Land in Sicht

 Jah­re­lang wur­de bei Deutsch­lands nörd­lichs­ter Be­rufs­feu­er­wehr in Flens­burg (SH) zu we­nig in­ves­­tiert. Jetzt hat die Po­li­tik end­lich auf die For­de­rung der Feu­er­wehr re­agiert. Die Er­neue­rung des Fuhr­parks läuft und ei­ne neue Wa­che soll ge­baut wer­den. D

Feuerwehr-Magazin - - Reportage - Text: Ti­mo Jann, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-au­tor [1032]

Die Ver­kehrs­sün­der­kar­tei, Deutsch­lands ers­ter ero­ti­scher Ver­sand­han­del, ei­ner der bes­ten Hand­ball­clubs der Welt, das Bier mit dem Plop-ver­schluss – un­ter an­de­rem da­für ist Flens­burg be­kannt. Die Be­rufs­feu­er­wehr schickt sich jetzt auch an, an ih­rem Be­kannt­heits­grad zu fei­len. Und da­zu sol­len un­ter an­de­rem Er­fah­run­gen aus Skan­di­na­vi­en bei­tra­gen. „Wir ha­ben von der Rats­ver­samm­lung grü­nes Licht zur Pla­nung ei­ner neu­en Feu­er­wa­che be­kom­men. Da­bei wol­len wir kon­se­quent auf ei­ne Schwarz-weiß-tren­nung ach­ten. In skan­di­na­vi­schen Län­dern gibt es da­zu gu­te Vor­bil­der, die wir aber noch wei­ter­den­ken wol­len. Der Ar­beits­schutz bei der neu­en Wa­che treibt uns um“, er­klärt Feu­er­wehr­chef Cars­ten Her­zog.

Ein Bei­spiel für die ge­plan­te strik­te Tren­nung: Sind Atem­schutz­ge­rä­te im Ein­satz stark mit Brand­rauch be­auf­schlagt, wer­den sie an der Ein­satz­stel­le ver­packt und mit ei­nem Ge­rä­te­wa­gen ab­ge­holt. „Wir wol­len die kon­ta­mi­nier­ten Press­luf­tat­mer nicht mehr im Mann­schafts­raum mit­neh­men“, sagt Her­zog. „Zu­dem über­le­gen wir, wie wir ver­schmutz­te Schutz­klei­dung schon an der Ein­satz­stel­le ef­fek­tiv aus­tau­schen kön­nen, um die Ein­satz­kräf­te nicht un­nö­tig mit Brand­ga­sen zu be­las­ten.“

In der Feu­er­wa­che wer­den die Press­luf­tat­mer dann von au­ßen in den Schwarz­Be­reich der Atem­schutz­werk­statt ge­bracht, wo zu­nächst ei­ne De­kon­ta­mi­na­ti­on für die kon­ta­mi­nier­te Tech­nik an­steht. Erst da­nach folgt die Rei­ni­gung der Atem­schutz­ge­rä­te.

Wer kennt die oft noch nach Ta­gen zu rie­chen­den Aus­düns­tun­gen in Ein­satz­fahr­zeu­gen nicht? Her­zog sieht jetzt durch die ge­ra­de ge­star­te­ten Über­le­gun­gen für den drin­gend nö­ti­gen Neu­bau den rich­ti­gen Zeit­punkt ge­kom­men, sol­che Miss­stän­de zu ver­än­dern. „Wenn man es wei­ter­denkt, geht es nicht nur um Schutz­be­klei­dung und Atem­schutz­ge­rä­te, son­dern auch um Schläu­che oder Funk­ge­rä­te“, meint Her­zog. „Aber wie de­kon­ta­mi­niert man ein Funk­ge­rät?“, stellt der Feu­er­wehr­chef ei­ne be­rech­tig­te Fra­ge.

Der 49-Jäh­ri­ge lei­tet die Be­rufs­feu­er­wehr in der Stadt an der För­de seit 2008, vor­her war er Ab­tei­lungs­lei­ter Ein­satz und Or­ga­ni­sa­ti­on. 1992 war der Werk­stoff-in­ge­nieur als Quer­ein­stei­ger zur Feu­er­wehr ge­kom­men. Her­zog: „Ich hat­te frü­her kei­ner­lei Be­zug zur Feu­er­wehr, be­reue den Schritt aber kei­ne Se­kun­de. Das Vi­rus hat mich längst voll er­fasst.“Ein selbst ge­schrie­be­nes Buch zum Ju­bi­lä­um „sei­ner“Feu­er­wehr und Vi­tri­nen mit zahl­rei­chen ro­ten Mo­dell­au­tos in sei­nem Bü­ro zeu­gen da­von.

Fuhr­park sa­niert, jetzt ist die Wa­che dran

Der Neu­bau der Feu­er­wa­che ist Her­zogs größ­tes Pro­jekt, die BF Flens­burg struk­tu­rell und auch tech­nisch zu sa­nie­ren. Im Jahr 1954 wur­de die Wa­che in der Stra­ße Mun­ketoft ein­ge­weiht. Sie war da­mals aus­ge­legt für 50 Mit­ar­bei­ter und 18 Fahr­zeu­ge. Rich­tig in­ves­tiert wur­de in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten nicht mehr wirk­lich in den

Stand­ort. Heu­te müs­sen die Rä­um­lich­kei­ten 120 Mit­ar­bei­ter und 36 Fahr­zeu­ge auf­neh­men. Fahr­zeug­hal­le, Ru­he­räu­me und Auf­ent­halts­raum ver­sprü­hen den Charme der 1970er Jah­re.

In der Haupt­hal­le sind drei der sechs Ga­ra­gen durch die bei­den Hil­fe­leis­tungs­Lös ch grup­pen fahr­zeu­ge(HLF )20 und die Dreh­lei­ter (DLAK) 23/12 des Lösch­zugs be­setzt. HLF 1 (Be­sat­zung 1/3) dient der Brand­be­kämp­fung, HLF 2 (Be­sat­zung 1/5) der Tech­ni­schen Hil­fe. Den Schlauch­trupp im Lösch­zug stellt bei Be­darf die Be­sat­zung der Dreh­lei­ter (1/1), de­ren Fahr­zeug­füh­rer aber auch für das Wech­sel la­der fahr­zeug (WLF) als Ma­schi­nist ein­springt. Da­ne­ben ste­hen zwei­mal drei Ret­tungs­wa­gen (RTW), je­weils Heck an Heck.

