Frau­en­por­träts

Tanja We­sel fo­kus­siert am liebs­ten auf De­tails. Mal sind es die Au­gen, dann ist es der weib­li­che Kör­per oder auch ei­ne ein­zel­ne Frau in wei­ter Land­schaft, der den Blick fast ma­gisch an­zieht. Ih­re Shoo­tings be­rei­tet sie ge­zielt vor, lässt sich beim Fo­to­gra

fotocommunity Magazin - - Inhalt - Al­le Fo­tos: Tanja We­sel

„Blick­kon­takt“von Tanja We­sel

Ide­en ndung

Wenn Tanja We­sel ein Shoo­ting plant, hat sie be­reits vie­le Ide­en im Sinn, die ihr oft spon­tan im All­tag in den Kopf schie­ßen. Manch­mal et­wa wacht sie mor­gens auf und hat ein­fach ein Bild vor Au­gen. Auch Fil­me, die Na­tur oder Zeit­schrif­ten in­spi­rie­ren sie im­mer wie­der aufs Neue. „Hier ent­de­cke ich Din­ge und mein Kopf pro­du­ziert ge­dank­lich dann ein­fach ein fer­ti­ges Fo­to da­zu“, er­klärt sie. Man­che Visionen ver­gisst Tanja We­sel im Lau­fe der Zeit wie­der, an­de­re no­tiert sie sich in ih­rem Skiz­zen­buch. Die end­gül­ti­ge Bild­idee ent­wi­ckelt die Fo­to­gra­fin dann schritt­wei­se beim Shoo­ting selbst. „Manch­mal gilt es, es ein­fach „flie­ßen zu las­sen“, er­klärt sie. „Ich neh­me ei­ne Idee im Kopf mit und bin im­mer ganz be­geis­tert, dass mich die­se Idee zu ei­ner neu­en bringt.“Bei Por­träts lässt sich da­zu stets auf den Men­schen ein. „Ich mag es sehr, wenn ich je­man­den ken­nen­ge­lernt ha­be, um erst dann zu wis­sen, wie ich ihn por­trä­tie­ren möch­te“, so Tanja We­sel. Des­halb ver­ab­re­det sie sich grund­sätz­lich zu­nächst mit ih­ren Mo­dels, spa­ziert mit die­sen ein we­nig her­um, lässt sie ste­hen, sit­zen lie­gen und fer­tigt erst ein­mal ein paar Schnapp­schüs­se in al­le Rich­tun­gen an. „So kann ich mich mit mei­nem Um­feld ein we­nig an­freun­den und durch die­se Schnapp­schüs­se kom­men mir wei­te­re Ide­en“, schil­dert sie.

Shoo­ting-vor­be­rei­tun­gen

Tanja We­sel fo­to­gra­fiert In­door und Out­door. Por­träts und sze­nisch. Ge­ne­rell fo­kus­siert sie ger­ne auf den Blick oder die Au­gen und nutzt Per­spek­ti­ven, wo dies am bes­ten zur Gel­tung kom­men. „Das Bild muss den Be­trach­ter ma­gisch an­zie­hen!“, so We­sel. Ih­re Lei­den­schaft ist das Spiel mit Licht. Da­her macht sie die Wahl ih­rer Lo­ca­ti­ons stets von der Licht­si­tua­ti­on ab­hän­gig. „Ich fo­to­gra­fie­re zu 95 Pro­zent mit Avail­able Light. Und meist fo­to­gra­fie­re ich ge­gen das Licht“, ver­rät sie. Ei­ne Her­aus­for­de­rung für sie ist, neue In­spi­ra­tio­nen zu ent­wi­ckeln, et­wa am Meer. „Hier­zu hat man na­tür­lich auch schon ex­trem vie­le Bil­der ge­se­hen. Und es gibt kaum noch ei­ne Po­se, ei­nen Bild­schnitt, ei­ne An­ord­nung des Mo­dels, die es nicht schon gab“, so Tanja We­sel. Auch hier lässt sie sich vom Mo­ment lei­ten. Das ein­zi­ge, was ei­ne Rol­le spie­le, sei der Zeit­punkt. Am liebs­ten geht Tanja We­sel früh mor­gens on tour. Zum ei­nen, weil sie dann un­ge­stört sei, er­klärt sie. Zum an­de­ren aber, weil sie das Licht am Mor­gen be­vor­zu­ge.

