i | Gu­tes Kli­ma und auf­merk­sa­mer Blick

Feuerwehr-Magazin - - Reportage - Text und Fo­tos: Hei­no Schüt­te, Ba­den-würt­tem­berg-kor­re­spon­dent [1476]

„Ei­ne ho­he Frau­en­quo­te tut dem Kli­ma ei­ner Feu­er­wehr gut“, ist Bö­bin­gens Kom­man­dant Do­mi­nik Ebert über­zeugt. Mehr denn je wer­de ei­ne Feu­er­wehr mit den Frau­en zu ei­ner ech­ten Fa­mi­lie, so­wohl vor als auch hin­ter den Ku­lis­sen des Ein­satz­ge­sche­hens. Die FF Bö­bin­gen hat im Jahr zwi­schen 15 und 30 Ein­sät­ze zu be­wäl­ti­gen. Vie­le schwe­re Ver­kehrs­un­fäl­le auf der Bun­de­stra­ße 29 sind dar­un­ter, die den Ort re­gel­recht zer­schnei­det. „Ir­gend­wie ha­ben un­se­re Frau­en ei­nen wei­te­ren und sorg­sa­me­ren Blick rund­her­um, um zu er­fas­sen, was zu tun ist“, so Ebert. Die weib­li­chen Mit­glie­der sei­en ei­ne Be­rei­che­rung und Ver­bes­se­rung, auch im Hin­blick auf die Ta­ges­ver­füg­bar­keit. Der schö­ne und viel­zi­tier­te Be­griff der „Feu­er­wehr­fa­mi­lie“wer­de ihm pra­xis­nah be­wusst, wenn er se­he, dass bei Ein­sät­zen der am Stand­ort ver­blie­be­ne Funk­dienst im Feu­er­wehr­haus nicht nur den Ein­satz ab­wick­le, son­dern mit den dort an­ver­trau­ten Spröss­lin­gen bis zur Rück­kehr der Ma­mi Feu­er­wehr­au­tos ma­le. Der Ne­ben­ef­fekt mit Blick auf mor­gen und über­mor­gen: Die „Zu­künf­ti­gen“Kräf­te wer­den früh­zei­tig an die Feu­er­wehr her­an­ge­führt.

und de­ren Män­ner gleich­falls bei der Feu­er­wehr sind, kann es da­heim be­son­ders in den Nacht­stun­den zu lei­den­schaft­li­chen Dis­kus­sio­nen kom­men: Wenn Alarm aus­ge­löst wird, wer darf ge­hen und wer muss da­heim bei den Kin­dern blei­ben? Im Ein­satz ist der Ehe­mann vi­el­leicht Di­enst­vor­ge­setz­ter – wie bei Ukri­ke Krauß. Und wenn da­heim die Frau das Sa­gen hat. Die Frau­en ver­si­chern: Bis jetzt sei­en al­le Konflikte ge­löst wor­den. Es ge­be in Bö­bin­gen bis­lang nur glück­li­che Feu­er­wehr­part­ner­schaf­ten und noch kei­ne -schei­dung!

Die Bö­bin­ger Feu­er­wehr-zwil­lin­ge ha­ben mit Si­mo­ne auch noch ei­ne Schwes­ter. Dies be­deu­tet, dass im Haus der Fa­mi­lie Fahr gleich drei Mä­dels bei der Feu­er­wehr sind. Da wird‘s leb­haft und auf der Trep­pe voll, wenn drei Pie­per gleich­zei­tig zum Alarm ru­fen.

Die ge­sam­te Frau­en-trup­pe hät­te al­so al­les bei­ein­an­der, um im Ex­trem­fall weib- l ich-aut­ark sämt­li­che Ein­sät­ze zu meis­tern: Grup­pen füh­re­rin­nen, Ma­schi­nist in­nen und Atem schutz ge­rä­te trä­ge­rin­nen. Die meis­ten der Frau­en ka­men über die Ju­gend­feu­er­wehr zu den Ak­ti­ven. Oft gab es im Rah­men der Kin­der fe­ri­en pro­gram­me die ers­ten Kon­tak­te zur Feu­er­wehr. „Hier lohnt es sich al­so, als Feu­er­wehr Prä­senz zu zei­gen“, so der Kom­man­dant.

In der Ju­gend­feu­er­wehr war­ten schon die nächs­ten Mäd­chen auf die Über­nah­me in die Rei­hen der Ak­ti­ven. Ebert freut sich über die­se Ent­wick­lung. Die Ka­me­ra­din­nen sei­en ab­so­lut gleich­be­rech­tigt und ei­ne Be­rei­che­rung. Und sie hel­fen sehr, das Pro­blem der Ta­ges ver­füg­bar­keit zu ent­schär­fen. Viel eder Frau­en sind auch tags­über vor Ort.

Nach­hol­be­darf in Ba­den-würt­tem­berg

Es sei auch zu spü­ren, wie durch die­sen au­ßer­or­dent­lich star­ken Frau­en­an­teil die manch­mal noch vor­han­de­ne Schwel­len­angst von Mäd­chen und Frau­en mi­ni­miert wird, ak­ti­ves Mit­glied zu wer­den. Das ent­spricht auch ei­nem An­lie­gen des Lan­des­feu­er­wehr­ver­bands von Ba­den-würt­tem­berg und des frü­he­ren In­nen­mi­nis­ters – und Feu­er­wehr­manns – Rein­hold Gall. Dem­nach ge­hört Ba­den-würt­tem­berg bis­lang im Län­der­ver­gleich ak­tu­ell noch zu den Schluss­lich­tern, was die Frau­en­quo­te bei den Feu­er­weh­ren be­trifft. Nur et­wa sechs Pro­zent be­trägt der Frau­en­an­teil bei den rund 108.000 frei­wil­li­gen Ein­satz­kräf­ten im Land. Bei den Be­rufs- und Werk­feu­er­weh­ren sieht es noch schlech­ter aus.

„Bei den Feu­er­weh­ren wird es zu­neh­mend wich­ti­ger, Men­schen für den Di­enst in ih­ren Rei­hen zu ge­win­nen, die sich an Werk­ta­gen den Tag über in der Ge­mein­de auf­hal­ten. Das wird mit wach­sen­der Mo­bi­li­tät der Men­schen und mit dem zu­neh­men­den Pend­ler­we­sen aber auch im­mer schwie­ri­ger. Für Frau­en gilt das ge­nau­so wie für Män­ner“, be­tont Gall.

Zu­rück in den Ost­alb­kreis: Am Bei­spiel der 4.500-Ein­woh­ner-ge­mein­de Bö­bin­gen mit ih­rer star­ken und wach­sen­den Frau­en-lösch­grup­pe zeigt sich, dass Ba­denWürt­tem­berg auf dem rich­ti­gen Weg ist. Die an­ge­stamm­te Feu­er­wehr-män­ner­welt im „Länd­le“war ein­mal.

Fran­zis­ka Fahr mit ih­rer Schwes­ter Si­mo­ne am Strahl­rohr.

Die Zwil­lin­ge La­ris­sa und Fran­zis­ka Fahr plus Schwes­ter Si­mo­ne bei der Men­schen­ret­tung im Rah­men der Son­der­übung für das Feu­er­wehr-ma­ga­zin.

Ma­schi­nis­tin Ul­ri­ke Krauß am Pum­pen­stand. Die Ober­lösch­meis­te­rin ist die Di­enst­äl­tes­te der Bö­bin­ger Frau­en­power.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.