Für Ein­sät­ze an ei­nem sonst

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text und Fo­tos: Mat­thi­as Köhl­brandt, Feu­er­wehr-ma­ga­zin-au­tor [5787]

nur schwer er­reich­ba­ren Bahn­damm hat die FF Hals­ten­bek (SH) ih­ren Rüst­wa­gen mit ei­nem Kran aus­stat­ten las­sen. Die­ser ver­fügt so­gar über ei­nen Ar­beits­korb für Stur­mein­sät­ze. Wir stel­len den Sca­nia mit Sch­ling­man­nAuf­bau vor.

Für Ein­sät­ze an ei­nem sonst nur schwer er­reich­ba­ren Bahn­damm hat die FF Hals­ten­bek (SH) ih­ren neu­en Rüst­wa­gen mit ei­nem Kran aus­stat­ten las­sen. Da­für steht so­gar ein Ar­beits­korb für Stur­mein­sät­ze zur Ver­fü­gung. Wir stel­len den Sca­nia mit Sch­ling­mann-auf­bau vor.

Zwi­schen fünf- und acht­mal im Jahr wer­den die Ka­me­ra­den der FF Hals­ten­bek (Kreis Pin­ne­berg, SH) zu Ein­sät­zen auf ei­nem Bahn­damm der Fern- und S-bahn ge­ru­fen. „Manch­mal müs­sen wir Men­schen ber­gen, die in sui­zi­da­ler Ab­sicht vor ei­nen Zug ge­sprun­gen sind. Oder wir müs­sen schwe­res Ge­rät auf die Glei­se brin­gen. Das war bis­lang nur sehr er­schwert mög­lich“, sagt Wehr­füh­rer Andre­as Ro­man. Bis zur In­dienst­stel­lung ih­res neu­en Rüst­wa­gens (Rw-kran) hieß das für die Hals­ten­be­ker näm­lich: Zu­erst in mü­he­vol­ler Ar­beit zu Fuß das Ge­rät durchs Ge­län­de schlep­pen. Und dann mit­tels Boh­len oder Steck­lei­ter­tei­len ei­nen Gr­a­ben über­que­ren und die Aus­rüs­tung per Mus­kel­kraft auf den Bahn­damm schaf­fen. „Ge­nau aus die­sem Grund war ein Rüst­wa­gen mit Kr­an­ein­rich­tung not­wen­dig“, be­tont der haupt­amt­li­che Ge­rät­wart Thors­ten Eh­lers und steu­ert mit der Fern­be­die­nung den bis auf 18 Me­ter aus­fahr­ba­ren Aus­le­ger zwi­schen den eng bei­ein­an­der ste­hen­den Bäu­men am Bahn­damm hin­durch.

„Das Auf­stel­len der Dreh­lei­ter ist in die­sem Be­reich nicht mög­lich, zu dicht sind Baum- und Busch­be­wuchs“, sagt Eh­lers. „Mit dem Kra­n­aus­le­ger und klei­nen Con­tai­nern kön­nen wir un­se­re Aus­rüs­tung nun schnell und un­kom­pli­ziert auf den Bahn­kör­per trans­por­tie­ren und Zeit ein­spa­ren“, be­tont der Ge­rä­te­wart.

Doch nicht nur für Ein­sät­ze am Bahn­damm ha­ben sich die Hals­ten­be­ker für die Kran-va­ri­an­te ent­schie­den. Bei Sturm­la­gen er­gänzt der neue RW die Dreh­lei­ter. Zum Fahr­zeug ge­hört ein Ar­beits­korb, der am

Kra­n­aus­le­ger be­fes­tigt wer­den kann. Die­ser ist für ei­ne Traglast von 200 Ki­lo­gramm kon­zi­piert. „Wenn un­se­re Dreh­lei­ter be­reits aus­ge­rückt ist und wei­te­re Ein­sät­ze an­fal­len, bei de­nen Sturm­schä­den in grö­ße­rer Hö­he be­sei­tigt wer­den müs­sen, dann kön­nen wir den Rw-kran schi­cken. Aus die­sem Ar­beits­korb her­aus kön­nen zwei Feu­er­wehr­leu­te in der Hö­he sä­gen“, macht der zwei­te haupt­amt­li­che Ge­rä­te­wart Ei­ke Harm deut­lich. Und er nennt gleich wei­te­re Vor­tei­le ei­nes Krans. „So­wohl bei der Si­che­rung und Ber­gung von Un­fall­fahr­zeu­gen als

auch beim He­ben von Ge­gen­stän­den aus der Tie­fe kann der Kran op­ti­mal ein­ge­setzt wer­den“, sagt Harm.

