Abs­trak­te Fo­to­gra­fie

Ro­bi H. Lö­wy. Die fo­to­gra­fi­schen Ide­en er­wach­sen Ro­bi Lö­wy im All­täg­li­chen. Dann geht er mit sei­ner Ka­me­ra spon­tan auf Ent­de­ckungs­rei­se, um an ge­wöhn­li­chen Or­ten das Be­son­de­re zu fin­den. Am Rech­ner kre­iert er dar­aus Neu­es, wes­halb ein Groß­teil sei­ner Ar­be

fotocommunity Magazin - - Inhalt - Al­le Fo­tos: Ro­bi H. Lö­wy

„De­tail­wel­ten“von Ro­bi H. Lö­wy

Ide­en ndung

Be­reits als fc-fo­to­graf Ro­bi Lö­wy noch zur Schu­le ging, war er oft in Mu­se­en, wan­der­te durch die Zürcher Alt­stadt, den See ent­lang und träum­te vor sich hin. Er ver­setz­te sich in Rol­len, be­ob­ach­te­te Leu­te, das Wet­ter, die Na­tur. Spä­ter hat­te er meist ei­nen Block da­bei, mach­te No­ti­zen, zeich­ne­te oder skiz­zier­te sei­ne spon­ta­nen Ge­dan­ken und Ide­en auf ein Blatt Pa­pier. Heu­te hat der Schwei­zer im­mer sei­ne Ka­me­ra da­bei und „ent­deckt“sei­ne Mo­ti­ve. „Ich su­che sie nicht. Sie sind ja da. Ich se­he sie über­all“, er­klärt er. Na­tür­lich er­gä­ben sich dar­aus nicht zwin­gend sen­sa­tio­nel­le Auf­nah­men, aber es tau­ge als „Roh­ma­te­ri­al“, das zur wei­te­ren Be­ar­bei­tung be­reit­ste­hen kön­ne.

Aus­rüs­tung

Sei­ne Vor­be­rei­tun­gen aufs Fo­to­gra­fie­ren be­schrän­ken sich im We­sent­li­chen dar­auf, aus dem Fens­ter zu se­hen, wie das Wet­ter ist, um zu ent­schei­den, ob es sich loh­nen könn­te, die Ka­me­ra ein­zu­pa­cken oder auch nicht. Sehr oft greift er in die Schub­la­de mit sei­nen al­ten Ob­jek­ti­ven und nimmt wahl­los ei­nes da­von her­aus. „Und mit dem muss ich dann zu­recht­kom­men“, lau­tet sei­ne De­vi­se. Er fin­det die­se Her­an­ge­hens­wei­se span­nend, da es ihn zwin­ge, sei­ne Sicht­wei­se dem Ob­jek­tiv un­ter­zu­ord­nen. „Ich glau­be, dass dies ei­ne Fra­ge der Le­bens­ein­stel­lung ist, mit dem zu­frie­den zu sein, was man hat und nicht mit dem, was man ha­ben könn­te oder möch­te.“Frei­lich – aber wenn Ro­bi Lö­wy sich ei­ne be­stimm­te Auf­ga­be ge­stellt hat, dann ist es auch für ihn sinn­voll, die Aus­rüs­tung ent­spre­chend aus­zu­wäh­len und auch mal ein rei­nes Te­le mit­zu­neh­men, das da­für ge­eig­net ist. „Das ist ja zu­dem auch ein hap­ti­sches Er­leb­nis“, fügt er hin­zu.

Auf­nah­me­tech­nik

Lan­ge und in­ten­siv hat sich Ro­bi Lö­wy mit dem The­ma „Fo­to­gra­fie“be­schäf­tigt. Wis­sen tut er theo­re­tisch al­so viel. Prak­tisch geht er aber lie­ber in­tui­tiv vor, zu­mal er fast al­le sei­ne Fo­tos im Frei­en

auf­nimmt und er je nach Son­nen­stand oft über­haupt nichts auf dem Dis­play er­kennt. Den Blick durch den Su­cher mag er zu­dem nicht be­son­ders. So ver­lässt er sich zu­meist dar­auf, die Ka­me­ra „ge­fühls­mä­ßig“aus­zu­rich­ten. „Statt ei­ner mach‘ ich ein­fach meh­re­re Auf­nah­men und hof­fe, dass ei­ne da­bei ist, die das zeigt, was ich mir ge­dacht ha­be“, ver­rät er.

Bild­ge­stal­tung

We­sent­lich an sei­nen Fo­to­gra­fi­en ist im Spe­zi­el­len die Art und Wei­se, wel­che Aus­schnit­te er wählt und wie er sie ins Licht rückt. Da­her er­ar­bei­tet er oft sehr vie­le Va­ria­tio­nen, um zu dem Er­geb­nis zu kom­men, das er als lo­gisch, in­ter­es­sant und vi­su­ell an­spre­chend fin­det. „Das ist doch wie beim Ko­chen. Dort kommt es ja auch dar­auf an, wie das fer­ti­ge Es­sen auf dem Tel­ler aus­sieht.“In der Her­an­ge­hens­wei­se pro­fi­tie­re er da­bei von sei­nen Kennt­nis­sen als Ar­chi­tekt. „Was beim Ar­chi­tek­ten mal der ,Gol­de­ne Schnitt‘ war, ist beim Fo­to­gra­fen die noch im­mer be­währ­te Drit­tel­re­gel“, so Ro­bi Lö­wy. Wie beim Bau ei­ner Fas­sa­de ori­en­tie­re er sich auch beim Fo­to­gra­fie­ren an fes­ten Pa­ra­me­tern. „Den­noch liegt es im Emp­fin­den des Gestal­ters, wie er mit die­sen Vor­ga­ben um­zu­ge­hen weiß und sein Werk letzt­lich ,baut‘, ihm Cha­rak­ter gibt und sei­ne Hand­schrift auf­drückt.“

