Fron­tal-kol­li­si­on zwei­er Gü­ter­zü­ge

In der Nä­he des Bahn­hofs Lee­se-stol­zenau (NI) kol­li­die­ren zwei Gü­ter­zü­ge fron­tal mit­ein­an­der. Bei­de Lok­füh­rer wer­den schwer ver­letzt. Meh­re­re Wag­gons ent­glei­sen – zwei stür­zen auf ei­ne Stra­ße. Be­son­ders hei­kel: Ein Gü­ter­zug hat Ge­fahr­gut ge­la­den.

Feuerwehr-Magazin - - Einsatzbericht - Text: Sven Bu­chen­au, Re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin, Fo­tos: Feu­er­wehr SG Mit­tel­we­ser/uwe Wit­te [1331]

Am Frei­tag, den 30. Ju­ni 2017, nä­hern sich zwei Gü­ter­zü­ge aus ent­ge­gen­ge­setz­ter Rich­tung dem Bahn­hof Lee­se-stol­zenau in der Samt­ge­mein­de Mit­tel­we­ser (Kreis Ni­en­burg/we­ser). Die ein­glei­si­ge Bahn­stre­cke von Ni­en­burg nach Min­den (NW) wird für den Per­so­nen­ver­kehr im 2-St­un­den-takt nur von Re­gio­nal­bah­nen be­fah­ren. Für den Gü­ter­ver­kehr ist es ei­ne wich­ti­ge Rou­te von Ham­burg Rich­tung Ruhr­ge­biet.

Na­he der Bahn­brü­cke, un­ter der die Bun­des­stra­ße 215/441 ent­lang­führt, pas­siert das Un­glück. Ge­gen 14.45 Uhr kol­li­die­ren die bei­den Zü­ge fron­tal mit­ein­an­der. Durch den Zu­sam­men­stoß wer­den die Loks im Front­be­reich stark de­for­miert. Der hin­te­re Teil der aus Nor­den kom­men­den Bahn springt seit­lich aus den Glei­sen.

Der Auf­prall ist so hef­tig, dass von je­weils bei­den Zü­gen meh­re­re Wag­gons ent­glei­sen und seit­lich weg­ge­schleu­dert wer­den. Vier blei­ben auf ei­nem Aus­weich­gleis des Bahn­hofs lie­gen. Zwei wei­te­re stür­zen auf der ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­te ei­ne Bö­schung hin­un­ter. Sie blei­ben auf ei­ner par­al­lel zum Gleis ver­lau­fen­den Stra­ße lie­gen. Zum Zeit­punkt des Un­falls sind hier glück­li­cher­wei­se kei­ne Fahr­zeu­ge un­ter­wegs.

Feu­er­wehr geht vom Schlimms­ten aus

Um 14.48 Uhr löst der Leit­stel­len-di­s­po­nent in Stadtha­gen Alarm für die Feu­er­wehr aus. „Die Alarm­mel­dung vom Zu­sam­men­stoß zwei­er Zü­ge und ei­ner ein­ge­klemm­ten Per­son lie­ßen das Schlimms­te er­ah­nen“, sagt der Pres­se­spre­cher der Feu­er­weh­ren der Samt­ge­mein­de (SG) Mit­tel­we­ser Uwe Wit­te. „Vor Ort stell­te sich dann her­aus, dass es sich um Gü­ter­zü­ge han­del­te.“

Weil meh­re­re Strom­mas­ten um­ge­ris­sen und die Ober­lei­tung ab­ge­ris­sen sind, wird ein Not­fall­ma­na­ger der Bahn alar­miert. Aus der SG Mit­tel­we­ser rü­cken die Orts­feu­er­weh­ren Lee­se, Stol­zenau, Nen­dorf, Lan­des­ber­gen so­wie die Ein­satz­lei­tung Ort (ELO) aus. Hin­zu kom­men die FF Loc­cum, die FF Lie­benau und die FF Ni­en­burg/we­ser. Die letz­ten bei­den rü­cken un­ter an­de­rem mit ih­ren Dreh­lei­tern an. Kreis­brand­meis­ter Bernd Fi­scher lei­tet den Feu­er­wehr­ein­satz. Bun­des­stra­ße und Bahn­stre­cke wer­den kom­plett ge­sperrt.

Knapp 2 Ki­lo­me­ter lang ste­hen die Wag­gons am Bahn­hof ent­lang auf der Stre­cke. Die erstein­tref­fen­den Kräf­te er­kun­den, dass sich dar­un­ter auch ein Wag­gon mit Ge­fahr­gut be­fin­det. Nach die­ser Mel­dung alar­miert der Di­s­po­nent die Tech­ni­sche Ein­satz­lei­tung (TEL), den ABC-ZUG, un­ter an­de­rem mit zwei Wech­sel­la­der­fahr­zeu­gen (WLF) mit den Ab­roll­be­häl­tern Atem­schutz/strah­len­schutz und Rüst/ret­tung so­wie den Fach­zug Rüst/ret­tung des Land­krei­ses Ni­en­burg.

