Ganz ver­track­te La­ge: Lkw rast bei Den­ken­dorf (BW) in Bau­gru­be und droht in Schacht zu stür­zen

Auf der Au­to­bahn 8 bei Den­ken­dorf (BW) rast der Fah­rer ei­nes 40-Ton­ners un­ge­bremst in die Bau­stel­le ei­ner un­ter­ir­di­schen Röh­re des Bahn­pro­jekts „Stutt­gart 21“. Der Sat­tel­zug prallt ge­gen ei­ne Spund­wand und ver­keilt sich – mit dem Fah­rer­haus über ei­nem 10

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text: Nils San­der, Re­dak­ti­on Feu­er­wehr-ma­ga­zin [6381]

Ein 40-Ton­nen-sat­tel­zug ist in der Nacht auf den 3. Ja­nu­ar 2018 süd­lich von Stutt­gart auf der Au­to­bahn 8 Rich­tung Mün­chen un­ter­wegs. Auf der La­de­flä­che be­fin­den sich Zu­be­hör­tei­le für Kraft­fahr­zeu­ge. Et­wa auf Hö­he der Rast­stät­te Den­ken­dorf im gleich­na­mi­gen Ort (Kreis Ess­lin­gen) be­schreibt die Au­to­bahn zu die­sem Zeit­punkt ei­ne S-för­mi­ge Kur­ve. Grund für die Ver­le­gung der sonst an der Stel­le ge­ra­de ver­lau­fen­den Fahr­bahn ist ei­ne Bau­stel­le für die Tun-

nel­röh­re des Bahn­pro­jekts „Stutt­gart 21“. Der Ice-tun­nel kreuzt ge­nau an die­ser Stel­le un­ter­ir­disch die A8. Die Bau­stel­le bil­det da­bei den End­punkt des im Roh­bau fer­tig­ge­stell­ten Tun­nelt­rogs. Es ist et­wa 0.50 Uhr, als der Lkw-fah­rer auf die Links­kur­ve zu­kommt.

Doch an­statt der Fahr­bahn zu fol­gen, steu­ert er den Sat­tel­zug wei­ter ge­ra­de­aus. Die Zug­ma­schi­ne rauscht plötz­lich durch Warn­ba­ken, durch­bricht die Bau­stel­len­ab­sper­rung in Form ei­ner mas­si­ven Be­ton­schutz­wand und schleift ei­nen Bau­zaun mit sich. Dann über­fährt der Lkw ei­nen auf­ge­schüt­te­ten Sand­wall, rast ei­ne Bö­schung hin­un­ter in die Tun­nel-bau­gru­be und kracht schließ­lich fron­tal ge­gen ei­ne höl­zer­ne Spund­wand. Da­bei ver­keilt sich das Fah­rer­haus und bleibt – bis auf die Hin­ter­ach­se – über ei­nem 10 Me­ter tie­fen und of­fe­nen Bau­stel­len­schacht hän­gen.

Nach­dem Au­gen­zeu­gen ei­nen No­t­ruf ab­ge­setzt ha­ben, lässt die Leit­stel­le

Ess­lin­gen um 0.59 Uhr mit dem Stichwort „VU 02“Vol­lalarm bei den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren Ost­fil­dern und Neu­hau­sen aus­lö­sen, die die­sen Au­to­bahn­ab­schnitt ge­mein­sam be­treu­en.

Dar­auf­hin rückt der ge­mein­sa­me Rüst­zug, be­ste­hend aus Hil­fe­leis­tungs-lösch­grup­pen­fahr­zeug (HLF) 20 und Ein­satz­leit­wa­gen (ELW) 1 der FF Neu­hau­sen so­wie Rüst­wa­gen (RW) 2, Tank­lösch­fahr­zeug (TLF) 16/25 und Mann­schafts­trans­port­wa­gen (MTW) mit Ab­tei­lungs­kom­man­dant Alex­an­der En­gel­fried der Ost­fil­der­ner Ab­tei­lung Nel­lin­gen, aus. Zu­dem wird der Kom­man­dant der FF Ost­fil­dern, Ger­hard Ha­n­ekamm, alar­miert, der mit ei­nem Kom­man­do­wa­gen (Kdow) zur Ein­satz­stel­le fährt.