Die nied­ri­gen Tor­hö­hen er­for­dern be­reits extra fla­che Auf­bau­ten bei den Lösch­fahr­zeu­gen. Der Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 1 für den Be­am­ten des Lei­tungs­diens­tes steht an Werk­ta­gen tags­über un­ter frei­em Him­mel auf dem Hof, abends und am Wo­che­n­en­de beim dienst­ha­ben­den Lei­tungs­dienst zu­hau­se.

„Als ich den Chef pos­ten hier über­nom­men ha­be, lag das Durch­schnitts­al­ter der Fahr­zeu­ge bei 18,5 Jah­ren. Da war es mei­ne ers­te Auf­ga­be, ein Fahr­zeug­kon­zept zu er­stel­len und für ei­ne Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on zu sor­gen“, er­in­nert sich Her­zog. Da­bei pro­fi­tier­te Flens­burg auch vom Kon­junk­tur­pa­ket des Bun­des, über das drei LF für die frei­wil­li­ge Feu­er­wehr be­schafft wer­den konn­ten. „Es gab kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Plan, jähr­lich min­des­tens ein Groß­fahr­zeug neu zu be­schaf­fen“, be­rich­tet Her­zog.

In­zwi­schen ist der Fuhr­park auf dem neu­es­ten Stand. 2011 ist das Bau­jahr der von Ma­gi­rus mit Ge­lenk auf ei­nem Mer­ce­des Ate­go auf­ge­bau­ten DLAK des Lösch­zugs. 2013 lie­fer­te Sch­ling­mann drei HLF 20, eben­falls Mer­ce­des Ate­go. Im Mai folg­te ge­ra­de ein bau­glei­ches vier­tes HLF 20 und 2018 soll Ma­gi­rus ei­ne wei­te­re Dreh­lei­ter lie­fern. Wür­de der­zeit bei ei­nem grö­ße­ren Ein­satz ei­ne zu­sätz­li­che DLAK in Flens­burg be­nö­tigt, wür­de die­se mit et­wa 20 Mi­nu­ten Vor­lauf aus Glücks­burg an­rü­cken.

Flens­bur­ger Fahr­zeug­kon­zept

„Wir ha­ben 2009 ein Fahr­zeug­kon­zept er­ar­bei­tet, das auch noch heu­te gilt“, er­klärt Sven Han­sen, Sach­ge­biets­lei­ter Tech­nik und Ka­ta­stro­phen­schutz der Feu­er­wehr Flens­burg. „Für die Brand­be­kämp­fung sind un­se­re HLF al­le iden­tisch aus­ge­rüs­tet, das zwei­te HLF im Lösch­zug ver­fügt zu­sätz­lich über ein Mo­dul mit dem hy­drau­li­schen Ret­tungs­satz im Ge­rä­te­raum 2“, so Han­sen.

Das HLF 1 ist au­ßer­dem mit ei­nem Ge­fahr­gut­satz aus­ge­stat­tet. Fällt ein HLF aus, kann zu­sätz­lich ein Rüst­wa­gen (RW) 1 der FF in Di­enst ge­stellt wer­den. Den Unimog

nutzt die Feu­er­wehr manch­mal bei star­kem Schnee­fall auch im Win­ter. Al­le Fahr­zeu­ge des Lösch­zugs ver­fü­gen näm­lich über Stra­ßen­fahr­ge­stel­le. Mit All­rad wä­ren die Fahr­zeu­ge hö­her und wür­den nicht mehr in die Fahr­zeug­hal­le pas­sen.

„Wir ha­ben aus­schließ­lich Ge­trie­be mit Voll­au­to­ma­tik be­schafft, was sich be­währt hat“, sagt Han­sen. Bei den Dreh­lei­tern ver­zich­te­ten die Flens­bur­ger be­wusst auf Selbst­schutz­dü­sen am Korb­bo­den oder ei­nen fest mon­tier­ten Wer­fer an der Korb­vor­der­sei­te. Han­sen: „Die Dreh­lei­ter ist ein Hu­bret­tungs­ge­rät, da hat für uns die Men­schen­ret­tung obers­te Prio­ri­tät. Zu­guns­ten der ma­xi­ma­len Aus­la­dung ha­ben wir des- halb auf al­les ver­zich­tet, was für die Ret­tung un­nö­ti­ges Ge­wicht mit sich bringt.“

Op­tisch un­ter­schei­den sich die weiß la­ckier­ten und mit ta­ges­leucht­ro­ter Fo­lie be­kleb­ten Fahr­zeu­ge des Lösch­zugs von den in feu­er­rot la­ckier­ten an­de­ren Fahr­zeu­gen der Feu­er­wehr. „Auch das hat ei­nen ein­fa­chen Grund. Die Fahr­zeu­ge des Lösch­zugs sind häu­fi­ger un­ter­wegs – da ist uns ei­ne gu­te Er­kenn­bar­keit wich­ti­ger als bei den sons­ti­gen Fahr­zeu­gen“, er­klärt Han­sen. Um Sicht­bar­keit geht es auch, wenn der Ret­tungs­dienst auf die na­he Au­to­bahn 7 aus­rückt: Zur Ab­si­che­rung mög­li­cher Ein­satz­stel­len des Ret­tungs­diens­tes fährt im­mer auch ein HLF mit raus, ob­wohl die Feu­er­wehr pri­mär auf der Au­to­bahn nicht zu­stän­dig ist.

Auf dem Hof ste­hen beim Be­such des Feu­er­wehr-ma­ga­zins auch die bei­den Wech­sel­la­der­fahr­zeu­ge der Be­rufs­feu­er­wehr mit auf­ge­sat­tel­ten Ab­roll­be­häl­tern (AB). Die WLF stam­men aus den Jah­ren 2009 und 2015. Wei­te­re AB ste­hen in der Un­ter­kunft des Tech­ni­schen Hilfs­werks (THW). Hin­ter­grund: Der Schlauch­turm der Feu­er­wehr ist zu die­sem Zeit­punkt ein­sturz­ge­fähr­det und muss ab­ge­tra­gen wer­den. So­lan­ge ist der Sei­ten­be­reich ge­sperrt – und dort ver­läuft die Zu­fahrt zum gro­ßen Car­port für die WLF.