Schnell grü­nes Licht für die Kran-va­ri­an­te

Bis­lang wa­ren die Hals­ten­be­ker Ka­me­ra­den mit ei­nem RW 2 auf ei­nem Mer­ce­des 1222 mit Sch­ling­mann-auf­bau gut auf­ge­stellt. Doch das Fahr­zeug aus dem Jahr 1992 kam in die Jah­re und muss­te schließ­lich er­satz­be­schafft wer­den. Schon weit vor die­sem Mo­ment war Andre­as Ro­man tä­tig ge­wor­den und hat­te sich am Fahr­zeug- markt ei­nen Über­blick über ein Nach­fol­ge­mo­dell ver­schafft. „Uns war von An­fang an klar, dass der neue Rüst­wa­gen ei­nen Kran be­kom­men soll­te. Die­ses konn­ten wir auch den Ver­tre­tern aus Rat und Ver­wal­tung ver­mit­teln, die uns für die­ses Fahr­zeug schnell grü­nes Licht ga­ben“, freut sich Wehr­füh­rer Andre­as Ro­man über die gu­te Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Feu­er­wehr und Po­li­tik.

„Aber wir hat­ten Vor­ga­ben für das Fahr­ge­stell, so­wohl was die zu­läs­si­ge Ge­samt­mas­se als auch was das voll­au­to­ma­ti­sche Ge­trie­be an­ging. Da war re­la­tiv schnell klar, dass es ein Sca­nia wer­den wür­de. Die Schwe­den hat­ten als ein­zi­ger Her­stel­ler ein Fahr­ge­stell in der Ton­nen­klas­se bis 21.ooo Ki­lo­gramm zu­läs­si­ge Ge­samt­mas­se in Ver­bin­dung mit ei­nem Voll­au­to­ma­tik­ge­trie­be“, er­läu­tert Ro­man. Als Auf­bau­her­stel­ler wur­de die Fir­ma Sch­ling­mann aus Dis­sen (NW) fa­vo­ri­siert. Auch die an­de­ren Groß­fahr­zeu­ge ha­ben ei­nen Auf­bau der Fir­ma aus dem Teu­to­bur­ger Wald.

Als Fahr­ge­stell er­hiel­ten die Hals­ten­be­ker ei­nen Sca­nia G360 CB 4x4 HHA mit All­rad­an­trieb und ei­nem voll­au­to­ma­ti­schen Ge­trie­be von All­ison, Typ 4000 S. Das 8,25 Me­ter lan­ge Fahr­zeug ist 3,55 Me­ter hoch und be­sitzt ei­ne Leer­mas­se von 19,9 Ton­nen. So­mit blei­ben noch 1.500 Ki­lo­gramm für Be­sat­zung (1/2) und Be­la­dung.

Im Sch­ling­mann-auf­bau sind un­ter an­de­rem ein 30-kva-ge­ne­ra­tor so­wie zwei Schnellan­griffs­ein­rich­tun­gen für Strom und Druck­luft vor­han­den. An ei­ner aus­zieh­ba­ren Werk­bank kön­nen klei­ne­re Ar­bei­ten aus­ge­führt wer­den.

Den Heck­kran lie­fer­te Pal­fin­ger in der Ver­si­on P 18502 SH High Per­for­mance. Sein ma­xi­ma­les Hub­mo­ment be­trägt 17,6 Me­ter­ton­nen. Las­ten bis zu 6.200 Ki­lo­gramm kön­nen mit dem Kran ge­ho­ben wer­den. Bei ma­xi­ma­ler hy­drau­li­scher Aus­la­dung von

17 Me­tern be­trägt die Hu­blast im­mer noch 700 Ki­lo­gramm. Sein Ei­gen­ge­wicht be­trägt 1.890 Ki­lo­gramm.

Werk­zeu­ge al­le dop­pelt vor­han­den

Bei der Be­stel­lung der Aus­stat­tung ha­ben sich die Hals­ten­be­ker ei­ni­ge klei­ne Fi­nes­sen ein­fal­len las­sen. Der Te­kli­te-licht­mast be­sitzt im Un­ter­schied zu den her­kömm­li­chen Mas­ten nicht sechs oder acht Strah­ler, son­dern le­dig­lich zwei Led-strah­ler. Die­se sind aber in ih­rer Licht­leis­tung deut­lich hel­ler als acht kon­ven­tio­nel­le Led-strah­ler. „Hier ha­ben wir ei­ne Schein­wer­fer­tech­nik er­hal­ten, die ur­sprüng­lich für die ös­ter­rei­chi­sche und Schwei­zer Ar­mee ent­wi­ckelt wor­den ist“, sagt Ro­man.

