Brand­stif­tung in Stadt­hal­le

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Als am 28. März 2017 um 1.30 Uhr ein No­t­ruf über ei­nen Brand bei der In­te­grier­ten Leit­stel­le des Rems-mur­rK­rei­ses in Wai­b­lin­gen ein­geht, müs­sen die Di­s­po­nen­ten nur aus dem Fens­ter schau­en. Das Bür­ger­zen­trum, wo es brennt, liegt nur 300 Me­ter von der Leit­stel­le ent­fernt. Flam­men schla­gen be­reits un­ter der Dach­kon­struk­ti­on her­vor. Die spä­te­ren Er­mitt­lun­gen der Kri­mi­nal­po­li­zei er­ge­ben: 3,5 St­un­den zu­vor hat­te ein Brand­stif­ter an der Ge­bäu­de­wand ste­hen­de Müll­con­tai­ner an­ge­zün­det. Der Schwel­brand hat so lan­ge vor sich hin ge­glimmt, bis of­fe­ne Flam­men ent­stan­den sind und die­se die Fas­sa­de und dann die Dach­kon­struk­ti­on des Bür­ger­zen­trums in Brand ge­setzt hat.

Es dau­ert ei­ni­ge Zeit, bis Rauch in das U-för­mi­ge Ge­bäu­de ein­dringt. Kurz be­vor die Rauch­mel­der aus­lö­sen, wird der Brand ent­deckt und von Pas­san­ten te­le­fo­nisch ge­mel­det. Der Haus­meis­ter und sei­ne Ehe­frau, de­ren Woh­nung sich im Zen­trum be­fin­det, kön­nen die­se recht­zei­tig ver­las­sen.

Die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Wai­b­lin­gen be­steht aus ins­ge­samt sechs Ab­tei­lun­gen (Orts­feu­er­weh­ren). Der Leit­stel­len­dis­po­nent alar­miert zu­nächst die Ab­tei­lung Wai­b­lin­gen mit dem Alarm­stich­wort „Woh­nungs-/ge­bäu­de­brand“. Be­reits auf der An­fahrt lässt Kom­man­dant Jo­chen Wolf zu­sätz­lich die Ab­tei­lung Bein­stein alar­mie­ren. Von der Ab­tei­lung Heg­nach for­dert er den La­ge- und Do­ku­men­ta­ti­ons­dienst (LDD) der Füh­rungs­grup­pe an.

War­nung der Bür­ger per Rund­funk und In­ter­net

Beim Ein­tref­fen der ers­ten Kräf­te schla­gen die Flam­men un­ter dem Me­tall­dach des Bür­ger­zen­trums her­vor in den Nacht­him­mel. Die Rauch­ent­wick­lung ist so hef­tig, dass der Ein­satz­lei­ter die War­nung der Be­völ­ke­rung per Rund­funk und In­ter­net ver­an­lasst. Die Bür­ger wer­den auf­ge­for­dert, Fens­ter und Tü­ren ge­schlos­sen zu hal­ten. Die War­nung gilt für die an­gren­zen­den Wohn­ge­bie­te Kor­ber Hö­he, Gal­gen­berg und Obe­rer Ross­berg.

Die Ab­tei­lung Wai­b­lin­gen rückt mit Kom­man­do­wa­gen (Kdow), Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 2, zwei Hil­fe­leis­tungs-lösch­grup­pen­fahr­zeu­gen (HLF) 20, ei­nem Staf­fel­lösch-

Ein Brand­stif­ter zün­det Müll­con­tai­ner am Bür­ger­zen­trum in Wai­b­lin­gen an. Nach 3 St­un­den un­ent­deck­tem Schwel­brand zün­geln Flam­men über die Fas­sa­de bis zum Dach. 15 St­un­den lang kämp­fen fast 300 Kräf­te ge­gen das Feu­er. Der kom­pli­zier­te Auf­bau des Dachs er­schwert die Lösch­ar­bei­ten.

fahr­zeug (STLF) und ei­ner Dreh­lei­ter (DLK) 23-12 aus. Die Bein­stei­ner Kräf­te fah­ren mit ei­nem Lösch­grup­pen­fahr­zeug (LF) 20 und ei­nem Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) 16/25 zur Ein­satz­stel­le. Wäh­rend ei­ni­ge Kräf­te zum In­nen­an­griff vor­ge­hen, rie­geln an­de­re mit der Dreh­lei­ter von oben das Dach ab.

