Rans­bach-baum­bach: 100.000 Rei­fen in Flam­men

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Tho­mas Schenk-hu­ber­ty, S 5 (Pres­se und Me­di­en) des Wes­ter­wald­krei­ses [1778]

Mit dem Ein­satz­stich­wort „ Aus­lö­sung der Brand­mel­de­an­la­ge bei der Fir­ma Rei­fen Gund­lach“wird die Feu­er­wehr von Rans­bach-baum­bach (Wes­ter­wald­kreis) am Don­ners­tag, 15. Ju­ni 2017, um 2.33 Uhr durch die In­te­grier­te Leit­stel­le Mon­ta­baur alar­miert. Beim Ein­tref­fen der ers­ten Kräf­te an der Brand­mel­de­zen­tra­le des Ob­jekts, gleich ge­gen­über der städ­ti­schen Feu­er­wa­che, zün­det die et­was rück­wär­tig ge­le­ge­ne La­ger­hal­le durch. In der zir­ka 3.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Hal­le la­gern über 100.000 neue Fahr­zeu­grei­fen, haupt­säch­lich für Lkw und Trans­por­ter, so­wie ei­ne gro­ße An­zahl an Al­u­fel­gen.

Nach der ers­ten Er­kun­dung lässt der erstein­tref­fen­de Zug­füh­rer al­le Feu­er­weh­ren der Ver­bands­ge­mein­de ( VG) Rans­bachBaum­bach nach­alar­mie­ren. Gleich­zei­tig wer­den die um­lie­gen­den Feu­er­weh­ren aus Höhr-grenz­hau­sen, Sel­ters, Siers­hahn, Mo­gen­dorf so­wie die Werk­feu­er­wehr Ve­r­al­lia Deutsch­land AG (Wir­ges) mit Tank­lösch­fahr­zeu­gen und Dreh­lei­tern nach­alar­miert. Aus dem be­nach­bar­ten Land­kreis Neu­wied wer­den die Lösch­zü­ge Dier­dorf und Pu­der­bach zur Un­ter­stüt­zung an­ge­for­dert.

Der Bür­ger­meis­ter der VG Rans­bachBaum­bach, Micha­el Merz, er­reicht ge­gen 3 Uhr die Ein­satz­stel­le und bleibt bis zum spä­ten Nach­mit­tag in der städ­ti­schen Feu­er­wa­che. Er nimmt auch an al­len La­ge­be­spre­chun­gen teil. Der Kreis­feu­er­weh­r­inspek­teur des Wes­ter­wald­krei­ses wird um 3.03 Uhr zur Ein­satz­stel­le be­or­dert. Zur Füh­rungs­un­ter­stüt­zung wird 7 Mi­nu­ten spä­ter die Tech­ni­sche Ein­satz­lei­tung (TEL) des Wes­ter­wald­krei­ses ak­ti­viert. Ge­gen 3.10 Uhr trifft auch ein Fir­men­ver­tre­ter an der Ein­satz­stel­le ein.

Rie­gel­stel­lung er­folg­reich

Wie vie­le Rei­fen und Fel­gen be­reits bren­nen, kann zu die­sem Zeit­punkt nie­mand ge­nau sa­gen. Die 100 mal 30 Me­ter gro­ße Hal­le steht in Voll­brand. Als ers­tes baut die Feu-

In Rans­bach-baum­bach (RP) ver­bren­nen in ei­ner 3.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Fir­men­hal­le 100.000 Rei­fen. Der Brand ent­wi­ckelt sich zum größ­ten Ein­satz im Wes­ter­wald­kreis der letz­ten Jahr­zehn­te. Mehr als 700 Kräf­te sind vor Ort.

er­wehr Rie­gel­stel­lun­gen zu un­mit­tel­bar an die Hal­le an­gren­zen­den La­ge­räu­men so­wie leer­ste­hen­den Bü­ro­räu­men auf. Die­se Maß­nah­me ist er­folg­reich – die Be­rei­che blei­ben un­ver­sehrt. Ei­ne schwar­ze Rauch­säu­le steigt senk­recht in den Him­mel und zieht Rich­tung Wes­ten ab. Die Be­völ­ke­rung wird über Laut­spre­cher­durch­sa­gen der Po­li­zei und er­gän­zend über das Warn­sys­tem Kat­warn auf­ge­for­dert, Tü­ren und Fens­ter ge­schlos­sen zu hal­ten und Lüf­tungs­an­la­gen ab­zu­schal­ten.

