­nie­ren. „Esbjerg bie­tet eher die Ba­sis­kur­se, mit Aus­nah­me von Gas­hoch­druck und Am­mo­ni­ak, den bei­den Spe­zia­li­tä­ten des dor­ti­gen Trai­nings­zen­trums“, so der Feu­er­wehr-of­fi­zier. „Für man­che deut­sche Feu­er­weh­ren ist der Stand­ort in Dä­ne­mark bes­ser zu er­rei­chen“, er­gänzt Chris­toph Lip­pay, Pres­se­spre­cher der Falck-un­ter­neh­mens­grup­pe Deutsch­land, „da­her bu­chen sie dort.“„Und für die Mo­ti­va­ti­on ist es hilf­reich, den an­de­ren Stand­ort an­zu­steu­ern, wenn man den ei­nen schon gut kennt“, gibt van Hoof noch zu be­den­ken.

Wir lau­fen am Trai­nings­platz für Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung (TH) vor­bei. Un­ter den Au­gen ei­nes Aus­bil­ders si­chern drei Ein­satz­kräf­te ei­ner nie­der­län­di­schen Feu­er­wehr (Brand­weer) ei­nen sicht­lich ram­po­nier­ten Li­ni­en­bus ge­gen We­grol­len. An zwei Pkw-wracks set­zen wei­te­re Trupps ge­ra­de hy­drau­li­sches Ret­tungs­ge­rät an, um die Tü­ren zu öff­nen.

Van Hoof zeigt auf ei­nen wei­ßen Mitsu­bi­shi Fu­so Can­ter oh­ne Son­der­si­gnal­an­la­ge. Am Kof­fer­auf­bau sind die Ja­lou­si­en der Ge­rä­te­räu­me ge­öff­net und ge­ben den Blick auf Th-equip­ment frei. „Die­ser Rüst­wa­gen ist un­ser ein­zi­ges Ein­satz­fahr­zeug“, er­zählt der Falck-ma­na­ger. „Frü­her hat­ten wir ei­ne Hal­le mit ei­nem Fuhr­park von vier Fahr­zeu­gen. Da vie­le Feu­er­weh­ren mit ei­ge­nen Ein­satz­mit­teln an­rei­sen, ha­ben wir un­se­ren Be­stand re­du­ziert. Bei Be­darf ar­bei­ten wir mit Miet­wa­gen.“

Tief­ga­ra­gen-sze­na­rio

Vor ei­nem vier­ge­schos­si­gen Be­ton­bau blei­ben wir ste­hen. Im Erd­ge­schoss bli­cken wir durch ein gro­ßes Tor in ei­nen ruß­ge­schwärz­ten Raum mit be­rä­der­ten Me­tall­con­tai­nern, in de­nen sich teils ver-

kohl­tes Holz sta­pelt. „Das ist un­ser Ap­par­te­ment­haus“, sagt van Hoof. „Hier un­ten ha­ben wir ein Tief­ga­ra­gen-sze­na­rio mit fest­stoff­be­feu­er­ten Pkw-at­trap­pen ein­ge­rich­tet, die wir mit Übungs­pup­pen be­stü­cken kön­nen.“Ei­ne Auf­ga­be, die auf die Kurs­teil­neh­mer war­tet: Zwei Atem­schutz­trupps füh­ren von zwei Sei­ten ei­ne Per­so­nen­ret­tung durch. „Das ist ei­ne ty­pi­sche Si­tua­ti­on: Sams­tags im Ein­kaufs­zen­trum, 14 Per­so­nen be­fin­den sich in der Tief­ga­ra­ge“, be­schreibt der Feu­er­wehr-of­fi­zier das Sze­na­rio. „Das Wich­tigs­te bei die­ser Übung ist, dass die Trupps rich­tig mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren.“