Ge­sperrt sind auch La­ger­räu­me, die Park­plät­ze für die Au­tos der Feu­er­wehr­män­ner

und die Schlauch­pfle­ge-werk­statt. Mitt­ler­wei­le ist der Turm ab­ge­ris­sen. Die Schief­la­ge hing mit dem Bau­grund zu­sam­men. Auf dem Are­al, auf dem die Feu­er­wa­che und das En­de 2016 ab­ge­ris­se­ne be­nach­bar­te Hal­len­bad ste­hen be­zie­hungs­wei­se stan­den, be­fand sich frü­her der Müh­len­teich. Der wur­de ver­füllt, aber der Bo­den war auf Dau­er nicht trag­fä­hig ge­nug.

Im Un­ter­ge­schoss ei­nes An­baus ste­hen die Pkw der Feu­er­wehr, et­wa ein Hy­un­dai i30 in Wein­rot­me­tal­lic mit Ma­gnet­blau­licht. Den nutzt haupt­säch­lich Ro­land Setz, stell­ver­tre­ten­der Feu­er­wehr­chef und Sach­ge­biets­lei­ter Vor­beu­gen­der Brand­schutz, für Di­enst­fahr­ten. Der 62-Jäh­ri­ge hat sei­nen Di­enst frei­wil­lig um 3 Jah­re ver­län­gert. Für ge­wöhn­lich ge­hen Feu­er­wehr-be­am­te mit 60 Jah­ren in Pen­si­on. „Es macht mir gro­ßen Spaß“, be­grün­det Setz sei­ne Ent­schei­dung.

Nach Sta­tio­nen bei den Be­rufs­feu­er­weh­ren in Duis­burg, Kre­feld (NW) und Würz­burg (BY) kam der Ar­chi­tekt 1999 an die För­de. „Es ist hier in Flens­burg schon ei­ne sehr span­nen­de Auf­ga­be“, be­rich­tet Setz. In der teil­wei­se eng be­bau­ten Alt­stadt am Nord­ufer der För­de ist das durch­aus ei­ne Her­aus­for­de­rung. Setz: „Da kön­nen wir auf den Hö­fen häu­fig nur mit trag­ba­ren Lei­tern ar­bei­ten. Die Er­reich­bar­keit mit Fahr­zeu­gen ist dort schon sehr ein­ge­schränkt.“Setz‘ Vor­teil im Ein­satz­dienst ist, dass er durch sei­ne Tä­tig­keit im Vor­beu­gen­den Brand­schutz vie­le De­tails von Son­der­ob­jek­ten kennt.

Üb­ri­gens, trotz der La­ge di­rekt an der För­de zur Ost­see be­schäf­tigt Hoch­was­ser die Feu­er­wehr nicht all­zu oft. Wenn, dann bei star­kem Wind aus Nord­ost, der das Was­ser rein­drückt, oder bei nach­las­sen­dem Süd­west­wind, wenn die vol­le La­dung Was­ser in die För­de zu­rück schwappt. Aber die­se La­gen kom­men nur re­la­tiv sel­ten vor.

Die Flens­bur­ger Feu­er­wehr er­reich­ten 2016 ins­ge­samt 496 Feu­er­alar­me, 597 Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tun­gen, 2.559 NEF- und 11.044 Rtw-ein­sät­ze so­wie 10.594 Kran­ken­be­för­de­run­gen. Bei den Brän­den wur­de 222 Mal auch min­des­tens ei­ne FF alar­miert.

Mit Vor­alarm Zeit ge­win­nen

Wird in der Ko­ope­ra­ti­ven Leit­stel­le Nord in Har­ris­lee (ge­mein­sa­mer Sitz von Po­li­zei, Ret­tungs­dienst, Feu­er­wehr und Ka­ta­stro­phen­schutz) ein zu er­war­ten­der Alarm für den Lösch- oder Rüst­zug der Be­rufs­feu­er­wehr an­ge­nom­men, lö­sen die Di­s­po­nen­ten ei­nen Vor­alarm aus, um die Aus­rück­zeit zu ver­kür­zen. „Das ist noch ein Re­likt aus der Zeit, als wir un­se­re ei­ge­ne Leit­stel­le im Haus hat­ten“, sagt Wach­füh­rer Mar­co Bay­er. Dann geht ei­ne Klin­gel los und das Licht schal­tet sich ein, die Feu­er­wehr­män­ner wis­sen, dass es gleich ernst wird. Ein­satz­stich­wor­te zu Kleinst­brän­den kom­men je­doch oh­ne Vor­alarm rein. Alar­miert wer­den die Feu­er­wehr-

män­ner über di­gi­ta­le Mel­de­emp­fän­ger, die sie stets bei sich tra­gen.

Von der Leit­stel­le aus wer­den auch die Land­krei­se Schles­wig-flens­burg und Nord­fries­land be­treut. Her­zog: „Die Ko­ope­ra­ti­ve Leit­stel­le mit der Po­li­zei hat sich be­währt. Bei au­ßer­ge­wöhn­li­chen La­gen fin­det ein In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen po­li­zei­li­chem und kom­mu­na­lem Teil statt, von dem bei­de Auf­ga­ben­trä­ger pro­fi­tie­ren.“Pro­ble­me sieht der Chef der Feu­er­wehr Flens­burg al­ler­dings, aus­rei­chend Mit­ar­bei­ter mit feu­er­wehr­tech­ni­scher Qua­li­fi­ka­ti­on als Di­s­po­nen­ten für den Job ge­win­nen zu kön­nen. 360 frei­wil­li­ge Feu­er­weh­ren, die Flens­bur­ger BF und 60 Ret­tungs­dienst-fahr­zeu­ge fal­len in die Zu­stän­dig­keit der Leit­stel­le Nord.

Die Be­rufs­feu­er­wehr zählt im Ein­satz­dienst 83 Feu­er­wehr-be­am­te und 15 An­wär­ter in Aus­bil­dung. Er­gänzt wer­den die Brand­schüt­zer durch 31 An­ge­stell­te im Ret­tungs­dienst, für den die Feu­er­wehr der För­de­stadt ver­ant­wort­lich ist. Fünf RTW sind fest be­setzt, ein RTW könn­te bei Be­darf als Re­ser­vefahr­zeug durch Kräf­te des Lösch­zugs in den Ein­satz ge­bracht wer­den.

