Kin­der

Peg­gy Lau­richs Kin­der­fo­to­gra­fi­en wir­ken na­tür­lich und echt, un­be­schwert und leicht. Mit viel Ge­duld und dem rich­ti­gen Ge­spür ge­lingt es ihr im­mer wie­der, zau­ber­haf­te Bild­ide­en fo­to­gra­fisch neu um­zu­set­zen.

fotocommunity Magazin - - Inhalt - Al­le Fo­tos: Peg­gy Lau­rich

„ Auf Au­gen­hö­he“von Peg­gy Lau­rich

Bild­ide­en und Vor­be­rei­tung

Oft fo­to­gra­fiert Peg­gy Lau­rich ein­fach ganz spon­tan. Oh­ne viel Vor­be­rei­tung und oh­ne fes­tes Kon­zept in­spi­riert sie die Si­tua­ti­on: ein Kind, ein Lä­cheln, die pas­sen­de Um­ge­bung und das rich­ti­ge Licht. Das Bild „Wasch­tag“ist et­wa so ent­stan­den. Das Kind woll­te wa­schen spie­len, Peg­gy nutz­te die Ge­le­gen­heit und zück­te ih­re Ka­me­ra. Sie er­zählt: „Es gibt Fo­tos, die schaue ich mir an und wür­de mir nichts mehr wün­schen, als die­sen Mo­ment noch ein­mal er­le­ben zu dür­fen!“Manch­mal hat die fc-fo­to­gra­fin aber auch ei­ne fes­te Bild­idee oder zu­min­dest ei­ne va­ge Vor­stel­lung da­von im Hin­ter­kopf, die sie zu­vor ein­mal im In­ter­net, ei­ner Zeit­schrift oder ei­nem Buch ge­se­hen hat. Die Idee zu den Bil­dern „jump“, „Re­gen­tanz“oder auch ih­re Sil­hou­et­te-auf­nah­men sind sol­che. Dann macht sie sich zu­nächst auf die Su­che nach ei­nem ge­eig­ne­ten Ort oder ei­ner Lo­ca­ti­on, die zu ih­rer Vi­si­on passt. Ein gro­ßes Au­gen­merk legt sie da­bei auf das rich­ti­ge Licht, hier spielt die Ta­ges­zeit mit ei­ne ent­schei­den­de Rol­le.

Shoo­ting

Grund­sätz­lich fo­to­gra­fiert Peg­gy Lau­rich aus­schließ­lich mit Avail­able Light, oh­ne Sta­tiv und oh­ne Blitz. „Ich blit­ze wirk­lich nie, au­ßer viel­leicht zu Weih­nach­ten“, lacht sie. Da­mit die Auf­nah­men nicht ge­stellt wir­ken, über­lässt sie es da­bei den Kin­dern, was sie in die­ser Si­tua­ti­on un­ter­neh­men wol­len: le­sen, träu­men oder spie­len. Manch­mal muss sie auch ein we­nig nach­hel­fen und im­pro­vi­sie­ren, was ihr aber be­son­ders viel Spaß be­rei­tet. Ein Hü­gel, ei­ne grü­ne Wie­se, ein Ted­dy­bär und ein Klein­kind da­zu. Peg­gy Lau­rich schafft das Set­ting und war­tet mit ih­rer Ka­me­ra ge­dul­dig ab, bis sich das Kind in das Spiel ver­tieft hat.

Aus­rüs­tung und Auf­nah­me­tech­nik

Um die Si­tua­ti­on nicht zu stö­ren, ist es für die Fo­to­gra­fin wich­tig, ei­nen aus­rei­chen­den Ab­stand zu ih­ren

Mi­ni-ak­teu­ren zu ha­ben. Da­her wählt sie im­mer das glei­che Equip­ment: Fo­to­gra­fiert sie im Frei­en, packt sie zu ih­ren bei­den Ni­kon-ka­me­ras ein 24-70-mmStan­dar­d­ob­jek­tiv und grund­sätz­lich ihr 70-200-mmTe­le ein. In­door wählt sie ei­ne 50-mm-fest­brenn­wei­te als Stan­dard­aus­rüs­tung. „Je nach Lust, Lau­ne und wenn ich im Ur­laub bin, kom­men aber na­tür­lich noch wei­te­re Ob­jek­ti­ve und Zu­be­hör da­zu“, er­gänzt sie. Da Kin­der sehr schnell und im­mer in Be­we­gung sind, ist es für sie ein­fa­cher, so we­nig wie mög­lich wäh­rend des Fo­to­gra­fie­rens ein­stel­len zu müs­sen. Nor­ma­ler­wei­se fo­to­gra­fiert sie mit Zei­t­au­to­ma­tik und stellt die Blen­de fest ein. Wenn nö­tig, passt sie noch den ISOWert an. Um im­mer aus­rei­chend Tie­fen­schär­fe in ih­re Bil­der zu brin­gen, wählt sie grund­sätz­lich ei­ne klei­ne Blen­den­zahl von ma­xi­mal 5 – nur ganz sel­ten hö­her.

