Hy­drau­li­sche Ge­rä­te im Un­ter­was­ser­ein­satz

Die FF Schwert­berg muss­te bei dem Un­fall im Jo­sef­s­tal hy­drau­li­sche Ret­tungs­ge­rä­te teil­wei­se un­ter Was­ser ein­set­zen. Wir spra­chen mit dem Ver­kaufs­lei­ter von We­ber Res­cue Sys­tems für Ös­ter­reich, Ro­bert Nie­der­ho­fer, über die­se Be­son­der­heit.

Feuerwehr-Magazin - - Einsatzbericht -

FM:

Nie­der­ho­fer: Man muss da­bei vor al­lem die bei­den Sys­te­me un­ter­schei­den, die am Markt sind. Näm­lich schlauch­ge­bun­de­ne Ge­rä­te und ak­ku­be­trie­be­ne Ge­rä­te. Die Ak­ku­ge­rä­te sind an dem Kon­takt von Ak­ku und Ge­rät nicht hun­dert­pro­zen­tig was­ser­dicht. Des­halb kann es sein, dass es hier nicht funk­tio­niert. Bei den schlauch­ge­bun­de­nen Ge­rä­ten ist der Ein­satz un­ter Was­ser grund­sätz­lich kein Pro­blem. Das ist ein Aspekt, den man bei der Ab­wä­gung, wel­ches Sys­tem man kauft, auch in Ab­hän­gig­keit der Ge­ge­ben­hei­ten im Ein­satz­ge­biet, durch­aus kri­tisch be­ach­ten soll­te.

FM: Die Lei­tun­gen hal­ten?

Nie­der­ho­fer: Die Ge­rä­te sind auf je­den Fall bis in ei­ne Was­ser­tie­fe von 30 Me­tern dicht. So lang sind die meis­ten Lei­tun­gen aber gar nicht.“

FM:

Nie­der­ho­fer: Al­les muss or­dent­lich ge­säu­bert und vor al­lem gut ge­trock­net wer­den. Au­ßer­dem soll­ten be­weg­li­che Tei­le mit Si­li­kon­spray neu ge­fet­tet wer­den.

FM:

Nie­der­ho­fer: Ja, ich ken­ne ei­nen zwei­ten Fall, eben­falls hier in Ös­ter­reich. Die Feu­er­wehr Enns muss­te im No­vem­ber 2017 ei­nen Au­to­fah­rer ret­ten, der eben­falls in ei­nen Bach ge­fah­ren war. Der Wa­gen war nach dem Un­fall auf den Rä­dern ge­lan­det, bot al­so kei­ne ganz so kom­pli­zier­te La­ge wie in Schwert­berg.

Feu­er­weh­ren wird oft vor­ge­wor­fen, sie hät­ten zu vie­le Ein­satz­fahr­zeu­ge“, sagt Ro­bert Ein­acke­rer, Zugs­kom­man­dant (Zug­füh­rer) der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Nie­der­ra­sen. „Wer das bei uns meint, dem zei­gen wir, dass wir mit ei­nem Fahr­zeug Be­la­dung für zwei mit­füh­ren kön­nen.“Ein­ack­erer öff­net ein Tor des Feu­er­wehr­hau­ses. Zum Vor­schein kommt ein hoch­räd­ri­ger ro­ter Pick-up mit der Be­schrif­tung „KTF-A“. „Das ist un­ser Klein­trans­port­fahr­zeug mit All­rad“, er­klärt Kom­man­dant-stell­ver­tre­ter Gott­fried Wie­rer. „Ein Fahr­zeug­typ, den es nur bei uns in Süd­ti­rol gibt. Der Lan­des­feu­er­wehr­aus­schuss hat da­zu 2010 ei­ne ei­ge­ne Bau­richt­li­nie be­schlos­sen (sie­he Kas­ten ‚Bau­richt­li­nie KTF‘).“

