Arocs für Air­bus

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Der Arocs hat vie­le Stär­ken. Nach­ge­ben ge­hört nicht da­zu“, wirbt Mer­ce­des für sei­ne schwe­ren Bau­stel­len­fahr­zeu­ge. 20 Ton­nen Ge­samt­ge­wicht, 360 PS – die Ba­sis des neu­en Hil­fe­leis­tungs­Lösch­fahr­zeugs (HLF) 30 der Werk­feu­er­wehr (WF) Air­bus un­ter­streicht die­se Aus­sa­ge. Doch es geht noch hef­ti­ger: 41 Ton­nen Ge­samt­ge­wicht und 510 PS lau­ten die Da­ten

Die Werk­feu­er­wehr des Flug­zeug­bau­ers Air­bus hat am Stand­ort Ham­burg zwei von Tho­ma WISS auf­ge­bau­te Fahr­zeu­ge auf Ba­sis des Mer­ce­des Arocs in Di­enst ge­stellt. Das HLF 30 und das WLF er­gän­zen die Flot­te zur Brand­be­kämp­fung auf dem Be­triebs­ge­län­de am Elb­ufer. Wir stel­len die über 3,6 Me­ter ho­hen Ko­los­se vor.

des neu­en Wech­sel­la­der­fahr­zeugs (WLF). „Wir sind hoch zu­frie­den“, be­rich­tet Andre­as Groth, der Lei­ter der WF bei Air­bus in Ham­burg-fin­ken­wer­der, nach­dem bei­de Fahr­zeu­ge die ers­ten Mo­na­te im Ein­satz­dienst ab­sol­viert ha­ben.

Auf der Fach­mes­se „In­ter­air­port“hat­te Groth erst­mals Kon­takt zu Tho­ma WISS auf­ge­nom­men. Dort war das Un­ter­neh­men mit sei­nem Flug­ha­fen­lösch­fahr­zeug „Fe­lix“ver­tre­ten. Das In­ter­es­se bei Groth war schnell ge­weckt. „Wir ka­men ins Ge­spräch, ich er­hielt ei­ne Ein­la­dung und ha­be mir dar­auf­hin das Werk an­ge­se­hen. Ich war be­ein­druckt. Tho­ma WISS fer­tigt na­he­zu al­les kom­plett selbst“, sagt Groth.

Das Ge­län­de von Air­bus im Sü­den Ham­burgs mit 12.000 ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern kommt mit ex­ter­nen Kräf­ten und Be­su­chern täg­lich auf et­wa 18.000 Men­schen, die sich dort auf­hal­ten. Groth: „Wir sind qua­si ein ei­ge­ner Stadt­teil von Ham­burg. Al­les, was in der Stadt pas­siert, kann bei uns auch vor­kom­men: vom Feu­er über ei­nen Un­fall bis zum Herz­in­farkt.“Und weil Air­bus auch ei­nen ei­ge­nen Flug­ha­fen hat, be­nö­tigt das Un­ter­neh­men nach den Vor­ga­ben der ICAO

(In­ter­na­tio­nal Ci­vil Avia­ti­on Or­ga­niza­t­i­on, in­ter­na­tio­na­le Zi­vil­luft­fahrt­or­ga­ni­sa­ti­on) auch ei­ne ent­spre­chend aus­ge­rüs­te­te Flug­ha­fen­feu­er­wehr.

„Bei uns star­ten und lan­den zwei­mal täg­lich Pas­sa­gier­ma­schi­nen, die Mit­ar­bei­ter nach Tou­lou­se oder von dort hier­her brin­gen. Au­ßer­dem star­ten hier na­tür­lich die ge­fer­tig­ten Ma­schi­nen und es tref­fen re­gel­mä­ßig die gro­ßen Be­lu­ga-trans­port­flug­zeu­ge ein, die Bau­tei­le brin­gen und ab­ho­len“, be­rich­tet Groth. In 3 Mi­nu­ten müs­sen sei­ne Män­ner nach den Icao-vor­schrif­ten an je­der Stel­le auf dem Werk Lösch­maß­nah­men star­ten kön­nen. Zur Ge­bäu­de­brand­be­kämp­fung gibt es ein Zeit­fens­ter von 5 Mi­nu­ten. Min­des­tens zwölf der 64 Mit­ar­bei­ter der WF müs­sen rund um die Uhr ein­satz­be­reit sein.

