Auf der A3 bei Ra­tin­gen (NW) rast ein Sat­tel­zug in ein Stau­en­de.

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Pe­ter Fich­te, Nord­rhein-west­fa­len-kor­re­spon­dent Fo­tos: Feu­er­wehr Ra­tin­gen [5720]

Er schiebt drei Pkw auf ei­nen da­vor ste­hen­den Ge­fahr­stof­fTrans­por­ter. Drei Pkw-in­sas­sen ster­ben. Die auf­wän­di­gen Ret­tungs- und Ber­gungs­maß­nah­men, das Maß der Ver­wüs­tung so­wie Gaf­fer und An­ge­hö­ri­ge an der Un­fall­stel­le las­sen auch er­fah­re­ne Ein­satz­kräf­te nicht kalt.

Auf der A3 bei Ra­tin­gen (NW) rast ein Sat­tel­zug in ein Stau­en­de. Der Lkw schiebt drei Pkw auf ei­nen Ge­fahr­stof­fTrans­por­ter. Drei Pkw-in­sas­sen ster­ben. Die auf­wän­di­gen Ber­gungs- und Ret­tungs­maß­nah­men, das Maß der Ver­wüs­tung so­wie Gaf­fer ge­stal­ten den Ein­satz auch für er­fah­re­ne Kräf­te äu­ßerst schwie­rig.

Am 16. No­vem­ber 2017 über­sieht ge­gen 7.30 Uhr ein 41 Jah­re al­ter Sat­tel­zug-fah­rer auf der A3 bei Ra­tin­gen (Kreis Mett­mann) in Fahrt­rich­tung Nor­den ein Stau­en­de. Er prallt auf die vor ihm ste­hen­den Fahr­zeu­ge und schiebt die­se auf ei­nen Auf­lie­ger mit einm 20-Fuß-ge­fahr­gut-con­tai­ner. Trüm­mer­tei­le ver­tei­len sich über die ge­sam­te Fahr­bahn. Die bei­den quer­ste­hen­den Sat­tel­zü­ge und meh­re­re teil­wei­se bis zur Un­kennt­lich­keit zer­stör­te Pkw blo­ckie­ren die A3 zwi­schen der Rast­stät­te Hö­sel und dem Au­to­bahn­kreuz Breit­scheid. Al­le drei Fahr­spu­ren und die Stand­spur in nörd­li­cher Fahrt­rich­tung sind nicht mehr be­fahr­bar.

Um 7.33 Uhr alar­miert die Leit­stel­le Mett­mann mit dem Alarm­stich­wort „Ver­kehrs­un­fall mit ein­ge­klemm­ter Per­son“die BF Ra­tin­gen, den Lösch­zug Hö­sel/eg­ger­scheidt der FF Ra­tin­gen so­wie Son­der­fahr­zeu­ge des Ff-lösch­zugs Ra­tin­gen-mit­te. Wäh­rend der A-di­enst (als Ein­satz­lei­ter), der B-di­enst (als Or­ga­ni­sa­to­ri­scher Lei­ter Ret­tungs­dienst, kurz ORGL-RD), zwei Hil­fe­leis­tungs-lösch­grup­pen­fahr­zeu­ge (HLF), ein Rüst­wa­gen (RW), ein Ret­tungs­wa­gen (RTW) und das Not­arzt-ein­satz­fahr­zeug (NEF) der Feu­er­wehr Mett­mann auf dem Weg zur Ein­satz­stel­le sind, er­höht die Leit­stel­le auf­grund zahl­rei­cher No­t­ru­fe und dra­ma­ti­scher Un­fall­schil­de­run­gen das Stichwort um 7.36 Uhr auf „Not­arz­t­ein­satz nach Ver­kehrs­un­fall mit bis zu zehn Ver­letz­ten“.

Ein wei­te­res HLF, drei zu­sätz­li­che RTW (aus Ra­tin­gen, Mett­mann und Er­krath), zwei NEF der Feu­er­weh­ren Hil­den und Düs­sel­dorf, ein Ge­rä­te­wa­gen Sa­ni­tät (GW-SAN) aus Mett­mann, der Lei­ten­de Not­arzt (LNA) so­wie der Kreis­brand­meis­ter (KBM) rü­cken dar­auf­hin eben­falls aus. Weil die Alar­mie­rung beim mor­gend­li­chen Wach­wech­sel der BF Ra­tin­gen er­folgt, steht schnell aus­rei­chend Per­so­nal zur Be­set­zung wei­te­rer Fahr­zeu­ge zur Ver­fü­gung.