Be­un­ru­hi­gen­de Stil­le

Ge­gen 1.05 Uhr tref­fen die Ein­hei­ten aus Nel­lin­gen und Neu­hau­sen an der Ein­satz­stel­le ein. Auf dem ELW 1 sitzt Frank Bay­er, stell­ver­tre­ten­der Kom­man­dant der FF Neu­hau­sen und Lei­ter der Hö­hen­ret­tung. Er ist als Zug­füh­rer ein­ge­setzt: „Bei der An­fahrt sah zu­nächst al­les sehr chao­tisch aus – durch die über­all ab­ge­ris­se­nen Tei­le der Ab­sper­run­gen“, er­in­nert er sich. „Aber gleich­zei­tig war es sehr ru­hig. Wir wuss­ten ei­gent­lich so­fort, dass das kein ty­pi­scher Ein­satz ist und es nicht schnell ab­ge­ar­bei­tet sein wird.“

Nach ei­ner ers­ten ge­mein­sa­men Er­kun­dung der bei­den Zug­füh­rer Bay­er und En­gel­fried wird deut­lich: Die Zug­ma­schi­ne ist nach un­ten ge­neigt ge­gen die Spund­wand ge­prallt, wo­durch die Fahr­zeug­front le­dig­lich an der Ober­sei­te stark ein­ge­drückt wur­de. Auf der Fah­rer­sei­te ist es zir­ka ein hal­ber Me­ter bis zu ei­ner hoch auf­ra­gen­den Spund­wand. Bei­fah­rer­sei­tig steht ein Trep­pen­ge­rüst in et­wa ei­nem Me­ter Ent­fer­nung zur Fahr­zeug­tür. Wäh­rend die Vor­der­ach­se der Zug­ma­schi­ne in der Luft hängt, lie­gen die Hin­ter­rä­der noch auf der Kan­te zum Schacht. Die Zug­ma­schi­ne stürzt nur des­we­gen nicht wei­ter in die Gru­be, weil ihr Chas­sis im Holz­ver­bau ver­keilt ist. Au­ßer­dem ist die Ver­bin­dung zum Sat­tel­auf­lie­ger noch in­takt, des­sen Rä­der sich in den san­di­gen Bo­den der Bau­stel­le ge­gra­ben ha­ben. Zu dem Fah­rer be­steht kein Sicht­kon­takt und auf An­spra­che re­agiert er auch nicht.

„Durch die La­ge über dem tie­fen Schacht la­gen für mich die Prio­ri­tä­ten dar­auf, zu­nächst die Ein­satz­stel­le ab­zu­si­chern und zu be­leuch­ten, so­dass nie­mand rein­stür­zen kann“, so der Neu­hau­se­ner Zug­füh­rer. Nach Ab­spra­che mit Ab­tei­lungs­kom­man­dant En­gel­fried wer­den da­her die Dreh­lei­ter (DLAK) 23/12 der Ost­fil­der­ner Ab­tei­lung Ruit so­wie der Feu­er­wehr­kran (FWK) der Werk­feu­er­wehr (WF) Flug­ha­fen Stutt­gart an­ge­for­dert.

„Es wird ei­ne Ret­tung“

Rund 5 Mi­nu­ten spä­ter tref­fen Ret­tungs­dienst und Not­arzt so­wie Kom­man­dant Ha­n­ekamm ein, der die Ein­satz­lei­tung über­nimmt. „Gleich­zei­tig hör­ten wir plötz­lich ei­ne Stim­me aus der Fah­rer­ka­bi­ne“, er­in­nert sich Bay­er. „Erst da wuss­ten wir: Es wird ei­ne Ret­tung und kei­ne Ber­gung. Das war ei­ne un­heim­li­che Er­leich­te­rung für al­le.“

„Der Fah­rer war un­heim­lich ge­fasst“, er­in­nert sich Ha­n­ekamm. Doch schnell stellt sich her­aus: Der 40-Jäh­ri­ge ist ein­ge­klemmt. Um mit dem Pa­ti­en­ten spre­chen zu kön­nen, lässt sich der Not­arzt des­sen Han­dy­num­mer ge­ben und bleibt fort­an in stän­di­gem Kon­takt.

