Ca­lan­da-ge­bir­ge (CH): Wald­brand­übung vor his­to­ri­schem Hin­ter­grund

Feuerwehr-Magazin - - Inhalt - Text und Fo­tos: Hei­no Schüt­te

Im Au­gust 1943 ver­brann­ten am Ca­lan­da-ge­bir­ge in der Schweiz 477 Hekt­ar Wald. 30 Hel­fer ver­letz­ten sich bei dem Ein­satz schwer. Seit­dem ist viel pas­siert. Die Aus­rüs­tung wird re­gel­mä­ßig über­prüft und er­gänzt, die Ein­satz­tak­tik den Ge­ge­ben­hei­ten an­ge­passt und es fin­den al­le 5 Jah­re Groß­übun­gen statt.

Wie eng ver­zahnt die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der Be­triebs­feu­er­wehr der Schwei­zer Ar­mee und den zi­vi­len Brand- und Ka­ta­stro­phen­schüt­zern funk­tio­niert, zeig­te in die­sem Som­mer ei­ne Wald­bran­dGroß­übung bei Chur. Das Ge­biet an den ex­trem stei­len Hän­gen des Ca­lan­da-ge­birgs­mas­sivs war hier­für von Ma­jor Tho­mas Brüg­ger, Lei­ter der Bee­triebs­feu­er­wehr des Ar­mee­lo­gis­tik­cen­ters Hin­wil, und den Kom­man­dan­ten der um­lie­gen­den Feu­er­weh­ren be­wusst aus­ge­wählt wor­den. Im Au­gust 1943 wü­te­te am Ca­lan­da der bis­lang größ­te in der Schweiz do­ku­men­tier­te Wald­brand. 477 Hekt­ar Wald wur­den ver­nich­tet.

Die Ka­ta­stro­phe hat­te am 20. Au­gust bei Schieß­übun­gen mit Leucht­spur­mu­ni­ti­on auf dem Waf­fen­platz der Schwei­zer Ar­mee am Fu­ße des Ge­birgs­mas­sivs be­gon­nen. Erst nach gut 7 Wo­chen konn­ten die Lösch­ar­bei­ten voll­stän­dig ab­ge­schlos­sen wer­den. 3.500 Feu­er­wehr­leu­te und Sol­da­ten wa­ren mit 100 Pfer­den im Ein­satz. 30 Hel­fer wur­den schwer ver­letzt, zum Teil durch St­ein­schlag.

Da­mit sich am Schieß­platz Ca­lan­da ei­ne sol­che Ka­ta­stro­phe nicht wie­der­holt, wur­de am Steil­hang ei­ne Brand­mau­er er­rich­tet. Zu­dem sind im obe­ren Be­reich des Berg­mas­sivs acht Re­ser­voirs mit ins­ge­samt 1.600 Ku­bik­me­ter Lösch­was­ser ge­baut wor­den, da­zu Ma­te­ri­al­de­pots. In en­ger Zu­sam­men­ar­beit der Ar­mee­feu­er­wehr und des zi­vi­len Feu­er­wehr­korps von Chur set­zen die Brand­schüt­zer auf schnel­le In­ter­ven­ti­ons­fahr­zeu­ge, um Ve­ge­ta­ti­ons­brän­de be­reits in ih­rer Ent­ste­hungs­pha­se be­kämp­fen zu kön­nen. Ei­ne Son­der­an­fer­ti­gung für den weit­läu­fi­gen Waf­fen­und Übungs­platz Ca­lan­da bei Chur ist ein Steyr Puch 230 4x4, den die Mi­li­tär­feu­er­wehr ein­setzt. Er führt Ma­te­ri­al (ver­gleich­bar mit ei­nem deut­schen Trag­krafts­prit­zen­fahr­zeug) mit und kann schnell auf den sch­ma­len und stei­len Pfa­den vor­wärts kom­men.

Vor­aus­lösch­fahr­zeug auf Ya­ma­ha Rhi­no 4x4

Die Feu­er­wehr Chur setzt bei der Wald­brand-erst­in­ter­ven­ti­on auf ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Flit­zer: ein Vor­aus­lösch­fahr­zeug (VLF) auf Ya­ma­ha Rhi­no 4x4. Mit Hoch­druck­lösch­an­la­ge und ei­nem 200-Li­ter-lösch­was­ser­tank konn­te der flot­te Lösch- und Klet­terzwerg mit sei­ner zwei­köp­fi­gen Be­sat­zung schon man­chen Ent­ste­hungs­brand in den un­weg­sa­men Wald­ge­bie­ten er­folg­reich be­kämp­fen. Auch in der en­gen Alt­stadt wird er ein­ge­setzt. Soll­te sich der Rhi­no im Ge­län­de mal fest­ge­fah­ren ha­ben, kann er sich mit­tels ein­ge­bau­ter Seil­win­de selbst be­frei­en.