Nach­be­ar­bei­tung

Die Art Bil­der, die Ro­bi auf die­sem We­ge er­ar­bei­tet, le­ben von der Be­ar­bei­tung. „Tech­ni­sche De­tails jeg­li­cher Art eig­nen sich her­vor­ra­gend, um sie da­nach am Com­pu­ter zum Le­ben zu er­we­cken.“Die Nach­be­ar­bei­tung in Pho­to­shop oder DXO Op­tics Pro 6 und das Aus­pro­bie­ren von Fil­tern, Far­ben und Ef­fek­ten ist für ihn da­her zwin­gend not­wen­dig. In ers­ter Li­nie wählt er den pas­sen­den Bild­aus­schnitt, um dann mit Far­ben und Schat­tie­run­gen zu spie­len, Per­spek­ti­ven zu kor­ri­gie­ren, Un­nö­ti­ges zu ent­fer­nen und Spie­ge­lun­gen ge­ge­be­nen­falls zu er­zeu­gen. „Sonst wä­ren die­se Bil­der nicht mög­lich, die hof­fent­lich nicht nur mich fas­zi­nie­ren.“

COLORES Wenn sich ge­spie­gel­te Fas­sa­den in spie­geln­den Fas­sa­den spie­geln und da­zu noch ein we­nig har­mo­nie­ren­de Far­ben... (So­ny A 550, Mi­nol­ta AF 28–135 mm, 35 mm, Blen­de 11, 1/ 125 s, ISO 200).

F A R BSCHLEUDER Neu­gie­rig, wie ich bin, ha­be ich die­ses at­trak­ti­ve Teil ent­deckt: Der ge­spie­gel­te, ge­öff­ne­te Flug­zeug­mo­tor brauch­te nur noch ein paar Farb­tup­fer, um zu et­was Be­son­de­rem zu wer­den (So­ny R1, 24–120 mm, 31,8 mm, Blen­de 4, 80 s, ISO 160, Blit

BOOGI WOO­GIE Das Bild zeigt ei­ne um 90 Grad ge­dreh­te, ge­spie­gel­te Au­ßen­trep­pe aus Gra­nit. Die wie Kla­vier­tas­ten aus­se­hen­den Din­ger sind Lüf­tungs­git­ter aus Me­tall. Der be­son­de­re Far­beffekt wur­de mit Pho­to­shop „Pos­te­ri­ze“ge­fil­tert (So­ny NEX 6, Sig­ma AF 10–2

ROTHKO DOOR Nicht nur für Kunst­lieb­ha­ber, de­nen der Na­me Mark Rothko et­was sagt, son­dern für al­le, die auf Bau­stel­len mehr se­hen als nur Lärm und Schutt. Ei­ne ein­fa­che, ver­wit­ter­te Blech­tür ei­nes Con­tai­ners mit Well­blech­dach. Die Far­ben sind la­sie­rend mit

KRATZFEST Schlich­te Gra­nitstei­ne, die als Rand­stei­ne be­nutzt wer­den. Dank den Plas­tik­bän­dern, die im Nichts ver­schwin­den, ent­steht ein gra­fisch at­trak­ti­ves Mo­tiv (So­ny NEX 6, Mi­nol­ta AF 75– 300 mm, 105 mm, Blen­de 18, 1/ 200 s, ISO 1250).

F L U GVERSUCH Ein mir sehr lie­ber Freund be­schäf­tigt sich ziem­lich zeit­auf­wän­dig da­mit, Ar­chi­tek­tur­fo­tos von ei­nem Cop­ter aus auf­zu­neh­men. Mach­te mir des­halb Ge­dan­ken, wie mein Cop­ter aus­se­hen könn­te. Ba­sis ist ein Bau­ge­rüst, in Form ge­bracht mit dem Fi

CUTTER Ein klei­nes De­tail ei­ner Vor­dach­auf­hän­gung dien­te als Vor­la­ge. Ge­spie­gelt und mit dem Fil­ter Po­lar-ko­or­di­na­ten be­ar­bei­tet (So­ny NEX 6, Mi­nol­ta AF Ma­kro 2,8/50 mm, 50 mm, Blen­de 8, 1/ 320 s, ISO 100).

LIFTOFF Un­ten: Ein klei­ner Dreh um 90 Grad zeigt, was man nicht ver­mu­ten wür­de: Es ist nur ei­ne En­te, die ge­nüss­lich im Was­ser schwimmt. Ei­ne Spie­ge­lung, be­ar­bei­tet mit Pho­to­shop und DXO Op­tics Pro 6, das in sei­ner Viel­sei­tig­keit zu mei­nen Lieb­lings­pro­gra

EDELVERSCHLAG Oben: Wenn an der Bahn­hof­stras­se in Zü­rich ge­baut wird, muss na­tür­lich auch die so­ge­nann­te Bau­wand, die Pas­san­ten schützt und vom Bau­schutt fern­hält, et­was ganz Be­son­de­res sein (So­ny V3, Blen­de 5, 1/ 249 s, ISO 100).

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