Auf neu­en We­gen

Im Fuhr­park der Feu­er­wehr Es­sen hat sich in den letz­ten Mo­na­ten enorm was ge­tan. Un­ter den ins­ge­samt fast 40 Neu­fahr­zeu­gen fin­den sich auch ech­te Exo­ten. Da­zu ge­hö­ren Mann­schafts­trans­port­fahr­zeu­ge auf Re­nault, ein Kdow auf Land Ro­ver, Dreh­lei­tern nach Mün

Feuerwehr-Magazin - - Fahrzeuge - Text und Fo­tos: Jan-erik He­ge­mann, Chef­re­dak­teur Feu­er­wehr-ma­ga­zin [1153]

Bei Feu­er­wehr Es­sen den­ken Fahr­zeu­gEx­per­ten so­fort an die LRF. Das Kür­zel steht für Lösch-ret­tungs-fahr­zeu­ge. In Deutsch­land gibt es die­sen Typ nur in der Ruhr­me­tro­po­le. Die drei­köp­fi­ge Be­sat­zung kann so­wohl klas­si­sche Feu­er­wehr­ein­sät­ze (Brand­be­kämp­fung, Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung) ein­lei­ten, als auch die me­di­zi­ni­sche Erst­ver­sor­gung über­neh­men. Im Prin­zip han­delt es sich bei den LRF um Ret­tungs­wa­gen mit zu­sätz­li­chen Ge­rä­te­räu­men.

Das 1999 ein­ge­führ­te Fahr­zeug­kon­zept hat­te sich so be­währt, dass al­le acht Fahr­zeu­ge ab 2009 er­satz­be­schafft wur­den. Zur Be­la­dung der LRF ge­hö­ren Sprung­ret­ter, hy­drau­li­sche Ret­tungs­ge­rä­te (Kom­bi-ge­rät von Weber Res­cue Sys­tem), Pul­ver­lö­scher, Kü­bel­sprit­ze, zwei Schlauch­t­ra­ge­kör­be und Klein­werk­zeug. Als Lösch­mit­tel wer­den 400 Li­ter Was­ser und ein Ka­nis­ter mit 20 Li­ter Schaum­mit­tel mit­ge­führt. Sta­tio­niert sind die Fahr­zeu­ge an den vier Zug­wa­chen der BF und zwei Ff-stand­or­ten. Be­setzt wer­den sie aber aus­schließ­lich durch Be­rufs­feu­er­wehr­leu­te. Die Fahr­zeu­ge sie­ben und acht die­nen als Re­ser­ve.

Zu­künf­tig wird es nur noch zwei LRFStand­or­te in Es­sen ge­ben – in Kett­wig und in Bur­gal­ten­dorf. Dort wer­den die Fahr­zeu­ge 2019 auch er­setzt. „Das Kon­zept ist aber kei­nes­falls ge­schei­tert“, sagt Brand­di­rek­tor Jörg Wa­ck­er­hahn, der seit 2013 die Ab­tei­lung Tech­nik und Lie­gen­schafts­ver­wal­tung bei der BF Es­sen lei­tet. „Aber die Rah­men­be­din­gun­gen ha­ben sich in den letz­ten Jah­ren gra­vie­rend ver­än­dert. Es gibt mehr Ret­tungs­mit­tel in der Kern­stadt und wir ha­ben es im­mer häu­fi­ger mit Tech­ni­schen Hil­fe­leis­tun­gen oder Flä­chen­la­gen zu tun, bei de­nen die LRF nicht ein­ge­setzt wer­den kön­nen, weil die ent­spre­chen­de Be­la­dung fehlt.“Als Flä­chen­la­gen gel­ten vor al­lem Un­wet­ter.

Frü­her wa­ren in Es­sen 90 Ret­tungs­dien­stund Kran­ken­trans­port­fahr­zeu­ge bei der Feu­er­wehr und den Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen sta­tio­niert. Ak­tu­ell sind es 101 Fahr­zeu­ge (in­klu­si­ve 23 Re­ser­ve). 78 da­von sind stän-

dig be­setzt. „Die Dich­te der Ret­tungs­mit­tel hat sich al­so deut­lich ver­bes­sert“, so Wa­ck­er­hahn. An den Stand­or­ten in Bor­beck, Rüt­ten­scheid und Al­ten­es­sen wer­den die LRF des­halb durch ei­nen „rei­nen“Ret­tungs­wa­gen (RTW) er­setzt. An der Haupt­wa­che wur­de die­ser Schritt schon voll­zo­gen.

