Rie­sen­wa­che mit Tief­ga­ra­ge

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Rie­sen­wa­che – die Be­zeich­nung trifft am ehes­ten auf den neu­en Feu­er­wehr­stütz­punkt der BF Bern zu. Vor al­lem die gro­ße teil­ba­re Mehr­zweck­hal­le so­wie die Ein­stell­hal­le im zwei­ten Un­ter­ge­schoss sind be­mer­kens­wert. Von hier aus rückt auch das Tak­ti­sche-feu­er­wehr Ein­sat­z­ele­ment zur Un­ter­stüt­zung der Po­li­zei aus. Und es gibt noch wei­te­re Ber­ner Be­son­der­hei­ten.

Un­ser Es­sen be­kom­men wir von der Kan­ti­ne ei­nes Al­ten­heims zu­ge­lie­fert“, sagt Bern­hard Stutz­mann, Zug­füh­rer an die­sem Tag, als wir die Kan­ti­ne der BF Bern (Schweiz) zur Mit­tags­pau­se be­tre­ten. Und nein, es ist nicht pü­riert, stel­le ich beim Blick in die Töp­fe fest, die an der Stirn­sei­te des hel­len Rau­mes auf­ge­stellt sind. „Bis­her ha­ben wir das Es­sen von ei­ner Kran­ken­haus­kan­ti­ne be­zo­gen. Aber dann wur­de die­ser Auf­trag neu aus­ge­schrie­ben. Das ist gar nicht so leicht, ei­nen Be­trieb zu fin­den, der an 7 Ta­gen in der Wo­che zwei­mal Es­sen pro Tag lie­fert“, fährt der Zug­füh­rer fort. „Und schme­cken muss es auch noch“, er­gänzt Ju­lia­na St­ei­ner. Die Feu­er­wehr­frau in Aus­bil­dung hat an die­sem Tag das Es­sen – Gu­lasch mit

Kar­tof­feln und Sa­lat – ab­ge­holt. „Wenn Du zum Bei­spiel zu­rück­kommst mit Fisch und oh­ne Des­sert, dann sind sie den gan­zen Tag be­lei­digt.“

Sie, das sind die 18 Be­rufs­feu­er­wehr­leu­te des Lösch­zugs, die an die­sem Tag auf der neu ge­bau­ten Feu­er­wa­che Di­enst tun und gera­de zum Mit­tag­es­sen nach oben ge­kom­men sind. Ju­lia­na hat heu­te Glück, al­len schmeckt’s. „Der­zeit ha­ben wir 80 Be­rufs­feu­er­wehr­kräf­te in der Ein­satz­ab­tei­lung“, er­klärt Mar­tin Al­len­bach, Kom­man­dant Stell­ver­tre­ter der BF Bern. „Die­se tei­len sich in zwei Wach­ab­tei­lun­gen auf. Da­von sind im­mer 20 Mann im Di­enst.“18 da­von be­set­zen Funk­tio­nen auf den aus­rü­cken­den Fahr­zeu­gen. Die­se sind durch­num­me­riert, so­dass ab der Di­enstü­ber­nah­me je­der weiß, wel­che Auf­ga­ben er bei wel­chem Alarm­stich­wort hat.

Funk­ti­on 1 ist der Zug­füh­rer. Er rückt zu­sam­men mit Funk­ti­on 2 mit dem Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 1 aus. Da­bei han­delt es sich um ei­nen Mer­ce­des Puch G 300 CDI mit Vog­tAus­bau. Funk­ti­on 3 ist der Fahr­zeug­füh­rer auf dem ers­ten Tank­lösch­fahr­zeug (TLF), Funk­ti­on 4 der Ma­schi­nist. Die Num­mern 5, 6 und 7 bil­den die rest­li­che Be­sat­zung des ers­ten TLF. Die­ses ent­spricht bei der BF Bern ei­nem Lösch­fahr­zeug in ei­ner deut­schen Feu­er­wehr: Brand­be­kämp­fung, Hil­fe­leis­tun­gen, klei­ne Ge­fahr­stoff­ha­va­ri­en – das al­les wird mit dem TLF ab­ge­ar­bei­tet.

