Do­ku­men­ta­ti­on in Schwar­zweiß

Es ist die Ver­gäng­lich­keit ganz all­täg­li­cher Sze­nen, die fc-fo­to­graf Sven Con­quest in sei­nen Schwar­zweiß-fo­to­gra­fi­en fest­hält. Nicht nur sein Equip­ment, auch sei­ne Auf­nah­me­tech­nik ist da­bei kon­ven­tio­nell mi­ni­ma­lis­tisch: Ein­mal auf den Aus­lö­ser ge­drückt un

fotocommunity Magazin - - Inhalt - Al­le Fo­tos: Sven Con­quest

„Mo­men­te“von Sven Con­quest

Vor­be­rei­tung und Equip­ment

Wenn Sven Con­quest auf Mo­tiv­su­che geht, hat er vier Din­ge da­bei: Sei­ne So­ny Al­pha 77 mit an­ge­setz­tem Zoom, ei­nen vol­len Er­satz­ak­ku und ein fi­xes The­ma. Dann schal­tet er oft für St­un­den die Ka­me­ra nicht aus, oh­ne auch nur ein ein­zi­ges Bild ge­macht zu ha­ben. An ei­nem Tag will er et­wa aus­schließ­lich „Por­träts von frem­den Men­schen in all­täg­li­chen Si­tua­tio­nen und das aus kür­zes­ter Ent­fer­nung fo­to­gra­fie­ren“. Das The­ma steht, das Equip­ment auch, le­dig­lich bei der Wahl der Brenn­wei­te be­hält er sich ei­nen ge­wis­sen Spiel­raum vor: von kurz bis ganz kurz, 16 bis 50 Mil­li­me­ter deckt sein Ob­jek­tiv ab.

Di­gi­ta­le Uni­ka­te

Es ist die Ver­gäng­lich­keit des Mo­ments mit dem Blick aus dem Au­gen­win­kel, was Sven Con­quest fas­zi­niert.

Al­les, was mor­gen auf die glei­che Wei­se fo­to­gra­fier­bar ist, gibt es bei ihm nicht. „Das be­trach­te ich als be­lang­los“, er­zählt er „ Viel­leicht ist es nett an­zu­se­hen, aber es spielt sich kein Kopf­ki­no da­bei ab.“War er in den 70er und 80er Jah­ren noch mit ei­ner Prak­ti­ca MLT 3 und CZ Je­na 50-Mil­li­me­ter-fest­brenn­wei­te un­ter­wegs, fo­to­gra­fiert er mitt­ler­wei­le di­gi­tal, das aber nach wie vor nach ana­lo­gen Kri­te­ri­en: „Ich kom­me aus der ana­lo­gen Welt und bin es auch heu­te noch ge­wohnt, für ein Bild nur ein­mal den Aus­lö­ser zu drü­cken“, er­zählt er. Er fo­to­gra­fie­re so, als wä­re in der Ka­me­ra ein Film mit 36 Bil­dern und er hät­te kei­nen wei­te­ren da­bei. Die­se Ar­beits­wei­se be­wahrt ihn gleich­falls da­vor, aus 1000 di­gi­ta­len Da­tei­en das aus­wäh­len zu müs­sen, was nur ver­se­hent­lich „gut ge­wor­den“ist. Sei­ne De­vi­se lau­tet: Ent­we­der das Bild ist gut oder Schwamm drü­ber. Sei­ne meist ge­nutz­te Funk­ti­on an sei­ner Ka­me­ra lau­tet „Bild lö­schen“.

Bild­kom­po­si­ti­on und -gestal­tung

Ent­spre­chend kon­ven­tio­nell geht der Fo­to­graf bei der Bild­ge­stal­tung vor. Be­vor er im ent­schei­den­den Mo­ment den Aus­lö­ser drückt, müs­sen Win­kel, Brenn­wei­te und Blen­de für sein ge­wähl­tes Mo­tiv per­fekt har­mo­nie­ren. „Das Bild ist das Bild. Ich muss mir bei mei­ner Ar­beits­wei­se im Mo­ment der Auf­nah­me im­mer im Kla­ren sein, dass es kei­ne zwei­te Chan­ce gibt“, so Con­quest.

Auf­nah­me­tech­nik

We­sent­lich für den fc-fo­to­gra­fen ist der di­rek­te Kon­takt zu sei­nem Prot­ago­nis­ten. Wenn es die Si­tua­ti­on er­laubt, nimmt er sich ger­ne die Zeit für ein kur­zes Ge­spräch. „Die voy­eu­ris­ti­sche Dis­tanz ei­nes Te­le­ob­jek­tivs lie­ße mich da­bei nie Teil der Ge­schich­te wer­den. Da­her ha­be ich mein Se­t­up nur auf das 16-50-mm-zoom re­du­ziert.“Grund­sätz­lich fo­to­gra- fiert er aus­schließ­lich mit Avail­able Light und ver­wen­det we­der Blitz noch ein Sta­tiv.

