Spe­zi­el­le Pas­te zum Ab­dich­ten von Le­cka­gen

Der Lkw-ver­kehr hat sich in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren et­wa ver­dop­pelt. Dem­ent­spre­chend ist die Ge­fahr ge­stie­gen, dass es zu Un­fäl­len mit Aus­tritt von Die­sel­kraft­stoff und Um­welt­schä­den kommt. Die Fir­ma Apro­mac hat ei­ne Not­fal­lDich­tungs­mas­se

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Micha­el Rüf­fer, Fach­jour­na­list, Re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin, Fotos: Apro­mac [1090]

Ein Trop­fen Die­sel­kraft­stoff, al­so et­wa 0,6 Mil­li­li­ter, ma­chen bis zu 600 Li­ter Trink­was­ser un­brauch­bar“, sagt Dipl.Ing. Gerd Hoff­mann. „Das ent­spricht ei­ner Wirk­sam­keit von 1 zu 1 Mil­li­on. Dem­ent­spre­chend wich­tig ist es für die Feu­er­wehr, im Not­fall leck­ge­schla­ge­ne Lkw-tanks so­wie La­ger- und Trans­port­be­häl­ter schnell ab­dich­ten zu kön­nen.“Hoff­mann ist Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma Apro­mac (Ad­van­ced Pro­cess Tech­ni­ques and Ma­te­ri­als for Con­struc­tion, deutsch: Fort­ge­schrit­te­ne Ver­fah­rens­tech­ni­ken und Ma­te­ria­li­en für den Bau).

„Ei­ne Um­fra­ge bei Feu­er­weh­ren hat er­ge­ben, dass es an gut hand­hab­ba­ren Dicht­mit­teln für Ölle­cka­gen bei Lkw-un­fäl­len fehlt“, be­rich­tet der Di­plom-in­ge­nieur. Dies be­tref­fe vor al­lem klei­ne­re Le­cka­gen, da gro­ße Leck­stel­len meist schon zur Tan­kent­lee­rung führ­ten, be­vor die Feu­er­wehr an Ort und Stel­le sei. „Da­her ha­ben wir ei­ne so­fort wirk­sa­me Dicht­pas­te ent­wi­ckelt, die ge­gen Kraft­stof­fe und Öle ei­ne deut­lich ver­bes­ser­te Per­for­mance auf­weist als die bis­her ein­ge­setz­ten Pro­duk­te“, so Hoff­mann.

Öl­hal­ti­ge Stof­fe die­nen als Gleit-, Schmier­und Trenn­mit­tel. Sie sol­len nor­ma­ler­wei­se je­de An­ba­ckung ver­hin­dern. „Aus die­sem Grund ist das Ver­kle­ben und Áb­dich­ten ge­gen Öle und Kraft­stof­fe ei­ne Her­aus­for­de­rung be­son­de­rer Art“, er­klärt der Ge­schäfts­füh­rer. „Das Pro­blem lässt sich mit ei­nem dau­er­plas­ti­schen Werk­stoff lö­sen, der sich we­gen sei­ner gu­ten Ver­form­bar­keit auch an kom­pli­zier­tes­te For­men an­passt und ei­ne Zeit­span­ne von ei­ni­gen St­un­den zu­ver­läs­sig über­brückt.“

Bis­her ver­füg­ba­re Not­fall-dich­tungs­mas­sen (Typ 1) be­stün­den aus an­or­ga­ni­schen, to­n­ähn­li­chen Ma­te­ria­li­en. Sie sei­en in ers­ter Li­nie ge­gen Was­ser und was­ser­ver­dünn­ba­re Me­di­en – zum Bei­spiel Säu­ren, Lau­gen und Dis­per­sio­nen – wirk­sam, al­ler­dings deut­lich we­ni­ger bei Mi­ne­ral­ölen. Bei der auf syn­the­ti­schen Stof­fen ba­sie­ren­den Hd-pas­te (Typ 2) sei es ge­nau um­ge­kehrt. So wei­se die­se Not­fall-dich­tungs­mas­se auch un­ter kon­stan­tem Öl­druck ei­ne ho­he Stand­dau­er auf. Ver­su­che mit Die­sel­kraft­stoff mit ei­ner Druck­hö­he von 100 Zen­ti­me­tern und ei­ner Leck­öff­nung mit ei­nem Durch­mes­ser von 5 Mil­li­me­tern hät­ten ei­ne Stand­zeit von über 150 St­un­den er­ge­ben. Bei Typ-1-pas­ten ha­be die Stand­dau­er we­ni­ger als 0,25 St­un­den be­tra­gen. „Die Hd-pas­te lie­fert al­so ei­ne ho­he Si­cher­heit für den in der Pra­xis ge­for­der­ten Wert von min­des­tens 5 St­un­den“, be­tont Hoff­mann.

Not­fall-dich­tungs­mas­se in der GW-G-NORM ge­for­dert

Ne­ben der Stand­zeit sei der er­reich­ba­re Berst­druck ei­ne wich­ti­ge Kenn­grö­ße. „Bei un­se­ren Ver­su­chen mit ei­ner Leck­öff­nung von 10 Mil­li­me­tern lag der Berst­druck bei der Not­fall-dich­tungs­mas­se Typ 1 bei Was­ser bei et­wa 0,55 bar, beim Typ 2 bei 0,35 bar“, be­rich­tet der Di­plom-in­ge­nieur. „Beim Die­sel­kraft­stoff wa­ren die Un­ter­schie­de deut­lich kras­ser: Typ 1 kam auf deut­lich we­ni­ger als 0,05 bar, un­se­re Hd-pas­te (Typ 2) er­reich­te mehr als 0,6 bar.“Je grö­ßer die Öff­nung, des­to schwie­ri­ger sei das Ab­dich­ten mit ei­ner Pas­te. Au­ßer­dem sei ein läng­li­ches Leck güns­ti­ger als ein kreis­run­des.