Mit den Funk­ti­ons­num­mern 8, 9 und 10 wird die Be­sat­zung der Dreh­lei­ter be­zeich­net. In der Schweiz wird die­se mit ADL (Au­to­dreh­lei­ter) ab­ge­kürzt, ist aber im Prin­zip das glei­che Fahr­zeug wie ei­ne DLAK 23/12 in Deutsch­land. Bei der BF Bern wird der­zeit noch ei­ne L32 auf Mer­ce­des Eco­nic 1833 LL von Ro­sen­bau­er ein­ge­setzt. Aber die Be­rufs­feu­er­wehr plant be­reits, auf ei­ne Dreh­lei­ter mit Ge­lenk um­zu­stei­gen.

Als Re­ser­ve set­zen die Schwei­zer noch auf ei­ne DLK 23-12 n.b. von Ma­gi­rus auf ei­nem Ive­co-fahr­ge­stell mit 345 PS. Ne­ben ei­nem Au­to­ma­tik­ge­trie­be ver­fügt die­ses Fahr­zeug auch über ei­ne ma­nu­ell an­steu­er­ba­re Hin­ter­achs-zu­satz­len­kung (HZL). Die Num­mern 11 bis 15 schließ­lich be­zeich­nen die Funk­tio­nen auf dem zwei­ten TLF ana­log zum TLF 1.

Al­le Kräf­te sind fle­xi­bel ein­setz­bar

Lau­tet das Ein­satz­stich­wort je­doch Fahr­zeug­brand auf der Schnell­stra­ße, wech­selt die Num­mer 10 als drit­ter Mann auf den ELW. 3, 4 und 5 wech­seln we­gen des grö­ße­ren Was­ser­tanks und der um­fang­rei­che­ren Aus­stat­tung auf das drit­te TLF. 6 und 7 be­set­zen das Groß-tank­lösch­fahr­zeug. Soll­te es zu ei­nem Feu­er in ei­nem Stra­ßen­tun­nel kom­men, dann wird die­se For­ma­ti­on durch das zwei­te TLF so­wie den Mo­bi­len Groß­ven­ti­la­tor (MGV) auf­ge­stockt. Der MGV ba­siert auf ei­nem Mer­ce­des Sprin­ter 515 CDI 4x4 mit Ge­rä­te­kof­fer. Da­hin­ter be­fin­det sich der von Tem­pest ge­bau­te Lüf­ter mit ei­ner Leis­tung von 220.000 m3/h (150.000 m3/h im Saug­be­trieb) auf ei­nem Sche­ren­hub­ge­stell. Die­ses kann über ei­ne Ka­bel­fern­steue­rung ge­ho­ben, ge­dreht so­wie ge­neigt wer­den. Zu­dem lässt sich Was­ser zum Luft­strom ge­ben, so­dass ein fei­ner Sprüh­ne­bel zum Küh­len mit et­wa 260 l/min bei 10 bar rund 50 Me­ter weit ge­wor­fen wer­den kann. Als An­trieb des Lüf­ters dient ein 100 PS star­ker Ford-ben­zin­mo­tor.

Lau­tet das Ein­satz­stich­wort Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung, wech­selt Num­mer 10 eben­falls auf den ELW. Da die­ser – eben­so wie das bau­glei­che Re­ser­vefahr­zeug – zu­sätz­lich auch als Vor­aus­rüst­fahr­zeug aus­ge­stat­tet ist, wird er zum In­ne­ren Ret­ter und be­treut die Per­son im Un­fall­fahr­zeug. 11 und 12 rü­cken