Feu­er­wehr be­schafft al­le Ret­tungs­dienst-fahr­zeu­ge

Trä­ger des Ret­tungs­diens­tes in Es­sen ist die Feu­er­wehr. Die vier Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen Deut­sches Ro­tes Kreuz (DRK), Jo­han­ni­ter Un­fall­hil­fe ( JUH), Mal­te­ser und der Ar­bei­ter Sa­ma­ri­ter Bund (ASB) sind ein­ge­bun­den. „Bis auf ganz we­ni­ge Aus­nah­men kau­fen und un­ter­hal­ten wir sämt­li­che Ret­tungs­fahr­zeu­ge“, er­klärt Wa­ck­er­hahn. „Die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen set­zen sie mit ein.“Die so be­schaff­ten Fahr­zeu­ge sind üb­ri­gens am Kenn­zei­chen E-FW zu er­ken­nen.

Bis En­de 2016 lie­fen in Es­sen noch zwei so­ge­nann­te RTW-N. Das wa­ren an Kli­ni­ken sta­tio­nier­te Ret­tungs­wa­gen, die den Not­arzt gleich mit­ge­nom­men hat­ten. „Zum 1. Ja­nu­ar 2017 ha­ben auch wir auf das gän­gi­ge Sys­tem aus Ret­tungs­wa­gen und Not­arzt-ein­satz­fahr­zeu­gen (NEF) um­ge­stellt“, er­klärt Wa­ck­er­hahn. Vor­tei­le des neu­en Sys­tems: Durch die Auf­split­tung kann fle­xi­bler re­agiert wer­den. Aber es wird mehr Per­so­nal be­nö­tigt, was in ei­ner Stadt mit an­ge­spann­ter Haus­halts­la­ge nicht ein­fach zu rea­li­sie­ren ist.

Fahr­zeu­ge für den Ret­tungs­dienst be­schafft die Ab­tei­lung Tech­nik stän­dig. Al­lei­ne 2016 stell­te die BF Es­sen fünf Ret­tungs­wa­gen (Fahr­tec-kof­fer­auf­bau, Mer­ce­des Sprin­ter 516 CDI Fahr­ge­stel­le), zehn Kran­ken­trans­port­wa­gen (Aus­bau eben­falls von Fahr­tec, Sprin­ter kur­zer Rad­stand 313 CDI) und vier neue NEF in Di­enst. Die Es­se­ner ge­hö­ren zu den ganz we­ni­gen Be­rufs­feu­er­weh­ren im Bun­des­ge­biet, die auch noch KTW mit ei­ge­nen Kräf­ten (un­ter an­de­rem mit Be­schäf­tig­ten) be­set­zen.

Bei den NEF hat es da­ge­gen ei­nen Kurs­wech­sel ge­ge­ben. Frü­her setz­te die BF Es­sen Mer­ce­des Sprin­ter 519 CDI 4x4 mit Kas­ten­auf­bau­ten da­für ein. „NEF mit Tra­ge“hieß es des­halb oft in der Ruhr­me­tro­po­le. We­gen ih­rer her­vor­ra­gen­den Fahr­ei­gen­schaf­ten und der er­höh­ten Sitz­po­si­ti­on er­freu­ten sich die Vier­ton­ner bei den Fah­rern aber sehr gro­ßer Be­liebt­heit.

Die Neu­en sind al­le­samt „rich­ti­ge“NEF. Als Fahr­ge­stel­le die­nen Mer­ce­des Vi­to Tou­rer Pro 116 CDI 4x4 mit voll­au­to­ma­ti­schem Ge­trie­be. Die Aus­bau­ten fer­tig­te Am­bu­lanz Mo­bi­le. Sie­ben Not­arzt-stand­or­te gibt es im Es­se­ner Stadt­ge­biet üb­ri­gens. In den Rand­ge­bie­ten wer­den ak­tu­ell noch drei NEF mit Tra­ge ein­ge­setzt, der in­ner­städ­ti­sche Be­reich ist be­reits um­ge­stellt. e

Ve­rän­de­rung im Lösch­zug

Ak­tu­ell fährt die BF Es­sen im Lösch­zug noch mit ei­nem Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) und ei­nem Hil­fe­leis­tungs­lösch­fahr­zeug (HLF) 20. Bei den TLF han­delt es sich um 24/50 oder 4000er. „Mit­te 2018 stel­len wir an al­len vier Zug­wa­chen auf zwei HLF im Lösch­zug um“, er­klärt Feu­er­wehr­chef Ul­rich Bog­dahn. „Auch mit die­ser Än­de­rung tra­gen wir den Ve­rän­de­run­gen in der Ein­satz­sta­tis­tik Rech­nung: die Zahl der Brand­ein­sät­ze sinkt, die Zahl der Tech­ni­schen Hil­fe­leis­tun­gen steigt. Mit zwei HLF sind wir zu­künf­tig ein­fach fle­xi­bler.“

