Un­glei­che Zwil­lin­ge: neue HLF 10 am Uni­k­li­ni­kum Müns­ter

Zwei neue Hil­fe­leis­tungs-lösch­grup­pen­fahr­zeu­ge stell­te die Werk­feu­er­wehr am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Müns­ter En­de 2016 in den Di­enst. Die Auf­bau­ten fer­tig­te Sch­ling­mann. Als Fahr­ge­stel­le die­nen Mer­ce­des Ate­go 1329 F. Wir er­klä­ren, war­um die Fahr­zeu­ge trotz­dem

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text und Fo­tos: Alex­an­der Mül­ler, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-au­tor [1913]

Mit der In­dienst­stel­lung der bei­den neu­en Fahr­zeu­ge hat bei uns ei­ne neue tech­ni­sche Ära be­gon­nen“, sagt Chris­ti­an Zel­l­e­röhr. Er ist stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der Werk­feu­er­wehr (WF) am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Müns­ter (NW). Durch bau­li­che Ve­rän­de­run­gen und ei­ne ste­ti­ge Er­wei­te­rung am Kli­ni­kum ha­ben sich die Her­aus­for­de­run­gen an den Brand­schutz ver­än­dert. „Hier muss­ten wir ein­fach auch in Be­zug auf die tech­ni­sche Aus­rüs­tung un­se­rer Feu­er­wehr re­agie­ren“, er­klärt Zel­l­e­röhr. Bis­her be­stand der Fuhr­park der Werk­ feu­er­wehr aus ei­nem Kom­man­do­wa­gen (Kdow), ei­nem Ge­rä­te­wa­gen (GW), ei­nem Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF) 8/6 und ei­nem LF 8. Das LF 8/6 war 17 Jah­re alt, das LF 8 stand so­gar schon be­reits seit 30 Jah­ren im Di­enst.

Bei den Über­le­gun­gen, auf wel­ches Kon­zept in der Zu­kunft ge­setzt wer­den soll, stan­den drei Aspek­te im Mit­tel­punkt:

1. Es soll­te bei Aus­fall des Erst­an­griffs­fahr­zeu­ges ei­ne Red­un­danz vor­han­den sein. 2. Es soll­te aber auch mög­lich sein, zu­sätz­li­ches Ma­te­ri­al schnell und un­pro­ble­ma­tisch an die Ein­satz­stel­le brin­gen zu kön­nen. 3. Da vie­le Stel­len im Ein­satz­ge­biet der Werk­feu­er­wehr nicht mit Fahr­zeu­gen zu er­rei­chen sind, muss­ten Ge­rä­tschaf­ten häu­fig ge­tra­gen wer­den. „Hier wünsch­ten wir uns ei­ne Lö­sung mit Roll­con­tai­nern“, sa­gen die Ver­ant­wort­li­chen der Wehr.

Die Ent­schei­dung fiel letzt­lich auf die Be­schaf­fung von zwei Hil­fe­leis­tungs­Lösch­fahr­zeu­gen (HLF) 10. Die Auf­bau­ten stam­men von der Fir­ma Sch­ling­mann (wirt­schaft­lichs­tes An­ge­bot ei­ner eu­ro­pa­wei­ten Ver­ga­be). Der Pro­duk­ti­ons­stand­ort von Sch­ling­mann in Dis­sen liegt nur et­wa 50 Ki­lo­me­ter von Müns­ter ent­fernt. Da­durch wa­ren kur­ze We­ge bei den Bau­be­spre­chun­gen ga­ran­tiert.

Als Fahr­ge­stel­le die­nen Mer­ce­des Ate­go 1329 F mit Stra­ßen­an­trieb und voll­au­to­ma­ti­schem Ge­trie­be. Die zu­läs­si­ge Ge­samt­mas­se be­trägt je­weils 14.500 Ki­lo­gramm. Auch die Ka­bi­nen sind bei bei­den Fahr­zeu­gen iden­tisch. Es gibt acht Sitz­plät­ze, fünf da­von sind mit Hal­te­run­gen für Atem­schutz­ge­rä­ten be­stückt: vier in der Mann­schafts­ka­bi­ne und der Sitz des Fahr­zeug­füh­rers.