Er­stan­griffs­fahr­zeug mit fast 3,8 Me­ter Hö­he

Um schnell mit den ge­for­der­ten Lösch­mit­tel­men­gen an die Ein­satz­or­te zu ge­lan­gen, setzt Air­bus jetzt auf die bei­den stark mo­to­ri­sier­ten Arocs. Das HLF 30 ver­fügt über Tanks für 3.000 Li­ter Was­ser und 500 Li­ter Schaum­mit­tel, das WLF hat ei­nen Ab­roll­be­häl­ter (AB) mit 10.000 Li­ter Was­ser, 1.000 Li­ter Schaum­mit­tel und je­weils 250 Ki­lo­gramm Pul­ver und Koh­len­di­oxid (CO ) da­bei.

2 Er­gänzt wer­den bei­de Fahr­zeu­ge je nach Stich­wort durch Kom­man­do- und Ein­satz­leit­wa­gen, wei­te­re Lösch­fahr­zeu­ge, ei­nen Ret­tungs­wa­gen (RTW) und das Te­le­skop­mast­fahr­zeug (TMF) 54. Et­wa 2.500 Ein­sät­ze pro Jahr wer­den ge­fah­ren, 650 da­von ent­fal­len auf den Be­reich Ret­tungs­dienst, nur 50 bis 60 Ein­sät­ze be­tref­fen zu­meist klei­ne­re Brän­de.

Er­stan­griffs­fahr­zeug für ei­ne Staf­fel (1/5) ist jetzt das neue HLF 30. „Die Fahr­zeu­ge wur­den zu 80 Pro­zent an un­se­rem Stand­ort in Po­len ge­baut. Der Fein­schliff vor der fi­na­len Tüv-prü­fung er­folg­te dann in Her­bolz­heim im Schwarz­wald“, er­klärt Ro­nald Berndt, ehe­ma­li­ger Stand­ort­lei­ter bei Tho­ma WISS im Breis­gau. Auf dem Arocs 2036 A bau­te sei­ne Fir­ma ei­nen Auf­bau aus Alu­mi­ni­um und Tei­len aus mit Glas­fa­sern ver­stärk­tem Kunst­stoff (GFK). Da­zu wur­de das Cab-mann­schafts­ka­bi­nen­mo­dul ge­nutzt. Die Plät­ze für die bei­den Trupps sind mit in den Sit­zen in­te­grier­ten Press­luf­tat­mern aus­ge­stat­tet.

In drei mit Ja­lou­si­en ver­schlos­se­nen Ge­rä­te­fä­chern in der Ka­bi­ne ist Platz für Wär­me­bild­ka­me­ra, Ak­kus, Not­fall­aus­rüs­tung und wei­te­re Ge­rät­schaf­ten. „Der Clou der Ka­bi­ne ist, dass man in ihr ste­hen kann“, be­rich­tet Feu­er­wehr­mann Tim Bo­e­de­cker. Das rund 3,8 Me­ter ho­he HLF bie­tet da­für aus­rei­chend Platz. Im Heck des Auf­baus be­fin­det sich ei­ne Pum­pe von Wiss-ru­berg, die 3.000 Li­ter pro Mi­nu­te bei 10 bar leis­tet. Dar­über hat die WF ei­nen form­sta­bi­len Schnellan­griffs­schlauch in­stal­lie­ren las­sen. „So muss­ten wir nicht auf je­der Sei­te je ei­nen Schnellan­griff vor­se­hen und ha­ben in G 5 und G 6 deut­lich Platz ge­won­nen“, er­klärt Tor­ben Knaack, der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter der WF. Wo­bei:

Raum­not herrscht

in dem Xxl-auf­bau des HLF 30 ehr­li­cher­wei­se nicht.