Die TLF blei­ben an den Bf-stand­or­ten er­hal­ten, wer­den aber nicht mehr fest be­setzt. „Ei­ne Stadt wie Es­sen be­nö­tigt na­tür­lich auch wei­ter­hin TLF“, er­klärt Bog­dahn. „In- dus­trie­an­la­gen, Au­to­bah­nen, Schie­nen­ver­kehr, Ge­wer­be­ge­bie­te, ja so­gar Rei­ter- und Bau­ern­hö­fe mit enor­men Brand­las­ten gibt es im Stadt­ge­biet.“

Zwei neue HLF 20 sind in 2016 be­reits in Di­enst ge­stellt wor­den, fünf wei­te­re be­fin­den sich im Zu­lauf. Die Aus­lie­fe­rung hat Sch­ling­mann für Mit­te 2018 zu­ge­sagt. Als Fahr­ge­stel­le die­nen MAN TGM 13.290 4x4 BL. „MAN bie­tet noch Eu­ro 5-Mo­to­ren, wor­in ich per­sön­lich für Feu­er­weh­ren gro­ße Vor­tei­le se­he“, sagt Wa­ck­er­hahn. „Die für Eu­ro 6 er­for­der­li­che Ab­gas­tech­nik re­du­ziert we­gen des ho­hen Ge­wichts Zu­la­de­ka­pa­zi­tät, nimmt Platz weg, bringt öko­lo­gisch durch die Nut­zungs­ge­ge­ben­hei­ten (Län­ge der Fahr­stre­cken) bei Feu­er­weh­ren kei­ne Vor­tei­le und ist deut­lich teu­rer.“

Dreh­lei­tern nach Münch­ner Vor­bild

Wann im­mer mög­lich, be­schaf­fen die Es­se­ner des­halb Groß­fahr­zeu­ge mit Eu­ro 5-Mo­to­ren. Bei den neu­en Dreh­lei­tern und den zwei LF 10-Kats (Ka­ta­stro­phen­schutz) blieb ih­nen aber kei­ne Wahl. „Auf die Aus­ge­stal­tung der Bun­des­fahr­zeu­ge hat­ten wir na- tür­lich kei­nen Ein­fluss“, so der Di­rek­tor der Feu­er­wehr Bog­dahn. „Und die Dreh­lei­tern nied­ri­ger Bau­art der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on bie­tet Ma­gi­rus auch nur als Eu­ro 6 an.“

Ei­ni­ge Durch­fahr­ten im Stadt­ge­biet sind so nied­rig, dass die Auf­bau­hö­he der Dreh­lei­tern ma­xi­mal 3 Me­ter be­tra­gen darf. Wa­ck­er­hahn: „In die­sem Seg­ment ist Ma­gi­rus der ein­zi­ge An­bie­ter.“Die drei Es­se­ner Hub­

ret­tungs­fahr­zeu­ge sind in vie­len Punk­ten iden­tisch mit den Münch­ner Dreh­lei­tern. Das ers­te Fahr­zeug auf Ive­co Eu­ro­car­go 160 E 32 lie­fer­te Ma­gi­rus im Ju­li aus, Num­mer zwei soll im Ok­to­ber und Num­mer drei im De­zem­ber fol­gen. Die Dreh­lei­tern vom Typ M32L-AS be­sit­zen 400-Ki­lo­gramm-kör­be mit in­te­grier­ten Wer­fern und Hal­te­run­gen für Schwer­last­korb­tra­gen bis 270 Ki­lo­gramm.

Der Lei­ter­satz be­sitzt ein Knick­ge­lenk, aber der Korbarm ist nicht te­le­sko­pier­bar. Durch die Hin­ter­achs­zu­satz­len­kun­gen sind die Fahr­zeu­ge sehr wen­dig. Ei­ne Be­son­der­heit sind spe­zi­el­le Schein­wer­fer, die mit 33.000 Lu­men nach oben strah­len. So kön­nen Strom­lei­tun­gen – bei­spiels­wei­se der Stra­ßen­bahn – bes­ser er­kannt wer­den. Au­ßer­dem wer­den zwei Be­lüf­tungs­ge­rä­te mit­ge­führt, ei­ner mit Strom- und ei­ner mit Was­ser­an­trieb.