„Die An­fahrt über die A3 war pro­blem­los, denn die im et­wa ei­nen Ki­lo­me­ter lan­gen Rück­stau ste­hen­den Au­to­fah­rer hat­ten ei­ne vor­bild­li­che Ret­tungs­gas­se ge­bil­det“, er­in­nert sich Brand­amt­mann Mar­kus Mey­er (Ein­satz­füh­rungs­dienst B). Bei Tem­pe­ra­tu­ren um 7 Grad Cel­si­us, Tro­cken­heit, fast Wind­stil­le und be­wölk­tem Him­mel er­reicht der ers­te RTW um 7.45 Uhr die Ein­satz­stel­le. Die ers­te Rück­mel­dung lau­tet: „Ei­ne schwerst­ein­ge­klemm­te Per­son, ei­ne Per­son aus dem Fahr­zeug be­freit, ei­ne Per­son schwerst­ein­ge­klemmt und tot so­wie meh­re­re leicht- und mit­tel­schwer Ver­letz­te. Der Be­reich nörd­lich der Un­fall­stel­le ist mit Ein­satz­fahr­zeu­gen nicht er­reich­bar.“

Hun­dert­schaft der Po­li­zei leis­tet Ers­te Hil­fe

Ei­ne Ein­satz­hun­dert­schaft der Be­reit­schafts­po­li­zei, die sich auf dem Rück­weg von ei­nem Ein­satz be­fin­det, leis­tet un­mit­tel­bar nach dem Un­fall Ers­te Hil­fe und si­chert die Un­fall­stel­le ab. Nach der Er­kun­dung der Ein­satz­stel­le steht fest, dass zwei Lkw und fünf Pkw in den Un­fall ver­wi­ckelt sind. Drei Pkw sind voll­kom­men zer­stört. In ei­nen Opel Vec­tra be­fin­det sich ei­ne ein­ge­klemm­te Fah­re­rin (65 Jah­re alt) mit viel­fäl­ti­gen, le­bens­be­droh­li­chen Ver­let­zun­gen (Po­ly­t­rau­ma).

Der 26-jäh­ri­ge Fah­rer ei­nes VW Lu­po wur­de be­reits durch Erst­hel­fer aus sei­nem mas­siv ver­form­ten Fahr­zeug be­freit. Er hat eben­falls ein Po­ly­t­rau­ma er­lit­ten und wird auf der Fahr­bahn erst­ver­sorgt. Ein VW Pas­sat hat sich um das Heck des Tank-sat­tel­auf­lie­gers ge­wi­ckelt. Das Fahr­zeug ist quer zur Fahrt-

rich­tung mit der fah­rer­sei­ti­gen Front­par­tie un­ter dem Tan­kauf­lie­ger ein­ge­keilt, das Heck hängt mehr als 2 Me­ter hoch auf dem Rah­men des Trai­lers. Der 34-jäh­ri­ge Fah­rer ist im Fahr­zeug mas­siv ein­ge­klemmt und hat den Un­fall of­fen­sicht­lich nicht über­lebt.

Des Wei­te­ren sind meh­re­re hun­dert Li­ter Kraft­stoff aus­ge­lau­fen und ver­tei­len sich über die ge­sam­te Un­fall­stel­le. Die­se ist für Fahr­zeu­ge ab­so­lut un­pas­sier­bar, so­dass Ver­letz­ten­trans­por­te nur per Ret­tungs­hub­schrau­ber (RTH) oder mit Ret­tungs­fahr­zeu­gen, wel­che die Un­fall­stel­le ent­ge­gen der Fahrt­rich­tung an­fah­ren, mög­lich sind. Des­halb lässt der Ein­satz­lei­ter, Brand­amts­rat Erik He­u­mann (A-di­enst), auch noch den Lösch­zug der FF Breit­scheid alar­mie­ren. Die­ser soll über die A3 ent­ge­gen der Fahrt­rich­tung zur Un­fall­stel­le fah­ren und die Ein­satz­maß­nah­men von der nörd­li­chen Sei­te aus un­ter­stüt­zen.