mit dem Pio­nier­fahr­zeug – ver­gleich­bar ei­nem Rüst­wa­gen – so­wie 13 und 15 dem Kr­an­wa­gen (KW) 40 aus. Die­ses ist ein drei­ach­si­ger Sca­nia G440 CB 6x4*4 – al­so mit ge­lenk­ter drit­ter Ach­se. Aus­ge­stat­tet ist der 25-Ton­ner mit ei­nem Pal­fin­ger-hy­drau­lik­kran PK 36002 G hin­ter den Ge­rä­te­räu­men 1 und 2. Bei ei­ner Aus­la­dung von 20,5 Me­tern hebt die­ser im­mer noch Las­ten von 880 Ki­lo­gramm. 6.520 Ki­lo­gramm sind es so­gar bei 4,5 Me­ter Aus­la­dung. Zu­dem gibt es ei­ne Kr­an­win­de mit 52 Me­ter Seil so­wie ei­ne Rotz­ler-spill­win­de TR 080/6 mit 80 Ki­lo­new­ton Zug­kraft und 55 Me­ter Seil. Er­gänzt wer­den kann der Ret­tungs­zug durch TLF 3 und/ oder G-TLF je nach La­ge.

„Als Pio­nier­zug rü­cken das Pio­nier­fahr­zeug und der Kran aber auch in den Kan­ton aus. Zum Bei­spiel, um Kü­he aus Gül­le­gru­ben zu he­ben oder als Er­gän­zung der ört­li­chen Feu­er­wehr bei Tech­ni­schen Hil­fe­leis­tun­gen“, er­klärt Al­len­bach.

„Zu den Mit­glie­dern der bei­den Wach­ab­tei­lun­gen kom­men rund 20 Mit­ar­bei­ter im Tagdienst, in der Ver­wal­tung so­wie aus dem Be­reich Lo­gis­tik“, sagt der Ma­jor. Auch er ge­hört zu die­sem Per­so­nal­stamm. So ist er un­ter an­de­rem ver­ant­wort­lich für Ein­satz­pla­nung und -un­ter­stüt­zung, die Feu­er­wehr­ein­satz­leit­zen­tra­le (FELZ), Di­enst- und Per­so­nal­ein­satz­pla­nung so­wie die Be­rufs­feu­er­wehr­wa­che. Als so­ge­nann­ter Pi­ket­t­of­fi­zier ist er aber auch in den 24-stün­di­gen Alarm­dienst mit ein­ge­bun­den und rückt als Ein­satz­lei­ter mit aus – zu Nacht­zei­ten oder Wo­che­n­en­den auch von zu Hau­se.

No­t­ruf 118 und 1.300 Ge­fah­ren­mel­de­an­la­gen

Nicht aus­rü­cken müs­sen die bei­den dienst­ha­ben­den Di­s­po­nen­ten in der Feu­er­wehr­ein­satz­leit­zen­tra­le – die Funk­ti­ons­num­mern 19 und 20. Lei­ter To­ni Hub­schmid: „Über die Schwei­zer No­t­ruf­num­mer 118 kom­men die No­t­ru­fe di­rekt zu uns. Au­ßer­dem lei­ten Po­li­zei und Sa­ni­täts­po­li­zei An­ru­fe an die Feu­er­wehr wei­ter.“Bei der Sa­ni­täts­po­li­zei han­delt es sich um den öf­fent­li­chen Ret­tungs­dienst der Stadt Bern. Den Na­men er­hielt die Or­ga­ni­sa­ti­on 1907, als aus ei­ner sechs­köp­fi­gen Grup­pe aus dem Korps der Stadt­po­li­zei der Grund­stein ge­legt wur­de.

Alar­miert wer­den ne­ben der Be­rufs­feu­er­wehr Bern auch die Ein­hei­ten der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr, Brand­corps ge­nannt. Sie glie­dert sich in die Kom­pa­ni­en Ost, West so­wie Bern-land. Die Feu­er­weh­ren im Kan­ton Bern wer­den über die Kan­tons­po­li­zei als Feu­er­mel­de­stel­le alar­miert.

