Kup­peln, Klet­tern, Kno­ten ste­chen

Am 10. Sep­tem­ber steigt in Fal­ken­see (BB) die Deut­sche Meis­ter­schaft der Ju­gend­feu­er­wehr: der Bun­des­wett­be­werb. Die Grup­pen mes­sen sich in Staf­fel­lauf und Lö­sch­übung. Wir stel­len Euch den Klas­si­ker un­ter den Jf-wett­be­wer­ben vor. ##

Feuerwehr-Magazin - - Jugendfeuerwehr - Text: Chris­ti­an Pat­zelt, Re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin [1370]

Weit über tau­send Ju­gend­feu­er­wehr­grup­pen neh­men je­des Mal am Bun­des­wett­be­werb der Deut­schen Ju­gend­feu­er­wehr teil. Bis dann ma­xi­mal 32 Mann­schaf­ten am Fi­na­le auf Bun­des­ebe­ne teil­neh­men, müs­sen sich die Teams teil­wei­se in Ge­mein­de-kreis-, Be­zirks- und Lan­des­ent­schei­den be­wei­sen. So tre­ten schließ­lich die 16 Lan­des­meis­ter und Zweit­plat­zier­ten an, um den Deut­schen Meis­ter der Ju­gend­feu­er­weh­ren un­ter sich aus­zu­ma­chen. In ei­ni­gen Län­dern do­mi­nie­ren ei­ni­ge Teams seit Jah­ren den Bun­des­wett­be­werb. Wie die Ju­gend­feu­er­wehr Möl­len­beck aus Rin­teln (NI), die so­gar zu­letzt vier Mal in Fol­ge Deut­scher Meis­ter ge­wor­den ist. Doch die Se­ri­en­sie­ger ha­ben es dies­mal beim Lan­des­ent­scheid nicht ge­schafft, sich für das Fi­na­le auf Bun­des­ebe­ne zu qua­li­fi­zie­ren.

So wird es am 10. Sep­tem­ber 2017 erst­mals nach 2009 ei­nen neu­en Deut­schen Meis­ter im Bun­des­wett­be­werb ge­ben. Zu den Fa­vo­ri­ten zäh­len tra­di­tio­nell die Mann­schaf­ten aus Nie­der­sach­sen und Bay­ern. Für Nie­der­sach­sen tre­ten die JF Ne­gen­born (Kreis Holz­min­den) und die JF Nöp­ke aus Neu­stadt am Rüben­ber­ge (Re­gi­on Han­no­ver) an, für Bay­ern der Deut­sche Meis­ter von 2007 JF Tir­schen­reuth so­wie die JF Eberts­hau­sen (Kreis Schwein- furt). Aber vi­el­leicht gibt es ja auch ei­ne Über­ra­schung.

Im Staf­fel­lauf zum Sieg

Den Aus­schlag gibt häu­fig der so­ge­nann­te B-teil, der 400-Me­ter-staf­fel­lauf mit un­ter­schied­li­chen Auf­ga­ben. Die neun Grup­pen­mit­glie­der müs­sen je­weils ei­ne Stre­cke lau­fen und sechs Ju­gend­li­che zu­dem ei­ne Auf­ga­be er­fül­len: ## Läu­fer 1 und 2 le­gen

je­weils 50 Me­ter zu­rück. ## Läu­fer 3 muss auf sei­ner ins­ge­samt 40 Me­ter lan­gen Stre­cke ei­nen C-schlauch ein­fach rol­len. ## Läu­fer 4 über­quert im nächs­ten 40-Me­ter-ab­schnitt ein schma­les Lauf­brett. ## Läu­fer 5 emp­fängt den Stab auf ei­ner Tra­ge lie­gend. Für ihn gilt es, Helm, Gür­tel und Hand­schu­he kom­plett an­zu­zie­hen und erst dann mit dem Staf­fel­holz sei­ne 40 Me­ter zu lau­fen. ## Läu­fer 6 legt 50 Me­ter