Der RTH „Chris­toph 9“(Duis­burg) wird an­ge­for­dert. Ent­war­nung gibt es glück­li­cher­wei­se bei dem 20-Fuß-ge­fahr­gutTank­con­tai­ner: Er ist leer und ge­rei­nigt. „In der ers­ten Pha­se wa­ren die tech­ni­sche Ret­tung der ein­ge­klemm­ten Frau, die ret­tungs­dienst­li­che und not­ärzt­li­che Ver­sor­gung der Schwer­ver­letz­ten so­wie die Si­cher­stel­lung des Brand­schut­zes an der Un­fall­stel­le vor­dring­lich“, be­rich­tet He­u­mann. Zur bes­se­ren Über­sicht un­ter­teilt er die Ein­satz­stel­le zu­nächst in zwei, spä­ter in drei Ein­satz­ab­schnit­te (EA).

Die Füh­rung des EA 1 (Tech­ni­sche Ret­tung und Si­cher­stel­lung des Brand­schut­zes) über­nimmt Mey­er als dienst­ha­ben­der B-di­enst. Die tech­ni­sche Ret­tung der im Opel ein­ge­klemm­ten Pa­ti­en­tin wird dem ers­ten HLF (BF Ra­tin­gen) über­tra­gen, wäh­rend die Kräf­te des zwei­ten HLF (LZ Hö­sel/eg­ger­scheidt)

den Brand­schutz an der Ein­satz­stel­le si­cher­stel­len und die üb­ri­gen Un­fall­fahr­zeu­ge si­chern. Da­bei wer­den sie durch die Be­sat­zung des RW (LZ Mit­te) un­ter­stützt.

Die Füh­rung des EA 2 über­nimmt Brand­amt­mann Lutz Pelt­zer (ORGL-RD) zu­sam­men mit dem LNA. Ge­mein­sam mit den ih­nen un­ter­stell­ten Kräf­ten sind sie für die me­di­zi­ni­sche Ret­tung und Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten so­wie für die Be­treu­ung al­ler be­trof­fe­nen Per­so­nen zu­stän­dig.

ABC-ZUG mit Stichwort „Öl­un­fall groß“alar­miert

Um 8.07 Uhr for­dert Ein­satz­lei­ter He­u­mann zur Be­kämp­fung von Um­welt­ge­fah­ren den ABC-ZUG der Feu­er­wehr Ra­tin­gen an. Mit dem Alarm­stich­wort „Öl­un­fall-groß“rü­cken zwei Wech­sel­la­der-fahr­zeu­ge (WLF) mit dem Ab­roll­be­häl­ter Atem­schutz (AB-AS) und Ge­fahr­gut (AB-BCG), der LKW-KRAN und der Lkw-tech­nik mit Bin­de­mit­tel­an­hän­ger zur Un­fall­stel­le aus. Ihr Auf­ga­ben­be­reich wird spä­ter zu EA 3.

EA 1 „Tech­ni­sche Ret­tung“(Pha­se 1 und 2): „Das Dach des Opel Vec­tra wur­de bei dem Un­fall bis auf Hö­he des Ar­ma­tu­ren­bretts her­un­ter­ge­drückt und der Über­le­bens­raum der Fah­re­rin ex­trem ein­ge­schränkt“, be­rich­tet Ober­brand­meis­ter Mar­tin Ober­straß, An­griff­s­trupp­füh­rer des ers­ten HLF. „Doch die aus dem Schloss ge­ris­se­ne Fah­rer­tür bot ei­ne gu­te Zu­gangs­öff­nung.“Die Pa­ti­en­tin ist im Kopf- und Ober­kör­per­be­reich ein­ge­klemmt, ih­re Bei­ne sind frei. Sie re­agiert auf An­spra­che nur noch mit un­ar­ti­ku­lier­ten Lau­ten. Des­halb ent­schei­det der Not­arzt: „Schnellst­mög­li­che Ret­tung, Dau­er nicht län­ger als 10 Mi­nu­ten.“

Fe­der­bei­ne und Hin­ter­ach­se des Vec­tra sind voll­stän­dig zer­stört, wes­we­gen ein Glas­ma­nage­ment und ei­ne Un­ter­bau­ung des Fahr­zeugs nicht mehr er­for­der­lich sind. „Wir ha­ben das Dach mit ei­nem lan­gen Te­le­skop­zy­lin­der ge­gen ein Ab­sa­cken wäh­rend der Ret­tung ge­si­chert, das Tür­fang­band und die A-säu­le auf der Fah­rer­sei­te im un­te­ren Be­reich durch­trennt, dann die Tür ma­xi­mal ge­öff­net und in die­ser La­ge fi­xiert“, er­klärt Ober­straß die Ret­tungs­ar­bei­ten. „Gleich­zei­tig ha­ben wir die Front­schei­be mit­tels Sä­bel­sä­ge ein­mal längs durch­trennt und die B-säu­le im Dach­be­reich durch­schnit­ten.“An­schlie­ßend wird das Dach nach oben ge­drückt und die Pa­ti­en­tin mit­tels Spi­ne­board ach­sen­ge­recht aus dem Fahr­zeug ge­ret­tet. Mit dem RTH „Chris­toph 9“wird sie in ein Kran­ken­haus ge­flo­gen.