Der Rauch zieht in Rich­tung des Nach­bar­land­krei­ses Neu­wied. Dort und in der nä­he­ren Um­ge­bung der Ein­satz­stel­le füh­ren die Ge­fahr­stoff­zü­ge der Krei­se Al­ten­kir­chen, Neu­wied so­wie des Wes­ter­wald­krei­ses um­fang­rei­che Mes­sun­gen durch. Au­ßer ei­ner star­ken Ge­ruchs­be­läs­ti­gung und teil­wei­se Ruß­nie­der­schlag kön­nen kei­ne kri­ti­schen Mes­s­er­geb­nis­se do­ku­men­tiert wer­den. Die Au­to­bahn­po­li­zei Mon­ta­baur kon­trol­liert die nah­ge­le­ge­nen Au­to­bah­nen 3 und 48 auf mög­li­che Sicht­be­hin­de­run­gen durch Rauch. Die Po­li­zei­be­am­ten kön­nen je­doch Ent­war­nung ge­ben.

Da die ers­ten Lösch­ver­su­che mit Was­ser kaum Er­folg zei­gen, wird ein um­fang­rei­cher Schau­m­ein­satz ein­ge­lei­tet. Da­zu wer­den ne­ben den bei­den Ab­roll­be­häl­tern Schaum des Wes­ter­wald­krei­ses auch die Schaum­re­ser­ven aus den be­nach­bar­ten VG Höhr-grenz­hau­sen, Mon­ta­baur, Sel­ters, Wir­ges so­wie der WF Klöck­ner-pen­ta­plast Gm­bh (Hei­li­gen­roth) und der WF Ve­r­al­lia zum Ein­satz ge­bracht. Der an­ge­for­der­te Ab­roll­be­häl­ter Schaum der BF Ko­blenz bleibt in Be­reit­stel­lung, wird aber nicht be­nö­tigt.

Zur Si­cher­stel­lung der Was­ser­ver­sor­gung wer­den aus den VG Mon­ta­baur,

Sel­ters und Wir­ges zahl­rei­che Ein­hei­ten mit Trag­krafts­prit­zen so­wie Schlauch­wa­gen alar­miert. Die­se rich­ten ge­mein­sam mit den Ka­me­ra­den der VG Rans­bach-baum­bach die Was­ser­ver­sor­gung vom Er­len­hof­see, ei­nem Nah­er­ho­lungs­ge­biet mit­ten in der Stadt Rans­bach-baum­bach, ein. Ins­ge­samt för­dert die Feu­er­wehr zu Spit­zen­zei­ten über sechs B-schlauch­lei­tun­gen mit ei­ner Län­ge von je­weils 800 Me­tern Was­ser zur Ein­satz­stel­le.

Mit ei­ner Droh­ne der Ver­wal­tung des Wes­ter­wald­krei­ses, die mit ei­ner Wär­me­bild­ka­me­ra aus­ge­stat­tet ist, lässt die Ein­satz­lei­tung die Hal­le von oben er­kun­den.

Enor­mer Be­darf an Atem­schutz­ge­rä­te­trä­gern

Um den enor­men Be­darf an Atem­schutz­ge­rä­ten de­cken zu kön­nen, kom­men ne­ben dem Ge­rä­te­wa­gen Atem­schutz (GW-A) des Wes­ter­wald­krei­ses nach­ein­an­der die GW-A aus den Krei­sen Neu­wied, May­en-ko­blenz, Lim­burg-weil­burg so­wie Al­ten­kir­chen zum Ein­satz. Auf­grund der ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren kön­nen Atem­schutz­ge­rä­te­trä­ger nur ein­mal ein­ge­setzt wer­den. Des­halb wer­den in ei­ner Ro­ta­ti­on kon­ti­nu­ier­lich Ge­rä­te­trä­ger aus al­len zehn VGS des Krei­ses und der VG Val-

len­dar so­wie am zwei­ten Ein­satz­tag aus dem Land­kreis Al­ten­kir­chen ein­ge­setzt.