Au­ßer­ge­wöhn­lich ist die Un­ter­brin­gung der Be­triebs­feu­er­wehr des ALC Hin­wil am Stand­ort Chur. Als Fahr­zeug- und Ge­rä­te­hal­le dient ei­ne his­to­ri­sche Reit­hal­le im ört­li­chen Mi­li­tär­de­pot Ar­mee­lo­gis­tik­cen­ter Hin­wil, Au­ßen­stel­le Chur der LBA (Lo­gis­tik­ba­sis der Ar­mee). In die­ser Ka­ser­ne spielt sich be­reits am Vor­tag der Groß­übung die­se Schwei­zer Be­son­der­heit ab: Kräf­te der um­lie­gen­den kom­mu­na­len Feu­er­weh­ren über­neh­men aus den Ar­mee­be­stän­den Fahr­zeu­ge für den Ge­birgs­ein­satz. Weil die Fah­rer fast al­le im Mi­liz­sys­tem der Schwei­zer Ar­mee zu Hau­se sind, sind ih­nen auch die Fahr­zeu­ge ver­traut.

„Die Ein­satz­ein­hei­ten aus Chur, Do­mat Ems, Fels­berg und der Ar­mee-be­triebs­feu­er­wehr sind auch mit den Ge­län­de­wa­gen auf den sch­ma­len und kur­ven­rei­chen Pfa­den un­ter­wegs, ehe sie ein po­ten­zi­el­les In­ter­ven­ti­ons­ge­biet oder ei­nes der Lösch­de­pots mit Was­ser­re­ser­voir er­rei­chen“, er­klärt Tho­mas Brüg­ger.

Zur prak­ti­schen Wald­brand­übung ge­hört ei­ne theo­re­ti­sche Un­ter­wei­sung. Grup­pen­wei­se ver­sam­meln sich da­zu am Mor­gen die Ein­satz­kräf­te in ei­nem Wald­stück um Förs­ter Mar­tin Lus­ten­ber­ger. Hier hat es vor kur­zem tat­säch­lich ge­brannt. Ein idea­les An­schau­ungs­ob­jekt, um den Ver­lauf ei­nes sol­chen Ve­ge­ta­ti­ons­bran­des vor Au­gen zu füh­ren. Zur An­spra­che des fürs Ca­land­aGe­biet zu­stän­di­gen Forst­man­nes ge­hört der Hin­weis: „Die drei bes­ten Lösch­mit­tel zur Be­kämp­fung ei­nes Wald­bran­des sind ers­tens Was­ser, zwei­tens Was­ser und drit­tens Was­ser.“Ge­zeigt wird aber auch, wie wich­tig die me­cha­ni­schen Ge­rät­schaf­ten sind. Die­se wer­den gleich­falls in den Lösch­de­pots am Berg oder auch auf den Fahr­zeu­gen und An­hän­gern der Ar­mee­feu­er­wehr mit­ge­führt: Sä­gen, Ha­cken, Pat­schen und Lösch­was­ser­ruck­sä­cke. Das be­deu­tet: schweiß­trei­ben­de Hand-

ar­beit an meist stei­len Hän­gen, um an so ge­nann­te Erd- oder Bo­den­feu­er her­an­zu­kom­men. Sol­che Brän­de, warnt der Förs­ter, könn­ten bei ge­rin­ger Rauch­ent­wick­lung ganz heim­tü­ckisch wo­chen­lang glim­men und schwe­len, um dann wie­der zu ei­nem of­fe­nen Feu­er zu wer­den.