Da­nach wer­den die bei­den an­de­ren ex­trem de­for­mier­ten Pkw so weit ge­öff­net, bis si­cher fest­ge­stellt wer­den kann, dass sich kei­ne wei­te­ren Per­so­nen mehr in den de­for­mier­ten Wracks be­fin­den. Wäh­rend die­se Kon­trol­le bei dem Lu­po schnell mög­lich ist, ge­stal­ten sich die Ar­bei­ten bei dem Pas­sat we­sent­lich kom­pli­zier­ter. „Er muss­te zu­erst ab­ge­stützt und mit Spann­gur­ten in sei­ner La­ge ge­si­chert wer­den“, be­rich­tet Mey­er. „Nach­dem auch der un­dich­te Kraft­stoff- tank ab­ge­dich­tet war, wur­den von der Lk­wRet­tungs­platt­form aus bei­de Tü­ren auf der Bei­fah­rer­sei­te ent­fernt.“Erst jetzt ist ein voll­stän­di­ger Blick in den In­nen­raum mög­lich. Par­al­lel wer­den al­le be­tei­lig­ten Fahr­zeu­ge ge­gen We­grol­len ge­si­chert und die Bat­te­ri­en ab­ge­klemmt. Da­mit ist auch die zwei­te Pha­se der tech­ni­schen Ret­tung ab­ge­schlos­sen.

EA 2 „Me­di­zi­ni­sche Ret­tung“: Da bis auf die Fah­re­rin des Opel Vec­tra kei­ne wei­te­ren Pa­ti­en­ten in den Fahr­zeu­gen ein­ge­klemmt sind, ist für die me­di­zi­ni­sche Ret­tung ein vom EA 1 weit­ge­hend un­ab­hän­gi­ges Ar­bei­ten mög­lich, und al­le Pa­ti­en­ten wer­den dem Ret­tungs­dienst über­ge­ben.

Für die Ver­sor­gung des schwer­ver­letz­ten Fah­rers aus dem Lu­po wird ein wei­te­rer RTH, „Chris­toph 3“aus Köln, nach­ge­for­dert. Ab­schnitts­lei­ter 2 Lutz Pelt­zer ver­an­lasst par­al­lel die Sich­tung al­ler am Un­fall be­tei­lig­ten Per­so­nen. Ins­ge­samt wer­den fünf Pa­ti­en­ten vor Ort ver­sorgt, wei­te­re fünf wer­den in Kran­ken­häu­ser ge­bracht. Di­rekt vor Ort er­folgt ei­ne ers­te Be­treu­ung al­ler Un­fall­be­tei­lig­ten durch Not­fall­seel­sor­ger des Krei­ses Mett­mann. Für die Ein­satz­kräf­te steht eben­falls kurz­fris­tig das Hilfs­an­ge­bot des OPENTeams (Or­ga­ni­sier­te Per­so­nal­un­ter­stüt­zung für Ex­tre­mein­sät­ze und Nach­sor­ge) be­reit.

EA 1 „Tech­ni­sche Ret­tung“(Pha­se 3): Vor der Ber­gung der noch im­mer im Wrack des Pas­sats ein­ge­klemm­ten Lei­che des Fah­rers ord­net der Ab­schnitts­lei­ter ei­ne Pau­se an. „Die bis­her un­ter ex­tre­mer An­span­nung ar­bei­ten­den Kräf­te soll­ten sich erst­mal ver­pfle­gen und men­tal sam­meln“, er­klärt Mey­er.