„Um Pra­xis­wer­te für die Feu­er­wehr zu er­hal­ten, ha­ben wir meh­re­re Sze­na­ri­en durch­ge­spielt“, er­zählt Hoff­mann. Ei­nes da­von: Ein kom­plett mit Die­sel ge­füll­ter Tank mit ei­ner Bau­hö­he von 1 Me­ter hat in Bo­den­nä­he ei­ne Leck­stel­le mit 24 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser. Es soll um­ge­hend mit Hd-pas­te ab­ge­dich­tet wer­den. Da­bei ist laut Be­rech­nun­gen ein Druck von 0,18 bar auf­nehm­bar. Der vor­han­de­ne In­nen­druck

im Bo­den­be­reich liegt bei ei­ner Treib­stoff­dich­te von 0,84 Gramm pro Mil­li­li­ter zum Zeit­punkt der Leck­öff­nung bei 0,084 bar. Dem­nach lässt sich ein Si­cher­heits­fak­tor von 2,14 (n=0,18/0,084) er­rech­nen. Das heißt: Die Ab­dich­tung wür­de erst ver­sa­gen, wenn der In­nen­druck um das 2,14-fa­che ge­stei­gert wür­de. „Dies ist al­ler­dings in der Re­gel zeit­lich auf ei­ni­ge St­un­den li­mi­tiert“, so der Apro­mac-ge­schäfts­füh­rer. „Da­nach müss­te die Ab­dich­tung wie­der­holt wer­den.“

In ei­nem zwei­ten Fall un­ter­nahm Apro­mac ei­nen Pra­xis­ver­such im La­ger ei­nes Che­mie­werks. Die La­ge: Aus ei­nem be­schä­dig­ten 200-Li­ter-fass aus High-den­si­ty-po­ly­ethy­len (HDPE) trat Schal­öl (Dich­te 0,86 g/ml) aus. Der Riss be­saß ei­ne Öff­nung von 150 Qua­drat­mil­li­me­tern (1,5 x 100 mm) und wur­de um­ge­hend mit Hd-pas­te ab­ge­dich­tet. „Als wir den Ver­such nach 3 Ta­gen ab­ge­bro­chen ha­ben, war die Ab­dich­tung noch voll­stän­dig in­takt“, be­rich­tet Hoff­mann. Der Si­cher­heits­fak­tor ha­be in die­sem Fall 8,33 be­tra­gen. In je­dem Fall sei­en die je­wei­li­gen Tech­ni­schen In­for­ma­tio­nen für die ein­zel­nen Pro­duk­te zu be­ach­ten. „Dort wer­den vor An­wen­dung ins­be­son­de­re Eig­nungs­tests un­ter den je­wei­li­gen ört­li­chen Be­din­gun­gen emp­foh­len“, so der Ge­schäfts­füh­rer.

Hoff­mann ver­weist auf die über­ar­bei­te­te Norm DIN 14555 – Teil 12 für Ge­rä­te­wa­gen Ge­fahr­gut (GW-G) der Feu­er­wehr. In der feu­er­wehr­tech­ni­schen Be­la­de­lis­te Ta­bel­le 1, Po­si­ti­on 9.52 wer­den Not­fall-dich­tungs­mas­sen als „Haf­tend auf be­netz­ten Ober­flä­chen“und „Be­stän­dig ge­gen Säu­ren, Lau­gen und Mi­ne­ral­öl­pro­duk­te“be­schrie­ben. „Nach un­se­ren Un­ter­su­chun­gen ist der bis­lang ein­zig ver­füg­ba­re Pas­ten-typ 1 ge­gen was­ser­ver­dünn­ba­re Me­di­en, – al­so ent­spre­chend der oben ge­nann­ten Norm ge­gen Säu­ren und Lau­gen – und der neue Pas­ten-typ 2 ins­be­son­de­re ge­gen Mi­ne­ral­öl­pro­duk­te zu ver­wen­den“, sagt der Di­plom-in­ge­nieur. Die Norm for­dert für die Not­fall-dich­tungs­mas­se ei­ne Ge­samt­mas­se von zir­ka 1 Ki­lo­gramm. Apro­mac bie­tet die Hd-pas­te in Do­sen zu 500 Mil­li­li­ter an. Sie sind di­rekt beim Un­ter­neh­men und bei Fach­händ­lern er­hält­lich.

Die Fir­ma Apro­mac hat die Not­fall-dich­tungs­mas­se Hd-pas­te ent­wi­ckelt (klei­nes Bild), die sich ins­be­son­de­re zum Ab­dich­ten von Ölle­cka­gen nach Lkw-un­fäl­len eig­nen soll. Zu­sam­men mit der Feu­er­wehr Dort­mund un­ter­zog sie die­se ei­nem Pra­xis­test zum Berst­druck.

Ab­dich­ten ei­nes be­schä­dig­ten 200-Li­terSchal­öl-fas­ses mit Apro­mac Hd-pas­te.

Defekter Kraft­stoff­tank nach ei­nem Lkw-un­fall. Ein Trop­fen Die­sel – zir­ka 0,6 Mil­li­li­ter – kann bis zu 600 Li­ter Trink­was­ser un­brauch­bar ma­chen.

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