31 Jah­re lang nutz­ten die Nie­der­ra­se­ner das Vor­gän­ger­fahr­zeug, ei­nen Land Ro­ver, Bau­jahr 1975. Als sie für 2016 ei­ne Er­satz­be­schaf­fung plan­ten, woll­ten sie auf dem Neu­en das Equip­ment für das Aus­pum­pen von Kel­lern un­ter­brin­gen. Die­ses führ­ten sie bis­lang auf ih­rem Mann­schafts­trans­port­fahr­zeug (MTF) mit. Al­ler­dings soll­te die Er­satz­be­schaf­fung fle­xi­bel auch für an­de­re Auf­ga­ben ein­setz­bar sein, bei­spiels­wei­se für Lösch­ein­sät­ze. „Die BF Bo­zen, die ein­zi­ge Be­rufs­feu­er­wehr in Süd­ti­rol, hat für je­den Zweck ein Fahr­zeug“, so Wie­rer. „Für uns als klei­ne Orts­feu­er­wehr kommt das nicht in Fra­ge. Als wir das Wech­sel­mo­dul-sys­tem der Fir­ma Kof­ler bei an­de­ren Feu­er­weh­ren ken­nen­lern­ten, war schnell klar, dass dies die idea­le Lö­sung für uns ist.“

Kof­ler Fahr­zeug­bau in La­na (Süd­ti­rol) küm­mer­te sich so­wohl um das Fahr­ge­stell als auch um den Auf­bau. Als Ba­sis wähl­te die Feu­er­wehr ei­nen To­yo­ta Hi­lux Dou­ble Cab 3.0 D-4D mit ei­nem 171 PS (126 kw) star­ken 3-Li­ter-die­sel­mo­tor. Der Pick-up be­sitzt zu­schalt­ba­ren All­rad­an­trieb und ei­ne elek­trisch zu be­tä­ti­gen­de Dif­fe­ren­zi­al­sper­re an der Hin­ter­ach­se.

Um die zu­läs­si­ge Ge­samt­mas­se von 2,5 auf 3,5 Ton­nen zu er­hö­hen, er­hielt das Fahr­zeug beim To­yo­ta-au­to­haus Nest­le in Dorn­stet­ten (Kreis Freu­den­stadt, BW) ein Fahr­werk vom Typ Nest­le-sus­pen­si­on Ad­van­ced und ei­ne stär­ke­re Per­for­mance-brems­an­la­ge. Da­durch stieg die Nutz­last auf 1.455 Ki­lo­

gramm. Au­ßer­dem er­höh­te sich durch den Um­bau die Bo­den­frei­heit an der Vor­der­ach­se, die über ei­ne Ein­zel­rad­auf­hän­gung mit Dop­pel-drei­ecks­quer­len­ker ver­fügt. Die Hin­ter­ach­se ist als Star­rach­se mit Blatt­fe­dern aus­ge­führt.

„Als wir das Fahr­zeug be­schaff­ten, war es das ein­zi­ge ver­füg­ba­re Pick-up-fahr­ge­stell mit der Mög­lich­keit, es auf 3,5 Ton­nen auf­zu­las­ten und die Brems­an­la­ge zu ver­stär­ken“, be­rich­tet der Kom­man­dant-stell­ver­tre­ter. „Mitt­ler­wei­le ist das bei­spiels­wei­se auch mit dem Ford Ran­ger mög­lich.“

Ein wei­te­rer Vor­teil des hö­her­ge­leg­ten Chas­sis: Die Rad­käs­ten ra­gen nicht mehr in die La­de­flä­che hin­ein, so­dass die­se mehr Platz bie­tet. Hin­ter der Fah­rer­ka­bi­ne ist ein La­de­bock fest mon­tiert. Am Heck lässt sich ein wei­te­rer La­de­bock ein­ste­cken, um auch sper­ri­ge und lan­ge Ge­gen­stän­de trans­por­tie­ren zu kön­nen.