Bei der Ber­gung ei­nes To­ten wer­den aus Grün­den der Pie­tät die glei­chen Maß­stä­be

Zum ers­ten Mal konn­ten mas­siv Stö­rer und Gaf­fer fest­ge­stellt und ver­folgt wer­den.

ge­setzt wie bei der Ret­tung ei­nes Ver­letz­ten. „Nach­dem wir Me­tho­den wie Cross­ramming oder den Ein­satz von He­be­kis­sen ver­wor­fen hat­ten, er­schien uns der kom­bi­nier­te Ein­satz des La­de­krans und der Seil­win­de des TLF 3000 als er­folg­ver­spre­chends­te Maß­nah­me“, be­rich­tet Mey­er.

Lei­che vor­sich­tig ge­bor­gen

Zu­vor wer­den nach Frei­ga­be durch die Po­li­zei die im Weg ste­hen­den, zer­stör­ten Pkw auf den Stand­strei­fen ge­zo­gen. An­schlie­ßend wird das TLF 3000 so po­si­tio­niert, dass der Pas­sat über ei­ne an der Mit­tel­leit­plan­ke an­ge­schla­ge­ne Um­lenk­rol­le von dem Lkw-auf­lie­ger her­un­ter­ge­zo­gen wer­den kann. Da­für stel­len die Kräf­te die Län­ge von zwei ver­kürz­ba­ren An­schlag­ket­ten ge­nau ein und be­fes­ti­gen die­se an­schlie­ßend an der B-säu­le und der Vor­der­ach­se. Wäh­rend die Win­de des TLF 3000 Zug aus­übt, soll der LKW-KRAN des Abc-zu­ges den Pkw mit ei­ner an der CSäu­le be­fes­tig­ten Ket­te mi­ni­mal an­he­ben, um ein un­kon­trol­lier­tes Ab­rut­schen beim Win­den­ein­satz zu ver­hin­dern.

Nach­dem al­le vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men be­en­det sind, wird die be­ste­hen­de Si­che­rung aus Te­le­skop-ret­tungs­stüt­zen und Spann­gur­ten zu­rück­ge­nom­men. Be­hut­sam wird der Pkw lang­sam un­ter dem Sat­tel­auf­lie­ger her­aus­ge­zo­gen und ab­ge­las­sen. Dann ent­fer­nen die Feu­er­wehr­leu­te auf der Fah­rer­sei­te al­le Tü­ren und die B-säu­le. Sie drü­cken das Ar­ma­tu­ren­brett mit­tels Te­le­skop-ret­tungs­zy­lin­der nach vor­ne und le­gen vor­sich­tig die Lei­che des Fah­rers frei, um sie zu ber­gen.

EA 3 „Um­welt­schutz“: Durch die in die­sem Ab­schnitt tä­ti­gen Kräf­te wird der auf dem Sei­ten­strei­fen ab­lau­fen­de Die­sel­kraft­stoff ein­ge­deicht und an­schlie­ßend die ge­sam­te Un­fall­stel­le mit Bin­de­mit­tel ab­ge­streut. Nach Ab­schluss der tech­ni­schen Ret­tungs­maß­nah­men pum­pen die Kräf­te des EA 3 noch et­wa 600 Li­ter Die­sel aus den bei­den de­fek­ten Lkw-tanks in Auf­fang­be­häl­ter. Das Bin­de­mit­tel wird nach Ein­satz­ab­schluss durch den Lan­des­be­trieb Stra­ßen.nrw auf­ge­nom­men und fach­ge­recht ent­sorgt.

„Bei die­sem au­ßer­ge­wöhn­lich kom­ple­xen Ein­satz hat sich be­währt, dass je­der An­ge­hö­ri­ge der BF aus­ge­bil­de­ter Ret­tungs­as­sis­tent oder Not­fall­sa­ni­tä­ter mit Ein­sat­z­er­fah­rung ist und al­le ein­ge­setz­ten Kräf­te die feu­er­wehr­tech­ni­schen und ret­tungs­dienst­li­chen Ab­läu­fe be­herr­schen“, zeigt sich Brand­di­rek­tor Re­né Schu­bert, Lei­ter der Feu­er­wehr Ra­tin­gen, zu­frie­den. „Auch die vor­ge­plan­te über­ört­li­che Un­ter­stüt­zung von Ein­hei­ten der Feu­er­weh­ren und des Ret­tungs­diens­tes in Nord­rhein-west­fa­len hat sich wie­der ein­mal als sehr gut und wirk­sam ge­zeigt.“

Als vor­teil­haft er­wies sich auch die seit ei­ni­gen Jah­ren be­ste­hen­de Stra­te­gie der Feu­er­wehr Ra­tin­gen, gleich­ar­ti­ge Fahr­zeu­ge der BF und FF ver­gleich­bar aus­zu­stat­ten. „So konn­ten die Kol­le­gen der BF an der räum­lich äu­ßerst be­eng­ten Ein­satz­stel­le pro­blem­los auf Ma­te­ri­al der FF zu­grei­fen“, sagt Schu­bert.