Vorn am HLF be­fin­det sich ei­ne auf­fäl­li­ge Ab­de­ckung, die ein biss­chen an die ei­ner Vor­bau­pum­pe er­in­nert. Bo­e­de­cker: „Dar­un­ter ver­birgt sich un­se­re Seil­win­de.“Bei ei­ner Seil­län­ge von 60 Me­tern zieht sie Las­ten bis 5 Ton­nen. Groth: „Den Aus­schlag zur Mon­ta­ge der von Pomp Win­den­tech­nik ge­lie­fer­ten Seil­win­de ga­ben um 20.000 Eu­ro ge­rin­ge­re An­schaf­fungs­kos­ten im Ver­gleich zum Markt­füh­rer und güns­ti­ge­re War­tungs­kos­ten.“Die kom­plet­te Tech­nik ist vorn im Vor­bau­ge­rät ver­baut, kom­pli­zier­te Seil­füh­run­gen am Fahr­ge­stell ent­lang ent­fal­len so.

Über der Win­de ist ein Front­wer­fer mon­tiert, der bis zu 3.000 Li­ter pro Mi­nu­te leis­tet. Was­ser wirft er 75 Me­ter weit, Schaum 50 Me­ter. Be­dient wer­den kann der Wer­fer aus der Ka­bi­ne per Joy­stick oder per Fern­be­die­nung auch von ab­seits des Fahr­zeugs. LEDLeuch­ten am Auf­bau zei­gen dem Be­die­ner dann die Füll­stän­de der Tanks des HLF an.

„Das HLF ist au­ßer­dem un­se­re Red­un­danz zu un­se­rem RTW. Ist der gera­de bei ei­nem Ein­satz ge­bun­den, kann die Be­sat­zung des HLF al­le Maß­nah­men durch­füh­ren,

Die­sel­mo­tor, 510 PS/375 kw, Eu­ro 6

Air­bus Ham­burg

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den in Ham­burg-fin­ken­wer­der Was­ser­flug­zeu­ge ge­baut. Die La­ge an der El­be bot sich da­für an. Da­mals wur­de auch das Müh­len­ber­ger Loch er­wei­tert, ein Fluss­ge­biet im Ver­lauf der Nie­der­el­be, wo ur­sprüng­lich die Sü­der­el­be mün­de­te, um ei­ne ge­eig­ne­te Start- und Lan­de­flä­che zu er­hal­ten. Nach dem Krieg be­gann 1955 der zi­vi­le Flug­zeug­bau, da­mals wur­de be­reits ei­ne Feu­er­wehr ein­ge­rich­tet. Mitt­ler­wei­le ist das Werks­ge­län­de 3,3 Qua­drat­ki­lo­me­ter groß, was 500 Fuß­ball­fel­dern ent­spricht. Ne­ben dem Air­bus A 380, dem ak­tu­ell größ­ten Pas­sa­gier­flug­zeug der Welt, wer­den in Ham­burg auch die Mo­del­le A 319, 320 und 321 ge­baut. Für den A 380 wur­de ein Teil des Müh­len­ber­ger Lo­ches bis 2004 zu­ge­schüt­tet und dar­auf ei­ne kom­plett

WLF mit Räums­child

neue Pro­duk­ti­ons­li­nie auf­ge­baut.

Die Werk­feu­er­wehr küm­mert sich nicht nur um den Brand­schutz, den Ret­tungs­dienst und Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tun­gen auf dem Werks­ge­län­de. Sie ist auch für die Aus- und Fort­bil­dung in Sa­chen Atem­schutz des wel­che die des RTW auch könn­te. Nur eben nicht den Pa­ti­en­ten trans­por­tie­ren“, er­klärt Groth. Die me­di­zi­ni­sche Aus­rüs­tung bei­der Fahr­zeu­ge ist iden­tisch.