Fünf­köp­fi­ge Be­sat­zung

Über die Trans­port­mög­lich­kei­ten hin­aus er­wei­tern zwei KF (Kof­ler Fahr­zeug­bau) Quick Change (Schnell­wech­sel) Mo­du­le das Ein­satz­spek­trum des KTF-A: ein Con­tai­ner Tech­nik und ein Con­tai­ner Trag­krafts­prit­ze. Sie wer­den nicht wie Ab­roll­be­häl­ter Feu­er- wehr per Ha­ken­an­la­ge auf das Fahr­zeug auf­ge­sat­telt, son­dern per Hand auf­ge­scho­ben. Da­für ste­hen sie auf zwei Roll­wa­gen im Feu­er­wehr­haus be­reit. „Die Wa­gen be­sit­zen an ei­ner Sei­te ei­ne Über­la­de­brü­cke, die in Hö­he der La­de­flä­che her­un­ter­ge­las­sen wird“, führt Zugs­kom­man­dant Ein­acke­rer den Me­cha­nis­mus vor. „An den Con­tai­nern sind un­ten Rol­len und an den vier Ecken Grif­fe an­ge­bracht. So las­sen sie sich bei Be­darf an das Fahr­zeug her­an­rol­len und ein­fach über die Brü­cke her­über­zie­hen.“

Zu­sam­men mit Wie­rer hat der Zugs­kom­man­dant das Mo­dul Tech­nik in et­wa ei­ner Mi­nu­te Zeit auf­ge­sat­telt. Nach dem Ein­ras­ten von zwei Ver­rie­ge­lungs­bol­zen stellt Ein­acke­rer die Strom­ver­sor­gung zwi­schen Con­tai­ner und Fahr­zeug per Steck­ver­bin­dung her. So wer­den das Dach­blau­licht, die Ge­rä­te­raum­be­leuch­tung und die Bat­te­rie­la­dung des Ag­gre­gats mit der Fahr­zeu­ge­lek­tro­nik ver­bun­den.

„Den Auf­bau hät­ten wir auch mit Steck­kon­tak­ten or­dern kön­nen, so­dass die Strom­ver­sor­gung beim Ein­schie­ben des Mo­duls au­to­ma­tisch her­ge­stellt wor­den wä­re“, sagt der Kom­man­dant-stell­ver­tre­ter. „Wir ha­ben uns aber für die Ste­cker-va­ri­an­te ent­schie­den, weil uns dies si­che­rer er­schien. Steck­kon­tak­te kor­ro­die­ren schnell oder wer­den be­schä­digt, wenn sie nicht ab­ge­deckt sind.“

Das Mo­dul Tech­nik ist für Was­ser­schä­den und Aus­pum­par­bei­ten kon­zi­piert. Hin­ter drei nach oben schwin­gen­den Klapp­türen des Con­tai­ners be­fin­den sich un­ter an­de­rem ein Was­ser­sau­ger, ei­ne Tauch­pum­pe, ei­ne Schmutz­was­ser­pum­pe, Be­leuch­tungs­ge­rät und ein 13,6-kva-strom­er­zeu­ger Feu­er­wehr auf ei­nem Aus­zug. „Da­mit kann die fünf­köp­fi­ge Be­sat­zung au­to­nom Ein­sät­ze ab­ar­bei­ten“, sagt Wie­rer.

Ei­gen­stän­dig als Ein­satz­fahr­zeug

Die bei­den Nie­der­ra­se­ner Feu­er­wehr­leu­te zie­hen den Con­tai­ner wie­der auf den Roll­wa­gen, fah­ren ihn bei­sei­te und sat­teln da­für das Mo­dul Trag­krafts­prit­ze auf. „Da­mit dient das KTF-A haupt­säch­lich zur Un­ter­stüt­zung un­se­res Klein­lösch­fahr­zeugs“, er­klärt Wie­rer. „Wir kön­nen es mit die­sem Auf­bau aber auch als ei­gen­stän­di­ges Lösch­fahr­zeug ein­set­zen.“

Bei­de Con­tai­ner sind auf der Rück­sei­te un­ten of­fen – in dem Be­reich, in dem die Heck­klap­pe des Trä­ger­fahr­zeugs für ei­ne Ab­de­ckung sorgt. Bei der Ts-ver­si­on sind dort vier Saug­schläu­che zu ent­neh­men.