„Dar­über hin­aus brach­te die vor we­ni­gen Jah­ren ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung, statt fest in­stal­lier­ter hy­drau­li­scher Ret­tungs­ge­rä­te mo­bi­le Ret­tungs­hy­drau­lik ein­zu­set­zen, bei die­sem Ein­satz er­heb­li­che Vor­tei­le. Die klei­nen, mo­bi­len Hy­drau­lik­pum­pen mit Elek­tro- oder Ver­bren­nungs­mo­tor und 10-Me­ter-schläu­chen konn­ten schnell und ein­fach durch die Ein­satz­stel­le ge­tra­gen und ein­ge­setzt wer­den.“

Po­li­zei filmt Gaf­fer zwecks spä­te­rer Er­mitt­lun­gen

Als hilf­reich er­wie­sen sich auch die auf je­dem HLF der Feu­er­wehr Ra­tin­gen ver­las­te­ten falt­ba­ren Not­fall-auf­fang­wan­nen, mit de­ren Hil­fe der aus meh­re­ren de­fek­ten Fahr­zeug­tanks aus­lau­fen­de Kraft­stoff ef­fek­tiv auf­ge­fan­gen wer­den konn­te. Weil der Ein­satz­be­ginn mit dem Wach­wech­sel zu­sam­men­fiel, konn­te durch die an­we­sen­den Mit­ar­bei­ter des Ta­ges­diens­tes der BF und be­reits an­we­sen­des, aber noch nicht mit aus­ge­rück­tes Per­so­nal der dienst­ha­ben­den Wach­ab­tei­lung, ei­ne rück­wär­ti­ge (Füh­rungs-)un­ter­stüt­zung or­ga­ni­siert wer­den. Im wei­te­ren Ein­satz­ver­lauf be­setz­te der Lösch­zug Tie­fen­broich der FF die Haupt­feu- er­wa­che und stell­te den Grund­schutz im ge­sam­ten Stadt­ge­biet si­cher.

Auch die seit ei­ni­ger Zeit durch den Lan­des­be­trieb Stra­ßen.nrw vor­ge­hal­te­nen mo­bi­len Sicht­schutz­wän­de ha­ben sich be­währt. Sie wur­den kurz nach Ein­satz­be­ginn durch die Au­to­bahn­po­li­zei an­ge­for­dert. Mit tat­kräf­ti­ger Un­ter­stüt­zung der Be­reit­schafts­po­li­zei konn­te in­ner­halb von we­ni­gen Mi­nu­ten nach dem Ein­tref­fen des Ma­te­ri­als ein et­wa 100 Me­ter lan­ger Sicht­schutz er­rich­tet wer­den. „Da­nach re­du­zier­ten sich die teil­wei­se ex­tre­men Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen und Bei­nah-un­fäl­le durch Gaf­fer auf der Ge­gen­fahr­bahn er­heb­lich, und der Ver­kehr in Rich­tung Köln floss we­sent­lich zü­gi­ger an der Un­fall­stel­le vor­bei“, freut sich Brand­amt­mann Jan Ne­u­mann. Auf der Ge­gen­fahr­bahn ha­ben zahl­rei­che Gaf­fer ver­sucht, die Un­fall­stel­le zu fo­to­gra­fie­ren und zu fil­men.

Po­li­zei­be­am­te der im Stau ste­hen­den Ein­satz­hun­dert­schaft stell­ten sich schließ­lich mit ei­ner Vi­deo­ka­me­ra an der Mit­tel­leit­plan­ke auf, um Gaf­fer im Ge­gen­ver­kehr zu fil­men und spä­ter er­mit­teln zu kön­nen. „Das war

na­tür­lich ei­ne ganz neue Si­tua­ti­on für uns“, er­klärt Pres­se­spre­cher Ne­u­mann. „Zum ers­ten Mal konn­ten mas­siv Stö­rer und Gaf­fer fest­ge­stellt und ver­folgt wer­den. Lei­der ist im Nach­gang nie­mand aus die­sem Per­so­nen­kreis be­langt wor­den, da nach Sich­tung des Ma­te­ri­als ei­ne ein­deu­ti­ge Schuld nicht nach­weis­bar war.“