Zwei Mit­ar­bei­ter ha­ben je­weils 24-St­un­den-di­enst. Die Schicht be­ginnt um 6.45 Uhr mit der Über­ga­be. In den Es­sens­pau­sen so­wie in der Nacht wech­seln sich die Kol­le­gen ab. „Wäh­rend ei­ni­ge Di­s­po­nen­ten auch Ein­satz­dienst ver­se­hen und mit aus­rü­cken, wenn sie kei­nen Leit­stel­len­dienst ha­ben, gibt es auch wel­che, die nur noch in der Leit­stel­le ar­bei­ten“, er­klärt der Lei­ter.

Aus­ge­bil­det wer­den neue Di­s­po­nen­ten bei der Po­li­zei, die das glei­che Leit­stel­len­sys­tem nutzt. „An­schlie­ßend schu­len wir die Mit­ar­bei­ter in fest­ge­leg­ten Mo­du­len in­tern wei­ter“, so Hub­schmidt.

Schlüs­sel-ver­sand mit Rohr­post

Ne­ben den No­t­ru­fen über Te­le­fon lau­fen auch die Brand­mel­de­an­la­gen (BMA) aus rund 1.300 Ob­jek­ten in der Ein­satz­leit­zen­tra­le auf. Da­zu gibt es in der FELZ ei­nen Schrank mit den Schlüs­seln für die Ob­jek­te. Die­se wer­den zu­sam­men mit In­for­ma­tio­nen zum Ge­bäu­de und zu be­son­de­ren Ge­fah­ren mit ei­ner Rohr­post­an­la­ge in die un­ter­halb lie­gen­de Fahr­zeug­hal­le ge­schickt. Dort lan­den sie in ei­nem Korb di­rekt ne­ben dem ELW 1.

„Wenn ei­ne BMA aus­löst, dann rü­cken wir aus“, er­klärt Hub­schmidt. „Da braucht dann auch der Be­trei­ber nicht mehr an­zu­ru­fen und zu sa­gen, dass es sich um ei­nen Fehl­alarm han­delt.“Die Feu­er­wehr kon­trol­liert – und schickt ei­ne Rech­nung, falls es sich um ei­nen Fehl­alarm han­delt. „Ver­rech­net wird da­bei al­les, was man nicht mit ei­ner sinn­ge­mä­ßen Alar­mie­rung ver­bin­det: Bau­ar­bei­ten, ver­se­hent­li­che oder bös­wil­li­ge Hand­mel­der­aus­lö­sung stel­len wir in Rech­nung“, er­gänzt Al­len­bach. „Zwi­schen 700 und 2.000 Fran­ken kön­nen das dann sein.“Dies wür­de in et­wa 610 und 1.050 Eu­ro ent­spre­chen.

Die­ses Kür­zel steht für Tak­ti­sches-feu­er­wehr Ein­sat­z­ele­ment. „Mit dem TFE un­ter­stüt­zen wir die Ar­beit der Son­der­ein­sat­zEin­heit En­zi­an der Kan­tons­po­li­zei im ge­sam­ten Kan­ton Bern“, er­klärt Mar­kus Sul­zer, Lei­ter des TFE und Zug­füh­rer der BF. Das De­zer­nat En­zi­an be­steht aus 45 Eli­te­kräf­ten der Po­li­zei, die ins­be­son­de­re bei Gei­sel­nah­men, der Fest­nah­me von ge­fähr­li­chen Kri­mi­nel­len und ge­gen Amok­schüt­zen zum Ein­satz kommt. Zu­dem wer­den die­se Kräf­te auch im Per­so­nen­schutz für rang­ho­he Po­li­ti­ker, be­son­ders be­droh­te Staats­gäs­te oder be­son­ders ge­fähr­de­te Ob­jek­te ein­ge­setzt.