„Au­ßer­dem sind un­se­re HLF mit Not­fall­ruck­sä­cken be­setzt, so dass uns die Leit­stel­le auch als First Re­spon­der los­schi­cken könn­te, soll­ten wirk­lich al­le Ret­tungs­wa­gen im Ein­satz sein“, be­rich­tet Zug­füh­rer Mar­co Bay­er. Die RTW der Be­rufs­feu­er­wehr ste­hen an der Haupt­wa­che am Mun­ketoft, ein Not­arz­tEin­satz­fahr­zeug (NEF) am Kran­ken­haus und ein wei­te­rer RTW an der Ret­tungs­wa­che West. Der pri­va­te An­bie­ter Pro­me­di­ca fährt au­ßer­dem als Part­ner von der Ret­tungs­wa­che Ost aus Notfälle und Kran­ken­trans­por­te.

Ein­sät­ze in Dä­ne­mark

Der Ret­tungs­dienst rückt bis nach Dä­ne­mark aus. Von der Flens­bur­ger Feu­er­wa­che bis zur Gren­ze sind es nur knapp 10 Ki­lo­me­ter. „Frü­her, als es das Schen­ge­ner Ab­kom­men noch nicht gab, hat­ten wir so­gar ei­nen Schlüs­sel zum Kö­nig­reich“, er­in­nert sich Her­zog an ei­ne An­ek­do­te aus der Zeit vor 1999. Da­mals konn­ten die Rtw-be­sat­zun­gen bei Be­darf nachts ei­nen Grenz­über­gang öff­nen, um auf kür­zes­tem We­ge zum Ein­satz­ort zu ge­lan­gen. Mitt­ler­wei­le sind durch das Ab­kom­men längst of­fe­ne Gren­zen in­ner­halb Eu­ro­pas ge­re­gelt. Be­zahlt wer­den die Ein­sät­ze im Nach­bar­land zu den in Deutsch­land üb­li­chen Kon­di­tio­nen. Ei­ni­ge Or­te im Grenz­ge­biet sind von Flens­burg aus in­ner­halb der in Schles­wig-hol­stein gel­ten­den Hilfs­frist (12 Mi­nu­ten) er­reich­bar, so dass die Dä­nen ger­ne auf die Hil­fe aus Deutsch­land set­zen.

Her­zog: „In Dä­ne­mark wur­de der Ret­tungs­dienst aus­ge­schrie­ben, da wur­den ei­ni­ge Be­rei­che aber ei­gens aus­ge­klam­mert, weil man mit un­se­rer Hil­fe so zu­frie­den ist.“250 bis 300 Ein­sät­ze fah­ren die Ret­tungs­kräf­te aus Flens­burg pro Jahr im Nach­bar­staat.

Zu den dä­ni­schen Feu­er­weh­ren in der Grenz­re­gi­on pfle­gen die Flens­bur­ger en­ge Kon­tak­te, un­ter an­de­rem durch das Pro­jekt „In­ter­reg“der Eu­ro­päi­schen Uni­on zur grenz­über­grei­fen­den Zu­sam­men­ar­beit. „Un­ge­wohnt ist es für uns al­ler­dings, dass in Dä­ne­mark die Ge­samt­ein­satz­lei­tung stets bei der Po­li­zei liegt“, be­rich­tet Her­zog. Ei­ne Fol­ge der meis­tens pri­va­ten An­bie­ter für Ret­tungs­dienst und Feu­er­wehr in dem skan­di­na­vi­schen Land.

An­sons­ten ist die Feu­er­wehr al­lein für das knapp 94.000 Ein­woh­ner zäh­len­de Stadt­ge­biet zu­stän­dig. Und Flens­burg wächst – in den 1980er Jah­ren hat­te die Stadt nur 82.000 Ein­woh­ner. In Schles­wig-hol­stein wird be­reits ab 80.000 Ein­woh­nern ei­ne Be­rufs­feu­er­wehr ge­for­dert, was auf die vier Städ­te Flens­burg, Kiel (246.000 Ein­woh­ner), Lübeck (216.000) und Ne­u­müns­ter (80.000) zu­trifft. Al­le vier bil­den ih­re An­wär­ter ge­mein­sam in der Lan­des­feu­er­wehr­schu­le in Har­ris­lee aus.

FF (noch) nicht ta­gesalarm­si­cher

„Als klei­ne Be­rufs­feu­er­wehr ha­ben wir mit un­se­ren Auf­ga­ben ge­nug zu tun“, er­klärt Bay­er. Ne­ben Brand­be­kämp­fung und Tech­ni­scher Hil­fe so­wie Ret­tungs­dienst ste­hen auch ei­ne Tau­cher­grup­pe, ei­ne Hö­hen­ret­tungs­grup­pe und ei­ne Ge­fahr­gut­grup­pe im Di­enst. Bay­er: „Bei der Di­enst­plan­ge­stal­tung spie­len die­se Son­der­funk­tio­nen der Kol­le­gen aber

nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Es ist nicht so, dass wir je­der­zeit Tau­cher vor­hal­ten.“Die wür­den bei Be­darf nach ei­nem Alarm durch die Leit­stel­le auch aus der Frei­schicht kom­men. Je­der Be­rufs­feu­er­wehr­mann nimmt des­halb nach Fei­er­abend ei­nen di­gi­ta­len Mel­de­emp­fän­ger mit nach Hau­se.

Der­zeit ist die BF vor al­lem tags­über in der Wo­che weit­ge­hend auf sich ge­stellt. Der Lösch­zug mit zwölf Mann muss die an­fal­len­den Auf­ga­ben al­lei­ne meis­tern. „Wir könn­ten bei ei­nem ent­spre­chend gro­ßen Ein­satz aus der Frei­schicht tags­über aber auch noch ei­nen zwei­ten Lösch­zug in Di­enst neh­men“, sagt Bay­er. Zwei HLF und ei­ne DLK ste­hen da­für so­wie als Re­ser­vefahr­zeu­ge bei tech­ni­schen Aus­fäl­len an der Haupt­wa­che be­reit.