Kran­ken­sta­ti­on für Übun­gen nach­ge­bil­det

Vor dem Ge­bäu­de hält ein Lösch­fahr­zeug ei­ner nie­der­län­di­schen Werk­feu­er­wehr. Auf dem Pro­gramm steht für die Kräf­te ei­ne In­nen­an­griffs­übung in den obe­ren Stock­wer­ken. Dort sind Woh­nun­gen, ein Bü­ro­raum so­wie ei­ne Kran­ken­sta­ti­on nach­ge­bil­det. Aus meh­re­ren Tü­ren dringt Rauch. Die La­ge: Brand­aus­bruch im ers­ten Ober­ge­schoss, Aus­brei­tung auf das zwei­te, ei­ne Per­son wird ver­misst. Auf­trag: Per­son ret­ten, Aus­brei­tung des Feu­ers ver­hin­dern – ho­ri­zon­tal eben­so wie ver­ti­kal.

Zwei Trupps brin­gen sich mit Hohl­strahl­roh­ren an ro­ten und blau­en form­sta­bi­len Schläu­chen in Stel­lung. „Die Ein­satz­tak­tik in den Nie­der­lan­den un­ter­schei­det sich von der deut­scher Feu­er­weh­ren“, er­klärt van Hoof. „Zu­erst geht ein Trupp mit dem ro­ten Hoch­druck-schnellan­griff ins In­ne­re vor, dann folgt ein Trupp mit dem blau­en Norm­al­druck-schnellan­griff. Und der Grup­pen­füh­rer bleibt nicht drau­ßen, son­dern geht mit rein.“

Auf der ge­gen­über­lie­gen­den Sei­te war­tet auf die Werk­feu­er­wehr­leu­te schon das nächs­te Sze­na­rio: Pkw ge­gen Tank­sat­tel­zug, aus­tre­ten­de Ge­fahr­stof­fe ent­zün­den sich. Beim Lö­schen wer­den hand­ge­führ­te Strahl­roh­re, ein sta­tio­nä­rer Mo­ni­tor und der Dach­wer­fer des Lösch­fahr­zeugs zum Ein­satz kom­men. „Wir ha­ben auf dem Ge­län­de auch die Mög­lich­keit, ei­nen Flüs­sig­keits­brand auf 120 Qua­drat­me­tern zu zün­den“, sagt der Falck-ma­na­ger.

Nicht weit von dem Ver­kehrs­un­fall-sze­na­rio ent­fernt ist ein kom­plet­tes Off­s­horeHe­li­ko­pter­deck in­klu­si­ve Hub­schrau­ber nach­ge­bil­det. Dort kön­nen Kurs­teil­neh­mer mit Pul­ver, Schaum, Koh­len­di­oxid (CO )

2 und Was­ser üben. „Für die Auf­be­rei­tung des Lösch­was­sers ha­ben wir ein ge­schlos­se­nes Kreis­lauf­sys­tem“, er­zählt van Hoof. „Wir spei­sen die sta­tio­nä­ren Lösch­an­la­gen und Hy­dran­ten aus ei­nem Lösch­was­ser­be­cken mit meh­re­ren Mil­lio­nen Li­tern Ka­pa­zi­tät. Über ein Rei­ni­gungs­sys­tem wird das Was­ser wie­der zu­rück ins Be­cken ge­führt.“

Neue An­la­ge in Pla­nung

Wir ste­hen wie­der vor dem fünf­ge­schos­si­gen Stahl­ske­lett­bau. Die Feu­er sind ge­löscht, die Ein­satz­kräf­te ab­ge­rückt. Was­ser­ne­bel aus der Be­rie­se­lungs­an­la­ge kühlt das Bau­werk. Auf der obers­ten Ebe­ne lässt sich das Übungs­ge­län­de gut über­bli­cken. Van Hoof weist noch auf ein paar Be­son­der­hei­ten hin, wie die Con­tai­ner, die der Feu­er­wehr Den Haag ge­hö­ren, und die Übungs-wohn­häu­ser nach hol­län­di­schem Mus­ter.