Das Mo­del

Um das pas­sen­de Mo­del zu fin­den, geht die fc-fo­to­gra­fin ge­zielt vor. Meist schreibt sie Mo­dels ein­fach an, die sie auf der fotocommunity, un­ter Face­book oder von ihr be­kann­ten Fo­to­gra­fen fin­det. Teils wird sie auf glei­chen We­gen selbst kon­tak­tiert. Die Mo­dels be­wer­ben sich mit Sed­cards und mit Po­la­ro­ids „Das ist mir sehr wich­tig. Ich möch­te kei­ne Bil­der von Kol­le­gen se­hen, son­dern die Per­son sel­ber. Je­der fo­to­gra­fiert an­ders und die Bild­be­ar­bei­tung ist auch un­ter­schied­lich.“In der Re­gel wech­selt die Fo­to­gra­fin im Vor­feld ein paar Zei­len mit dem Mo­del, um das ge­mein­sam ge-

woll­te Er­geb­nis des Shoo­tings zu be­spre­chen und grund­sätz­li­che Ide­en ab­zu­klä­ren. „Das heißt, wenn ich Teil­akt/akt ma­chen möch­te, dann sa­ge ich das ganz klar. Ich muss wis­sen, ob das Mo­del auch Ganz­kör­per macht und wenn ja, ob wir be­stimm­te Kla­mot­ten brau­chen oder eben kei­ne.“Ge­ne­rell be­vor­zu­ge sie neu­tra­le Klei­dung, Schmin­ke meist na­tür­lich und we­nig, die Haa­re am liebs­ten of­fen.

Aus­rüs­tung

Für die Wahl der Aus­rüs­tung gilt für Tanja We­sel das Mot­to „lie­ber zu viel, als zu we­nig“. „Es gibt für mich nichts Schlim­me­res, wenn ich ir­gend­wie lan­ge ge­lau­fen bin und fest­stel­le: Hät­test Du das Teil mal eben mit­ge­nom­men“, er­gänzt sie. Meist hat sie al­le Ob­jek­ti­ve da­bei, wenn sie weit wan­dern muss, zu­min­dest die wich­tigs­ten: Ein 100er-, ein 85er- und ein 35erOb­jek­tiv. Den Ef­fekt der 35-mm-lin­se nutzt sie oft, um et­wa „von oben“fo­to­gra­fie­ren zu kön­nen oder mehr „Um­feld“mit ein­zu­be­zie­hen. „Die Frei­stel­lung bei Of­fen­blen­de des 85-mm-ob­jek­tivs ist na­tür­lich manch­mal echt ei­ner Wow-ef­fekt“, schwärmt Tanja We­sel. „Das 100er-fin­de ich da­ge­gen bei der Fo­kus­sie­rung ein­fa­cher, und man kann na­tür­lich durch den Ma­kro-ef­fekt noch nä­her ran. Bei Por­träts gibt es für mich bei dem 85er ab Blen­de 2,2 den klars­ten Au­gen­ef­fekt.“Mit im Ge­päck hat sie au­ßer­dem stets ei­nen Win­kel­su­cher und ei­nen Re­flek­tor. „Man kann auch oh­ne Re­flek­tor aus­kom­men, muss dann aber im rich­ti­gen Win­kel mit dem vor­han­de­nem Licht ar­bei­ten kön­nen. Ei­nen Re­flek­tor nut­ze ich, wenn ich in ei­ne be­stim­me Rich­tung fo­to­gra­fie­ren möch­te, we­gen des Hin­ter­grunds, aber da­durch mein Mo­del falsch plat­zie­ren muss“, er­läu­tert sie.

