Pos­ten, snap­pen, chat­ten – dar­auf müsst Ihr ach­ten

Ob Be­rufs­feu­er­wehr oder Frei­wil­li­ge, ob Kin­de­ro­der Ju­gend­feu­er­wehr – es gibt in den so­zia­len Netz­wer­ken tau­sen­de Sei­ten. Mit dem Ziel, jun­ge Leu­te an­zu­spre­chen. Aber wo tum­meln sich die Ju­gend­li­chen ei­gent­lich im Netz? Wir ha­ben ei­ne Idee.

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Ann-chris­tin West­phal, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-au­to­rin und So­ci­al Me­dia-ex­per­tin

Whatsapp, Ins­ta­gram, Snap­chat, Youtube: Ein All­tag oh­ne so­zia­le Me­di­en ist für den Groß­teil jun­ger Men­schen un­vor­stell­bar. Kein Wun­der: Die heu­ti­ge Ju­gend wächst wie selbst­ver­ständ­lich mit dem Smart­pho­ne, der stän­di­gen Ver­füg­bar­keit von mo­bi­lem In­ter­net und So­ci­al Me­dia-an­wen­dun­gen (Apps) auf. Markt­for­scher und Jour­na­lis­ten ha­ben für die­se Al­ters­grup­pe so­gar ei­nen ei­ge­nen Na­men: Ge­ne­ra­ti­on Z. Das steht für „zwei­te Ge­ne­ra­ti­on“. Die vor­her­ge­hen­de Ge­ne­ra­ti­on wur­de im frü­hen ju­gend­li­chen Al­ter di­gi­tal so­zia­li­siert. Da Klein­kin­der schon im frü­hen Al­ter mit Smart­pho­nes und Ta­blets in Kon­takt kom­men, durch­lau­fen sie ei­ne an­de­re Ent­wick­lung als Kin­der der Ge­ne­ra­ti­on Y zu­vor, die Touch­screens und -pads erst spä­ter ken­nen­lern­ten.

Die Ge­ne­ra­ti­on Z um­fasst je nach De­fi­ni­ti­on die Ge­bur­ten­jahr­gän­ge 1995 bis 2010 be­zie­hungs­wei­se 2000 bis 2015. Die­se Al­ters­grup­pen nut­zen die Vi­deo-platt­form Youtube in­ten­si­ver als klas­si­sches Fern­se­hen. Da­her kommt auch die Be­zeich­nung Youtube. Sie wach­sen laut Ex­per­ten in ei­ner di­gi­ta­len Welt auf und kön­nen pro­blem­los mit neu­en Me­di­en um­ge­hen.

Doch wel­che So­ci­al Me­di­aApps sind un­ter Ju­gend­li­chen zur­zeit be­son­ders be­liebt? Die Jim-stu­die ( Ju­gend, In­for­ma­ti­on, Mul­ti­me­dia) lie­fert jähr­lich ge­naue Ein­bli­cke in das Me­di­en­nut­zungs­ver­hal­ten jun­ger Men­schen. Die For­schungs­rei­he wird seit 20 Jah­ren vom Me­di­en­päd­ago­gi­schen For­schungs­ver­bund Südwest und dem Süd­west­rund­funk her­aus­ge­ge­ben. Im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren markt­wirt­schaft­li­chen Stu­di­en han­delt es sich um ei­ne wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chung, de­ren Er­geb­nis­se un­ab­hän­gig sind.

Auch 2017 ha­ben Wis­sen­schaft­ler 1.200 Ju­gend­li­che im Al­ter zwi­schen 12 und 19 Jah­ren be­fragt. Wir ha­ben für Euch die wich­tigs­ten Er­geb­nis­se der ak­tu­el­len Jim-stu­die in ei­nem Ran­king zu­sam­men­ge­fasst: 1 Whatsapp ist der mit Ab­stand am häu­figs­ten ge­nutz­te Ka­nal der 12- bis 19-Jäh­ri­gen. 94 Pro­zent ver­wen­den die Mes­sen­ger-app min­des­tens mehr­mals pro Wo­che. Üb­ri­gens: Whatsapp ist von sei­nem Auf­bau her gar kein klas­si­sches so­zia­les Me­di­um.

An­fäng­lich dien­te die App vor al­lem als Al­ter­na­ti­ve zur Kurz­nach­richt (SMS). Doch in­zwi­schen nut­zen vie­le Nut­zer pri­va­te und öf­fent­li­che WhatsApp-grup­pen, um sich zu ver­netz­ten. In den Grup­pen wer­den auch Fo­tos und Vi­de­os mit­ein­an­der ge­teilt. In­so- fern kann Whatsapp durch­aus als So­ci­al Me­dia-app be­trach­tet wer­den.