oh­ne Auf­ga­be zu­rück. Läu­fer 7 sprin­tet 40 Me­ter, über­gibt den Staf­fel­stab an Läu­fer 8. Sie kup­peln CS­trahl­rohr und -Schlauch zu­sam­men, Läu­fer 8 bin­det mit dop­pel­tem An­ker­stich und Halb­schlag ein. Dann star­tet er sei­ne 50-Me­ter-stre­cke. Läu­fer 9 muss 40 Me­ter ren­nen, aber zu­nächst 8 Me­ter vor dem Ziel stop­pen und ei­nen Lei­nen­beu­tel von dort ins Ziel (durch ein 1,20 Me­ter brei­tes Tor) wer­fen.

Er­reicht der Schluss­läu­fer mit dem Staf­fel­stab das Ziel, wird die Zeit ge­stoppt. Die Punk­te­wer­tung nach Wett­be­werbs­ord­nung der DJF: „Je­de Wett­be­werbs­grup­pe be­kommt ent­spre­chend ih­rem Durch­schnitts­al­ter der neun Läu­fer ei­ne Soll­zeit vor­ge­schrie­ben, die mit 400 Punk­ten vor­ge­ge­ben wird. Die Se­kun­den­dif­fe­renz zwi­schen der Soll­zeit und der er­mit­tel­ten Übungs­zeit wird als Punkt­zahl der Vor­ga­be hin­zu­ge­rech­net be­zie­hungs­wei­se von ihr ab­ge­zo­gen.“

Bei­spiel­haf­te Soll­zei­ten: Al­ters­durch­schnitt 14 Jah­re =

2:20 Mi­nu­ten, 15 Jah­re = 2:15 Mi­nu­ten, 16 Jah­re = 2:10 Mi­nu­ten. Al­so, je jün­ger die Grup­pe, des­to mehr Zeit be­kommt sie als „Gut­ha­ben“. Hier zählt qua­si „Preis-leis­tung“. Ein jun­ges Team ins Ren­nen zu schi­cken, bringt nur Vor­tei­le, wenn die Läu­fer auch so gut sind wie ih­re äl­te­ren Ka­me­ra­den.

Ab­ge­zo­gen von den Lauf­punk­ten wer­den die Feh­ler­punk­te, wel­che die Ju­gend­li­chen bei den ein­zel­nen Auf­ga­ben und den Staf­fel­stabüber­ga­ben kas­sie­ren. Wenn das Staf­fel­holz zum Bei­spiel nicht in­ner­halb des vor­ge­schrie­be­nen 15 Me­ter lan­gen Be­reichs über­ge­ben wird, wer­den dem über­neh­men­den Läu­fer zehn Mi­nus­punk­te be­rech­net. Oder wenn der Schluss­läu­fer beim Wer­fen über die Mar­kie­rung tritt, gibt es fünf, wenn er das Tor nicht trifft zehn Feh­ler­punk­te.

Die bes­ten Teams Deutsch­lands schaf­fen den Staf­fel­lauf zwi­schen 1:25 Mi­nu­te und 1:40 Mi­nu­te, bes­ten­falls oh­ne Feh­ler.

Im A-teil zählt kor­rek­tes Han­deln

Im A-teil hat die Grup­pe deut­lich mehr Zeit: Sie muss ei­ne Lö­sch­übung in­ner­halb von 7 Mi­nu­ten bei si­mu­lier­ter Was­ser­ent­nah­me aus Of­fe­nem Ge­wäs­ser be­zie­hungs­wei­se 6 Mi­nu­ten bei Un­ter­flur­hy­drant auf­bau­en. Klingt lahm, ist aber gar nicht so ein­fach. Denn ers­tens müs­sen die Ju­gend­li­chen al­les kor­rekt nach Wett­be­werbs­ord­nung durch­füh­ren, um kei­ne Feh­ler­punk­te zu er­hal­ten. Und zwei­tens ist für den Lösch­an­griff ein Par­cours ein­ge­rich­tet.

