War­um wir tes­ten

Feuerwehr-Magazin - - Editorial - Jan-erik He­ge­mann, Chef­re­dak­teur, he­ge­mann@feu­er­wehr­ma­ga­zin.de

Es gibt nicht mehr vie­le Re­dak­tio­nen, die re­gel­mä­ßig Pro­duk­te tes­ten. Der Auf­wand ist enorm, egal ob im La­bor oder in der Pra­xis ge­tes­tet wird. Und vie­le Kol­le­gen scheu­en auch die Dis­kus­sio­nen mit den Her­stel­lern, de­ren Pro­duk­te even­tu­ell nicht ganz so gut ab­ge­schnit­ten ha­ben. Das Feu­er­wehr-ma­ga­zin stellt sich dem.

Wir sind der Mei­nung, dass durch wirk­lich neu­tra­le und un­ab­hän­gi­ge Tests die Qua­li­tät der Pro­duk­te ge­stei­gert wer­den kann. Ein idea­les Bei­spiel da­für ist un­ser Test von Ja­cken mit in­te­grier­ten Gurt­sys­te­men aus 2016. Wir hat­ten da­bei ei­nen er­heb­li­chen Si­cher­heits­man­gel an ei­nem Pro­dukt fest­ge­stellt. Der Her­stel­ler mel­de­te sich um­ge­hend da­nach bei uns und sag­te ei­ne so­for­ti­ge Nach­bes­se­rung sei­nes Pro­duk­tes zu. Hier­bei kam ihm zu­gu­te, dass die Ja­cken in der Re­gel nicht mehr in gro­ßen Stück­zah­len auf La­ger lie­gen, son­dern in­di­vi­du­ell für die Be­stel­ler her­ge­stellt wer­den.

Auch die Er­geb­nis­se un­se­res Ho­sen­tests wer­den für Dis­kus­si­ons­stoff sor­gen. Uns ist durch­aus be­wusst, dass ein Eier­fall­test in kei­ner Norm vor­ge­schrie­ben oder ge­for­dert ist. Wir hat­ten über­legt, wie sich ein ge­pols­ter­ter Be­reich an­schau­lich tes­ten lässt. Al­so ha­ben wir ein ro­hes Ei aus ei­nem Me­ter Hö­he mit­tig dar­auf fal­len las­sen. Ein Ei zer­brach zu un­se­rer Über­ra­schung da­bei.

Noch er­staun­li­cher fan­den wir, dass ei­ne Ho­se nach ei­nem 15-se­kün­di­gen Be­sprü­hen am Ho­sen­schlitz in­nen leicht feucht wur­de. Im In­nen­an­griff wird die­ser Be­reich in der Re­gel durch die Ja­cke ge­schützt sein. Aber beim Kni­en oder dem Flas­ho­ver-re­flex kann es durch­aus vor­kom­men, dass Lösch­was­ser auch hier­hin ge­langt. Dann darf es auf kei­nen Fall durch­drin­gen.

Im La­bor ha­ben wir die Ho­sen üb­ri­gens nicht ge­tes­tet. Uns ging es um das Tra­ge­ge­fühl. Und da die­ses Ge­fühl sehr un­ter­schied­lich aus­fällt, ha­ben wir zehn un­ter­schied­lich „ge­bau­te“Feu­er­wehr­leu­te al­le zehn Ho­sen tes­ten las­sen.

Ei­gent­lich hat­ten wir üb­ri­gens zwölf Ho­sen tes­ten wol­len, aber zwei Her­stel­ler ha­ben sich dem Test nicht ge­stellt.

La­b­or­tests sind üb­ri­gens für die Zer­ti­fi­zie­rung der Ho­sen vor­ge­schrie­ben. An­hand der aus­ge­wie­se­nen Leis­tungs­stu­fen für Wär­me­über­gang (X ), Was­ser­dicht heit(Y) und Was­ser­dampf durch­gangs wi­der­stand( Z) lässt sich sehr ein­fach fest­stel­len, wie gut die Ho­sen ab­ge­schnit­ten ha­ben. Die Leis­tungs­stu­fe 2 muss bei al­len Kri­te­ri­en er­reicht wer­den, soll die Ho­se bei der Brand­be­kämp­fung im In­nen­an­griff ge­tra­gen wer­den. Wer es ganz ge­nau wis­sen möch­te, soll­te sich die de­tail­lier­ten Prüf­be­rich­te zei­gen las­sen und ver­glei­chen.

Ich wün­sche Euch viel Spaß beim Le­sen die­ser Aus­ga­be und auch mit Eu­ren Über­ho­sen.

Ein Ei zer­brach beim Auf­prall aus ei­nem Me­ter Hö­he auf dem Knie­pols­ter.

Aus 5 Me­ter Ent­fer­nung be­sprüh­ten wir die Tes­ter 15 Se­kun­den mit Was­ser. Ei­ne Ho­se wur­de da­bei feucht. Fo­tos: He­ge­mann

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