Wäh­rend der ge­sam­ten Ein­satz­dau­er stel­len zwei Schnell­ein­satz­grup­pen (SEG) die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung so­wie der Ver­pfle­gungs­zug die Ver­sor­gung der Ein­satz­kräf­te si­cher. Ein Lei­ten­der Not­arzt (LNA) so­wie der Or­ga­ni­sa­to­ri­sche Lei­ter Ret­tungs­dienst (Orgl) un­ter­stüt­zen ge­nau­so wie Ver­tre­ter des THW die TEL als Fach­be­ra­ter. Auch ein Ver­bin­dungs­be­am­ter der Po­li­zei­di­rek­ti­on Mon­ta­baur un­ter­stützt die Ar­beit der Ein­satz­lei­tung. In den ein­zel­nen Ein­satz­ab­schnit­ten ver­sorgt das THW die Fahr­zeu­ge, Pum­pen und Ag­gre­ga­te mit Treib­stoff so­wie die Ein­satz­kräf­te mit Kalt­ge­trän­ken.

Ei­ne Her­aus­for­de­rung stellt für die Ein­satz­lei­tung die Si­cher­stel­lung des Grund­schut­zes für die na­he­zu ver­wais­ten VGS im un­te­ren Wes­ter­wald­kreis dar. Da­her ge­hen be­reits in der ers­ten Stun­de Tei­le der Lösch­zü­ge Mon­ta­baur mit Vor­aus- rüst­wa­gen ( VRW), Hil­fe­leis­tungs-lösch­grup­pen­fahr­zeug (HLF) 20 und Dreh­lei­ter (DLK) 23-12 so­wie Hersch­bach mit HLF 20 und Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) 16/25 in den Feu­er­wehr­häu­sern in Be­reit­schaft. Wei­ter­hin wird der Lösch­zug Dern­bach mit Kom­man­do­wa­gen (Kdow), HLF 10/10, Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF) 16/12 und Mehr­zweck­fahr­zeug (MZF) 1 eben­falls nicht in das Ein­satz­ge­sche­hen ein­ge­bun­den. Die Lösch­zü­ge Sel­ters, Siers­hahn und

Höhr-grenz­hau­sen kön­nen mit­tags aus dem Ein­satz­ge­sche­hen her­aus­ge­löst wer­den. Für sie kom­men die in der Nacht in Be­reit­schaft ge­las­se­nen Ein­hei­ten Mon­ta­baur und Dern­bach zum Ein­satz.

Um 6.30 Uhr ist das Feu­er un­ter Kon­trol­le, aber lan­ge noch nicht ge­löscht. Da die Hal­le mas­siv ein­sturz­ge­fähr­det ist, kommt ein In­nen­an­griff nicht in mehr Fra­ge. Mit den Was­ser­wer­fern der Tank­lösch­fahr­zeu­ge und den Wen­de­roh­ren der Dreh­lei­tern sind al­ler­dings nicht al­le Brand­her­de zu er­rei­chen. Da­her ent­schließt sich die Ein­satz­lei­tung, schwe­res Ge­rät ein­zu­set­zen. Ne­ben zwei Rad­la­dern des THW kom­men drei Ket­ten-

bag­ger von Spe­zi­al­fir­men in der nie­der­ge­brann­ten Hal­le zum Ein­satz.

Um das Me­di­en­in­ter­es­se be­wäl­ti­gen zu kön­nen, in­for­mie­ren die Pres­se­stel­le der Kreis­ver­wal­tung, der Pres­se­spre­cher des Wes­ter­wald­krei­ses, Tho­mas Schen­kHu­ber­ty, Land­rat, Achim Schwi­ckert, Bür­ger­meis­ter Micha­el Merz, ein Ver­tre­ter des be­trof­fe­nen Un­ter­neh­mens, Kreis­feu­er­weh­r­inspek­teur Axel Si­mo­nis und Wehr­lei­ter Oli­ver Ger­lach die Me­di­en­ver­tre­ter auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz um 9.30 Uhr über die Scha­dens­la­ge.

