Jahr bei der Feu­er­wehr

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Frei­wil­li­ges

Rund 50 jun­ge Men­schen zwi­schen 18 und 27 Jah­ren ma­chen ak­tu­ell ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr (FSJ) bei der Feu­er­wehr. Wir ver­ra­ten Euch, was Ihr zu Be­wer­bung, Or­ga­ni­sa­ti­on und Tä­tig­kei­ten wis­sen müsst.

Sven­ja ist be­reits die sieb­te Fs­j­le­rin bei der FF Rod­gau. Bis­her ha­ben vier jun­ge Frau­en und drei jun­ge Män­ner ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr dort ge­macht. „Über den ho­hen Frau­en­an­teil freu­en wir uns na­tür­lich be­son­ders“, sagt Win­ter be­geis­tert.

Durch­schnitt­lich ist die Mehr­heit al­ler Fs­j­ler bei der Feu­er­wehr al­ler­dings noch im­mer männ­lich. Laut ei­ner Sta­tis­tik des Lan­des­feu­er­wehr­ver­bands (LFV) Hes­sen und den Zah­len des LFV Rhein­land-pfalz sind ak­tu­ell nur ein Drit­tel der Fs­j­ler bei der Feu­er­wehr weib­lich (sie­he Gra­fik „Ge­schlech­ter­ver­tei­lung Fs­j­ler“).

Chan­cen für Feu­er­weh­ren

Mit dem Fsj-an­ge­bot kön­nen Feu­er­weh­ren neue Mit­glie­der ge­win­nen und be­reits feu­er­weh­r­er­fah­re­ne Ju­gend­li­che an sich bin­den. In Rod­gau sind zum Bei­spiel al­le ehe­ma­li­gen Fs­j­ler nach wie vor in der Feu­er­wehr ak­tiv. „Vier von den sie­ben sind bei uns in der Ein­satz­ab­tei­lung“, sagt Andre­as Win­ter stolz. Auch Sven­ja möch­te nach ih­rem Frei­wil­li­gen So­zia­len Jahr wei­ter­hin im Be­reich Feu­er­wehr und Ret­tungs­dienst ak­tiv blei­ben.

Die FF Rod­gau steht seit Sep­tem­ber 2010 als Ein­satz­stel­le für den Frei­wil­li­gen­dienst zur Ver­fü­gung. „Nur 2016 fan­den wir kei­nen ge­eig­ne­ten Be­wer­ber und die Stel­le blieb un­be­setzt. Da­für konn­te Sven­ja schon 6 Mo­na­te vor dem re­gu­lä­ren Be­ginn ih­res FSJ bei uns star­ten“, er­läu­tert Win­ter. Nor­ma­ler­wei­se star­tet das Jahr bei der Feu­er­wehr zum 1. Au­gust oder 1. Sep­tem­ber ei­nes Jah­res. Doch in Ab­spra­che mit der Ein­satz­stel­le und dem Trä­ger kann es auch frü­her be­gin­nen.

10-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um

2018 kann der LFV Hes­sen be­reits auf 10 Jah­re FSJ bei der Feu­er­wehr zu­rück­bli­cken: Nach ei­nem Mo­dell­pro­jekt im Land­kreis Darm­stadt-die­burg in 2008 er­kann­te das Hes­si­sche So­zi­al­mi­nis­te­ri­um den LFV im dar­auf­fol­gen­den Jahr als of­fi­zi­el­len Bil­dungs­trä­ger an. Der Fsj-jahr­gang ging dann 2010 mit 21 Frei­wil­li­gen an den Start. Seit­her wächst die Zahl an „Ein­satz­stel­len“ste­tig (sie­he Gra­fik „An­zahl Fs­j­ler be­treut durch den LFV“). „Zwi­schen 40 und 50 jun­ge Men­schen be­wer­ben sich jähr­lich bei der Feu­er­wehr“, er­zählt der zu­stän­di­ge Päd­ago­ge vom LFV Hes­sen, Frank Wöß­ner.

Ak­tu­ell be­treut der Ver­band 44 Frei­wil­li­ge. 30 Stel­len da­von sind in Hes­sen an­ge­sie­delt und 14 au­ßer­halb des Bun­des­lan­des: in Bay­ern, Nie­der­sach­sen und Nord­rhein-west­fa­len.

Hin­ter die Ku­lis­sen bli­cken

So bie­tet die Be­rufs­feu­er­wehr Köln drei jun­gen Men­schen seit 2017 die Mög­lich­keit für ein FSJ. Ei­ne von ih­nen ist Le­na Wink­ler, 21 Jah­re alt. Wie die gro­ße Mehr­heit al­ler Fs­j­ler im Be­reich Feu­er­wehr, bringt Le­na be­reits Feu­er­wehr-er­fah­rung mit. Sie ist seit ih­rem zehn­ten Le­bens­jahr in der Lösch­grup­pe Hol­wei­de der FF Köln ak­tiv: zu­nächst in der Ju­gend­feu­er­wehr und dann in der Ein­satz­ab­tei­lung. Le­na hat­te schon

Der LFV Hes­sen wie­der­um fi­nan­ziert sei­ne Fsj-ar­beit über die Bei­trä­ge der Ein­satz­stel­len und über Mit­tel aus der Lan­des­för­de­rung für Fsj-stel­len in Hes­sen.