So müs­sen bei­spiels­wei­se bis auf den Ma­schi­nis­ten al­le an­de­ren Teil­neh­mer über ei­nen 1,50 Me­ter brei­ten, si­mu­lier­ten Was­ser­gra­ben sprin­gen. Je­der Fehl­tritt be­deu­tet Mi­nus­punk­te. Die­ses Ri­si­ko ge­hen bei­spiels­wei­se die Teams ein, die für den B-teil be­wusst auf ei­nen jun­gen Al­ters­durch­schnitt und so­mit auf „Klei­ne“set­zen.

Der An­griff­s­trupp muss sein ers­tes Rohr für den lin­ken Brand­ab­schnitt un­ter ei­ner Lei­ter­wand durch­le­gen und

selbst über die 2 Me­ter ho­he Wand klet­tern. Im rech­ten Brand­ab­schnitt gilt es für Was­ser- und Schlauch­trupp ei­ne 70-Zen­ti­me­ter-hür­de zu über­que­ren. Der Schlauch­trupp ver­legt die Lei­tung für den Was­ser­trupp dann un­ter die­sem Hin­der­nis hin­durch. Und schließ­lich muss der ST­rupp selbst das drit­te Rohr durch ei­nen Kriech­tun­nel (60 cm breit, 80 cm hoch und 6 m lang) vor­neh­men.

Zu Be­ginn gilt es na­tür­lich, die Lei­tung von der Was­ser­ent­nah­me­stel­le über die Trag­krafts­prit­ze zum Ver­tei­ler zu ver­le­gen. Im 2-jähr­li­chen Wech­sel wird die Was­ser­ent­nah­me­stel­le als Un­ter­flur­hy­drant be­zie­hungs­wei­se Of­fe­nes Ge­wäs­ser si­mu­liert.

Der Übungs­ab­lauf ist in der Wett­be­werbs­ord­nung ge­nau be­schrie­ben: das chro­no­lo­gi­sche Vor­ge­hen der Trupps, die Hand­grif­fe, Ver­le­gen der Schlauch­re­ser­ve, Über- und Durch­que­ren der Hin­der­nis­se, die ge­nau­en Be­feh­le bis hin zur Auf­stel­lung der Trupps an den Strahl­roh­ren.

Ei­ne Be­son­der­heit in der Wett­be­werbs­ord­nung, wel­che vie­le Grup­pen in der Auf­re­gung ver­ges­sen: „Je­des Hin­der­nis be­zie­hungs­wei­se je­de Auf­ga­be darf nach ei­nem Feh­ler, so­fern er vom Wett­be­werbs­teil­neh­mer so­fort be­merkt wird, vor Be­ginn der nächs­ten Tä­tig- keit ein­mal wie­der­holt wer­den. Tritt beim zwei­ten Ver­such kein Feh­ler auf, so gilt das Hin­der­nis als feh­ler­los über­wun­den be­zie­hungs­wei­se die Auf­ga­be als feh­ler­frei ge­löst.“

Die Punk­te­be­wer­tung bei Of­fe­nem Ge­wäs­ser: „Je­de Wett­be­werbs­grup­pe er­hält zur Lö­sung der Auf­ga­be 1.000 Punk­te und ei­ne Vor­ga­be­zeit von 7 Mi­nu­ten. Für je­de Se­kun­de Über­schrei­tung der Vor­ga­be­zeit er­hält die Grup­pe ei­nen Mi­nus­punkt. Die er­mit­tel­ten Feh­ler­punk­te wer­den von den Vor­ga­be­punk­ten ab­ge­zo­gen.“

Klas­si­sche Bei­spie­le für Feh­ler­punk­te sind Be­rüh­ren des Was­ser­gra­bens (fünf), „Was­ser marsch“zu früh ge­ge­ben (fünf), Schlauch­ver­dre­hun­gen im B-schlauch zum Ver­tei­ler be­zie­hungs­wei­se in den ers­ten C-schläu­chen ab dem Ver­tei­ler (je­weils fünf ), zwei C-schläu­che nicht als Re­ser­ve ver­legt (je­weils zehn).