Bis 21.30 Uhr bah­nen sich die Bag­ger ei­nen Weg durch die Hal­le und er­mög­li­chen der Feu­er­wehr das Ab­lö­schen von Glut­nestern. Nach­dem die Bag­ger ih­re Ar­beit ein­ge­stellt ha­ben, über­neh­men die Feu­er­weh­ren Nau­ort, Mo­gen­dorf, Bann­ber­scheid und Sai­ner­holz die Brand­wa­che. Sie müs­sen in der Nacht im­mer wie­der auf­lo­dern­de Flam­men nie­der­schla­gen. Die Ein­satz­kräf­te wer­den ge­gen 8 Uhr am Fol­ge­tag von Ein­hei­ten der VG Rans­bach-baum­bach so­wie aus dem Land­kreis Al­ten­kir­chen ab­ge­löst. Die­se be­gin­nen mit Un­ter­stüt­zung des THW und der Ket­ten­bag­ger, die ver­blie­be­nen Glut­nes­ter ab­zu­lö­schen.

Feu­er aus nach 36 St­un­den

Um 14.30 Uhr am Frei­tag ist das Feu­er aus, so­dass die letz­ten Ein­hei­ten die Ein­satz­stel­le ver­las­sen kön­nen. An den Fol­ge­ta­gen sind im­mer wie­der Nach­lösch­ar­bei­ten not­wen­dig. In der Haupt­pha­se sind 450 Kräf­te von Feu­er­wehr, DRK und THW zeit­gleich vor Ort.

Land­rat Schwi­ckert und Bür­ger­meis­ter Merz be­dan­ken sich vor Ort bei den vie­len eh­ren­amt­li­chen Ein­satz­kräf­ten. „Die­ses En­ga­ge­ment ist bei­spiel­ge­bend und macht mich sehr stolz“, sagt der Wes­ter­wäl­der Land­rat. Auch der Ein­satz der neu be­schaff­ten Droh­ne des Krei­ses sei sehr hilf­reich ge­we­sen „und hat der Tech­ni­schen Ein­satz­lei­tung durch die ge­lie­fer­ten Luft­auf­nah­men mit nor­ma­ler Ka­me­ra und Wär­me­bild­ka­me­ra die Ar­beit er­heb­lich er­leich­tert“, stellt der Land­rat fest.

Ei­ne Fir­men­hal­le vol­ler Rei­fen steht in Rans­bach-baum­bach (RP) in Flam­men. Mit ei­ner Droh­ne kann die Ein­satz­lei­tung das Ob­jekt er­kun­den. We­gen der dich­ten schwar­zen Rauch­wol­ke wer­den Luft­mes­sun­gen bis in den Nach­bar­land­kreis vor­ge­nom­men. Fo­to: Kreis­ver­wal

Die WF Ve­r­al­lia Deutsch­land AG ist mit ei­nem GTLF 24/60-SL (rechts) vor Ort. Links mi­schen Kräf­te Schaum zu. Fo­to: Dit­scher

Die Be­sat­zung ei­nes TLF be­kämpft die Flam­men mit Schaum über den Dachmo­ni­tor. Fo­to: Dit­scher

Mit sechs Trag­krafts­prit­zen spei­sen Kräf­te vom Er­len­hof­see die B-lei­tun­gen zur Ein­satz­stel­le. Fo­to: Ver­bands­ge­mein­de Sel­ters

Trotz des mas­si­ven Schaum­an­griffs lo­dern nach wie vor hel­le Flam­men in den Nacht­him­mel. Um die Hal­le her­um hat sich be­reits ein dich­ter Schaum­tep­pich ge­bil­det. Fo­to: Dit­scher

Das Feu­er brennt be­reits meh­re­re St­un­den. Im­mer noch steigt schwar­zer Rauch auf. Ei­ne Hu­b­ar­beits­büh­ne ist eben­falls an den Lösch­ar­bei­ten von oben be­tei­ligt. Fo­to: Dit­scher

In ei­nem ver­kohl­ten Trüm­mer­berg löscht ein PAT­rupp Glut­nes­ter ab. Ein Bag­ger zieht den Schutt aus­ein­an­der. Fo­to: Wir­ges

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