2 Ins­ta­gram steht an zwei­ter Stel­le, was die Nut­zungs­häu­fig­keit an­geht. Das Netz­werk kommt im­mer­hin auf 57 Pro­zent wie­der­keh­ren­de User. Al­ler­dings pos­tet nur ein Fünf­tel der ju­gend­li­chen Nut­zer re­gel­mä­ßig ei­ge­ne In­hal­te. Die meis­ten Ju­gend­li­chen abon­nie­ren an­de­re Nut­zer, die sie per­sön­lich ken­nen.

Zu­dem kom­men die Wis­sen­schaft­ler zu dem Schluss, dass Mäd­chen den bild­zen­trier­ten Di­enst

an­ders nut­zen als Jun­gen. Sie pos­ten öf­ter Fo­tos oder Vi­de­os von sich. Au­ßer­dem fol­gen sie häu­fi­ger Pro­mi­nen­ten oder In­flu­en­cern.

Wer oder was sind In­flu­en­cer?

In­flu­en­cer ha­ben in so­zia­len Netz­wer­ken ei­ne ho­he Reich­wei­te. Sie ge­nie­ßen un­ter ih­ren An­hän­gern (Fol­lo­wer oder Abon­nen­ten ge­nannt) in der Re­gel ein ho­hes An­se­hen. In­so­fern ge­hen Mar­ke­ting-ex­per­ten da­von aus, dass In­flu­en­cer Ein­fluss auf die Mei­nung und das Kauf­ver­hal­ten ih­rer Abon­nen­ten ha­ben. Das Wort stammt vom eng­li­schen Verb to in­flu­ence ab, was be­ein­flus­sen heißt.

3 Snap­chat liegt mit 49 Pro­zent re­gel­mä­ßi­ger Nut­zung knapp hin­ter Ins­ta­gram. Al­ler­dings tei­len Ju­gend­li­che über Snap­chat mehr pri­va­te In­hal­te als über sei­nen Kon­kur­ren­ten. Zwei Drit­tel der ju­gend­li­chen Snap­chat-user ver­sen­den im­mer wie­der selbst Snaps. Snaps von In­flu­en­cern spie­len hin­ge­gen so gut wie kei­ne Rol­le für die Ju­gend­li­chen. Der per­sön­li­che Aspekt steht bei die­sem so­zia­len Me­di­um al­so ein­deu­tig im Vor­der­grund.

War­um ist die Hemm­schwel­le, pri­va­te In­hal­te zu ver­öf­fent­li­chen, auf Snap­chat ge­rin­ger als auf Ins­ta­gram? Ein Grund hier­für kann die zeit­lich be­grenz­te Ver­füg­bar­keit der Snaps sein. Auch

wenn Ins­ta­gram 2016 mit „ Sto­ries“ein ähn­li­ches For­mat ein­ge­führt hat, sind Snaps in der Re­gel deut­lich kür­zer auf­ruf­bar als Ins­ta­gram-sto­ries. Häu­fig ver­schwin­den Snaps be­reits we­ni­ge Se­kun­den nach ih­rem Auf­ruf. 4 Face­book ist bei den Ju­gend­li­chen (fast) out. Nur noch ein Vier­tel der 12 bis 19-Jäh­ri­gen nutzt das So­ci­al Me­di­aUr­ge­stein in 2017 re­gel­mä­ßig. Ein Jahr zu­vor wa­ren es noch 43 Pro­zent.

5 Was ist ei­gent­lich mit YouTube? Vie­le Stu­di­en ord­nen Youtube nicht als so­zia­les Me­di­um ein, son­dern als Vi­deoPlatt­form. Al­ler­dings spre­chen die seit Jah­ren statt­fin­den­den Neue­run­gen auf der Platt­form da­für, dass sich Youtube mehr und mehr zum So­ci­al Me­di­aKa­nal ent­wi­ckelt.

Egal, ob so­zia­les Me­di­um oder nicht: Ein Drit­tel der Ju­gend­li­chen hält laut der JIM- Stu­die die Youtube-app auf dem Smart­pho­ne für un­ver­zicht­bar. Noch wich­ti­ger sei­en nur Snap­chat, Ins­ta­gram und Whatsapp.

Was gibt es noch?

Ju­gend­li­che nut­zen Twit­ter (9 Pro­zent), Pin­te­rest (6 Pro­zent), Tum­blr (4 Pro­zent) oder Goog­le Plus (3 Pro­zent) kaum.

Für ei­ne er­folg­rei­che Öf­fent­lich­keits­ar­beit von und für Ju­gend­feu­er­weh­ren be­deu­ten die For­schungs­er­geb­nis­se, dass ei­ne Prä­senz auf Ins­ta­gram we­sent­lich mehr Ju­gend­li­che er­reicht als auf Face­book. Image­fil­me und Feu­er­wehr Vi­de­os zur Mit­glie­der­wer­bung auf Youtube hin­ge­gen sind für die heu­ti­gen Ju­gend­li­chen nach wie vor re­le­vant.

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