Wei­ter sind al­le mo­tor­be­trie­be­nen Werk­zeu­ge nicht nur in ei­ner ka­bel­ge­bun­de­nen be­zie­hungs­wei­se in ei­ner Ver­si­on mit Ver- bren­nungs­mo­tor, son­dern auch in ei­ner Ak­ku­ver­si­on vor­han­den. „Das er­spart uns den Auf­bau ei­ner Strom­ver­sor­gung“, er­läu­tert Eh­lers. „Sei es ein Bohr­ham­mer, ein Trenn­schlei­fer oder ei­ne Bohr­ma­schi­ne, dank des Ak­ku­be­triebs ist die Vor­lauf­zeit kür­zer als bei her­kömm­li­chen Ge­rä­ten.“Was hin­ge­gen fehlt, ist die Aus­rüs­tung für die Öl- und Che­mie­wehr. „Die­se ha­ben wir be­wusst gar nicht erst auf dem RW vor­ge­se­hen, sie la­gert der­zeit auf un­se­rem Ge­rä­te­wa­gen Lo­gis­tik“, be­tont Ro­man. „Im kom­men­den Jahr be­schaf­fen wir ei­nen Ab­roll­be­häl­ter Ge­fahr­gut. Des­halb muss­te für die­ses Ma­te­ri­al kein Platz auf dem RW vor­ge­se­hen wer­den.“

Er und die Ka­me­ra­den sind mit dem neu­en Rüst­wa­gen voll zu­frie­den. Es ist das Fahr­zeug ge­wor­den, wel­ches sie ge­plant und kon­zi­piert ha­ben. „Mit dem neu­en RW sind wir gut ge­wapp­net für die Zu­kunft. Ge­ra­de die Ein­sät­ze an der Bahn­li­nie, aber auch vie­le an­de­re Ein­sät­ze, die mit Ber­gun­gen aus Hö­hen oder Tie­fen zu tun ha­ben, kön­nen nun deut­lich bes­ser und si­che­rer ab­ge­ar­bei­tet wer­den“, so Ro­man ab­schlie­ßend.

Die­sen Rw-kran auf Sca­nia G360 be­schaff­te die FF Hals­ten­bek. Das Fahr­zeug be­sitzt ei­nen Pal­fin­ger-la­de­kran P 18502 SH so­wie ei­nen Te­kli­te-licht­mast in Ar­meeAus­füh­rung. Sch­ling­mann fer­tig­te den Auf­bau. Der neue Rw-kran mit sei­nem Vor­gän­ger, ei­nem RW 2 von Sch­ling­mann auf Mer­ce­des 1222 aus dem Jahr 1992.

Die Fern­steue­rung für den Kran wird im Korb­be­trieb in ei­ner Hal­te­rung ge­la­gert. Dann kann der Korb­füh­rer von oben steu­ern.

Am En­de des Kran­arms sind zwei Auf­nah­men (Pfeil) an­ge­bracht. Sie ha­ken in den Bol­zen am Korb ein. Dann wird der Korb mit ei­nem wei­te­ren Bol­zen un­ten ge­si­chert.

Zwi­schen fünf und acht Ein­sät­ze im Jahr muss die Feu­er­wehr an hoch­ge­le­ge­nen Bahn­däm­men ab­sol­vie­ren. Wie hier sind die­se Ein­satz­stel­len meist schlecht zu­gäng­lich. Mit dem Kran kön­nen Ge­rä­te hin­auf und Ver­letz­te/to­te her­un­ter­trans­por­tiert wer­den.

Ei­ke Harm ent­nimmt den Plas­ma­schnei­der der Fir­ma Jäck­le aus dem Tie­f­raum von G3. Links da­ne­ben ist der 14-kva-strom­er­zeu­ger Ei­se­mann Cur­ve Su­per Si­lent ver­las­tet.

Der hy­drau­li­sche Ret­tungs­satz mit Sche­re, Sprei­zer so­wie fünf ver­schie­de­nen Ret­tungs­zy­lin­dern kommt von We­ber Res­cue.

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