In ei­ner ers­ten Maß­nah­me si­chern die Kräf­te den Sat­tel­auf­lie­ger mit der Seil­win­de des Rüst­wa­gens ge­gen wei­te­res Ab­rut­schen. „Das war sinn­voll, weil der Auf­lie­ger noch mit der Zug­ma­schi­ne ver­bun­den war und wir so ei­ne un­nö­ti­ge Ge­fähr­dung der Kräf­te ver­mei­den konn­ten“, sagt Ha­n­ekamm. Wäh­rend die DLAK und der FWK zur Ein­satz­stel­le fah­ren, wird zu­dem die Hö­hen­ret­tungs­grup­pe aus Neu­hau­sen im Feu­er­wehr­haus in Be­reit­stel­lung ge­setzt.

Ha­n­ekamm: „Wir ha­ben die DLAK auf der süd­li­chen Bau­stel­len­sei­te auf­ge­stellt. Dort bot sich durch den al­ten Stre­cken­ver­lauf der Au­to­bahn ei­ne gu­te Auf­stell­flä­che und wir hat­ten die Hoff­nung, mit Hil­fe des ab­win­kel­ba­ren Korbarms zum Fah­rer ge­lan­gen zu kön­nen.“

Der Feu­er­wehr­kran be­zieht an­schlie­ßend auf der Nord­sei­te Stel­lung. Mit ei­ner am Kran be­fes­tig­ten Ket­te si­chern die Ein­satz­kräf­te nun auch die Zug­ma­schi­ne. Da­für klet­tern sie das Bau­stel­len­ge­rüst her­ab. „Von dort konn- ten wir mit Ein­reiß­ha­ken die Ket­te schnap­pen, un­ter der Vor­der­ach­se hin­durch­zie­hen und wie­der ein­ha­ken“, er­zählt der Neu­hau­se­ner Kom­man­dant Tho­mas Ernst.

Zu­gang ist nicht mög­lich

Als die Zug­ma­schi­ne am FWK hängt, gibt der Ma­schi­nist leicht Zug nach oben. „Zum An­he­ben war der Lkw aber zu schwer“, er­klärt Ein­satz­lei­ter Ha­n­ekamm. „Der Kran der Flug­ha­fen­feu­er­wehr ist nur zur Ber­gung von Klein­flug­zeu­gen ge­dacht.“

„Wir ha­ben nach der Si­che­rung ver­sucht, mit der Dreh­lei­ter an den Fah­rer her­an­zu­kom­men“, be­schreibt Ha­n­ekamm das wei­te­re Vor­ge­hen. Durch die auf der Bei­fah­rer­sei­te noch in­tak­te Leit­plan­ke kann der Ma­schi­nist den Korb je­doch nicht aus­rei­chend ab­sen­ken. Die Ein­satz­lei­tung be­spricht sich und än­dert die Tak­tik. Ge­gen 1.30 Uhr lässt Ha­n­ekamm die Hö­hen­ret­tung so­wie ein Schwer­last-ber­ge­fahr­zeug und ei­nen Kran

des Ab­schlepp­un­ter­neh­mens Gross an­for­dern. Da die Kräf­te nicht wis­sen, wie lan­ge der Ein­satz noch dau­ern wird, las­sen sie zu­dem ei­ne Ver­sor­gungs­ein­heit des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes (DRK) aus Siel­min­gen alar­mie­ren.

„Wäh­rend­des­sen ha­ben wir ver­sucht, Ver­stre­bun­gen des Bau­werks ab­zu­fle­xen, um even­tu­ell doch noch mit der Dreh­lei­ter her­an­zu­kom­men. Doch auch das hät­te wahr­schein­lich nicht ge­reicht und wir ha­ben es schließ­lich ab­ge­bro­chen“, fügt Ha­n­ekamm hin­zu. Gleich­zei­tig pro­bie­ren die Feu­er­wehr­leu­te noch, Holz­boh­len vom Bau­ge­rüst zur Bei­fah­rer­tür zu le­gen. „Das Gan­ze ge­stal­te­te sich aber als zu wa­cke­lig und schief“, so Ernst.