Frank Wöß­ner: Vor­aus­set­zung ist min­des­tens ein haupt­amt­li­cher Be­schäf­tig­ter vor Ort, der die täg­li­che Be­treu­ung der Fsj-kraft ge­währ­leis­ten kann. Wenn ei­ne Feu­er­wehr ger­ne Ein­satz­stel­le wer­den möch­te, soll sie sich an den LFV Hes­sen wen­den. Dann wer­den wir die ver­trag­li­chen Grund­la­gen und wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung stel­len. Ist die Feu­er­wehr dann be­reit, die Ver­trags­be­din­gun­gen zu er­fül­len, wird sie von uns als Fsj-ein­satz­stel­le an­er­kannt.

Ni­k­las ist das ty­pi­sche Bei­spiel ei­nes Quer­ein­stei­gers, der im Som­mer 2016 über Freun­de zur Feu­er­wehr kam. Sein Wehr­füh­rer er­zähl­te ihm dann gleich da­von, dass der LFV Rhein­land-pfalz 2017/18 erst­ma­lig ein FSJ im Be­reich Feu­er­wehr an­bie­ten wür­de. Und zwar nicht nur als Ein­satz­stel­le, son­dern auch als Or­ga­ni­sa­tor – als so ge­nann­ter Bil­dungs­trä­ger. Ne­ben Ni­k­las star­te­ten fünf wei­te­re jun­ge Men­schen ihr FSJ im Be­reich Feu­er­wehr in je­weils un­ter­schied­li­chen rhein­land-pfäl­zi­schen Ein­satz­stel­len, be­treut durch den LFV.

Start in Rhein­land-pfalz

Er­mög­licht wur­de das Pi­lot­pro­jekt durch ei­ne An­schub­fi­nan­zie­rung des Lan­des in Hö­he von 15.000 Eu­ro. Die be­reits er­fah­re­nen Ver­ant­wort­li­chen vom hes­si­schen LFV un­ter­stüt­zen die rhein­land-pfäl­zi­schen Kol­le­gen bei der päd­ago­gi­schen Be­treu­ung der Ab­sol­ven­ten. „Die sechs Fs­j­ler aus Rhein­land-pfalz lau­fen bei un­se­ren Bil­dungs­wo­chen mit“, sagt Wöß­ner vom LFV Hes­sen. In den fünf Bil­dungs­wo­chen, wel­che die Frei­wil­li­gen beim Lan­des­feu­er­wehr­ver­band ab­sol­vie­ren, er­wer­ben sie un­ter an­de­rem die Ju­lei­ca ( Ju­gend­lei­ter/in card) – ei­ne Be­schei­ni­gung für eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment im Be­reich Ju­gend­ar­beit.

Wäh­rend der Bil­dungs­ta­ge tref­fen die Fs­j­ler aus den ver­schie­de­nen Ein­satz­stel­len auf­ein­an­der. Es gibt Zeit, sich aus­zu­tau­schen, zu ver­net­zen und von­ein­an­der zu ler­nen. Zu­sam­men wer­den Be­rufs­per­spek­ti­ven ent­wi­ckelt. Ni­k­las si­gna­li­siert zum Bei­spiel, dass er der Feu­er­wehr auch nach sei­nem FSJ treu blei­ben will: „Ich über­le­ge so­gar, Ret­tungs- oder Brand­schutz­in­ge­nieur­we­sen zu stu­die­ren.“

Beim LFV Rhein­land-pfalz ist man sich in­des schon si­cher: 2018/19 wird es mit dem Fsj-pro­jekt wei­ter­ge­hen. Be­reits 16 Ein­satz­stel­len ha­ben sich an­ge­mel­det, ver­rät Lan­des­ge­schäfts­füh­rer Micha­el Klein: „Jetzt gilt es, jun­ge Men­schen zu be­geis­tern, ihr Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr bei der Feu­er­wehr durch­zu­füh­ren.“

Die Zahl der Frei­wil­li­gen, die durch den LFV Hes­sen be­treut wer­den, hat seit 2010 ste­tig zu­ge­nom­men. Denn im­mer mehr Feu­er­weh­ren bie­ten Fsj-stel­len an.

Die Ge­schlech­ter­ver­tei­lung der Fs­j­ler be­stä­tigt den all­ge­mei­nen Trend in frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren, dass das En­ga­ge­ment der Män­ner bis­lang deut­lich über dem der Frau­en ist.

Die Fs­j­ler kom­men zu 25 ge­mein­sa­men Bil­dungs­ta­gen zu­sam­men. Hier ist Te­am­work ge­fragt. Fo­tos: LFV Hes­sen

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