Ket­ten­re­ak­ti­on bei den Dreh­lei­tern

Die Dreh­lei­ter­be­schaf­fung ist gleich in mehr­fa­cher Hin­sicht ty­pisch für die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on in Es­sen. Ei­gent­lich war die Be­schaf­fung schon für 2015/16 ge­plant ge­we­sen. Da­zu muss man wis­sen, dass es in der Stadt im­mer Dop­pel­haus­hal­te für 2 Jah­re gibt. Auf­grund der an­ge­spann­ten Haus­halts­la­ge muss­te der Kauf aber ge­scho­ben wer­den. „Ir­gend­wann ist al­ler­dings der Zeit­punkt er­reicht, da muss dann be­schafft wer­den“, so Bog­dahn. „Sonst ist die Si­cher­heit ge­fähr­det.“

Eben­falls ty­pisch: Die drei neu­en Dreh- lei­tern ver­bes­sern gleich an acht Stand­or­ten die Aus­stat­tung. Die ers­ten neu­en Fahr­zeu­ge ge­hen an die Bf-wa­chen Mit­te (1), Bor­beck (2) und Rüt­ten­scheid (9). Die Eco­nic-lei­ter der Haupt­wa­che er­setzt das Fahr­zeug in Al­ten­es­sen (4), die Lei­ter aus Rüt­ten­scheid ist zu­künf­tig in Kray (5) sta­tio­niert. Das Fahr­zeug aus Kray geht ver­mut­lich nach Kup­fer­dreh (6). Am En­de des Ring­tau­sches wird auch bei der FF in Wer­den nach über 25 Jah­ren wie­der ei­ne Dreh­lei­ter sta­tio­niert.

„Wer­den ge­hört mit Kett­wig zu den Stadt­tei­len, in de­nen mit­glieds- und leis­tungs­star­ke frei­wil­li­ge Feu­er­weh­ren vor­han­den sind“, er­klärt der Di­rek­tor der Feu­er­wehr Bog­dahn. „Und die­se Ein­hei­ten sind bei Ein­sät­zen in ih­rem Zu­stän­dig­keits­ge­biet schnel­ler vor Ort als die nächst­ge­le­ge­ne Bf-wa­che. Des­halb macht die Sta­tio­nie­rung ei­ner Dreh­lei­ter dort ab­so­lut Sinn.“

Ab 2018 wird es in Es­sen dann vor­über­ge­hend elf Hu­bret­tungs­fahr­zeu­ge ge­ben. Zwei Fahr­zeu­ge die­nen als Re­ser­ve, eins steht der

Aus­bil­dungs­ab­tei­lung zur Ver­fü­gung, sechs setzt die BF ein, zwei die FF.

Platz­pro­blem in Kett­wig

Der zwei­te Ff-stand­ort mit Dreh­lei­ter ist Kett­wig. Dort ist ak­tu­ell mit der Ma­gi­rus DLK 23/12 n.b. von 1996 die äl­tes­te Dreh­lei­ter Es­sens sta­tio­niert. Das Fahr­zeug soll de­fi­ni­tiv aus­ge­tauscht wer­den, ob al­ler­dings ein neue­res Mo­dell in die Hal­le passt, steht noch nicht fest. „Wir müs­sen es tat­säch­lich aus­pro­bie­ren“, er­klärt Wa­ck­er­hahn. Die Hal­le ist nicht nur nied­rig, son­dern auch ex­trem kurz. „Vor und hin­ter dem Fahr­zeug sind nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter Luft“, zeigt Feu­er­wehr­mann Ul­rich Pe­ters, Mit­glied der FF Kett­wig.

We­gen der be­eng­ten Platz­be­din­gun­gen muss­te für Kett­wig 2016 bei­spiels­wei­se auch ein be­son­de­res LF 10 be­schafft wer­den. Lent­ner bau­te es auf ei­nem MAN TGM 13.250 mit ei­ner Bau­hö­he von nur 3,12 Me­tern auf. We­gen der im­mer häu­fi­ger auf­tre­ten­den Un­wet­ter­ein­sät­ze wer­den bei­spiels­wei­se zwei Ket­ten­sä­ge­n­aus­rüs­tun­gen und ein Was­ser­sau­ger mit­ge­führt.