„Wäh­rend die­ser Ein­sät­ze wer­den die Mit­glie­der der Son­der­ein­heit oft mit feu­er­wehr­spe­zi­fi­schen Pro­ble­men kon­fron­tiert“, so Sul­zer wei­ter. „An­dro­hung von Selbst­ver- bren­nun­gen oder des An­zün­dens von an­de­ren Per­so­nen be­zie­hungs­wei­se Ge­bäu­den, Brand-wurf­ge­schos­se, Rauch­ent­wick­lun­gen, Brand- und Ex­plo­siv­fal­len so­wie Sui­zid­ver­su­che durch Sturz in die Tie­fe sind nur ei­ni­ge denk­ba­re Sze­na­ri­en, wo wir von der Feu­er­wehr un­ser Fach­wis­sen ein­brin­gen kön­nen.“

Der Wunsch nach ei­ner Zu­sam­men­ar­beit ging da­bei von der Son­der­ein­heit aus,

den drei Zo­nen ei­ner sol­chen Ein­satz­stel­le“, er­klärt Sul­zer.

Die zu­stän­di­ge Orts­feu­er­wehr ver­rich­tet al­le not­wen­di­gen Ar­bei­ten in der kal­ten Zo­ne: Aus­leuch­tung, Ab­sper­ren, Was­ser­zu­füh­rung. Hier be­steht kei­ne Ge­fahr durch den Tä­ter. „Zu­sam­men mit dem so­ge­nann­ten ‚Bä­ren­füh­rer‘ der Son­der­ein­heit geht das Team des TFE bis in die war­me Zo­ne vor“, so der Zug­füh­rer. Die­ser Bä­ren­füh­rer stellt da­bei die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Ein­satz­lei­tung Po­li­zei si­cher und ist für die Si­cher­heit der Mit­glie­der von TME und TFE ver­ant­wort­lich. „Die war­me Zo­ne ist so de­fi­niert, dass der Tä­ter nicht di­rekt mit ei­ner Schuss­waf­fe auf die vor­rü­cken­den Ein­hei­ten ein­wir­ken kann“, er­läu­tert der TFE-CHEF wei­ter. Ge­schützt wer­den sie durch die Mit­glie­der der Son­der­ein­heit, die in der hei­ßen Zo­ne al­lei­ne agie­ren.

„Wenn wir mit dem TFE zu ei­nem Ein­satz aus­rü­cken, müs­sen als Mi­ni­mum fünf Mit­glie­der da­bei sein“, sagt Sul­zer. „das ge­nügt, um ei­nen Stan­dard­ein­satz ab­wi­ckeln zu kön­nen.“Ne­ben ei­nem TLF nimmt die Feu­er­wehr ein Mo­dul­fahr­zeug mit. Auf den Mo­du­len ist die Spe­zi­al­aus­rüs­tung der TFE ver­las­tet. Zu­dem hat je­des Mit­glied ei­ne Ta­sche mit der Per­sön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung da­bei. Da­rin ent­hal­ten sind ei­ne Split­ter­schutz­wes­te, ein be­son­de­rer Schutz­helm, ein Over­all so­wie Schutz­bril­len und Feld­ste­cher mit spe­zi­el­lem Schutz­glas ge­gen La­ser­poin­ter. „ Sol­che Be­dro­hun­gen neh­men lei­der im­mer mehr zu“, sagt Sul­zer. „Und zwar nicht nur bei den Ein­sät­zen des

auf den Be­reich Feu­er­wehr. Den zwei­ten Tag ge­stal­tet dann die Po­li­zei, zum Bei­spiel mit ei­ner Ver­fol­gungs­jagd“, be­schreibt Sul­zer die Fort­bil­dung des TFE.

