Sport­fo­to­gra­fie

Per­fekt ge­rüs­tet geht Fo­to­pro Alex­an­der Neis an die Renn­bahn. Was für ihn zählt, ist ziel­si­cher ei­ne gan­ze Se­rie hoch­wer­ti­ger und au­then­ti­scher Auf­nah­men bie­ten zu kön­nen. Ge­fragt sind ei­ne aus­ge­feil­te Vor­be­rei­tung, das rich­ti­ge Equip­ment und vor al­lem e

fotocommunity Magazin - - Inhalt - Al­le Fo­tos: Alex­an­der Neis

„Mit Voll­gas“von Alex­an­der Neis

Bild­idee

Sport­fo­to­graf Alex­an­der Neis hat zwar grund­sätz­lich vie­le Bild­ide­en in pe­to, wenn er an den Start geht, weiß aber, dass Mo­tor­sport­auf­nah­men vor al­lem ei­nes sind: schnell, un­be­re­chen­bar und da­mit nur we­nig plan­bar. Um­so wich­ti­ger ist es für den Fo­to­gra­fen, dass er sich per­sön­lich für den Sport in­ter­es­siert und sich vor­ab mit dem Event aus­ein­an­der­setzt. „Man soll­te un­be­dingt wis­sen, wel­che Fah­rer in der Se­rie am Start sind, wel­ches Fahr­zeug sie fah­ren, für wel­chen Her­stel­ler sie un­ter­wegs sind, ob sie eher ei­ne spek­ta­ku­lä­re oder ei­ne run­de Fahr­wei­se ha­ben und ob es an­der­wei­ti­ge Be­son­der­hei­ten bei ih­nen gibt wie Un­fäl­le in der Ver­gan­gen­heit auf der je­wei­li­gen Stre­cke, an­ste­hen­de Ver­trags­ver­hand­lun­gen und so wei­ter“, er­klärt Alex­an­der Neis. Eben­so von Be­deu­tung sind ge­wis­se Grund­la­gen­kennt­nis­se über die Ge­samt­si­tua­ti­on in der Meis­ter­schaft. Wer hat noch Chan­cen sich den Ti­tel zu si­chern, wer ist eher ab­ge­schla­gen, wer hat über­rascht oder ent­täuscht?

Shoo­ting-vor­be­rei­tung

„Hat man die­se Din­ge al­le auf dem Schirm, ist die Ge­fahr ge­ring, die fal­schen Bil­der von ei­ner Ver­an­stal­tung zu schie­ßen“, weiß Alex­an­der Neis. Manch­mal las­sen sich Bild­ide­en aber auch ein­fach auf­grund der ört­li­chen Be­ge­ben­hei­ten oder der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on nicht um­set­zen. Si­cher­heit geht et­wa vor frei­er Platz­wahl, so­dass der Fo­to­graf fle­xi­bel ar­bei­ten und sich mög­lichst schnell an Be­ge­ben­hei­ten an­pas­sen muss. „So ent­ste­hen dann zwar ganz spon­tan ganz vie­le Bil­der, an die vor­han­de­ne Lo­ca­ti­on eben an­ge­passt“, er­zählt Neis. Aber die­se über­zeu­gen letzt­lich durch ihr ty­pi­sche Au­then­zi­tät. Zur Vor­be­rei­tung des Shoo­tings ge­hö­ren für ihn ne­ben dem Sam­meln von Grund­la­gen­wis­sen und In­fos zur Ver­an­stal­tung auch or­ga­ni­sa­to­ri­sche Din­ge, wie das Be­schrif­tung ei­nes Events am Lap­top oder das An­le­gen ei­ner Fah­rer­lis­te mit den ent­spre­chen­den Kür­zeln, um beim spä­te­ren Be­schrif­ten der Bil­der­flut vor al­lem Zeit zu spa­ren. Dar­über hin­aus checkt der Fo­to­graf pe­ni­bel die Ein­satz­be­reit­schaft sei­nes Equip­ments. Sind die Ak­kus voll, das Lap­top ge­la­den und aus­rei­chend Platz auf der Fest­plat­te.