Vor­gän­ger des LF 10 in Kett­wig war ein Tro­cken-tank­lösch­fahr­zeug (TROTLF) 16 auf Mer­ce­des 1222 mit Zieg­ler-auf­bau von 1991. Die­ses Fahr­zeug muss­te auf­grund ei­nes Ge­trie­be­scha­dens aus­ge­mus­tert wer­den. „Ehr­li­cher­wei­se ha­ben die Ff-ein­hei­ten re­la­tiv we­nig Mit­spra­che bei den Fahr­zeug­be­schaf­fun­gen“, er­klärt Wa­ck­er­hahn. Da­rin un­ter­schei­det sich ei­ne Groß­stadt-feu­er­wehr gra­vie­rend von klei­ne­ren Kom­mu­nen. „Aber na­tür­lich kön­nen sich die Frei­wil­li­gen dar­auf ver­las­sen, dass wir sie or­dent­lich aus­rüs­ten“, so der Ab­tei­lungs­lei­ter wei­ter, der selbst noch in sei­ner Hei­mat­feu­er­wehr als Frei­wil­li­ger ak­tiv ist.

Frei­wil­li­ge pro­fi­tie­ren vom Kurs­wech­sel

Al­ler­dings gab es bis 2015 sehr lan­ge auch kei­ne neu­en Lösch­fahr­fahr­zeu­ge für die Frei­wil­li­gen in Es­sen. Durch Um­schich­tun­gen im Haus­halt und Ein­spa­run­gen an an­de­rer Stel­le, dem Kauf von Vor­füh­rern oder dem Ver­zicht auf Aus­stat­tung wird jetzt pro Jahr im­mer­hin ein Lösch­fahr­zeug für ei­ne der 16 Ff-ein­hei­ten be­schafft. Drei wei­te­re HLF 10 (Sch­ling­mann auf MAN TGM 13.290 4x4 BL) wer­den En­de 2017/An­fang 2018 an die FF Ka­tern­berg, an die FF Wer­den und die FF Stee­le aus­ge­lie­fert. Um zu spa­ren, wer­den teil­wei­se so­gar Neu­fahr­zeu­ge oh­ne Be­la­dung ge­kauft und mit vor­han­de­nem Ma­te­ri­al be­stückt. Durch den Ver­zicht auf Voll­au­to­ma­tik bei den Fahr­zeu­gen der Frei­wil­li­gen spart Es­sen wei­te­re 25.000 Eu­ro.

Die an­ge­spann­te Haus­halts­la­ge der Stadt hat bei den Ver­ant­wort­li­chen der Feu­er­wehr auch da­zu ge­führt, nach ganz neu­en Al­ter­na­ti­ven bei den Be­schaf­fun­gen zu su­chen.

„Es gibt bei­spiels­wei­se Mann­schafts­trans­port­fahr­zeu­ge, die kos­ten rund 60.000 Eu­ro“, so Wa­ck­er­hahn. „Aber muss es im­mer ein Pre­mi­um­her­stel­ler sein?“Ge­ra­de an­ge­sichts von Jah­res-fahr­leis­tun­gen zwi­schen 2.000 und 5.000 Ki­lo­me­tern bei ei­ni­gen frei­wil­li­gen Ein­hei­ten kam der Ab­tei­lungs­lei­ter Tech­nik zu dem Schluss: „Nein, muss es nicht.“Zu­mal der Be­darf an neu­en MTF re­la­tiv groß war. „Ei­ni­ge Fahr­zeu­ge wa­ren schon 25 Jah­re alt“, be­rich­tet Wa­ck­er­hahn. „Es gab kaum noch Er­satz­tei­le und wirt­schaft­lich war der Be­trieb schon lan­ge nicht mehr.“Das Durch­schnitts­al­ter der MTF lag bis vor kur­zem bei 15 Jah­ren.

Statt ei­nes her­kömm­li­chen Pre­mium­mo­dells kauft Es­sen jetzt ver­stärkt MTF auf Re­nault Tra­fic (bau­gleich mit dem Opel Mo­va­no). In­klu­si­ve Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät, An­hän­ger­kupp­lung, Kli­ma­an­la­ge, Zu­hei­zer, Funk­vor­be­rei­tung und ei­nem Hänsch DBS 4000-Warn­bal­ken kos­tet so ein Fahr­zeug knapp un­ter 35.000 Eu­ro. Die ex­tre­men Be­hör­den­ra­bat­te von Re­nault ma­chen es mög­lich. „Sehr grob lässt sich sa­gen, dass wir mit dem Bud­get von drei MTF jetzt fünf Fahr­zeu­ge be­schaf­fen konn­ten“, sagt Bog­dahn, der den Weg voll mit­geht.