Auf­nah­me­tech­nik

Beim Fo­to­gra­fie­ren geht sie nach ei­nem fes­ten Sche­ma vor: Sie wählt aus­schließ­lich den ma­nu­el­len Mo­dus. „Ich ma­che ein Bild, schaue es mir auf dem Vor­schau­bild an und stel­le mei­ne Ka­me­ra so ein, wie ich mir mein Bild wün­sche“, so Tanja We­sel. Da­bei fa­vo­ri­sie­re sie leicht über­be­lich­tet zu fo­to­gra­fie­ren, ach­tet je­doch dar­auf, dass das Bild nicht „zer­fres­sen“wir­ke. Auch Fens­ter­bil­der zählt sie zu ih­ren Lieb­lings­mo­ti­ven: „Ich fo­kus­sie­re hier im­mer mit dem Au­to­fo­kus. Man muss sich nur ei­nen gu­ten Win­kel oder ei­ne Po­si­ti­on su­chen, dass die Au­gen spä­ter beim Bild nicht durch un­nö­ti­ge Spie­ge­lun­gen ir­ri­tiert wer­den.“Ein 100er-ob­jek­tiv eig­net sich be­son­ders, durch ei­ne Schei­be und auch mit Re­gen­trop­fen scharf zu stel­len. „Ei­ne klei­ne Hil­fe ist es, wenn man sich die Stel­le an den Au­gen ein­fach tro­cken macht“, er­gänzt sie. Wich­tig sei es nur, dass durch das Fens­ter das Mo­del ge­nug Licht be­kommt. „Al­so das Mo­del ru­hig ganz nah ran ho­len. Es muss mit der Na­se fast die Schei­be be­rüh­ren.“

Bild­kom­po­si­ti­on

Ei­enn gro­ßen Au­gen­merk legt Tanja We­sel auf den Bild­auf­bau und den Bild­schnitt, den sie zu­meist be- reits beim Fo­to­gra­fie­ren fest­legt. In frei­er Na­tur, wenn sie viel Land­schaft zei­gen möch­te, ver­sucht sie, den Men­schen in das Bild zu in­te­grie­ren. „Bei Por­träts schaue ich mir auch das Bild an, über­prü­fe mich, ob al­les Wich­ti­ge auf dem Bild zu se­hen ist. Bei Han­do­der bei Halb­kör­per-por­träts nicht falsch ge­schnit­ten wur­den. Man kann Kör­per­tei­le lei­der spä­ter nicht mehr dran ma­chen.“Ganz sel­ten nut­ze sie auch im Nach­gang ei­nen en­ge­ren Bild­schnitt, um so ei­ne noch stär­ke­re Wir­kung zu er­zie­len wie im Bild auf Sei­te 54.

Nach­be­ar­bei­tung

„Ei­gent­lich kommt mein Bild zu­meist so aus der Ka­me­ra, wie ich es mir wün­sche“, sagt Tanja We­sel. Na­tür­lich be­ar­bei­te sie ih­re Auf­nah­men auch et­was nach, das be­trifft aber vor al­lem die Far­ben des Bilds, die To­nung, so­wie die Tie­fen, wo­für sie oft­mals den Raw-kon­ver­ter nutzt. Manch­mal führt sie nur ein­fa­che Re­tu­schie­run­gen durch, um et­wa Au­gen­rän­der und Pi­ckel oder Hau­tu­n­eben­hei­ten zu ent­fer­nen. Da­zu nutzt sie in ers­ter Li­nie Pho­to­shop. Sie er­gänzt: „In Pho­to­shop ha­be ich mir ei­ge­ne Ak­tio­nen an­ge­legt, wo ich mir für ei­ne Se­rie ,Looks‘ ge­stal­te, die ich dann auf je­des Bild am­wen­den kann und dann je Bild in­di­vi­du­ell be­ar­bei­te.“