Das WLF trägt noch ein­mal ei­ne Num­mer di­cker auf. Ein vier­ach­si­ger Arocs 4151 AK 8x6 er­hielt von Tho­ma WISS ei­ne Ab­roll­vor­rich­tung. Knaack: „Pri­mär ist der Ab-lösch­mit­tel auf­ge­sat­telt. Aber wir pla­nen, un­se­ren Be­stand an Ab­roll­be­häl­tern zu er­wei­tern.“Das ist durch ei­ne Zu­satz­auf­ga­be der Werk­feu­er­wehr be­dingt. „Wir sind auf der 3.500 Me­ter lan­gen Start- und Lan­de­bahn so­wie auf dem Roll­feld auch für den Win­ter­dienst zu­stän­dig. Da­zu nutz­ten wir bis­her Win­ter­dienst­fahr­zeu­ge, die die meis­te Zeit des Jah­res nicht be­nö­tigt wur­den und die dann, wenn wir sie ein­set­zen woll­ten, de­fekt wa­ren. Jetzt ha­ben wir das WLF, wel­ches das gan­ze Jahr im Ein­satz­dienst ist und bei Be­darf mit ei­nem Ab­roll­be­häl­ter mit Streu­auf­satz und ei­nem Räums­child aus­ge­stat­tet wer­den kann“, be­rich­tet Groth.

Bei­de neu­en Fahr­zeu­ge sind mit gel­ben Rund­um­kenn­leuch­ten aus­ge­stat­tet, die an­ge­schal­tet wer­den müs­sen, wenn das Roll­feld be­fah­ren wird. Eben­falls an bei­den Arocs ver­baut ist ein Schnell­start­knopf ne­ben der Fah­rer­tür. Knaack: „Dort kann der Ma­schi­nist schon den Mo­tor und das Blau­licht ein­schal­ten, wäh­rend er sei­ne Schutz­klei­dung kom­plett an­zieht.“

310-Ps-die­sel­mo­tor auf dem Ab-lösch­mit­tel

Um die Rei­fen des Wech­sel­la­der­fahr­zeugs vor Hit­ze und Feu­er zu schüt­zen, et­wa bei aus­lau­fen­den bren­nen­den Flüs­sig­kei­ten, wur­den vor den Rä­dern Selbst­schutz­dü­sen mon­tiert. Auf dem Dach des Ab­roll­be­häl­ters be­fin­det sich ein Was­ser­wer­fer, durch den bis zu 6.000 l/min bei 10 bar flie­ßen. Die­se För­der­leis­tung be­sitzt die Wiss-ru­ber­gPum­pe, die von ei­nem ei­ge­nen Mo­tor (John Dee­re) mit 310 PS an­ge­trie­ben wird.

An der Vor­der­sei­te des WLF wur­de au­ßer­dem der­sel­be Front­wer­fer wie beim HLF in­stal­liert. Die Steue­rung ist für die Be­sat­zung (1/1) aus der Ka­bi­ne her­aus per Joy­stick mög­lich. Ei­ne di­gi­ta­le An­zei­ge zeigt die Wer­fer­po­si­tio­nen, da die­se an­sons­ten nicht kom­plett ein­seh­bar sind. Die Tanks im Ab­roll­be­häl­ter hat Tho­ma WISS eben­falls in Gfk-bau­wei­se her­ge­stellt. Ei­ne Rück­fahr­ka­me­ra und ei­ne wei­te­re Ka­me­ra, die den Ab­roll­vor­gang über­wacht, bie­ten dem Ma­schi­nis­ten ei­nen Rund­um­blick.

„Die Fahr­zeu­ge sind ein­fach der Ham­mer“, zeigt sich Andre­as Groth mit bei­den Fahr­ge­stel­len und den Auf­bau­ten zu­frie­den. „Und un­se­re Kle­in­stadt in­mit­ten der Mil­lio­nen­me­tro­po­le Ham­burg ist so noch ein Stück si­che­rer.“

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