In der Ka­bi­ne sind un­ter an­de­rem ei­ne Wär­me­bild­ka­me­ra, Tür­öff­nungs­werk­zeug, zwei Gas­mess­ge­rä­te, zwei Flucht­hau­ben, Mess­kof­fer A und C, ein Not­fall­ruck­sack und ein AED ver­staut. Ei­ni­ge der Ge­rät­schaf­ten sind al­ler­dings nur auf dem erst­aus­rü­cken­den Fahr­zeug vor­han­den. „Die­se räu­men wir bei Be­darf oder ei­nem Fahr­zeug­aus­fall dann so­fort um“, er­klärt Chris­ti­an Zel­l­e­röhr.

HLF 1 mit Ge­rä­te­kof­fer und 1.600-Li­ter-tank

HLF 10-1 be­sitzt ei­nen Ge­rä­te­kof­fer mit sie­ben Ge­rä­te­räu­men. Der Lösch­was­ser­tank hat ein Fas­sungs­ver­mö­gen von 1.600 Li­tern. Die Feu­er­lösch­krei­sel­pum­pe FPN 10-2000 mit ei­ner Leis­tung von 2.000 Li­ter in der Mi­nu­te bei ei­nem Druck von 10 bar ist im Heck

ein­ge­baut. An­stel­le ei­ner Schnellan­griffs­ein­rich­tung mit form­sta­bi­lem Schlauch ist ein in Buch­ten ge­la­ger­ter C-schlauch mit an­ge­kup­pel­tem Hohl­strahl­rohr in Ge­rä­te­raum (G) 6 vor­han­den. Als zu­sätz­li­ches Lösch­mit­tel wer­den im G4 noch vier Ka­nis­ter mit 80 Li­ter Schaum­mit­tel mit­ge­führt.

Dort sind auch der Was­ser­sau­ger mit Zu­be­hör und ein Hoch­leis­tungs­lüf­ter ver­staut. Der Lüf­ter Bat­fan 45 von Le­a­der ist ak­ku­be­trie­ben und hat ei­ne Lauf­zeit von 45 Mi­nu­ten. Er ist klapp­bar und wiegt le­dig­lich 27,5 Ki­lo­gramm. So kann er zum ei­nen platz­spa­rend im Fahr­zeug un­ter­ge­bracht wer­den, auf der an­de­ren Sei­te pro­blem­los von ei­ner Ein­satz­kraft mit Tra­ge­griff oder Schul­ter­gurt ge­tra­gen wer­den.

Die Be­la­dung auf der rech­ten Fahr­zeug­sei­te wird durch die in G2 un­ter­ge­brach­te Aus­rüs­tung für Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tun­gen ab­ge­run­det. Die hy­drau­li­schen Ge­rä­te (Sche­re, Sprei­zer, drei Ret­tungs­zy­lin­der und der Pe­dal­schnei­der) stam­men von We­ber. Wei­ter­hin fin­den hier Schä­kel, Rund­sch­lin­gen, die Mo­tor­ket­ten­sä­ge mit Zu­be­hör, Un­ter­bau­ma­te­ri­al der He­be­satz „H1“und zwei Wa­tho­sen ih­ren Platz.

Auf der lin­ken Sei­te des HLF 10-1 sind un­ter an­de­rem ein 13-kva-strom­er­zeu­ger von End­ress, Tauch­pum­pe, ein Prüf­ball (um die Span­nungs­frei­heit von Was­ser fest­zu­stel­len) und ein Ge­rä­te­satz Ab­sturz­si­che­rung ver­staut. Au­ßer­dem la­gern hier 20 Flucht­hau­ben, Klein­lösch­ge­rät POWERCAFS, ein Schlauch­pa­ket mit 35 Me­ter-c-schlauch, Ta­sche für den Si­che­rungs­trupp, Sä­bel­sä­ge, Trenn­schlei­fer, Bin­de­mit­tel und Ma­te­ri­al für die Ver­kehrs­ab­si­che­rung.