Im wei­te­ren Ver­lauf des Ein­sat­zes lässt der Ein­satz­lei­ter zu­sätz­lich die Ab­tei­lun­gen Ho­hen­acker, Neu­stadt und Bit­ten­feld zur Un­ter­stüt­zung alar­mie­ren, da ab­seh­bar ei­ne ho­he An­zahl an Atem­schutz­ge­rä­te­trä­gern er­for­der­lich ist. Um 2.14 Uhr for­dert Wolf die FF Fell­bach mit ei­ner zwei­ten Dreh­lei­ter an. Schnell sind über 100 Feu­er­wehr­leu­te mit 14 Fahr­zeu­gen im Ein­satz. Im Feu­er­wehr­haus Neu­stadt geht zur Si­cher­stel­lung des Grund­schut­zes ei­ne Lösch­grup­pe in Be­reit­schaft, falls es noch zu ei­nem wei­te­ren Ein­satz kom­men soll­te. Da schnell klar ist, dass der schwie­ri­ge Ein­satz die gan­ze Nacht an­dau­ern wird, lässt die Ein­satz­lei­tung wei­te­re Kräf­te struk­tu­riert nach­alar­mie­ren und plant Ab­lö­sun­gen früh­zei­tig.

Schwie­ri­ge Ar­beit auf dem Dach

Auch nach­dem die sicht­ba­ren Flam­men im In­nen- und Au­ßen­an­griff ge­löscht sind, frisst sich das Feu­er in den Schich­ten un­ter dem Me­tall­dach wei­ter. Die­se schnei­den Feu­er­wehr­leu­te mit Ret­tungs­sä­gen auf, um an den Brand zu ge­lan­gen. „Meh­re­re Feu­er-

Ein­ge­setz­te Kräf­te

FF Wai­b­lin­gen (180 Kräf­te) Ab­tei­lung Wai­b­lin­gen: Kdow, ELW 2, 2 HLF 20, STLF und DLK 23-12. Ab­tei­lung Bein­stein: LF 20 und TLF 16/25. Ab­tei­lung Bit­ten­feld: LF 16/12 und TLF 16/25. Ab­tei­lung Ho­hen­acker: LF 16/25 und TLF 16/25. Ab­tei­lung Heg­nach: LF 20, TLF 16/25 und MTW LDD (La­ge- und Do­ku­men­ta­ti­ons­dienst). Ab­tei­lung Neu­stadt: LF 16/12 und WLF mit ABAuf­ent­halt, Ab-rüst und Ab-son­der­lösch­mit­tel. FF Fell­bach: 28 Kräf­te mit Kdow, ELW 1, HLF 20, TLF 16/25, DLK 2312, GW-AS und GW-L.

FF We­in­stadt: 24 Kräf­te mit Kdow, LF 16/12, LF 10 und DLK 23-12.

Sons­ti­ge: Ret­tungs­dienst (2 Kräf­te), Sa­ni­täts­dienst (19 Kräf­te) und Po­li­zei (26 Kräf­te).

cher und rauch­dicht ab. Durch den Ei­ser­nen Vor­hang kann der Zu­schau­er­be­reich ge­si­chert wer­den, falls auf der Büh­ne ein Feu­er aus­bricht. Den teu­ren Kon­zert­flü­gel brin­gen Feu­er­wehr­män­ner in Si­cher­heit.

Au­ßer der mög­li­chen Ein­wir­kung durch Flam­men und Rauch ist zu be­fürch­ten, dass Lösch­was­ser vom Dach in den Saal ein­drin­gen kann. Da­zu kommt es aber nicht. Vor al­lem aber hält die in­ne­re Brand­wand vor dem Ghi­bel­li­nen­saal stand, so­dass die- ser nicht be­schä­digt wird. „Vie­len Feu­er­wehr­män­nern war das Bür­ger­zen­trum gut be­kannt“, sagt der Ein­satz­lei­ter. „Ne­ben Ver­an­stal­tun­gen, die vie­le schon als Pri­vat­per­so­nen be­sucht hat­ten, wa­ren ei­ni­ge Ka­me­ra­den auch schon als Brand­si­cher­heits­wach­dienst bei Auf­füh­run­gen ein­ge­setzt ge­we­sen.“

Um 7.15 Uhr wird die FF Fell­bach au­ge­tauscht. Die Ein­satz­kräf­te aus dem Nach­bar­ort kön­nen ab­rü­cken, weil sie durch Feu­er­wehr­leu­te der FF We­in­stadt ab­ge­löst wer­den. Auch die Wein­städ­ter ver­fü­gen über ei­ne Dreh­lei­ter. „Zwei Dreh­lei­tern ein­set­zen zu kön­nen, war auch am nächs­ten Vor­mit­tag noch wich­tig, denn noch im­mer muss­ten Ein­satz­kräf­te auf dem Dach ar­bei­ten“, er­klärt Ein­satz­lei­ter Wolf.

Die of­fe­nen Feu­er sind bis 14 Uhr ge­löscht. Un­ter der Dach­haut brennt es al­ler­dings wei­ter. Um 15 Uhr mel­det der Ein­satz­lei­ter schließ­lich „Feu­er aus“.

Die­ser Dreh­lei­ter­trupp nutzt ei­nen Trenn­schlei­fer, um die Fas­sa­de auf­zu­schnei­den. Rauch dringt wäh­rend­des­sen un­ter dem Dach her­vor.

Über die Wai­b­lin­ger Dreh­lei­ter wird ei­ne B-lei­tung aufs Dach ge­führt, um die dort frei­ge­leg­ten Glut­nes­ter zu lö­schen.

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