Aus­rüs­tung

Nebst aus­rei­chend Spei­cher­kar­ten und bei Be­darf ei­ner ex­ter­nen Fest­plat­te hat Alex­an­der Neis grund­sätz­lich im­mer meh­re­re Ka­me­ras und Ob­jek­ti­ve da­bei, al­ler­dings kom­men nicht al­le auch wirk­lich zum Ein­satz. Ins­be­son­de­re ist bei der Mo­tor­sport­fo­to­gra­fie ein ge­nau­er und schnel­ler Fo­kus von ho­her Be­deu­tung. „Das schließt für mich das Ein­set­zen mei­ner 5D Mark II in die­sem Be­reich fast aus. Hier grei­fe ich dann eher auf die Mo­del­le der 1er-rei­he von Ca­non zu­rück, die sehr ro­bust sind und die nö­ti­ge Zu­ver­läs­sig­keit auch un­ter schwie­ri­gen Be­din­gun­gen, wie Käl­te, Re­gen, Matsch und Schnee, bie­ten.“Ein Sta­tiv ist vor al­lem bei lan­gen Brenn­wei­ten sinn­voll. „Ich nut­ze es grund­sätz­lich aber nur zu­sam­men mit mei­nem Ca­non EF 4/500 mm L IS, da die Kom­bi­na­ti­on mit der EOS 1D X ein­fach auf Dau­er zu schwer ist, um frei Hand zu fo­to­gra­fie­ren.“

Auf­nah­me­tech­nik

Gro­ßen Ein­fluss im Out­door-be­reich hat das Wet­ter. Bei Re­gen

muss man sich gut ge­gen die Näs­se schüt­zen, eben­so wie das

Equip­ment ge­gen Schmutz, Staub und Näs­se. „Bei Läu­fen zur

Ral­lye-welt­meis­ter­schaft muss man auch im­mer wie­der mit flie-

gen­den St­ei­nen oder Matsch rech­nen. Hier hilft be­son­de­re Vor-

sicht und ab und an auch ein biss­chen Glück“, er­zählt Alex­an­der

Neis. Ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung ist die Licht­si­tua­ti­on. Im

Frei­en hat man oft mit star­ken Licht- und Schat­ten­ge­gen­sät­zen

zu kämp­fen, die im Sta­di­on auch durch die Zu­schau­er­tri­bü­nen

ent­ste­hen. „Ich ver­su­che, das Licht für mich zu nut­zen. Ent­we­der

ich las­se das Mo­tiv von der Son­ne an­strah­len oder set­ze be­wusst

auf ei­ne Auf­nah­me im Ge­gen­licht.“Den Blitz setzt der Fo­to­graf

nur sehr sel­ten ein, et­wa bei Fah­rer­por­träts oder für spe­zi­el­le Ef-

fek­te. „Ein spe­zi­el­ler Ef­fekt ist zum Bei­spiel das Blit­zen bei Renn-

fahr­zeu­gen, die nachts aus der Box fah­ren. Hier kann man mit

sehr lan­gen Ver­schluss­zei­ten und gleich­zei­ti­gem Ein­satz vom

Blitz sehr in­ter­es­san­te Wischef­fek­te er­zie­len“, ver­rät Neis.