Bei den Con­tai­nern, die auf die Stra­ße ge­stürzt sind, han­delt es sich um lee­re Kes­sel­wa­gen für den Le­bens­mit­tel­trans­port. Zwei wei­te­re lie­gen noch in der Bö­schung. Nicht weit da­von ent­fernt ste­hen die bei­den Loks. Mit Mo­tor­sä­gen schnei­den Ein­satz­kräf­te ei­nen Zu­gang die Bö­schung hin­auf zum Bahn­damm frei.

Bei­de Lok­füh­rer aus Fahr­stand ge­ret­tet

Als die Lei­tun­gen durch die Deut­sche Bahn strom­los ge­schal­tet und ge­er­det sind, ret­ten Feu­er­wehr­leu­te die schwer ver­letz­ten Lok­füh­rer, ei­ne Frau und ein Mann, aus ih­rem je­wei­li­gen Fahr­stand. Mit Schleif­korb­tra­gen wer­den die Ver­letz­ten die Bö­schung hin­un­ter­ge­tra­gen und dem Ret­tungs­dienst über­ge­ben. Die Lok­füh­re­rin wird mit ei­nem Ret­tungs­hub­schrau­ber (RTH) in ei­ne Kli­nik ge­flo­gen, wäh­rend der Lok­füh­rer mit ei­nem Ret­tungs­wa­gen (RTW) ins Kran­ken­haus ge­bracht wird. Ein Fahr­dienst­lei­ter im na­hen Stell­werk er­lei­det ei­nen Schock und muss ret­tungs­dienst­lich be­treut wer­den.

Auf­grund des Ge­fahr­stoff-wag­gons eva­ku­ie­ren Ret­tungs­kräf­te die Ge­bäu­de in der Bahn­hof­stra­ße in ei­nem Ra­di­us von 100

Me­tern. 20 Be­woh­ner wer­den vor­läu­fig im Ge­mein­de­haus der ka­tho­li­schen Kir­che in Stol­zenau un­ter­ge­bracht und be­treut.

Kräf­te des Abc-zu­ges kon­trol­lie­ren in Che­mi­ka­li­en­schutz­an­zü­gen die Wag­gons und über­prü­fen, ob Ge­fahr­stof­fe aus­ge­tre­ten sind. Der Ge­fahr­gut-wag­gon trägt die

Un-num­mer 1384. Da­bei han­delt es sich um Na­tri­um­dithio­nit (Na­tri­um­hy­dro­sul­fit), ei­nen ent­zünd­ba­ren fes­ten Stoff. Die Kräf­te in den Schutz­an­zü­gen stel­len fest, dass die Be­hält­nis­se nicht be­schä­digt sind. „Nach der Ent­war­nung wur­den die ers­ten der ins­ge­samt 390 Ein­satz­kräf­te aus dem Ein­satz ent­las­sen“, er­klärt Pres­se­spre­cher Wit­te. Der Ein­satz ist für die Feu­er­weh­ren um 18.45 Uhr be­en­det.

Er­mitt­lun­gen lau­fen noch

Ob mensch­li­ches Ver­sa­gen oder ei­ne tech­ni­sche Stö­rung die Ur­sa­che für den Un­fall wa­ren, steht bei Re­dak­ti­ons­schluss noch nicht fest. Ex­per­ten der Ei­sen­bahn-un­ter­su­chungs­stel­le des Bun­des in Bonn ha­ben die Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men.

Auf der­sel­ben Bahn­stre­cke Ni­en­bur­gMin­den hat­te sich erst ein hal­bes Jahr zu­vor ein schwe­res Un­glück er­eig­net. Rund 5 Ki­lo­me­ter von Lee­se ent­fernt war in Lan­des­ber­gen an ei­nem un­be­schrank­ten Bahn­über­gang ein Re­gio­nal­zug in ei­nen Müll­wa­gen ge­kracht. Der 32-jäh­ri­ge Lkw-fah­rer war da­bei ums Le­ben ge­kom­men.

Nach­dem zwei Gü­ter­zü­ge in Lee­se (NI) kol­li­diert sind, sprin­gen meh­re­re Wag­gons aus den Glei­sen. Die Un­fall­stel­le be­fin­det sich in der Nä­he des Bahn­hofs Lee­se-stol­zenau, ist aber schwer zu er­rei­chen.

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We­ni­ge Me­ter nörd­lich der Un­fall­stel­le be­fin­det sich der Bahn­hof Lee­se-stol­zenau. Die bei­den rech­ten Glei­se sind Aus­weich­glei­se des Bahn­hofs. Gut zu er­ken­nen ist, wo die bei­den Loks ste­hen­ge­blie­ben sind. Die Wag­gons sind rechts und links aus den Glei­sen ge­sprun­gen.

Aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve er­kennt man, dass ei­ner der bei­den Kes­sel­wa­gen so­gar auf ein an­gren­zen­des Grund­stück ge­rutscht ist.

Mit Mo­tor­sä­gen zer­le­gen Kräf­te ab­ge­bro­che­ne Äs­te, um die­se von der Fahr­bahn räu­men zu kön­nen.

Die bei­den Loks sind fron­tal zu­sam­men­ge­sto­ßen. Die Nörd­li­che­re ist seit­lich von den Glei­sen ge­sprun­gen.

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