Fünf MTF auf Re­nault Tra­fic hat die Feu­er­wehr Es­sen be­reits im Fuhr­park, vier wei­te­re wer­den die­ser Ta­ge aus­ge­lie­fert. Von Re­nault stammt auch der neue Ge­rä­te­wa­gen für das Sach­ge­biet Me­di­zin­tech­nik. Mit die­sem Fahr­zeug wer­den me­di­zi­ni­sche Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en im Stadt­ge­biet trans­por­tiert.

Knap­pes Bud­get kann auch reiz­voll sein

„Die Kunst ist nicht, den La­den mit vol­len Kas­sen am Lau­fen zu hal­ten“, sagt Wa­ck­er­hahn. „Die Kunst ist es, aus we­nig Mit­teln das Op­ti­ma­le raus­zu­ho­len.“Und so be­schrei­ten die Es­se­ner ei­ni­ge neue We­ge. Für rei­ne Di­enst­fahr­ten und die Ab­tei­lun­gen Vor­beu­gen­der Brand­schutz ste­hen jetzt zwei Pkw des Typs Sko­da Ci­ti­go zur Ver­fü­gung. Die Klein­wa­gen (60-Ps-ben­zi­ner) kos­te­ten dank der Ta­ges­zu­las­sung ge­ra­de mal 8.500 Eu­ro brut­to. „Kli­ma­an­la­ge, Ra­dio, Ser­vo­len­kung, Zen­tral­ver­rie­ge­lung, mehr braucht es doch nicht“, heißt es in Es­sen.

Die Brand­di­rek­ti­on fährt Au­di. Die Fahr­zeu­ge wur­den aber nicht neu be­schafft, son­dern als mehr­jäh­ri­ge Ge­brauch­te aus dem städ­ti­schen Fuhr­park über­nom­men. „An­sons­ten kau­fen wir al­ler­dings kei­ne Ge­braucht­fahr­zeu­ge“, so Wa­ck­er­hahn. „In der Re­gel fah­ren wir dank der Ra­bat­te für Be­hör­den­fahr­zeu­ge so­gar güns­ti­ger als mit jun­gen Ge­brauch­ten.“

Bei zwei neu­en Kom­man­do­wa­gen hat Ford die Aus­schrei­bung ge­won­nen. Ein Ku­ga und ein S-max wer­den En­de 2017

die Flot­te ver­stär­ken. Und den Kdow des Wach­ab­tei­lungs­lei­ters hat Am­bu­lanz Mo­bi­le auf ei­nem Land Ro­ver Dis­co­very auf­ge­baut. „Wir brauch­ten kurz­fris­tig Er­satz für ei­nen ver­un­fall­ten Au­di Q5“, er­klärt Wa­ck­er­hahn. „Da hat­te Land Ro­ver ein sen­sa­tio­nel­les An­ge­bot ge­macht.“„Und das Fahr­ver­hal­ten des neu­en Kdow ist eben­falls sen­sa­tio­nell“, sagt der dienst­ha­ben­de Wach­ab­tei­lungs­lei­ter Oli­ver Bre­ma. „Li­mou­si­nen-fee­ling mit kom­plet­tem Of­f­road-pa­ket.“Vor al­lem die Rund­um-sicht und das Platz­an­ge­bot wer­den ge­lobt.

Op­ti­sche High­lights

Drei Neue dür­fen bei die­ser Auf­lis­tung nicht ver­ges­sen wer­den: die Wech­sel­la­der­fahr­zeu­ge. Gleich zwei MAN TGX 35.400 8x4-4 konn­te die BF Es­sen 2016 in Di­enst stel­len. Ein Trä­ger­fahr­zeug ist stan­dard­mä­ßig mit dem eben­falls neu­en Ab­roll­be­häl­ter Schaum be­stückt. Die­se Kom­bi­na­ti­on zahl­te die Fir­ma Gold­schmidt. Wa­ck­er­hahn: „Da­zu muss man wis­sen, dass wir schon seit Jahr­zehn­ten sehr eng zu­sam­men­ar­bei­ten und uns das Un­ter­neh­men bei spe­zi­el­len Be­schaf­fun­gen un­ter­stützt.“Das Gold­schmidt-ge­län­de liegt kei­ne 100 Me­ter von der Haupt­feu­er­wa­che ent­fernt.