Bild­ge­stal­tung

Die ge­wünsch­te Bild­ge­stal­tung lässt sich beim Mo­tor­sport

häu­fig wie ge­plant um­set­zen. „Die Fahr­zeu­ge neh­men oft die

glei­che, op­ti­ma­le Fahr­li­nie, so­dass man sich da­durch gut auf

das Ob­jekt ein­stel­len kann.“Hier kann man dann mit der

Po­si­ti­on des Fahr­zeugs im Bild und ver­schie­de­nen Per­spek-

ti­ven spie­len. Egal ob ei­ne for­mat­fül­len­den Fron­ta­le oder ein „Mit­zie­her“las­sen sich re­la­tiv un­pro­ble­ma­tisch um­set­zen. Als kom­po­si­to­ri­sches Gestal­tungs­mit­tel fa­vo­ri­siert Alex­an­der Neis ty­pi­scher­wei­se dy­na­mi­sche Bil­der: „Ich ver­su­che im­mer, die Dy­na­mik des Mo­tor­sports mit auf mei­ne Bil­der zu über­tra­gen. Da­zu ge­hört, dass sich auch im Bild die Rei­fen sicht­bar dre­hen oder ein ,Mit­zieh-ef­fekt‘.“Um qua­li­ta­tiv über­zeu­gen­de Re­sul­ta­te auf den Chip zu ban­nen, be­darf es ei­ni­ger Er­fah­rung, um letzt­lich die Ge­schwin­dig­keit der je­wei­li­gen Fahr­zeu­ge rich­tig ein­schät­zen zu kön­nen und die Ver­schluss­zeit her­aus­zu­fin­den, die gera­de noch die not­wen­di­ge Schär­fe und die ge­wünsch­te Dy­na­mik zu­lässt. „Will man Mo­tor­sport ,art­ge­recht‘ ab­bil­den, so wird man in der Re­gel et­was län­ge­re Ver­schluss­zei­ten ver­wen­den, als bei an­de­ren Sport­ar­ten wie et­wa beim Fuß-oder Hand­ball­ball“, re­sü­miert Alex­an­der Neis.

Nach­be­ar­bei­tung

Auf ei­ne Ver­frem­dung der Bil­der am Rech­ner ver­zich­tet er grund­sätz­lich. Le­dig­lich die Ent­wick­lung der di­gi­ta­len Ne­ga­ti­ve er­folgt dort: „Ich fo­to­gra­fie­re im­mer im RAWFor­mat, weil ich die vol­le Kon­trol­le über die Ent­wick­lung des Bil­des ha­ben will und nicht den Al­go­rith­men der in­ter­nen Ka­me­ra­ent­wick­lung über­las­sen möch­te. Ado­be Light­room er­mög­licht mir da­bei, das Bild op­ti­mal zu ent­wi­ckeln und die bes­te Qua­li­tät zu er­hal­ten.“

Da­ni Sordo und Bei­fah­rer Marc Mar­ti mit ih­rem Hy­un­dai an der be­rühm­ten Sprung­kup­pe „GI­NA“bei der Adac-ral­lye Deutsch­land.

Mit­zie­her bei der DTM, Mi­ke Ro­cken­fel­ler in sei­nem Au­di , vor der Süd­tri­bü­ne aus dem In­nen­raum her­aus fo­to­gra­fiert. Bild­ti­tel: ma­ya Ein Por­trait, bei dem der Fo­kus klar auf dem Blick lag. Es wur­de mit ei­ner 50er Fest­brenn­wei­te fo­to­gra­fiert. Ich woll­te na

Nas­ser AL At­tiyah mit sei­nem Ford Fies­ta WRC in den Wein­ber­gen an ei­ner Sprung­kup­pe, Adac-ral­lye Deutsch­land.

Oben: Se­bas­ti­en Ogier mit Bei­fah­rer Ju­li­en In­gras­sia (am­tie­ren­de Ral­lye-welt­meis­ter) in ih­rem Po­lo R WRC bei der Ral­lye Mon­te Car­lo drif­tend bei schnee­be­deck­ter Fahr­bahn. Links: Se­bas­ti­en Ogier mit Bei­fah­rer Ju­li­en In­gras­sia (am­tie­ren­de Ral­lye-welt­meis­ter

Mit­zie­her bei der DTM, Mi­ke Ro­cken­fel­ler in sei­nem Au­di, vor der Süd­tri­bü­ne aus dem In­nen­raum her­aus fo­to­gra­fiert.

Ra­hel Frey, ei­ne der we­ni­gen Frau­en, die je- mals in der DTM ge­fah­ren sind, war­tet dar­auf, aus der Box fah­ren zu kön­nen. Das Bild wur­de von vor­ne durch die Wind­schutz­schei­be in der Box ge­macht.

Mar­tin Prokop mit sei­nem Ford Fies­ta WRC in den Wein­ber­gen an ei­ner Sprung­kup­pe, Adac-ral­lye Deutsch­land.

Au­gus­to Far­fus be­ju­belt sei­nen Sieg bei ei­nem Dtm-ren­nen auf dem Ho­cken­heim­ring.

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