Nach­be­ar­bei­tung

Beim Nach­be­ar­bei­ten von di­gi­ta­len Bil­dern kon­zen­triert sich Sven Con­quest weit­ge­hend auf die Kon­ver­tie­rung in Schwar­zweiß. Nach dem Raw-im­port und der Ar­chi­vie­rung der Bil­der via So­ny Play­me­mo­ries Ho­me er­folgt die Raw-ent­wick­lung ge­ne­rell in Light­room. Da­bei kor­ri­giert er klei­ne Un­ge­nau­ig­kei­ten wie Waa­ge oder un­ge­woll­te per­spek­ti­vi­sche Ver­zer­run­gen und wan­delt die Da­tei in JPEG oder TIFF um. Da­nach geht es an die ei­gent­li­che Be­ar­bei­tung in Pho­to­shop. Für die s/w-kon­ver­tie­rung greift er auf Fil­ter der NIC Collec­tion zu­rück, die als Plu­gin in Pho­to­shop ein­ge­bun­den sind. Da­mit kann er ana­lo­ge Fil­me in ih­rer Art der Grau­ab­stu­fung, Kon­trast­ver­hal­ten und Kör­nig­keit si­mu­lie­ren, wie auch Farb­fil­ter set­zen, die die Licht­wer­te der Far­ben ent­spre­chend un­ter­schied­lich in Grau­tö­ne über­tra­gen.

Ber­lin­be­su­cher Berlin, Pots­da­mer Platz Ok­to­ber 2014. … nach ei­ner klei­nen Stadt­füh­rung für Freun­de aus dem Wend­land …. Ka­me­ra: So­ny A77V mit DT 2,8/16-50 mm SSM, Brenn­wei­te 16 mm, Blen­de 3,2, 1/60 s, ISO 160, +0.3EV

Klei­ner Amei­sen­hau­fen Berlin, Mit­te No­vem­ber 2014. Die Idee, in ei­nem Atri­um ei­nes gro­ßen Ein­kaufs­zen­trums ei­ne Re­lax-zo­ne mit Be­geg­nungs­mög­lich­keit ein­zu­rich­ten, ist si­cher gut ge­meint. Nur sind die Men­schen doch eher mehr mit sich selbst be­schäf­tigt. Ka

3 Fahr­rä­der Berlin, Kreuz­berg Au­gust 2014. … ein­fach nur so. Ka­me­ra: So­ny A77V mit DT 2,8/16-50 mm SSM, Brenn­wei­te 20 mm, Blen­de 3,2, 1/60 s, ISO 200, +0.3EV

Früh­ling Berlin, Prenz­lau­er Berg April 80 ir­gend­wo im drit­ten Hin­ter­hof. Ei­ner der ers­ten Früh­lings­ta­ge und ich war ziel­los un­ter­wegs, als mich ein weit ge­öff­ne­tes Tor ein­lud, die Hin­ter­hö­fe zu be­tre­ten. Ein leich­ter Mo­der­ge­ruch, dif­fu­se Ge­räu­sche der Sta

Oh­ne Ti­tel Tor­gau bei Leip­zig, Os­tern 80. Ka­me­ra: Prak­ti­ca MLT 3 mit CZ Je­na 2,8/50 mm, Film ORWO NP20, 80 ASA Stra­ßen­ar­bei­ter Bu­da­pest, De­zem­ber 80. Sil­ves­ter mal wo­an­ders fei­ern. Doch es war echt kalt in Bu­da­pest, was die­sen Heim­wer­ker nicht ab­hal­ten ko

Ei­ne/r zu viel Leip­zig, No­vem­ber 79. Bei ei­nem Spa­zier­gang pas­sier­ten wir die drei Da­men, von de­nen zwei in ein Ge­spräch ver­tieft wa­ren. Dann kam mir die Idee, mei­nen Be­kann­ten zu bit­ten, sich ein­fach mal da­zu­zu­set­zen und die Blick­rich­tung der Da­me links

Be­lang­los 4 Berlin, Kreuz­berg Ok­to­ber 2014. Ge­se­hen, fo­to­gra­fiert, wei­ter­ge­gan­gen und ver­ges­sen …. Ka­me­ra: So­ny A77V mit DT 2,8/16-50 mm SSM, Brenn­wei­te 16 mm, Blen­de 3,2, 1/15 s, ISO 800, +0.3EV

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.