Bei­de Vier­ach­ser sind als Trä­ger­fahr­zeug für das HFS (Hy­trans Fi­re Sys­tem) aus­ge­rüs­tet, mit dem gro­ße Men­gen Was­ser ge­för­dert wer­den kön­nen. Die WLF sind mit ei­ner lenk­ba­ren Vor­der­ach­se, zwei An­triebs­ach­sen in der Mit­te und ei­ner lenk­ba­ren Nach­lau­fach­se (lift­bar) ver­se­hen. „Da­mit ist der Wen­de­kreis klei­ner als bei ei­nem 6x4 mit star­ren Hin­ter­ach­sen und auch bei un­se­ren bis­he­ri­gen Trä­ger­fahr­zeu­gen mit zwei Vor­der- und zwei Hin­ter­ach­sen“, er­klärt der Ab­tei­lungs­lei­ter Tech­nik.

Das drit­te WLF ist ein Drei­ach­ser, das vor­nehm­lich als Fahr­schul­fahr­zeug ein­ge­setzt wird und des­halb mit ei­ner Fern­fah­rer-ka­bi­ne aus­ge­stat­tet ist. Statt der Bet­ten ist ei­ne zu­sätz­li­che Rück­bank ein­ge­baut, um mög­lichst meh­re­re Fahr­schü­ler mit­neh­men zu kön­nen. „Zwei­ach­si­ge WLF be­schaf­fen wir gar nicht mehr, weil die Ton­na­ge nicht aus­reicht“, so Wa­ck­er­hahn.

Am Heck des Kdow des dienst­ha­ben­den Wach­ab­tei­lungs­lei­ters ist ei­ne Schraf­fur­be­kle­bung an­ge­bracht. Das Fahr­ver­hal­ten des Land Ro­ver Dis­co­very wird ge­lobt: Li­mou­si­nen­fee­ling mit Off-road-mög­lich­keit.

Neue We­ge be­schrei­tet die Feu­er­wehr Es­sen seit rund zwei Jah­ren bei den Fahr­zeug­be­schaf­fun­gen. Man könn­te auch „ab­seits der bis­he­ri­gen Pfa­de“da­zu sa­gen. In­so­fern steht der Kdow auf Land Ro­ver Dis­co­very ge­ra­de­zu sym­bo­lisch für die Er­neue­run­gen im Fuhr­park. Als kurz­fris­tig ein Kdow auf Au­di Q5 nach ei­nem Un­fall er­setzt wer­den muss­te, mach­te ein Land Ro­ver­Au­to­haus das bes­te An­ge­bot. Al­so ließ die Feu­er­wehr den Kdow des dienst­ha­ben­den Wach­ab­tei­lungs­lei­ters dar­auf auf­bau­en.

Die LRF gibt es nur in Es­sen. Ak­tu­ell ist die Kom­bi­na­ti­on aus Ret­tungs­wa­gen und Lösch­fahr­zeug noch an fünf Stand­or­ten in Es­sen sta­tio­niert. Aber Mit­te 2018 wer­den nur noch die Fahr­zeu­ge in Kett­wig und Bur­gal­ten­dorf er­satz­be­schafft.

Op­tisch si­cher kei­ne Of­fen­ba­rung und auch kein Pre­mium­mo­dell, aber die neu­en MTF auf Re­nault Tra­fic über­zeu­gen durch ro­bus­te Mo­to­ren, ein rie­si­ges Platz­an­ge­bot und ei­nen un­schlag­bar güns­ti­gen Preis.

Über ei­ne aus­zieh­ba­re Ram­pe kön­nen die Tra­ge­stüh­le sehr ein­fach in den Auf­bau ge­scho­ben wer­den.

Auch Es­sen setzt zu­künf­tig auf das Kon­zept von RTW und NEF. Als Fahr­ge­stell für die NEF die­nen Mer­ce­des Vi­to Tou­rer Pro 116 CDI 4x4. Al­le Ret­tungs­mit­tel in Es­sen sind mit Ta­blets aus­ge­stat­tet, mit de­nen die Pa­ti­en­ten­da­ten so­fort er­fasst wer­den kön­nen.

Fahr­tec fer­tig­te die Aus­bau­ten der neu­en KTW auf Mer­ce­des Sprin­ter 313 CDIFahr­ge­stel­len mit kur­zem Rad­stand.

Dank der Ta­ges­zu­las­sung kos­te­te ein Pkw des Typs Sko­da Ci­ti­go nur 8.500 Eu­ro.

Der Lösch­zug der Haupt­feu­er­wa­che an der Ei­ser­nen Hand wur­de als ers­tes von ei­nem HLF und ei­nem TLF auf zwei HLF 20 um­ge­stellt. Sch­ling­mann bau­te das Neu­fahr­zeug auf ei­nem MAN TGM 13.290 4x4 BL auf.