Hö­hen­ret­ter rei­chen dem Fah­rer Was­ser

Als die Hö­hen­ret­ter aus Neu­hau­sen ein­tref­fen, wer­den zwei Ein­satz­ab­schnit­te ge­bil­det. Der ers­te ist für die Si­che­rung des Ge­spanns so­wie Lo­gis­tik zu­stän­dig und wird von Ernst über­nom­men. Den zwei­ten Ab­schnitt „Ret­tung“über­nimmt En­gel­fried. Ihm un­ter­ste­hen un­ter an­de­rem die Hö­hen­ret­ter. „Nach Ab­spra­che mit dem Ab­schnitts­füh­rer und dem Grup­pen­füh­rer der Dreh­lei­ter ha­ben wir ent­schie­den, die DLAK als An­schlag­punkt zu neh­men“, sagt Hö­hen­ret­tungs­lei­ter Frank Bay­er. „Der Plan war, uns von dort ab­zu­sei­len und durch die Bei­fah­rer­tür an den Lkw-fah­rer zu ge­lan­gen.“

Au­ßer­dem nut­zen die Ein­satz­kräf­te den An­schlag­punkt, um über ei­ne Um­len­kung schwe­res Ge­rät her­un­ter­las­sen zu kön­nen.

„Nach­dem wir am Lei­ter­park her­un­ter­ge­las­sen wur­den, ha­ben wir als Ers­tes ver­sucht, durch das Bei­fah­rer­fens­ter zum Fah­rer durch­zu­kom­men“, er­klärt Bay­er. „Wir pass­ten zwar durchs Fens­ter, aber in der Mit­te war das Fah­rer­haus so stark ein­ge­drückt, dass der Fah­rer da­hin­ter ver­bor­gen war.“Um bes­ser arbeiten zu kön­nen, sprei­zen die Kräf­te die Bei­fah­rer­tür auf.

Schließ­lich kön­nen die Hö­hen­ret­ter den Fah­rer be­rüh­ren. „Als wir mit ihm ge­spro­chen ha­ben, mein­te der Mann, dass er schlecht Luft krie­ge, weil der Gurt ihm ins Be­cken drückt. Al­so ha­ben wir ihm ein Gurt­mes­ser durch­ge­reicht und au­ßer­dem ei­ne Fla­sche Was­ser. Der Fah­rer hat es of­fen­bar ge­schafft, den Gurt zu durch­tren­nen. Er wirk­te näm­lich plötz­lich deut­lich red­se­li­ger“, ver­rät der stell­ver­tre­ten­de Kom­man­dant. „Aber es wur­de eben­falls deut­lich, dass wir ihn von dort aus frei hän­gend nicht mit un­se­ren Mit­teln ret­ten kön­nen.“Die Feu­er­wehr­leu­te be­schrän­ken sich da­her auf die Be­treu­ung des Man­nes. Ha­n­ekamm: „Wir wuss­ten spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt, dass wir den Lkw von der Spund­wand zie­hen müs­sen, um den Fah­rer ent­klem­men zu kön­nen.“

Ers­ter Ver­such schlägt fehl

Kurz dar­auf trifft ein Mas­ter­lift Schwer­last-ber­ge­fahr­zeug ein. Nach­dem der Fah­rer des Pri­vat­un­ter­neh­mens die­ses in Stel­lung ge­bracht hat, be­fes­ti­gen die Ein­satz­kräf­te zu­sätz­li­che He­be­bän­der am Sat­tel­auf­lie­ger. Als die Ver­bin­dung zwi­schen He­be­bän­dern und der Seil­win­de des Ber­ge­fahr­zeugs steht, kann der Rüst­wa­gen aus der Si­che­rung her­aus­ge­löst wer­den.

Im An­schluss un­ter­neh­men die Kräf­te ei­nen ers­ten Ver­such, den Lkw aus der Bau­stel­le zu zie­hen. Da­zu arbeiten die Be­sat­zun­gen des Mas­ter­lifts und des Feu­er- wehr­krans zu­sam­men. Lang­sam er­hö­hen die Fahr­zeu­ge ih­ren Zug und es ge­lingt tat­säch­lich, den Sat­tel­zug we­ni­ge Zen­ti­me­ter von der Spund­wand zu zie­hen. Doch die Zug­ma­schi­ne ist zu stark nach un­ten ge­neigt und bleibt hän­gen. Mit zu­neh­men­dem Zug ge­rät da­durch das Ber­ge­fahr­zeug ins Rut­schen. Der Ein­satz­lei­ter bricht die Maß­nah­me ab. Da­mit es beim nächs­ten An­lauf nicht er­neut zu ei­nem Ab­rut­schen kommt, be­fes­ti­gen die Ein­satz­kräf­te das Ber­ge­fahr­zeug an ei­nem TLF, wel­ches wie­der­um mit an­ge­zo­ge­ner Hand­brem­se und Un­ter­leg­kei­len ge­si­chert ist.