Mit dem He­li­ko­pter in die Ber­ge

Der über­wie­gen­de Teil der Ein­sät­ze der Hö­hen­ret­tungs­grup­pe fällt im al­pi­nen Be­reich an. Den­noch ha­ben die Ein­satz­kräf­te auch das Ma­te­ri­al, um auf Krä­nen, in In­dus­trie­an­la­gen und so­gar auf Bäu­men Per­so­nen ret­ten zu kön­nen. „Letz­te­res kommt vor al­lem dann vor, wenn sich Dra­chen­flie­ger mit der Hö­he ver­se­hen und hän­gen­blei­ben“, sagt Andre­as Kur­zen, Lei­ter der Hö­hen­ret­tungs­grup­pe. Um dort auf­stei­gen zu kön­nen, nut­zen die Ret­ter dann Über­schu­he mit Steig­ha­ken. „Oder un­ser Lei­nen­schuss­ge­rät“, so der Hö­hen­ret­ter. Das sieht aus wie ei­ne über­di­men­sio­na­le St­ein­schleu­der. „Wir kön­nen da­mit ei­ne Wurf­lei­ne mit Ge­wicht über ei­nen Ast schie­ßen. An die­ser Lei­ne wird dann das ei­gent­li­che Si­che­rungs­seil nach­ge­zo­gen.“

Ei­ge­ne Klet­ter­wand in der Mehr­zweck­hal­le

Zur Aus­bil­dung nut­zen die Hö­hen­ret­ter auch ei­ne pro­fes­sio­nel­le Klet­ter­wand in der gro­ßen Mehr­zweck­hal­le am En­de des Ge­bäu­des. Dort­hin geht es jetzt, um das neu­es­te Fahr­zeug der BF Bern an­zu­se­hen. Die Hal­le wird als Sport­hal­le ge­nutzt, als Übungs­hal­le bei schlech­tem Wet­ter oder, um wie jetzt neue Fahr­zeu­ge auf­zu­rüs­ten. Sie kann ge­teilt wer­den, bie­tet viel Platz und bie­tet meh­re­re gro­ße Fahr­zeug­to­re.

Mit­ten in der Hal­le steht der neue gro­ße „Che­mo“. Da­mit be­zeich­nen die Schwei­zer ei­nen Ge­rä­te­wa­gen Ge­fahr­gut (GW-G). Bränd­le hat das Fahr­zeug auf ei­nem Sca­nia P450 mit Cr­ew Cab auf­ge­baut. Die­se dient zum ei­nen der vier­köp­fi­gen Be­sat­zung – auch die­se kommt aus dem Lösch­zug –, zum an­de­ren aber auch dem Che­mie­be­ra­ter als Bü­ro. Da­zu ist sie mit Ma­te­ri­al­schrän­ken und ei­nem Ar­beits­platz auf­ge­rüs­tet wor­den.

Im Auf­bau hän­gen gleich im ers­ten Raum Che­mi­ka­li­en­schutz­an­zü­ge (CSA). Da­hin­ter fol­gen im G3 Kis­ten mit Aus­rüs­tung so­wie im Tra­ver­sen­kas­ten ein 80 Me­ter lan­ger Luft­schnellan­griff. Im be­geh­ba­ren Heck­la­de­raum kön­nen Roll­wa­gen mit Ma­te­ri­al so­wie wei­te­re Kis­ten ent­nom­men wer­den.

Im rech­ten Tra­ver­sen­kas­ten gibt es ei­nen wei­te­ren Schnellan­griff Luft zur Ver­sor­gung mit Atem­luft für die CSA. Ein Schnellan­griff Strom steht ne­ben dem Ge­ne­ra­tor­be­dien­feld im G2 be­reit. Auf ei­nem An­hän­ger, der vom al­ten GW-G über­nom­men wer­den konn­te, gibt es wei­te­res Ma­te­ri­al.

Ju­lia­na St­ei­ner und Andre­as Rü­fe­nacht sto­ßen wie­der zu mir. Sie ge­lei­ten mich zwei

Stock­wer­ke in den Un­ter­grund. Hier, in ei­ner rie­si­gen Park­hal­le, ste­hen wei­te­re Ein­satz­fahr­zeu­ge. Un­ter an­de­rem die bei­den vier­ach­si­gen Wech­sel­la­der­fahr­zeu­ge mit zahl­rei­chen Ab­roll­be­häl­tern, ein wei­te­res TLF zur Re­ser­ve, Klein­fahr­zeu­ge und An­hän­ger.