Auch Me­di­en­ver­tre­ter über­schrei­ten die Gren­ze

Trotz al­ler in­ten­siv­me­di­zi­ni­schen Be­mü­hun­gen star­ben die bei­den schwer­ver­letz­ten In­sas­sen des Opel Vec­tra und des VW Lu­po kurz nach ih­rer Ret­tung in Kran­ken­häu­sern. „Dies stell­te für die Kol­le­gen ei­ne wei­te­re er­heb­li­che Be­las­tung dar und zeigt, wie wich­tig ei­ne of­fe­ne und ehr­li­che Nach­be­trach­tung durch Kol­le­gen und Vor­ge­setz­te ist“, be­tont Brand­di­rek­tor Re­né Schu­bert. „Und auch die Er­kennt­nis, dass nicht je­der Pa­ti­ent ge­ret­tet wer­den kann, auch wenn wir nichts falsch ge­macht ha­ben, ist von größ­ter Wich­tig­keit.“

Für Ver­är­ge­rung und Un­ver­ständ­nis sorg­ten an der Un­fall­stel­le ne­ben Gaf­fern auf der Ge­gen­fahr­bahn aber auch Pres­se­ver­tre­ter. „Be­reits in den ers­ten Mi­nu­ten des Ein­sat­zes stand fest, dass es sich um ei­nen Ein­satz mit ei­nem gro­ßen, me­dia­len In­ter­es­se han­deln wür­de“, er­in­nert sich Ein­satz­lei­ter He­u­mann. Des­halb er­nann­te er so­fort den eben­falls mit zu der Ein­satz­stel­le aus­ge­rück­ten Pres­se­spre­cher, Brand­amt­mann Jan Ne­u­mann, zum Ab­schnitts­lei­ter Pres­se. „Ich war sehr froh, dass Jan mit un­ter den ers­ten Kräf­ten war“, sagt Ein­satz­lei­ter He­u­mann, „denn so konn­te ich mich mit den üb­ri­gen Kräf­ten ganz auf die Men­schen­ret­tung kon­zen­trie­ren.“

Nach dem Ver­sand ei­ner ers­ten Pres­se­mel­dung und der Ver­öf­fent­li­chung ei­ner Ko­pie die­ser In­for­ma­ti­on über die So­ci­al Me­dia-ka­nä­le ka­men ins­ge­samt sie­ben Film­teams und vie­le Fo­to­re­por­ter zur Ein­satz­stel­le. „Die Pres­se­ver­tre­ter sind teil­wei­se ki­lo­me­ter­weit durch den Wald oder über die Au­to­bahn ge­lau­fen, um den Un­fall­ort zu er­rei­chen“, er­in­nert sich Pres­se­spre­cher Ne­u­mann. „Vor Ort ha­ben sich dann aber vie­le nicht mehr an Ab­sper­run­gen und Ab­spra­chen ge­hal­ten. Mit dem Han­dy wur­den Bil­der von al­len mög­li­chen Un­fall­si­tua­tio­nen ge­macht.“

Durch die­ses Ver­hal­ten der Pres­se­ver­tre­ter kur­sier­ten be­reits nach kur­zer Zeit un­zen­sier­te Ein­satz­stel­len­bil­der in den Me­di­en. An­ge­hö­ri­ge von in den Un­fall ver­wi­ckel­ten Per­so­nen er­kann­ten sehr schnell dar­auf be­tei­lig­te Fahr­zeu­ge und ba­ten te­le­fo­nisch bei der Feu­er­wehr um Aus­kunft. Die schwan­ge­re Freun­din ei­nes spä­ter ver­stor­be­nen Be­tei­lig­ten kam so­gar per­sön­lich auf ei­ne na­he­ge­le­ge­ne Au­to­bahn­po­li­zei­wa­che und muss­te dort be­treut wer­den. „Die­ses Ver­hal­ten ist völ­lig in­ak­zep­ta­bel und un­fair“, be­tont Ne­u­mann. „Wir wer­den des­halb zu­künf­tig an Ein­satz­stel­len we­sent­lich be­stimm­ter mit den Ver­tre­tern der Pres­se um­ge­hen. Wer sich nicht an Ab­ma­chun­gen hält, darf auch kein Ent­ge­gen­kom­men er­war­ten!“

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