Groß­for­mat

Fo­to­gra­fi­en zei­gen Men­schen, die sich in ih­rer Frei­zeit in na­tür­li­chen oder ur­ba­nen Land­schaf­ten auf­hal­ten. Sei­ne Bild­kom­po­si­tio­nen er­in­nern an Ge­mäl­de Pie­ter Brue­gels oder die Wim­mel­bil­der in den Kin­der­bü­chern von Ali Mit­gutsch. Le­sen Sie, wel­che Ide­en h

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„Men­schen und Or­te“von Andre­as Gün­ther

Bild­idee

Andre­as Gün­thers Auf­nah­men bil­den schein­bar ba­na­le All­tags­si­tua­tio­nen ab. Die Sze­ne­ri­en wir­ken be­tont un­spek­ta­ku­lär, dis­tan­ziert – und ob­wohl die ab­ge­bil­de­ten „Prot­ago­nis­ten“an­onym blei­ben, er­zäh­len die Bil­der et­was über das Ver­hält­nis der Men­schen zu den Or­ten, an de­nen sie sich auf­hal­ten. Mit aus­ge­wo­ge­nen Bild­kom­po­si­tio­nen und sub­ti­len Kor­re­spon­den­zen der Bild­ele­men­te ver­leiht der Fo­to­graf sei­nen Bil­dern ein er­zäh­le­ri­sches Mo­ment und trans­for­miert so die vor­ge­fun­de­ne Sze­ne­rie in ei­ne ar­ti­fi­zi­el­le, ta­bleau­haf­te Bild­spra­che.

Vor­be­rei­tung

Wenn Andre­as Gün­ther mit der Groß­for­mat­ka­me­ra ar­bei­tet, bleibt we­nig Spiel­raum für spon­ta­ne Ent­schei­dun­gen: „Die Fo­to­gra­fie muss, was die Kom­po­si­ti­on der sta­ti­schen Ele­men­te an­geht, schon vor­ab im Kopf aus­ge­ar­bei­tet sein, be­vor ich die Ka­me­ra über­haupt auf­baue. Erst wenn der Bild­auf­bau fest­ge­legt ist, set­ze ich die Ka­me­ra auf das Sta­tiv, um dann al­les ex­akt ein­zu­stel­len.“Und dann heißt es war­ten, so lan­ge, bis die Sze­ne­rie, die Ver­tei­lung der Men­schen in der Land­schaft sei­nem Bild­kon­zept ent­spricht. Bei den Bil­dern vom Köl­ner Beet­ho­ven­park und vom Ron­cal­li­platz mit der Dom­fas­sa­de hat er meh­re­re St­un­den aus­ge­harrt, bis er den Aus­lö­ser be­tä­tig­te. Am En­de ent­stan­den dann in rund vier St­un­den zwei oder drei Be­lich­tun­gen. Was so um­ständ­lich er­scheint, hat auch sei­ne Vor­tei­le: „We­gen des Auf­wands und der ho­hen Kos­ten der Auf­nah­men ar­bei­tet man kon­zen­trier­ter, über­legt sich sehr genau, was man tut. Und da­durch, dass ich so lan­ge und auf­fäl­lig mit der gro­ßen Ka­me­ra an ei­nem fes­ten Ort ste­he, neh­men die Men­schen mich nicht als ‚voy­eu­ris­ti­sche‘ Be­dro­hung wahr.“Gün­ther nutzt zwar vor­zugs­wei­se die Groß­for­mat­ka­me­ra, doch wenn sich ihm mit der Klein­bild-spie­gel­re­flex­ka­me­ra Ge­le­gen­hei­ten bie­ten, denkt er ganz prag­ma­tisch: „Ent­schei­dend ist am En­de das Bild und sei­ne Wir­kung, nicht so sehr die Me­tho­de, mit der es ent­stand.“

Auf­nah­me­tech­nik

Andre­as Gün­ther wählt na­he­zu aus­schließ­lich Brenn­wei­ten im Be­reich der „Nor­malbrenn­wei­te“, d.h. zwi­schen et­wa 40 und 50 mm an der Klein­bild­ka­me­ra bzw. 150 mm beim 4 x 5-Inch-plan­film. Mit der Groß­for­mat­ka­me­ra kommt er um ein sta­bi­les Sta­tiv nicht her­um, da hier Blen­den­wer­te wie f22, f32 oder f64 selbst bei Ta­ges­licht re­la­tiv lan­ge Be­lich­tungs­zei­ten be­din­gen. Zu­dem wä­ren die Ver­stell­mög­lich­kei­ten der Fach­ka­me­ra (um et­wa stür­zen­de Li­ni­en aus­zu­glei­chen oder die Schär­fe­nebe­ne im Raum zu ver­kip­pen) oh­ne Sta­tiv nicht prä­zi­se zu kon­trol­lie­ren.

Al­le Fo­tos: Andre­as Gün­ther

Köln, Ron­cal­li­platz, 2014 Groß­for­mat, Plau­bel Pe­co Pro­fia, Ro­den­stock Si­ro­nar-n 5,6/150 mm MC, 150 mm, Blen­de 32, 1/4 s, 4 x 5 Inch Fu­ji Pro­via 100F

Köln, Beet­ho­ven­park, 2013 Groß­for­mat, Plau­bel Pe­co Pro­fia, Ro­den­stock Si­ro­nar-n 5,6/150 mm MC, 150 mm, Blen­de 32, 1/15 s, 4 x 5 Inch Fu­ji Pro­via 100F

Duis­burg, Rhein­aue bei Bins­heim, 2010 di­gi­ta­les Klein­bild, Ca­non 5D Mark II, 50 mm, Blen­de 8, 1/125 s

Andre­as Gün­ther Andre­as Gün­ther (*1973) stu­dier­te Mu­sik­wis­sen­schaft, So­zio­lo­gie und Ge­schich­te. Zur Fo­to­gra­fie kam er als Au­to­di­dakt. Sei­ne Auf­nah­men ent­ste­hen ana­log mit ei­ner Groß­for­mat­ka­me­ra oder di­gi­tal im Klein­bild­for­mat. fc- Fo­to­gra­fen­link: www.fo

Ka­me­ra 2:

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