HLF-2 mit Mitt­schiff­pum­pe und La­de­bord­wand

Das zwei­te HLF 10 ist auf den ers­ten Blick nicht als sol­ches zu er­ken­nen und sieht ganz an­ders aus als HLF 10-1. Ist es das fal­sche Fahr­zeug oder steht es hin­ter dem Ge­rä­te­wa­gen-lo­gis­tik? Doch da ist nichts. „Das Phä­no­men ken­nen wir schon“, sagt Gre­gor Me­fus, der Lei­ter der Sach­grup­pe Tech­nik/ Aus­stat­tung bei der WF. „Un­ser HLF 10-2 er­in­nert wirk­lich stark an ei­nen GW-L2.“Hin­ter der Grup­pen­ka­bi­ne schließt sich ein Kof­fer­auf­bau an. Am vor­de­ren En­de gibt es auf je­der Sei­te ei­nen in den Kof­fer in­te­grier­ten Ge­rä­te­raum und am Heck ei­ne La­de­bord­wand. Auf dem Ty­pen­schild steht dann al­ler­dings Lf-l(ogis­tik).

„Wir ha­ben uns aber ent­schie­den das Fahr­zeug als HLF 10-2 zu füh­ren“, er­klärt Zel­l­e­röhr. „Die Aus­stat­tung und Be­la­dung ent­spricht weit­ge­hend dem HLF 10-1.“Sieht man ge­nau hin, ist auf der lin­ken Sei­te ein C-ab­gang ne­ben dem Ge­rä­te­raum zu er­ken­nen. Rechts sind es ein Ein- und ein Ab­gang und da­zu noch ein A-ein­gang. Noch kla­rer wird es, nach­dem der Ge­rä­te­raum 2 ge­öff­net ist. Hier be­fin­det sich das Be­dien­feld für die Sch­ling­mann Mitt­schiffs­pum­pe FPN 102000 mit Tem­pe­ra­tur­über­wa­chung. Dar­un­ter lie­gen quer zwei C-tra­ge­kör­be und auch wie­der ein in Buch­ten ge­leg­ter C-schlauch mit Hohl­strahl­rohr als Schnellan­griff.

Über dem Pum­pen­be­dien­feld be­fin­den sich B-schläu­che, Stan­d­rohr und ei­ni­ge Ar­ma­tu­ren. In G1 sind ein Schlauch­pa­ket, Schacht­ab­de­ckun­gen, vier Feu­er­lö­scher und acht Falt­py­lo­nen­ver­las­tet. Das Klein­lösch­ge­rät HI-CAFS ist auf ei­nem klei­nen Hand­wa­gen be­fes­tigt, um leich­ter län­ge­re Stre­cken zu­rück­le­gen zu kön­nen. Im Tra­ver­sen­kas­ten auf die­ser Sei­te be­fin­det sich noch ei­ne Mo­tor­ket­ten­sä­ge mit Zu­be­hör. In ei­nem Re­gal an der Vor­der­wand des Kof­fer­auf­baus sind 120 Li­ter Schaum in sechs Ka­nis­tern, zwei CSA, zwei Sät­ze Hit­ze­schutz­klei­dung und Che­mi­ka­li­en­bin­de­mit­tel ver­staut. Der Lösch­was­ser­tank (1.000 Li­ter In­halt) sitzt mit­tig zwi­schen dem G1 und dem G2 hin­ter der Mann­schafts­ka­bi­ne.

Die wei­te­re Be­la­dung wird in sechs Roll­con­tai­nern mit­ge­führt. Fest auf dem HLF 10-2 ver­la­den sind:

Was­ser­scha­den, un­ter an­de­rem be­la­den mit Was­ser­sau­ger und Tauch­pum­pe. Atem­schutz mit 70 Flucht­hau­ben, drei Dop­pel­fla­schen-pa, Si­che­rungs­ta­sche. Ret­tungs­satz mit Sche­re, Sprei­zer, Pe­dal­schnei­der und Spreiz­keil. Be­leuch­tung mit 13-kva-strom­er­zeu­ger, Po­wer­moon-be­leuch­tungs­bal­lon und zwei Schein­wer­fer RVS 1000. Tech­ni­sche Hil­fe, un­ter an­de­rem mit He­be­kis­sen, Rüst­holz und Mehr­zweck­zug MZ 16.