Vor­ne das neue HLF 20 auf MAN Tgm-fahr­ge­stell, da­hin­ter das äl­te­re auf Mer­ce­des Ate­go. Bis­her setz­te Es­sen auf RAL 3024. Die Warn­wir­kung und Sicht­bar­keit von Leucht­rot über­zeugt, aber die Far­be bleicht durch die Son­ne aus (egal ob Lack oder Fo­lie). Aus die­sem Grund wer­den die Neu­fahr­zeu­ge in RAL 3020 ( Ver­kehrs­rot) be­schafft. Weil bei den neu­en HLF 20 kei­ne Ver­kehrs­ma­te­ri­al-has­pel mehr mit­ge­führt wird, hat Sch­ling­mann das Ma­te­ri­al auf sol­chen klei­nen Hand­wa­gen ver­staut.

Zwei LF 10-Kats aus der jüngs­ten Be­schaf­fung des Ka­ta­stro­phen­schut­zes sind in Es­sen sta­tio­niert. Eins der von Zieg­ler auf­ge­bau­ten Fahr­zeu­ge be­setzt die FF Wer­den. Als Quan­ten­sprung be­zeich­nen die Es­se­ner das LF 10. Al­ler­dings wer­den die Mo­to­ri­sie­rung (4 Zy­lin­der mit 230 PS), der un­ge­dämpf­te Fah­rer­sitz und die ex­trem schma­len Trit­te zum Mann­schafts­raum kri­ti­siert.

Die in Buch­ten ge­leg­ten Schläu­che sind über dem Pum­pen­be­dien­stand im Heck des LF 10-Kats ge­la­gert. Die Auf­stiegs­stu­fen zur Ka­bi­ne des LF 10-Kats fal­len nach An­sicht der Es­se­ner Feu­er­wehr­leu­te zu schmal aus.

Es­sens Feu­er­wehr­chef Ul­rich Bog­dahn (rechts) und der Ab­tei­lungs­lei­ter Tech­nik und Lie­gen­schafts­ver­wal­tung Jörg Wa­ck­er­hahn vor ei­nem Fahr­zeug der Brand­di­rek­ti­on. Die­ser Au­di wur­de ge­braucht von der Stadt über­nom­men. Fo­to: Feu­er­wehr Es­sen

Ein neu­es LF 10 auf MAN TGM 13.250 mit ei­nem nur 3,12 Me­ter ho­hen Auf­bau von Lent­ner er­hielt die FF Es­sen Kett­wig-mit­te. An­sons­ten hät­te das Fahr­zeug nicht in die Hal­le ge­passt. Als Lösch­mit­tel wer­den 1.600 Li­ter Was­ser mit­ge­führt. Über Norm wer­den ein Was­ser­sau­ger, ein Be­lüf­tungs­ge­rät und ei­ne zwei­te Ket­ten­sä­ge­n­aus­rüs­tung mit­ge­führt.

Coo­le Lö­sung: die Has­pel Schlauch­boot der FF Kett­wig wird bei Ein­sät­zen auf der Ruhr mit­ge­nom­men. Schlauch­t­ra­ge­korb mit seit­lich an­ge­brach­tem Kupp­lungs­schlüs­sel und Feu­er­wehraxt.

Die Feu­er­wehr Es­sen und die Fir­ma Gold­schmidt ar­bei­ten seit vie­len Jahr eng zu­sam­men. Aus die­sem Grund be­zahl­te Gold­schmidt ein neu­es Vier­achs-wlf auf MAN TGS 35.400 8x4-4 und den Ab­roll­be­häl­ter Schaum.

Die­ses WLF auf MAN TGX 26.400 6x2-2 mit XLX Ka­bi­ne setzt die Feu­er­wehr Es­sen seit die­sem Jahr als Fahr­schul­fahr­zeug ein. Auf der pro­vi­so­ri­schen Rück­bank kön­nen Fahr­schü­ler Platz neh­men.

Drei Dreh­lei­tern nied­ri­ger Bau­art nach Münch­ner Vor­bild be­kommt die BF Es­sen in die­sem Jahr. Das ers­te Fahr­zeug des Typs M32L-AS auf Ive­co Eu­ro Car­go 160 E 32 lie­fer­te Ma­gi­rus im Ju­li. Be­son­der­hei­ten sind die Hin­ter­achs­zu­satz­len­kung und spe­zi­el­le, nach oben ge­rich­te­te Led-strah­ler (33.000 lm) zur Er­ken­nung von Strom­lei­tun­gen.

Fo­to: Feu­er­wehr Es­sen

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