Um et­wa 3.20 Uhr trifft der Kran an der Ein­satz­stel­le ein und be­zieht auf der al­ten Fahr­bahn an der Süd­sei­te Stel­lung. „Mitt­ler­wei­le war es ganz schön win­dig ge­wor­den, so­dass uns ein zwi­schen­durch an­ge­for­der­ter Ret­tungs­hub­schrau­ber ab­sag­te“, so Kom­man­dant Ha­n­ekamm. „Nach­dem die Zug­ma­schi­ne durch die zwei Krä­ne so­wie den Mas­ter­lift ge­si­chert war, konn­ten wir re­la­tiv ru­hig über­le­gen, wie wir ihn dort her­aus­be­kom­men. Da­bei muss­ten wir stets den Wind mit ein­kal­ku­lie­ren.“

Wäh­rend die Ein­satz­lei­tung sich be­rät, wird die Dreh­lei­ter mit ei­ner Groß­flä­chen­leuch­te be­stückt, um die Sicht auf die Un­fall­stel­le zu ver­bes­sern. In­zwi­schen ha­ben die Ein­satz­kräf­te al­le In­struk­tio­nen er­hal­ten und war­ten auf das Si­gnal von Ha­n­ekamm.

Ret­tung mit Fin­ger­spit­zen­ge­fühl

Bei­de Kr­an­fah­rer be­gin­nen dar­auf­hin, die Zug­ma­schi­ne Zen­ti­me­ter für Zen­ti­me­ter an­zu­he­ben. „Die Kr­an­fah­rer ha­ben mit ex­trem viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ge­ar­bei­tet“, er­in­nert sich Ernst. „Und die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Pri­vat­un­ter­neh­men und der Feu­er­wehr hat sehr gut funk­tio­niert.“Nach­dem die Zug­ma­schi­ne in ei­ner Ho­ri­zon­ta­le zum Auf­lie­ger steht, holt auch das Schwer­last-ber­ge­fahr­zeug sei­ne Win­de ein. Wäh­rend die Kra­n­aus­le­ger sich gleich­mä­ßig mit­be­we­gen, schleift das Ge­spann auf dem Sand­bo­den rück­wärts aus der Gru­be. Als bei­de Ach­sen der Zug­ma­schi­ne wie­der auf fes­tem Bo­den ste­hen und ge­nü­gend Platz zwi­schen Schacht und Fahr­zeug­front ist, lässt Ha­n­ekamm die Ber­ge­win­de stop­pen.

„Von da an war es dann ei­ne mehr oder we­ni­ger ge­wöhn­li­che Lkw-ret­tung“, so der Ein­satz­lei­ter. Die Feu­er­wehr­kräf­te si­chern als ers­tes den Schacht ab. Dann stel­len sie ei­ne Ret­tungs­platt­form auf und öff­nen die Fah­rer­tür. „Wir ha­ben da­bei Ret­tungs­zy­lin­der zwi­schen A- und B-säu­le ein­ge­setzt und das Ar­ma­tu­ren­brett nach vor­ne ge­scho­ben“, be­rich­tet der Ost­fil­der­ner Kom­man­dant. „Der Pa­ti­ent schien äu­ßer­lich nicht le­bens­be­droh­lich ver­letzt. Mit ei­ner Schau­fel­t­ra­ge ha­ben wir ihn aus der Fah­rer­ka­bi­ne ge­ret­tet, den Ab­hang hoch­ge­tra­gen und um 4.25 Uhr dem Ret­tungs­dienst über­ge­ben. Die gan­ze tech­ni­sche Ret­tung hat et­wa 30 Mi­nu­ten ge­dau­ert.“

Doch der Ein­satz ist noch nicht vor­über. Da Be­triebs­stof­fe auf den ge­wäs­ser­ten Grund des Bau­stel­len­schachts ge­langt sind, lässt Ha­n­ekamm ge­gen 5.30 Uhr die FF Den­ken­dorf mit ELW, Ge­rä­te­wa­gen Trans­port (GW-T) und HLF 20 alar­mie­ren. Die Den­ken­dor­fer bin­den nach ih­rem Ein­tref­fen das Öl-was­ser-ge­misch so­wie Mo­tor­öl und Die­sel­kraft­stoff des Lkw mit Öl­bin­de­mit­tel. Ein Spe­zi­al­un­ter­neh­men wird an­ge­for­dert und nimmt das ver­un­rei­nig­te Was­ser mit ei­nem Saug­wa­gen auf. Erst um 6.55 Uhr wird die Ein­satz­stel­le an die Po­li­zei über­ge­ben. Ge­gen 8.30 Uhr sind auch die letz­ten Auf­räum­ar­bei­ten er­le­digt.