Der sechs­te Roll­con­tai­ner trägt die Be­zeich­nung „Ein­satz“. Er ist un­ter an­de­rem mit ei­nem Schlauch­pa­ket, zwei Atem­schutz­ge­rä­ten, ei­ner Te­le­skop­lei­ter und eben­falls mit ei­nem Klein­lösch­ge­rät HI-CAFS auf Hand­wa­gen be­stückt. Wei­te­re Roll­wa­gen ste­hen noch in der Wa­che der Werk­feu­er­wehr und kön­nen bei Be­darf an die Ein­satz­stel­le ge­bracht wer­den.

Um die Roll­con­tai­ner ent­spre­chend beund ent­la­den zu kön­nen, hat die La­de­bord­wand ei­ne Hub­kraft von 1.500 Ki­lo­gramm. Bei­de HLF ver­fü­gen über ei­nen iden­ti­schen Licht­mast, der mit vier Led-schein­wer­fern be­stückt ist und mit­tels ei­ner Fern­be­die­nung ge­steu­ert wird. Eben­falls in Led-tech­nik ist die Um­feld­be­leuch­tung und die op­ti­sche Son­der­si­gnal­an­la­ge aus­ge­rüs­tet.

Zu­sätz­lich be­sit­zen die HLF ei­ne Heck­warn­an­la­ge mit vier gel­ben LED und ei­ne Rück­fahr­ka­me­ra. Für ei­ne an­ge­mes­se­ne Akus­tik sorgt ein Mar­tin-kom­pres­sor­horn mit vier Schall­trich­tern.

Das zwei­te Fahr­zeug wird auch noch aus ei­nem an­de­ren Grund als HLF 10 ge­führt. „Für ei­nen Ge­rä­te­wa­gen-lo­gis­tik oder ein Lösch­fahr­zeug-lo­gis­tik konn­ten wir kei­ne OPTA (Ope­ra­tiv-tak­ti­sche Adres­se, Funk­ruf­na­me im Di­gi­tal­funk der Be­hör­den) bei der Be­zirks­re­gie­rung be­an­tra­gen“, er­klärt der Lei­ter der Werk­feu­er­wehr Mar­kus Schwi­en­heer. Die Kos­ten für die Fahr­zeu­ge in­klu­si­ve Aus­stat­tung be­lau­fen sich ins­ge­samt auf rund 580.000 Eu­ro.

Gleich zwei neue Ein­satz­fahr­zeu­ge lie­fer­te Sch­ling­mann En­de 2016 an die Werk­feu­er­wehr am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Müns­ter. Ob­wohl sich die bei­den Fahr­zeu­ge op­tisch stark un­ter­schei­den, tra­gen sie die Be­zeich­nung HLF 10-1 (rechts im Bild) und HLF 10-2. Als Fahr­ge­stel­le die­nen Mer­ce­des Ate­go 1329 F.

Schlauch­ma­te­ri­al, Ar­ma­tu­ren, Stan­d­rohr, Schaum­pis­to­le und ein Hohl­strahl­rohr sind im G2 ver­staut. Et­wa mit­tig ist der Be­dien­stand der Mit­schiff­pum­pe zu se­hen.

Sechs Roll­con­tai­ner pas­sen in den Auf­bau der HLF 10-2. Be- und Ent­la­den wer­den sie über die 1.500-Ki­lo­gram­mLa­de­bord­wand. Die Un­ter­sei­te der La­de­board­wand ist mit ei­ner Schraf­fur­be­kle­bung ver­se­hen. Die Heck­ab­si­che­rung er­höht die Si­cher­heit zu­sätz­lich.

Im G4 di­rekt über der Hin­ter­ach­se la­gert der Ak­ku-lüf­ter von Le­a­der. Das Ge­rät wiegt nur 27,5 Ki­lo­gramm und kann von ei­ner Per­son in den Ein­satz ge­bracht wer­den.

Das neue HLF 10-1 der Ukm-werk­feu­er­wehr fer­tig­te Sch­ling­mann in der klas­si­schen Bau­form mit sie­ben Ge­rä­te­räu­men und Heck­pum­pe.

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