Zu­min­dest zur­zeit ist noch kei­ne Ta­gesalar­mie­rung für die sechs frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren vor­ge­se­hen. Ff-stadt­brand­meis­ter Jür­gen Sie­vers er­klärt: „Un­se­re Eh­ren­amt­li­chen sind uns nachts und am Wo­che­n­en­de ei­ne gro­ße Hil­fe, aber werk­tags ist es mit der Ver­füg­bar­keit der Ein­satz­kräf­te schwie­rig. Da wis­sen wir bei ei­ner An­for­de­rung ein­fach nicht ver­läss­lich, wer kommt.“

Nach­dem die FF Sü­de­rup man­gels Per­so­nal auf­ge­löst wer­den muss­te, ste­hen noch die Orts­feu­er­weh­ren Klues, Wei­che, In­nen­stadt, Jür­gens­by, En­gels­by und Ta­rup im Di­enst. Feu­er­wehr­chef Her­zog hofft aber, dass zu­min­dest bei zwei der Ein­hei­ten künf­tig das Per­so­nal als Un­ter­stüt­zung in der Ta­gesalar­mie­rung aus­rei­chend sein wird.

Haupt­fahr­zeug in den FF ist je­weils ein Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF) 10, wel­ches mit min­des­tens sechs Ein­satz­kräf­ten be­setzt aus­rü­cken soll und 1.000 Li­ter Was­ser an Bord hat. „Die Zu­sam­men­ar­beit mit der FF ist grund­sätz­lich gut. Uns ist aber auch be­wusst, dass wir sie, so­fern sie den Er­stan­griff über­neh­men, auch noch bes­ser aus­stat­ten müs­sen“, be­tont Her­zog. Un­ter an­de­rem Wär­me­bild­ka­me­ras und Gas­mess­ge­rä­te zählt er da­zu. Auch bau­lich muss in ei­ni­gen Feu­er­wehr­häu­sern drin­gend et­was pas­sie­ren. „Wir sind ei­ne Feu­er­wehr“, be­tont der obers­te Brand­schüt­zer Flens­burgs.

Ins­ge­samt sind in den eh­ren­amt­li­chen Ein­hei­ten 200 Frau­en und Män­ner ak­tiv. „Lei­der sind die Funk­tio­nen aber nicht aus­rei­chend be­setzt, so ver­fügt die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr nur über ins­ge­samt 60 Atem­schutz­ge­rä­te­trä­ger, 102 soll­ten es ei­gent­lich sein“, be­rich­tet Her­zog. Ob­wohl die Ein­woh­ner­zahl in Flens­burg zu­letzt deut­lich ge­stie­gen ist, hat sich die­se Ent­wick­lung nicht in der Mit­glie­der­zahl in der FF wi­der­ge­spie­gelt.

Nach­wuchs für die Be­rufs­feu­er­wehr zu be­geis­tern, fällt der nörd­lichs­ten deut­schen BF al­ler­dings nicht schwer. Her­zog: „In un­se­rem Ein­zugs­ge­biet le­ben zir­ka 500.000 Men­schen, da gibt es ei­gent­lich ge­nug jun­ge Leu­te, die zur Be­rufs­feu­er­wehr wol­len.“Für die zu­letzt aus­ge­schrie­be­nen neun An­wär­ter­stel­len gab es zir­ka 150 Be­wer­bun­gen.

„Wir su­chen aber, wie al­le an­de­ren Feu­er­weh­ren auch, hän­de­rin­gend bes­ser ge­eig­ne­te Be­wer­ber. Man­che Dik­ta­te oder Re­chen­auf­ga­ben mag man sich gar nicht an­gu­cken. Was ei­nem da so ge­bo­ten wird, ist manch­mal ei­ne Ka­ta­stro­phe“, be­rich­tet Bay­er. War­um es sich lohnt, sich bei der Feu­er­wehr zu be­wer­ben, be­grün­det der Wach­füh­rer so: „Das si­che­re Ein­kom­men ist für jun­ge Leu­te heu­te nicht mehr al­les. Die Aus­bil­dung zum Not­fall­sa­ni­tä­ter ist ja auch ei­ne zu­sätz­li­che Her­aus­for­de­rung.“Er zählt den hei­mat­na­hen Ar­beits­platz, re­la­tiv ge­re­gel­te Ar­beits­zei­ten und die ab­wechs­lungs­rei­chen Auf­ga­ben als Plus­punk­te für ei­nen Job bei der BF Flens­burg auf. „Bei uns wirkt ja je­der über­all mit, das sorgt schon für Ab­wechs­lung“.

För­de­städ­ter mit ei­ge­ner Hö­hen­ret­tungs­grup­pe

Für die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben muss­te be­reits Aus­rüs­tung aus Platz­grün­den aus­ge­la­gert wer­den. Das Equip­ment für die Hö­hen­ret­tung be­fin­det sich im Ge­rä­te­la­ger auf dem In­nen­hof der Wa­che. Die­ses be­steht aus sechs Con­tai­nern, die mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Thors­ten And­re­sen, Lei­ter der Hö­hen­ret­tungs­grup­pe: „Di­rekt an der Tür ha­ben wir al­les griff­be­reit, im Ein­satz­fall pa­cken al­le Kol­le­gen mit an, wäh­rend wir un­se­re Over­alls an­zie­hen.“Die sind – iden­tisch mit der Schutz­be­klei­dung – vom Schwei­zer Her­stel­ler Con­sul­tiv. „Die ro­te Op­tik mit den gel­ben Leucht­strei­fen ge­fällt uns sehr gut“, be­tont wie­der­um Bay­er.

Um sich auf die neue Son­der­auf­ga­be Hö­hen­ret­tung vor­zu­be­rei­ten, hat­te And­re­sen – sei­ne Kol­le­gen tauf­ten ihn „Hö­si-papst“– 2002 im In­sti­tut für Brand- und Ka­ta­stro­phen­schutz des Lan­des Sach­sen-an­halt in Hey­roths­ber­ge sei­ne Gr­und­aus­bil­dung in dem Be­reich ab­sol­viert. „Die bei­den ers­ten Ta­ge des Lehr­gangs muss­te ich mich erst­mal sor­tie­ren, um was es da ei­gent­lich geht. Für uns war das ja ab­so­lu­tes Neu­land“, er­in­nert sich And­re­sen.