Der Falck-ma­na­ger zeigt nach Os­ten, über das Trai­nings­zen­trum hin­weg. „Dort drü­ben, nur ein paar hun­dert Me­ter öst­lich von die­sem Stand­ort, pla­nen wir ei­nen Neu­bau der Falck Fi­re Aca­de­my“, be­rich­tet der ehe­ma­li­ge Aus­bil­der. „Dann ha­ben wir mehr Platz und kön­nen die An­la­ge auf 6,4 Hekt­ar

ver­grö­ßern.“An­lass für den Um­zug sei das Aus­lau­fen des Miet­ver­trags für den jet­zi­gen Stand­ort ge­we­sen.

Für die Kon­zep­ti­on des neu­en Zen­trums ha­be Falck die wich­tigs­ten Kun­den im Inund Aus­land be­fragt. „Wir woll­ten wis­sen, was sie brau­chen, wel­che La­gen sie schon hat­ten und was bei ih­nen noch pas­sie­ren könn­te“, sagt van Hoof. „Mit den Er­geb­nis­sen pla­nen wir die Ab­bil­dung von mög­li­chen, noch rea­lis­ti­sche­ren Sze­na­ri­en. Nicht im Maß­stab 1:1, son­dern im ver­klei­ner­ten Übungs­maß­stab.“

Ein ers­ter Ent­wurf be­inhal­tet zwei Steh­tanks – auf dem al­ten Ge­län­de ist es nur ei­ner – und ei­ne im Win­kel von 90 Grad an­ge­ord­ne­te In­dus­trie­an­la­ge. „Da­durch ge­win­nen wir mehr Platz für die Teil­neh­mer und Fahr­zeu­ge“, er­läu­tert der Feu­er­wehr- Of­fi­zier. „Au­ßer­dem wol­len wir die An­la­gen und Ele­men­te durch Rohr­lei­tun­gen mit­ein­an­der ver­bin­den. Da­durch kön­nen wir noch bes­ser Le­cka­gen und die Aus­brei­tung ei­nes Bran­des dar­stel­len.“

Auch ei­ne In­dus­trie­hal­le, ei­ne Hoch­span­nungs­sta­ti­on und ein La­bor­ge­bäu­de zum The­ma Schaum sol­len im neu­en Trai­nings­zen­trum zur Ver­fü­gung ste­hen. „Nur die klei­nen An­la­gen zie­hen um, al­les an­de­re wird kom­plett neu ge­baut“, sagt van Hoof. „Da­für in­ves­tiert Falck zir­ka 20 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Er­öff­nung ist für April 2018 ge­plant.“

An­ders als in Esbjerg wer­de es in Rot­ter­dam auch mit der neu­en An­la­ge kei­ne Über­nach­tungs­mög­lich­keit ge­ben, da die Ha­fen­be­hör­de dies auf dem Ge­län­de nicht ge­stat­te. Kurs­teil­neh­mer könn­ten aber auf ex­ter­ne An­ge­bo­te in der Um­ge­bung zu­rück­grei­fen.

Vir­tu­el­les Trai­ning in Si­mu­la­ti­ons­an­la­ge

Zu­rück im Haupt­ge­bäu­de führt uns der Falck-ma­na­ger noch die Si­mu­la­ti­ons­an­la­ge für vir­tu­el­les Trai­ning vor. Das Sys­tem stammt vom nie­der­län­di­schen Un­ter­neh­men XVR Si­mu­la­ti­ons. Es wird in Deutsch­land un­ter an­de­rem im Feu­er­wehr & Ret­tungs Trai­nings Cen­ter (FRTC) der Feu­er­wehr Frank­furt am Main ein­ge­setzt. „Im Sys­tem sind Fahr­zeu­ge und Per­so­nen ver­schie­de­ner Na­tio­na­li­tä­ten hin­ter­legt“, er­klärt der Feu­er­wehr-of­fi­zier.