Bei der Lö­sch­übung steht al­so sau­be­res Ar­bei­ten im Vor­der­grund. Und in der Re­gel

be­nö­tigt ei­ne Grup­pe, die den Ablauf zwi­schen­durch übt, nicht län­ger als die vor­ge­ge­be­nen 7 Mi­nu­ten. Es gibt kei­ne Bo­nus-punk­te für schnel­le­re Zei­ten. So kön­nen die Teams auf Kon­zen­tra­ti­on und Ru­he set­zen.

Se­kun­den­schnel­les Kno­ten ste­chen

Wo­bei zu viel Ru­he auch nicht gut ist. Denn wenn al­le Roh­re und der Ver­tei­ler ge- schlos­sen sind, steigt bei An­griffs- und Was­ser­trupp noch­mal das Ad­re­na­lin. Dann heißt der Be­fehl vom Grup­pen­füh­rer „Kno­ten und Sti­che an­le­gen“. Die vier Ju­gend­li­chen müs­sen Zim­mer­mann­stich, Kreuz­kno­ten, Scho­ten­stich und Mast­wurf ste­chen. Je­der ei­nen aus der Aus­wahl.

Hier zäh­len Schnel­lig­keit und Rich­tig­keit. Für je­de be­nö­tig­te Se­kun­de zum An­le­gen der Kno­ten und Sti­che er­hält die Grup­pe ei­nen Mi­nus­punkt. Je­weils fünf Feh­ler­punk­te gibt es für „falsch aus­ge­führt“und zehn für „nicht aus­ge­führt“. Wer zu­hau­se mal üben möch­te – die Best­zei­ten lie­gen hier zwi­schen 6 bis 8 Se­kun­den. Mit ei­nem lau­ten „Übung be­en­det“des Grup­pen­füh­rers wird die Zeit ge­stoppt.

Ab­schlie­ßend nicht zu ver­ges­sen, gilt beim Bun­des­wett­be­werb auch das Auf­tre­ten der Grup­pe. Auf den Be­wer­tungs­bö­gen kön­nen die Schieds­rich­ter den Ge­samt­ein­druck be­no­ten. Dis­zi­pli­nier­tes, team­mä­ßi­ges Auf­tre­ten lohnt sich al­so zu­sätz­lich. Aber das ist doch bei der Ju­gend­feu­er­wehr selbst­ver­ständ­lich. In­fo: Al­les Wis­sens­wer­te und Ak­tu­el­les zum Bun­des­wett­be­werb der Deut­schen Ju­gend­feu­er­wehr fin­det Ihr un­ter www.ju­gend­feu­er­wehr.de/ schwer­punk­te/wett­be­wer­be.

Deut­scher Meis­ter 2015, zum vier­ten Mal in Fol­ge, wur­de die Ju­gend­feu­er­wehr Möl­len­beck aus Rin­teln (NI, Kreis Schaum­burg). Die Emo­tio­nen koch­ten bei Ju­gend­lei­tern und Ju­gend­li­chen hoch, wie beim ers­ten Ti­tel. Ein­fach Gän­se­h­aut­mo­men­te bei der Sie­ger­eh­rung des Bun­des­wett­be­werbs.

Fo­tos (2): DJF

Ziel­ein­lauf für Läu­fer 9 beim B-teil im Bun­des­wett­be­werb. Ne­ben dem Staf­fel­lauf ge­hört auch ei­ne Lö­sch­übung zu der Deut­schen Meis­ter­schaft der Ju­gend­feu­er­weh­ren. Fo­to: A. Müller

Im 2-jähr­li­chen Wech­sel si­mu­lie­ren Of­fe­nes Ge­wäs­ser be­zie­hungs­wei­se Un­ter­flur­hy­drant die Was­ser­ent­nah­me­stel­le. In 2017 heißt es wie­der: an die Sauglei­tung. Fo­to: A. Müller

Wer in den si­mu­lier­ten Was­ser­gra­ben tritt, der be­kommt Feh­ler­punk­te an­ge­rech­net.

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