An die­sem Tag fan­den wir ei­ne ab­ge­le­ge­ne Fut­ter­stel­le für Pfer­de ! Ich woll­te die Ef­fek­te der Lich­ter durch die Lü­cken in den Höl­zern nut­zen um ei­ne schö­ne­re Span­nung in das Bild zu be­kom­men. Um das Gan­ze noch in­ten­si­ver dar­zu­stel­len hab‘ ich den Fo­kus au

Ein Por­trät, bei dem der Fo­kus klar auf dem Blick lag. Es wur­de mit ei­ner 50er-fest­brenn­wei­te fo­to­gra­fiert. Ich woll­te nah ran, aber auch noch die Hän­de mit drauf ha­ben.

Bei die­sem Bild stand die Son­ne schon recht tief, aber ich ha­be den­noch ganz leicht die ei­ne Sei­te mit ei­nem Re­flek­tor auf­hel­len kön­nen. Das Abend­licht ist sehr schmei­chelnd und für Ge­gen­licht­auf­nah­men, ei­ne der bes­ten Licht­si­tua­tio­nen.

Manch­mal braucht man kei­ne auf­wen­di­gen Kla­mot­ten, son­dern es reicht ei­ne ab­ge­schnit­te­ne Ny­lon-strumpf­ho­se, um et­was „ver­steck­te“Nackt­heit zu zei­gen. Um den ers­ten Blick des Be­trach­ters auf das Ge­sicht zu fo­kus­sie­ren, ha­be ich das we­hen­de Haar ge­nutzt, was

Die Aus­sicht ver­sprach so ei­ni­ges. Ich woll­te ein stim­mungs­vol­les Schwar­zweiß-bild zau­bern. Die Po­se des Mo­dels am En­de der Bank hielt ich für träu­me­risch pas­send. Mit 85 mm konn­te ich mit ei­ner re­la­tiv of­fe­nen Blen­de ei­nen schö­nen Hin­ter­grund ma­len.

Som­mer­spros­sen und kla­re Au­gen fo­kus­siert mit 100-mm-ma­kro und mit ei­nem „an­de­ren und ge­wag­ten“Bild­schnitt. Das Bild soll den Be­trach­ter län­ger fas­zi­nie­ren. Hier ha­be ich viel Be­ar­bei­tung rein­ge­steckt, da­mit die Som­mer­spros­sen ex­trem, aber den­noch na­tür­li

Ei­ne schö­ne Po­se auf ei­nem Ses­sel ist im­mer ei­ne Her­aus­for­de­rung. Mir war es wich­tig, dass die Fi­gur des Mo­dels, so schön wie sie ist, zur Gel­tung kommt! Des­halb der ge­streck­te Kör­per. Der Fo­kus liegt auf dem Bu­sen, des­halb ha­be ich auch das Ge­sicht ver­be

Da ich noch ei­ni­ges vom Au­to selbst mit drauf ha­ben woll­te, der Fo­kus aber beim Mo­del blei­ben soll­te, ent­schied ich mich für 35 mm. Die Per­spek- ti­ve von oben und die Schär­fe auf den Au­gen macht es für mich noch in­ter­es­san­ter.

Manch­mal nut­ze ich aber auch im Nach­gang ei­nen en­ge­ren Bild­schnitt, der mich dann schon beim Öff­nen des Bil­des an­springt, um so ei­ne noch stär­ke Wir­kung zu er­zie­len, wie in die­sem Bild. Hier ha­be ich mit 35 mm auf­ge­nom­men, spä­ter fand ich die Au­gen des Mo

Bei die­sem Bild war mir die An­ord­nung und der Bild­schnitt sehr wich­tig, der Hin­ter­grund, wie er aus­läuft, wo An­ge­la steht. Und im Letz­ten ist mir die Po­se und der Aus­druck wich­tig. Was soll das Bild aus­sa­gen. Es hät­te nicht ge­passt, wenn sie ge­lä­chelt hä

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