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JVA bei Nacht von Kai Grau­bohm

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Auf meh­re­ren Zug­fahr­ten von Bre­men Rich­tung Nord­deich kam ich im­mer wie­der an der JVA Bre­men vor­bei. Die schau­rig-schö­ne Fas­sa­de des denk­mal­ge­schütz­ten Bau­wer­kes aus den 1870er-jah­ren hat­te ei­ne klos­ter­ar­ti­ge An­mu­tung. Beim Nach­le­sen er­fuhr ich, dass die Vor­stel­lung von Stra­fe im 18. Jahr­hun­dert et­was mit „Bü­ßen und Be­ten“zu tun hat­te. Das klos­ter­ar­ti­ge Aus­se­hen mit der Kir­che in der Mit­te war al­so Kon­zept.

Das Mo­tiv steht

Ich hat­te ei­ne ge­naue Vor­stel­lung da­von, wie das Bild aus­se­hen soll und fuhr mehr­fach ver­geb­lich zum Auf­nah­me­ort. Es soll­te ei­ne Nacht­auf­nah­me wer­den, nur wa­ren ent­we­der die Zel­len­fens­ter nicht be­leuch­tet, oder es schnei­te zu stark. Auf dem Weg zu ei­nem Fo­to­auf­trag in Bre­men Nord schie­nen die Be­din­gun­gen gut, so­dass ich mor­gens um 6.00 Uhr aus dem Zug stieg und mit dem Sta­tiv bei Mi­nus­gra­den die­se Lang­zeit­be­lich­tung mach­te, für die es nur ei­ne Aus­lö­sung brauch­te. Mir war klar, ich hat­te end­lich mei­ne zu­vor im Kopf ent­stan­de­ne und lan­ge auf­ge­scho­be­ne Auf­nah­me im Kas­ten.

Das Fo­to wird his­to­risch

Ei­nen Mo­nat nach der Auf­nah­me ent­stand ei­ne ho­he Mau­er um die JVA und das Fo­to war plötz­lich his­to­risch. Die Öf­fent­lich­keits­ab­tei­lung der JVA ent­deck­te das Fo­to in der fotocommunity, lud mich ein und so lern­te ich Dr. Braun, den An­stalts­lei­ter, und die JVA von in­nen ken­nen. In ei­nem In­ter­view er­zähl­te ein Ma­gnum-fo­to­graf von ei­nem sei­ner Bil­der vom Son­nen­auf­gang an ei­nem Gip­fel­kreuz, das wie ein zu­fäl­lig ge­lun­ge­ner Schnapp­schuss da­her­kam. Er kam seit 35 Jah­ren an die­se Stel­le, um genau die­ses Fo­to zu schie­ßen, was er jah­re­lang schon fer­tig vor Au­gen hat­te. So war es auch beim Fo­to von der JVA Bre­men bei Nacht. Mir war klar, ich hat­te end­lich mei­ne zu­vor im Kopf ent­stan­de­ne und lan­ge auf­ge­scho­be­ne Auf­nah­me.

Ich ha­be nicht da­mit ge­rech­net, dass mir ein­mal die­ses oder auch nur ein ähn­li­ches Fo­to ge­lin­gen könn­te. So ge­se­hen ist es für mich durch­aus ein Traum­fo­to. Ich den­ke, wirk­lich pla­nen lässt sich ein sol­ches Fo­to nicht.

Zu­nächst oh­ne Glück

Bei mir kam das so: Das Fo­to wur­de vom Aus­sichts­punkt des Rest­camps Ha­la­li im Eto­sha Na­tio­nal­park in Na­mi­bia aus auf­ge­nom­men. Er liegt er­höht auf ei­nem Fel­sen über ei­ner Was­ser­stel­le. An die­sem Nach­mit­tag hat­ten wir zu­nächst nur we­nig Glück. Au­ßer ein paar Flug­hüh­nern, an­de­ren Vö­geln und hin und wie­der ei­nem Scha­kal ka­men in­ner­halb von zwei St­un­den kaum Tie­re zum Trin­ken an die Was­ser­stel­le.

Ei­ne rie­si­ge Staub­wol­ke

So be­ob­ach­te­ten und fo­to­gra­fier­ten wir den Son­nen­un­ter­gang und woll­ten den Ort da­nach zu­nächst wie­der ver­las­sen. Die Son­ne war be­reits ganz un­ter­ge­gan­gen. Da sa­hen mei­ne Frau und ich am Ho­ri­zont ei­ne rie­si­ge Staub­wol­ke, von der wir uns nicht er­klä­ren konn­ten, wie sie ent­stan­den sein mag. Es war wind­still.

Die Lö­sung des Rät­sels

Mit dem Fern­glas fand sich schnell die Lö­sung des Rät­sels: Ei­ne Ele­fan­ten­her­de kam schnel­len Schrit­tes, so wie sie das auf dem Weg zu ei­ner Was­ser­quel­le im­mer tun, di­rekt auf uns zu. Das Licht, der Staub, die un­ter den Fü­ßen der Tie­re kna­cken­den Äs­te und das ge­le­gent­li­che Grum­meln und Trom­pe­ten der Ele­fan­ten hat­te et­was Mys­ti­sches, ja fast schon Un­heim­li­ches.

Das Er­leb­nis hin­ter­ließ ei­nen tie­fen Ein­druck und die­ses Fo­to. Zu­dem ge­schah es am Abend mei­nes 51. Ge­burts­ta­ges – ein schö­ne­res Ge­schenk konn­te es nicht ge­ben!

Link zu fotocommunity- Mit­glied Gün­ter Franz Mül­ler www.fotocommunity. de/fo­to­graf/guen­ter­franz-mueller/538683

www.fotocommunity. de/fo­to­graf/kai-grau bohm/428748

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