Zu er­rei­chen ist die­se Ein­stell­hal­le ge­nann­te Tief­ga­ra­ge über ei­ne Ram­pe, die am hin­te­ren En­de des Grund­stücks in die Hö­he führt. Dort ge­langt man auch zur Tank­stel­le, die sich die Feu­er­wehr mit den Ber­ner Ab­fall­be­trie­ben teilt, die di­rekt ne­ben­an eben­falls neu ge­baut ha­ben.

Eben­er­dig hin­ge­gen lie­gen die Werk­stät­ten. Al­le ha­ben ei­nen di­rek­ten Zu­gang von Au­ßen: Tisch­le­rei, La­ckie­re­rei, Kfz-werk­statt, Ge­rä­te­werk­statt, Me­tall­werk­statt, Schlauch­werk­statt, Elek­tro­werk­statt so­wie Atem­schutz­werk­statt. Die Atem­schutz­ge­rä­te­war­te ha­ben so­gar ei­ne Samm­lung al­ter Atem­schutz­tech­nik zu­sam­men­ge­stellt. Sie ist in gro­ßen Schau­käs­ten im Gang hin­ter der Fahr­zeug­hal­le auf­ge­hängt und im­mer ein Hin­gu­cker bei den Füh­run­gen durch die Feu­er­wa­che. Die­se kön­nen auf der Sei­te der Feu­er­wehr Bern ge­bucht wer­den, fin­den mon­tags bis don­ners­tags so­wie sams­tags statt – und sind kos­ten­pflich­tig. Zwi­schen 100 und 150 Schwei­zer Fran­ken (87 be­zie­hungs­wei­se 131 Eu­ro net­to) be­tra­gen die Pau­scha­len für Grup­pen von min­des­tens acht bis höchs­tens 40 Per­so­nen. So­gar am Abend – von 18.30 bis 21 Uhr – kön­nen die Füh­run­gen ge­bucht wer­den und sind au­ßer­or­dent­lich be­liebt.

Eben­falls kos­ten­pflich­tig bie­tet die BF Bern auch Di­ens­te in der Atem­schutz­werk­statt – Prü­fun­gen, Fla­schen­fül­len von Atem­luft­und Tauch­ge­rä­te­fla­schen so­wie klei­ne­re Re­pa­ra­tu­ren –, ei­nen An­wen­der­kurs Hand­feu­er­lö­scher so­wie ei­nen Rei­ni­gungs­ser­vice für Ein­satz­klei­dung an. Und so­gar ei­nen klei­nen Shop ha­ben die Schwei­zer auf ih­rer Web­sei­te. Kon­takt Feu­er­wehr, Zi­vil­schutz und Quar­tier­amt, Mur­ten­stra­ße 98, CH-3008 Bern, Te­le­fon +41/31/6389811, email feu­er­wehr@feu­er­wehr.be.ch, www.feu­er­wehr-bern.ch

Vor dem Bun­des­haus – Sitz von Re­gie­rung und Par­la­ment der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft – hat der Lösch­zug der BF Bern auf dem Bun­des­platz Auf­stel­lung ge­nom­men. Von links: Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 1, Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) 1, Au­to­dreh­lei­ter (ADL) und T

Ne­ben Schläu­chen und Ar­ma­tu­ren la­gern in G2 auch die Schnee­ket­ten. Links da­von zwei B-ab­gän­ge und Füll­lei­tung für den Schaum­tank. Ne­ben dem Dis­play zur Be­die­nung der Pum­pe der Tank­füll­stut­zen für Die­sel. Das G-TLF 16 ba­siert auf ei­nem Sca­nia G480 CB 6x4*4

Mit­tels die­ser Funk­fern­steue­rung lässt sich die Ab­sperr- und Warn­ta­fel von Nis­sen be­die­nen. In G4 sind die Atem­schutz­ge­rä­te für die Be­sat­zung – zwei Mann – ver­las­tet. Au­ßer­dem hier zu fin­den: zwei trag­ba­re Wer­fer mit Schaum­roh­ren, Warn- und Be­leuch­tungs­ge

Blick auf das Be­di­en­feld für die Lösch­tech­nik im G-TLF. Vier B-ab­gän­ge rechts und links so­wie ei­ner an der Front sind vor­han­den. Auch Schaum­mit­tel kann hier­über bei­ge­ge­ben wer­den.