Beim mas­si­ven Lösch­an­griff kom­men im Lau­fe des prak­ti­schen Übungs­teils be­son­ders die Fä­hig­kei­ten der Be­triebs­feu­er­wehr des Ar­mee­lo­gis­tik­cen­ters Hin­wil mit sei­nen in Chur und Mels sta­tio­nier­ten Pi­ketts ins Spiel. Ein­drucks­voll ist al­lei­ne schon die ki­lo­me­ter­lan­ge Lösch­was­ser­för­de­rung aus dem Rhein. Mit Unimog-hil­fe wer­den die An­hän­ger-lösch­was­ser­pum­pen (Lö­pu) 4000 ans Ufer bug­siert. Schlauch­ver­le­ge­fahr­zeu­ge MAN TGM 26.420, Mer­ce­des SK 26 2638 und Mi­li­tär-lkw Bu­cher Du­ro sind al­le­samt mit A-schlauch­ma­te­ri­al (Trans­port­schlauch Durch­mes­ser 110 mm) be­la­den. Im Lauf­tem­po wer­den die Schläu­che von den Has­peln ab­ge­rollt. Die mas­si­ve Lösch­was­ser­för­de­rung en­det an mit­ge­führ­ten, bis zu 50 Ku­bik­me­ter fas­sen­den Was­ser­be­häl­tern, an de­nen nun auch klei­ne­re Pum­pen zum Ein­satz kom­men. Ent­we­der wer­den dar­aus Tank­lösch­fahr­zeu­ge oder gleich die Was­ser­wer­fer der Be­triebs­feu­er­wehr ver­sorgt. Die­se schleu­dern je­weils bis zu 6.000 Li­ter Was­ser in der Mi­nu­te 100 Me­ter weit oder auch hoch in Berg­wäl­der hin­ein.

Un­ter­stüt­zung aus der Luft durch die Su­per Pu­ma

Die Kö­nigs­klas­se bei den Ein­satz­mit­teln der Brand­be­kämp­fer des Ar­mee­lo­gis­tik­cen­ters ist die Mo­bi­li­sie­rung der Luft­waf­fen-he­lis vom Typ Su­per Pu­ma. De­ren Be­sat­zun­gen so­wie die spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Flug­hel­fer der Feu­er­wehr am Bo­den sind ein ein­ge­spiel­tes Team. Ma­jor Tho­mas Brüg­ger und die an­de­ren be­tei­lig­ten Kom­man­dan­ten kön­nen die Ein­satz­lei­tung auch mal kurz in ei­nen sol­chen Hub­schrau­ber ver­le­gen, um sich aus der Ad­ler­per­spek­ti­ve ei­nen Über­blick des weit­läu­fi­gen Ein­satz­ge­sche­hens zu ver­schaf­fen.

Die He­li-haupt­auf­ga­be aber ist: Brand­be­kämp­fung aus der Luft. Hier­zu ste­hen Au­ßen­last­be­häl­ter mit ei­nem Fas­sungs­ver­mö­gen von bis zu 2.500 Li­tern zur Ver­fü­gung. Brüg­ger er­klärt: „Die Füll­men­ge ist va­ria­bel, kann aber bei Ei­nät­zen in gro­ßen Hö­hen nicht voll aus­ge­reizt wer­den.“Der Grund sei die ab­neh­men­de Luft­dich­te, was Ein­schrän­kun­gen bei der Leis­tungs­fä­hig­keit der Su­per Pu­ma be­deu­tet. Punkt- und Flä­chen­ab­wür­fe sind mög­lich, wo­bei er­fah­rungs­ge­mäß ein Ab­reg­nen in ei­nem lang­ge­streck­ten Kor­ri­dor ef­fek­ti­ver er­scheint. Die Pi­lo­ten ver­har­ren beim Was­ser­ab­wurf nur un­gern im Schwe­be­flug, weil dann be­dingt durch den Wind­druck der Ro­tor­blät­ter (Down­wa­sh) das Was­ser in al­le Him­mels­rich­tun­gen zer­stäubt. An­ge­sichts die­ser ef­fek­ti­ven Ein­satz­mit­tel zei­gen sich Ma­jor Tho­mas Brüg­ger und sei­ne Mit­strei­ter zu­ver­sicht­lich, dass sich ein sol­ches Er­eig­nis wie beim Groß­brand im Jah­re 1943 heu­te nicht wie­der­ho­len wür­de.

Bei ei­ner gro­ßen Wald­brand­übung am Ca­lan­da-ge­birgs­mas­siv na­he Chur trai­nier­te die Ar­mee-be­triebs­feu­er­wehr ge­mein­sam mit den zi­vi­len Feu­er­weh­ren aus der Um­ge­bung. Die Trupps kämpf­ten auch mit dem ex­trem stei­len Ge­län­de. An den be­wal­de­ten Berg­hän­gen be­fin­den sich et­li­che Lösch­was­ser­re­ser­voirs. Dort kön­nen nicht nur die Pum­pen in Stel­lung ge­bracht wer­den, son­dern auch die Lösch­was­ser­ruck­sä­cke auf­ge­füllt wer­den.

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