Auf­bau in­te­griert, da­für sind auf dem Dach Ar­beits­schein­wer­fer be­fes­tigt.“

Für Wald­brän­de ent­wi­ckelt

Für die Aus­leuch­tung der Ein­satz­stel­le sor­gen beim Nie­der­ra­se­ner Fahr­zeug zwei dreh- und hö­hen­ver­stell­ba­re Led-schein­wer­fer, die sich auf dem La­de­bock hin­ter der Fah­rer­ka­bi­ne be­fin­den. Als Nah-um­ feld­be­leuch­tung die­nen au­ßer­dem LEDLeuch­ten­bän­der über den hin­te­ren Tü­ren der Fah­rer­ka­bi­ne. „Das war ein be­son­de­rer Wunsch der Feu­er­wehr“, sagt Tan­ja Kof­ler, Mar­ke­ting-lei­te­rin bei Kof­ler Fahr­zeug­bau. „Wir bie­ten Trä­ger­fahr­zeu­ge und KF Quick Change Mo­du­le nicht als Fer­tig­lö­sung an, son­dern lie­fern in­di­vi­du­el­le Lö­sun­gen nach Kun­den­wunsch – ob für Lösch­ein­sät­ze, Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung oder Was­ser­ret­tung.“

Ent­stan­den sei die Idee zu den Wech­sel­mo­du­len vor zir­ka 10 Jah­ren, spe­zi­ell für die An­for­de­run­gen bei Wald­brän­den. „Es soll­te ein fle­xi­bles Sys­tem wer­den, das auf ver­schie­dens­ten Pick-up-fahr­zeu­gen funk­tio­niert und ei­ne schnel­le so­wie si­che­re Ver­la­dung bie­tet“, so Kof­ler. „Auch ein Hub­schrau­ber­trans­port soll­te mög­lich sein.“Seit­dem ha­be das Un­ter­neh­men die KF Quick Change Mo­du­le stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt. „Seit Aus­lie­fe­rung des Nie­der­ra­se­ner Fahr­zeugs bie­ten wir bei­spiels­wei­se statt der Sei­ten­klap­pen auch Roll­lä­den an“, be­rich­tet die Mar­ke­ting-lei­te­rin. „Der Dach­auf­bau ist jetzt als ab­ge­schlos­se­ne Dach­kis­te er­hält­lich und op­tio­nal lässt sich ein Klapp-licht­mast in­te­grie­ren.“

„Mitt­ler­wei­le füh­ren auch Zieg­ler und Ro­sen­bau­er Wech­sel­mo­dul-sys­te­me für Feu­er­wehr-pick-ups im Pro­gramm“, be­rich­tet Nie­der­ra­sens Kom­man­dant-stell­ver­tre­ter. „Wir sind mit den Kof­ler-auf­bau­ten aber rund­um zu­frie­den. Vor al­lem bei Ein­sät­zen nach Was­ser­schä­den hat sich un­ser KTF-A schon sehr be­währt.“

104.000 Eu­ro kos­te­ten der um- und aus­ge­bau­te Pick-up plus die bei­den Wech­sel­con­tai­ner. 33 Pro­zent des Prei­ses über­nahm die Ge­mein­de, 28 Pro­zent das Land. „Den Rest ha­ben wir selbst bei­ge­steu­ert – mit dem Er­lös aus dem Ver­kauf des Vor­gän­gers und mit Spen­den“, er­zählt Wie­rer.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.