15 To­re zur Front so­wie ei­ne Wasch­hal­le zählt der Neu­bau der Feu­er­wehr Bern zur Stra­ße hin. Im Stock­werk dar­über be­fin­den sich die Räu­me der Wach­ab­tei­lung, dar­über sind die Bü­ros der Ver­wal­tung. Ganz oben lie­gen Schu­lungs- und Se­mi­nar­räu­me. Im ge­sam­ten Ge

Im schön ein­ge­rich­teFo­tos (5): Feu­er­wehr Bern Schläu­che ein­bin­den, wa­schen und prü­fen wird von der Wach­mann­schaft eben­falls er­le­digt. Hier­für steht ein Schlauch­pfle­ge­zen­trum SPZ-K von Bo­cker­mann zur Ver­fü­gung.

Zu den Be­triebs­räu­men zählt selbst­ver­ständ­lich auch die Atem­schutz­werk­statt mit den Füll­leis­ten für Atem­luft­fla­schen.

Ne­ben den bei­den WLF ste­hen Ab­roll­be­häl­ter und ein Re­ser­ve-tlf eben­falls im zwei­ten Un­ter­ge­schoss. Die Ab­roll­be­häl­ter kön­nen hier pro­blem­los ab­ge­sat­telt wer­den.

Der zwei­te Teil der Mehr­zweck­hal­le ist be­fahr­bar. Hier wird gera­de der neue Gw-ge­fahr­gut be­la­den. Im Hin­ter­grund steht ei­ne Pfer­de­at­trap­pe. Mit ihr üben die Kr­an­füh­rer und An­schlä­ger die Tier­ret­tung.

Im Ein­satz: Der mo­bi­le Groß­ven­ti­la­tor von Tem­pest, von Vogt auf ei­nem Mer­ce­des Sprin­ter 515 CDI auf­ge­baut, kann bis zu 260 l Was­ser in der Mi­nu­te zum Luft­strom bei­mi­schen. Fo­to: Feu­er­wehr Bern

Au­to­dreh­lei­ter (DLAK 23-12) auf Mer­ce­des Eco­nic 1833 LL von Ro­sen­bau­er.

Ein Pio­nier­fahr­zeug ist die­ser Mer­ce­des Unimog U 427 mit Kran und heck­sei­ti­ger Seil­win­de. Eben­falls ein Pio­nier­fahr­zeug oder auch Rüst­wa­gen von Fe­u­mo­tech auf Sca­nia P400 CB 4x4 aus dem Jahr 2012. Rotz­ler-treib­ma­tic mit 80 kn Zug­kraft, 8-kw-ge­ne­ra­tor so­wi

Für Öl- und Che­mie­wehr­ein­sät­ze im Kan­ton Bern dient die­ser klei­ne GW-G. In Bern wird er Che­mo ge­nannt. Fahr­ge­stell ist ein Ive­co Dai­ly 70 C 17 mit 6.600 kg zu­läs­si­ger Ge­samt­mas­se. Sein Auf­bau stammt von Fe­u­mo­tech. Ein Piaggio Por­ter Top Deck kommt die lan

Die bei­den bau­glei­chen WLF der Feu­er­wehr Bern ba­sie­ren auf Vol­vo FMX 460/8x4 R Tri­dem. Auf den 8,37 m lan­gen Fahr­zeu­gen ist je­weils ein Ha­ken­ge­rät Hiab Mul­ti­lift XR20ZL.56 mon­tiert. Zu­läs­si­ge Ge­samt­mas­se: 32.000 kg je Fahr­zeug. Auf­ge­sat­telt sind ein ABFüh

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