Mitt­ler­wei­le sind 17 Flens­bur­ger Be­rufs­feu­er­wehr­män­ner zu Hö­hen­ret­tern aus­ge­bil­det. Längst ha­ben die För­de­städ­ter da­rin Rou­ti­ne, die Hand­grif­fe sit­zen. „Auf An­for­de­rung fah­ren wir auch zu über­re­gio­na­len Ein­sät­zen, denn Hö­hen­ret­ter gibt es in Schles­wig-hol­stein ne­ben uns nur in Kiel“, sagt And­re­sen. Das 13-stö­cki­ge Rat­haus, Wind­kraft­an­la­gen und der Schorn­stein des Heiz­werks sind op­ti­ma­le Übungs­ob­jek­te für die Spe­zi­al­trup­pe.

Ein wei­te­res Auf­ga­ben­ge­biet der Hö­hen­ret­ter ist die seil­un­ter­stütz­te Ret­tung und Ber­gung über­schwe­rer Per­so­nen aus ih­ren Woh­nun­gen. „Da sind wir ab ei­nem Ge­wicht von et­wa 150 Ki­lo­gramm ge­for­dert“, be­rich­tet And­re­sen. Das ent­spre­chen­de Kon­zept zur Ret­tung wur­de in Zu­sam­men­ar­beit mit den Kran­ken­häu­sern Dia­ko und St. Fran­zis­kus er­ar­bei­tet.

Um den Be­reich Atem­schutz – da setzt man in Flens­burg aus­schließ­lich auf Tech­nik aus dem Hau­se Drä­ger – küm­mert sich Ha­rald Ewers. „Un­ser Pool bie­tet 100 Atem­schutz­ge­rä­te und 18 Che­mi­ka­li­en­schutz­an­zü­ge“, zählt Ewers auf. Nach Ein­sät­zen wird grund­sätz­lich das kom­plet­te Ge­rät – und nicht nur die Fla­sche – ge­tauscht.

In dem Ma­te­ri­al­la­ger auf dem In­nen­hof lie­gen au­ßer­dem Schläu­che, Tauch­pum­pen, Funk­ge­rä­te und wei­te­re Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de. Di­rekt ne­ben den blau­en Con­tai­nern ste­hen noch zwei wei­ße Con­tai­ner. Sie ge­hö­ren zum Reich von Stefan Ha­wich, der sich um das me­di­zi­ni­sche Equip­ment küm­mert. „Mein Be­tä­ti­gungs­feld im Ta­ges­dienst ist die Ret­tungs­dienst­werk­statt“, be­rich­tet er. Denn nach der mor­gend­li­chen Ein­tei­lung und der Fahr­zeug­über­nah­me küm­mern sich die Be­rufs­feu­er­wehr­män­ner schwer­punkt­mä­ßig um Auf­ga­ben ab­seits des Ein­satz­ge­sche­hens. Aus­rüs­tung und Ma­te­ri­al der RTW, Kran­ken­trans­port­wa­gen, im NEF und in dem Pkw des Lei­ten­den Not­arz­tes so­wie die Not­fall­ruck­sä­cke der HLF müs­sen ge­pflegt und ge­prüft wer­den. „Au­ßer­dem rüs­ten wir hier auch die Fahr­zeu­ge des Ka­ta­stro­phen­schut­zes mit aus“, sagt Ha­wich, der frü­her auch als Lehr­ret­tungs-as­sis­tent ar­bei­te­te.

Spe­zi­el­le Re­ge­lun­gen im Ret­tungs­dienst

Zur­zeit wird auf den RTW von Kof­fern auf Ruck­sä­cke um­ge­stellt. Um für die zu­neh­men­de Zahl über­schwe­rer Pa­ti­en­ten ge­rüs­tet zu sein, ha­ben die Flens­bur­ger ein ei­ge­nes Tra­ge­tuch ent­wi­ckelt. Ha­wich: „Das ist ei­ne sta­bi­le Lkw-pla­ne, an der wir auf der Lie­ge­flä­che ei­ne zu­sätz­li­che Ver­stär­kung auf­ge­bracht ha­ben. Sie ist mit zahl­rei­chen Grif­fen aus­ge­stat­tet, so­dass man auch gut nach­fas­sen kann.“

Um die Ein­satz­mit­tel­pla­nung und die Abrech­nung im Be­reich Ret­tungs­dienst küm­mert sich Sa­bi­ne Schult, die Sach­ge­biets­lei­te­rin Ret­tungs­dienst, mit ih­rem Team. „Wie über­all im Ret­tungs­dienst ha­ben auch wir mit stei­gen­den Ein­satz­zah­len zu tun. Das hängt mit dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del zu­sam­men, die Men­schen wer­den im­mer äl­ter“, sagt Schult. Au­ßer­dem fal­len vie­le Ver­le­gun­gen in die im­mer stär­ker spe­zia­li­sier­ten Kli­ni­ken an. Bei den RTW und dem NEF setzt die Be­rufs­feu­er­wehr Flens­burg auf die Stan­dard­fahr­zeu­ge, die nach ei­nem lan­des­weit ein­heit­li­chen Las­ten­heft be­schafft wer­den.

Ziel bei der Per­so­nal­pla­nung zur Be­set­zung der Ret­tungs­mit­tel: 80 Pro­zent sol­len Not­fall­sa­ni­tä­ter sein, 20 Pro­zent Ret­tungs­sa­ni­tä­ter. „Der Pa­ti­ent soll ma­xi­ma­le Si­cher­heit er­hal­ten, des­halb bil­den wir un­se­re Mit­ar­bei­ter zu Not­fall­sa­ni­tä­tern aus“, sagt Schult. Et­wa 80 Schich­ten ab­sol­vie­ren die Be­rufs­feu­er­wehr­män­ner pro Jahr im Ret­tungs­dienst. Auf dem RTW fah­ren sie nach ei­ner in­ter­nen Ab­spra­che bis zum Al­ter von 50 Jah­ren, auf dem NEF bis zum Al­ter von 55 Jah­ren. Hin­ter­grund: Die äl­te­ren Kol­le­gen sol­len ent­las­tet wer­den. Nur den Re­ser­ve-rtw müss­ten die Be­am­ten bei Be­darf bis zur Pen­sio­nie­rung be­set­zen. „Im Ret­tungs­dienst ist die Be­las­tung au­ßer­dem so hoch, dass wir dort kei­ne 24-St­un­den-di­ens­te fah­ren“, sagt Bay­er. Die Kol­le­gen im Ret­tungs­dienst ar­bei­ten in Schich­ten zu je­weils 12 St­un­den.