Ein Ope­ra­tor kann an sei­nem mit meh­re­ren Mo­ni­to­ren aus­ge­stat­te­ten Ar­beits­platz ver­schie­dens­te Sze­na­ri­en und Wit­te­run­gen ein­spie­len. Die Teil­neh­mer – Füh­rungs­kräf­te ab Grup­pen­füh­rer auf­wärts – kön­nen ein­zeln oder zu meh­re­ren die La­gen vor ei­nem Bild­schirm ab­ar­bei­ten. Sie agie­ren als Cha­rak­te­re mit an­de­ren, vir­tu­el­len Kräf­ten. „Mög­lich sind Ein­sät­ze in den Be­rei­chen In­dus­trie, Flug­ha­fen und Ha­fen, aber auch in Wohn­ge­bie­ten“, sagt van Hoof. „Da­bei las­sen sich Ret­tungs­dienst und Po­li­zei mit ein­be­zie­hen. Das Sys­tem ist mo­bil: Wir kön­nen es auf Wunsch beim Kun­den vor Ort auf­bau­en.“

Die letz­ten Kurs­teil­neh­mer und Aus­bil­der keh­ren vom Übungs­ge­län­de zu­rück. Ein Feu­er­wehr­mann fo­to­gra­fiert ei­ne der brü­ten­den Mö­wen vor dem Ein­gang des Haupt­ge­bäu­des. Fahr­zeu­ge mit Kenn­zei­chen un­ter­schied­li­cher Na­tio­nen rol­len vom Park­platz. Auf dem Weg zum Au­tosnel­weg 15 fah­ren wir noch ein­mal an den un­zäh­li­gen Be­häl­tern, Rohr­lei­tun­gen und Platt­for­men, den Con­tai­nern und Übungs­häu­sern des Trai­nings­zen­trums vor­bei. In­mit­ten der In­dus­trie­land­schaft des Rot­ter­da­mer Ha­fens wirkt die Falck Fi­re Aca­de­my wie ei­ne ver­klei­ner­te Ver­si­on ih­rer Um­ge­bung – ein durch­aus ge­woll­ter Ef­fekt.

Kon­takt: Falck Fi­re Aca­de­my, Beer­weg 101, 3199 LM Maas­v­lak­te-rot­ter­dam, Nie­der­lan­de, Te­le­fon 0031/181/376666, email fireaca­de­my@falck.com, www.falck.nl/de/fire_a­ca­de­my/

Übungs­sze­na­rio in der Falck Fi­re Aca­de­my in Maas­v­lak­te-rot­ter­dam (Nie­der­lan­de): Voll­brand ei­nes 14 Me­ter ho­hen Steh­tanks. Feu­er­wehr­leu­te lö­schen mit Schwerschaum­roh­ren.

Zu den Übungs­an­la­gen zählt die­ser fünf­ge­schos­si­ge Stahl­ske­lett­bau, in dem sich die In­dus­trie­brand­be­kämp­fung trai­nie­ren lässt. Bei je­dem Kurs ist ne­ben dem Aus­bil­der (In­struc­tor) min­des­tens ein Si­cher­heits­as­sis­tent (links) da­bei.

Blick vom Übungs-ap­par­te­ment­haus auf ei­nen Teil der Trai­nings­an­la­gen für die In­dus­trie­brand­be­kämp­fung. Die­ser Rüst­wa­gen oh­ne Son­der­si­gnal­an­la­ge ist das ein­zi­ge Fahr­zeug mit Ein­sat­ze­quip­ment der Falck Fi­re Aca­de­my.

In­ter­na­tio­nal Ac­count Ma­na­ger Marc van Hoof zeigt die PSA, die sich Teil­neh­mer aus­lei­hen kön­nen.

Das Haupt­ge­bäu­de der Falck Fi­re Aca­de­my. Rund 40 Mit­ar­bei­ter sind hier be­schäf­tigt.

In ei­ner nach­ge­bil­de­ten Hub­schrau­ber­ka­bi­ne in der Schwimm­hal­le des Trai­nings­zen­trums wird das Aus­stei­gen un­ter Was­ser ge­übt. An die­sem Dum­my lässt sich die Flug­zeug­brand­be­kämp­fung üben.

Ei­ne Spe­zia­li­tät der Falck Fi­re Aca­de­my ist die Lng-übungs­an­la­ge (Li­que­fied Na­tu­ral Gas, deutsch: Flüs­si­gerd­gas). Fo­to: Falk

Die Falck Fi­re Aca­de­my bie­tet auch vir­tu­el­les Trai­ning für Füh­rungs­kräf­te an.

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