„Die­ser Ein­satz hat uns ge­zeigt, wie wich­tig es ist, so­fort Spe­zi­al­kräf­te hin­zu­zu­zie­hen und in je­dem Fall die Ru­he zu be­wah­ren“, re­sü­miert Ein­satz­lei­ter Ha­n­ekamm. „Das war au­ßer­dem die auf­wen­digs­te Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung, an die ich mich er­in­nern kann.“

Fo­to: 7ak­tu­ell/ado­mat

Enor­me Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung: Ein Sat­tel­schlep­per ist na­he­zu un­ge­bremst in die Bau­stel­le ei­ner Tun­nel­röh­re auf der A8 bei Stutt­gart ge­rast. Über ei­nem 10 Me­ter tie­fen Schacht blieb die Zug­ma­schi­ne hän­gen. Die Ret­tung des ein­ge­klemm­ten Fah­rers so­wie die an­schlie­ßen­de Ber­gung des Sat­tel­schlep­pers ver­langt den Ret­tungs­kräf­ten al­les ab.

Fo­to: SDMG/KOHLS

Mit ei­ner am Kran be­fes­tig­ten Ket­te und dar­an hän­gen­den He­be­bän­dern si­chern die Ein­satz­kräf­te die Zug­ma­schi­ne. Da­für klet­tern sie das Bau­stel­len­ge­rüst hin­ab und füh­ren die Bän­der mit Ein­reiß­ha­ken un­ter der Vor­der­ach­se hin­durch. Durch ein Schwer­last-ber­ge­fahr­zeug der Fir­ma Gross wird der Sat­tel­auf­lie­ger zu­sätz­lich ab­ge­si­chert. Ein ers­ter Ver­such, den Lkw da­mit aus der Bau­stel­le zu zie­hen, schlägt al­ler­dings fehl.

Um mit der Dreh­lei­ter zum Fah­rer zu ge­lan­gen, trennt die Feu­er­wehr Ver­stre­bun­gen des Bau­werks ab (klei­nes Bild). Doch selbst mit dem ab­win­kel­ba­ren Korbarm kom­men sie nicht an die Bei­fah­rer­tür her­an.

Fo­to: SDMG/KOHLS

Die Hö­hen­ret­ter schaf­fen es, an der Dreh­lei­ter hän­gend durch das Bei­fah­rer­fens­ter zu ge­lan­gen. Sie neh­men Kon­takt zum Lkw-fah­rer auf. Se­hen kön­nen sie ihn aber im­mer noch nicht.

Fo­to: 7ak­tu­ell/ado­mat

Weil ein di­rek­ter Zu­gang vom Korb der Dreh­lei­ter aus nicht mög­lich ist,be­rei­ten sich die Hö­hen­ret­ter der FF Neu­hau­sen vor.

Fo­to: SDMG/KOHLS

Erst durch den ge­mein­sa­men Ein­satz ei­nes zu­sätz­li­chen Krans so­wie des FWK und des Ber­ge­fahr­zeugs ge­lingt es, den Sat­tel­zug wie­der auf si­che­ren Grund zu stel­len.

Bei Ein­tref­fen der Feu­er­wehr (links) hängt die Zug­ma­schi­ne bis zur Hin­ter­ach­se über dem Schacht. Ers­te Maß­nah­men ver­hin­dern ein Ab­rut­schen. Nach dem Zu­rück­zie­hen (rechts) wird deut­lich, wie stark das Fah­rer­haus ein­ge­drückt ist.

Als die Ein­satz­kräf­te si­cher vor der Zug­ma­schi­ne agie­ren konn­ten, dau­ert die tech­ni­sche Ret­tung nur et­wa 30 Mi­nu­ten. Mit­tels Ret­tungs­zy­lin­der drückt die Feu­er­wehr die Ka­bi­ne auf und be­freit den Fah­rer.

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