Fle­xi­ble Di­enst­plä­ne

Bei den Feu­er­wehr­be­am­ten teilt sich der Di­enst in 11 St­un­den am Tag und 13 St­un­den in der Nacht. Wer möch­te, darf im Feu­er­wehr­be­reich 24 St­un­den ar­bei­ten. Ab­lö­sung ist täg­lich zwi­schen 6.30 und 7 Uhr. Fehlt mor­gens je­mand krank­heits­be­dingt, kom­men Kräf­te aus ei­ner spe­zi­el­len Ruf­be­reit­schaft au­ßer­plan­mä­ßig zum Di­enst. Der Di­enst­plan wird an­hand ei­nes fle­xi­blen Mo­dells mo­nats­wei­se er­stellt. Je­der Mit­ar­bei­ter kann da­zu vor­ab sei­nen Wunsch­zet­tel ab­ge­ben.

Der Di­enst­pla­ner sieht nach Mög­lich­keit un­ter des­sen Be­rück­sich­ti­gung aus­rei­chend Per­so­nal für die nö­ti­gen Funk­tio­nen vor und ver­teilt es dann je nach Qua­li­fi­ka­ti­on auf die zu be­set­zen­den Fahr­zeu­ge. Tau­schen ist mög­lich. „Grund­sätz­lich kann im Lösch­zug bei uns na­tür­lich je­der al­les“, macht Bay­er deut­lich.

Nach der Fahr­zeug­über­nah­me durch die Schicht küm­mern sich die Feu­er­wehr­leu­te um ih­re Werk­stät­ten. Bay­er: „Wir sind qua­si das feu­er­wehr­tech­ni­sche Zen­trum für die Stadt.“Um 9 Uhr steht ein ge­mein­sa­mes Früh­stück an, um 13 Uhr ist Mit­tags­zeit und bis 15 Uhr dann Ru­he­pha­se, ehe bis 18 Uhr wie­der Werk­statt­dienst ge­leis­tet wird. Im­mer diens­tags und don­ners­tags ist am Nach­mit­tag Di­enst­sport vor­ge­hen. Mehr­stun­den wer­den dem per­sön­li­chen Zeit­kon­to gut­ge­schrie­ben. Die­ses Sys­tem sorgt für gro­ße Zu­stim­mung un­ter den Kräf­ten.

Was man in Be­zug auf die In­fra­struk­tur am der­zei­ti­gen Stand­ort nicht be­haup­ten kann. Aber da ist an der För­de ja nun auch Land in Sicht: In die­sem Jahr soll ein Ar­chi­tek­tenWett­be­werb lau­fen, des­sen fa­vo­ri­sier­ter Ent­wurf dann 2018 ver­tie­fend ge­plant wer­den soll. Um Grund­la­gen zu lie­fern, sind in­ner­halb der Feu­er­wehr und Ver­wal­tung be­reits Ar­beits­grup­pen ak­tiv ge­wor­den. Nach dem Wett­be­werb müs­sen die Flens­bur­ger Po­li­ti­ker im Haus­halt die fi­nan­zi­el­len Mit­tel be­reit­stel­len und die Bau­ar­bei­ten er­le­digt wer­den. Her­zog schätzt, dass in 5 Jah­ren der Um­zug er­fol­gen kann.

Ge­baut wer­den soll di­rekt auf dem durch den Ab­riss des Hal­len­ba­des frei­ge­wor­de­nen Nach­bar­grund­stück. „Der Stand­ort hier ist gut“, sagt Her­zog. „Und da Flens­burg über ein kom­pak­tes Stadt­ge­biet ver­fügt, ist ein Stand­ort für uns aus­rei­chend“, be­rich­tet der Feu­er­wehr­chef. Klei­ne wei­ße Fle­cken im Be­darfs­plan, in de­nen die BF nicht schnell ge­nug vor Ort ist, hofft Her­zog zu­künf­tig durch die Ta­gesalarm­si­cher­heit zwei­er frei­wil­li­ger Weh­ren aus­mer­zen zu kön­nen.

Und dann steht nach dem Um­zug in die neue Feu­er­wa­che ei­nem wei­te­ren be­kann­ten Pro­jekt „Ma­de in Flens­burg“auch nichts mehr im We­ge. Kon­takt: Feu­er­wehr Flens­burg, Mun­ketoft 16, 24937 Flens­burg, Te­le­fon 0461/851111, www.be­rufs­feu­er­wehr.flens­burg.de

Ei­ne Schicht und ein Teil der An­wär­ter ha­ben sich mit ei­nem HLF 20, der DLAK 23/12, ei­nem RTW und dem ELW 1 zum tra­di­tio­nel­len Grup­pen­fo­to im Ha­fen auf­ge­stellt.

Das HLF 2 ist für die Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung mit ei­nem hy­drau­li­schen Ret­tungs­satz aus­ge­rüs­tet, es wird bei ei­nem Zu­galarm mit 1/5 be­setzt.

Ste­phan Iwers (rechts) und Be­ne­dict Fähn­ders mit dem Ret­tungs­wa­gen, der ein Stan­dar­dFahr­zeug des Ret­tungs­diens­tes im nörd­lichs­ten Bun­des­land ist. Neun RTW ver­schie­de­ner Bau­jah­re hat die BF Flens­burg im Fuhr­park.

Simon Jas­per be­ob­ach­tet ge­nau, wie die Feu­er­wehr­be­am­ten Mat­thi­as Al­bert­sen und Dirk Bar­tel­sen (von links) ih­re Fort­bil­dung in Sa­chen Ret­tungs­dienst ab­sol­vie­ren.

Der GW Ret­tungs­dienst hat von der Fir­ma Qu­er­ham­mer ei­nen neu­en Kof­fer­auf­bau er­hal­ten. Ba­sis ist ein aus­ge­mus­ter­ter Ret­tungs­wa­gen.

Sa­bi­ne Schult ist Sach­ge­biets­lei­te­rin Ret­tungs­dienst der Feu­er­wehr. Die RTW füh­ren auch Trös­te-ted­dys für Kin­der mit.

Der Lei­ten­de Not­arzt nutzt die­sen Golf 5 Plus als Di­enst­wa­gen.

Das HLF 1 des Lösch­zugs: Wie die an­de­ren HLF der Flens­bur­ger Be­rufs­feu­er­wehr stammt es von Sch­ling­mann, das Fahr­ge­stell lie­fer­te je­weils Mer­ce­des. Bei ent­spre­chen­den Sze­na­ri­en kann die Be­rufs­feu­er­wehr Flens­burg von ih­ren HLF auch per Dach­wer­fer lö­schen. Ar­no Len­ger (rechts) und Ha­rald Ewers mit den Schlauch­pa­ke­ten, die im G5 des HLF 1 la­gern. Im G1 des HLF 1 ist ein Ak­kuSchlag­schrau­ber prak­tisch in ei­nem Kunst­stoff­rohr ver­las­tet, wie Ar­no Len­ger zeigt.

Die 1954 ein­ge­weih­te Feu­er­wa­che. Vorn in der Mit­te die Fahr­zeug­hal­le des Lösch­zugs, links im Un­ter­ge­schoss ste­hen die Pkws der Feu­er­wehr, dar­über be­fin­den sich Werk­stät­ten. Im Hin­ter­grund der mitt­ler­wei­le ab­ge­ris­se­ne Schlauch­turm, da­ne­ben die Fahr­zeu­ge für den zwei­ten Ab­marsch. Im rech­ten Ge­bäu­de­teil be­fin­det sich die Ver­wal­tung. Im hin­te­ren Bild­be­reich soll der Neu­bau für die Feu­er­wehr ent­ste­hen.

Charme ver­gan­ge­ner Zei­ten in der Fahr­zeug­hal­le mit den da­mals ty­pi­schen Flie­sen und dem in braun ge­hal­te­nen Wasch­be­cken. Ob­jekt- und Alarm­plä­ne be­fin­den sich griff­be­reit in der Fahr­zeug­hal­le. In Flens­burg wird noch auf die Pa­pier­form ge­setzt.

Be­rufs­feu­er­wehr­mann Alex­an­der Schüt­te ar­bei­tet in der Kf­zWerk­statt, die auch für den Fuhr­park der FF zu­stän­dig ist.

Blick auf den Hof mit den rück­wär­ti­gen To­ren für den Lösch­zug. Die Fahr­zeu­ge fah­ren nach ei­nem Ein­satz von hin­ten nach vor­ne in die Hal­le.

Ste­phan Iwers an ei­ner der Rutsch­stan­gen, die aus dem ers­ten Ober­ge­schoss mit den Auf­ent­halts- und Ru­he­räu­men di­rekt in die Fahr­zeug­hal­le füh­ren.

Das Schlauch­la­ger be­fin­det sich zur­zeit in pro­vi­so­ri­schen Con­tai­nern auf dem Hof der Wa­che.

Sa­scha Streiß­ner ar­bei­tet in der ein­satz­frei­en Zeit in der Elek­tro- und Funk-werk­statt.

Kunst am Bau ist die­ser Hahn mit Schlauch als Brun­nen vor der Wa­che.

Thors­ten And­re­sen holt die Aus­rüs­tung der Hö­hen­ret­ter aus dem Re­gal im Ma­te­ri­al­la­ger. Tho­re Thee­mann (links) und Thors­ten And­re­sen wäh­rend ei­ner Übung der Hö­hen­ret­ter auf dem Dach des 13-ge­schos­si­gen Rat­hau­ses.

Tho­re Thee­mann steigt wäh­rend ei­ner Übung über das si­che­re Ge­län­der.

Tau­cher Alex­an­der Thews zieht sich im Auf­bau des GW Was­ser­ret­tung an. Ein Trupp kann sich wäh­rend der An­fahrt mit Tauch­ge­rä­ten aus­stat­ten.

Fer­tig aus­ge­rüs­tet steht er für ei­nen Tauch­ein­satz be­reit. Al­ler­dings ist es nicht so, dass der Di­enst­plan je­der­zeit Tau­cher im Schicht­be­trieb bie­tet.

Den Ge­rä­te­wa­gen Was­ser­ret­tung bau­te GSF 2015 auf ei­nem Mer­ce­des Sprin­ter nach Wün­schen der Flens­bur­ger auf. Im Heck des Gw-was­ser­ret­tung sind wei­te­re Atem­ge­rä­te, Lei­nen und zu­sätz­li­che Aus­rüs­tung ver­staut.

Cars­ten Her­zog (links) lei­tet die Feu­er­wehr Flens­burg seit 2008. Ro­land Setz ist stell­ver­tre­ten­der Chef.

Stefan Ha­wich mit dem Tuch zur Ret­tung schwe­rer Pa­ti­en­ten, das aus ei­ner Lk­wPla­ne und mit zahl­rei­chen Grif­fen nach Plä­nen der Flens­bur­ger Feu­er­wehr ge­fer­tigt wur­de.

In Flens­burg gibt es bei der Feu­er­wehr meh­re­re Uni­mogs, die al­le bei frei­wil­li­gen Ein­hei­ten ste­hen. Die Be­rufs­feu­er­wehr nutzt die­sen Rüst­wa­gen (RW) 1 als Re­ser­ve-fahr­zeug, wenn ein HLF au­ßer Di­enst ist. Au­ßer­dem kommt der Unimog im Ge­län­de zum Ein­satz.

Der Ge­rä­te­wa­gen Ge­fahr­gut (GW-G) wur­de 1996 von Schmitz auf ei­nem Mer­ce­des-fahr­ge­stell auf­ge­baut. Frü­her nutz­te ihn die Lan­des­feu­er­wehr­schu­le für Aus­bil­dun­gen, mitt­ler­wei­le ge­hört er zum Fuhr­park der Be­rufs­feu­er­wehr.

Das Abc-er­kun­dungs­fahr­zeug wur­de vom Bund nach Flens­burg ge­lie­fert. Es ist ein ty­pi­sches Fahr­zeug aus der Be­schaf­fungs­rei­he 2002 auf Ba­sis ei­nes Fi­at Du­ca­to.

Ha­rald Ewers auf ei­nem der Feu­er­wehr-dienst­fahr­rä­der.

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