Bild­kom­po­si­ti­on und -gestal­tung

Meist fa­vo­ri­siert Peg­gy ei­nen mög­lichst tie­fen Ka­me­ra­stand­punkt. Da­zu legt sie sich auch schon mal auf den Bo­den. „Kin­der ho­cken, sit­zen oder schau­en nach un­ten“, er­klärt sie. „Der bes­te Blick­win­kel ist so­mit so tief wie nur mög­lich, bis man eben auf dem Bauch liegt.“Der Bo­den lie­fert da­zu oft noch ein schö­nes Bo­keh, was sehr gut für die Bild­ge­stal­tung sein kann. An­sons­ten geht sie prin­zi­pi­ell auf Au­gen­hö­he mit den Kin­dern. Au­ßer­dem ach­tet sie dar­auf, das Haupt­mo­tiv frei­zu­stel­len. Von Frei­stel­len wird ge­spro­chen, wenn das Haupt­mo­tiv in ei­nem Fo­to scharf ab­ge­bil­det sein soll, der Hin­ter­grund je­doch un­scharf wir­ken soll. Frei­stel­len ist ein ge­stal­te­ri­sches Mit­tel in der Fo­to­gra­fie. Ein be­son­de­res Fai­b­le aber hat Peg­gy für Ge­gen­licht­auf­nah­men. Sie führt aus: Fo­to­gra­fie lebt vom und mit dem Licht. Ich mag den Glanz und Ob­jek­te, die man sonst nicht se­hen wür­de, wie et­wa tan­zen­de Mü­cken, Staub oder die Schirm­chen ei­ner Pus­te­blu­me“, er­klärt sie.

Nach­be­ar­bei­tung

In der Re­gel fo­to­gra­fiert die fc-fo­to­gra­fin im RAWFor­mat und be­ar­bei­tet ih­re Bil­der nach. Klei­ne Feh­ler re­tu­schiert sie mit Pho­to­shop Light­room, bes­sert Hel­lig­keit und Kon­trast nach. Auch se­lek­ti­ves Auf­hel­len, En­t­rau­schen und leich­tes Nach­schär­fen ge­hö­ren da­zu. Ver­ein­zelt stem­pelt sie auch stö­ren­de Ele­men­te kom­plett aus dem Bild weg, ver­sucht aber ge­ne­rell, die Bil­der so ori­gi­nal wie mög­lich zu be­las­sen: „Ei­ne Fo­to­gra­fie soll im­mer ei­ne Fo­to­gra­fie blei­ben, sonst ist es Ma­len am PC.“

Was be­deu­tet Fo­to­gra e für Dich?

Peg­gy Lau­rich: Fo­to­gra­fie­ren ist für mich zum ei­nen, Ge­füh­le zu sam­meln. An­der­seits im­pli­ziert es für mich auch im­mer ei­ne ge­wis­se Trau­rig­keit über die Ver­gäng­lich­keit der Zeit und drückt das Be­dürf­nis aus, ei­ni­ge Au­gen­bli­cke fest­zu­hal­ten.

Wie bist Du zur Kin­der­fo­to­gra e ge­kom­men?

Peg­gy Lau­rich: Ganz ein­fach: Ich lie­be Kin­der­bil­der seit ich selbst Kind war. Schon da­mals sam­mel­te ich Fo­tos aus Zeit­schrif­ten, Post­kar­ten und Bü­chern und woll­te seit je­her im­mer Kin­der fo­to­gra­fie­ren. Da war im­mer die­ses Ge­fühl, das möch­te ich auch brin­gen, sol­che Bil­der möch­te ich auch ma­chen. Mit mei­nen ei­ge­nen Kin­dern und mei­ner Ni­kon D80 hat­te ich dann end­lich die Mög­lich­kei­ten, un­ge­fragt dar­auf­los zu fo­to­gra­fie­ren.

Was fas­zi­niert Dich dar­an?

Peg­gy Lau­rich: Ich lie­be Kin­der, und mir macht das Fo­to­gra­fie­ren mit ih­nen ein­fach Spaß: Kin­der sind im­mer spon­tan und na­tür­lich. Und bis zu ei­nem ge­wis­sen Al­ter sind sie durch und durch ehr­lich. Au­ßer­dem sor­gen sie im­mer wie­der für ech­te Über­ra­schun­gen. Das merkt man den Bil­dern an. Die Auf­nah­men wir­ken au­then­tisch, man muss nicht viel in­sze­nie­ren, und sie er­zäh­len eben genau die­sen ge­leb­ten Mo­ment.

Was sind Dei­ne Lieb­lings­mo­ti­ve?

Peg­gy Lau­rich: Kin­der und noch­mals Kin­der in den un­ter­schied­lichs­ten Si­tua­tio­nen: la­chend, spie­lend, nach­denk­lich, von Klein­kind bis Te­enager, al­lein oder zu meh­re­ren. Nur ganz spo­ra­disch fo­to­gra­fie­re ich Land­schaf­ten, Pflan­zen und Tie­re.

Wel­che Tei­le Dei­ner Aus­rüs­tung sind für Dich un­ent­behr­lich?

Peg­gy Lau­rich: Mei­ne­lieb­lings­kom­bi­na­ti­on ist mei­ne Ni­kon D4 und mein 70-200-mmTe­le­zoom. Die­se nut­ze ich zu 80 Pro­zent. Ins­be­son­de­re das 70-200er er­mög­licht es mir, zu den Kin­dern räum­li­che Dis­tanz, aber fo­to­gra­fi­sche Nä­he zu ha­ben.

Du hast Dich im Ju­ni 2008 in der fc re­gis­triert. Wie bist Du zur fc ge­kom­men und wel­che Funk­tio­nen der fc schätzt Du be­son­ders?

Peg­gy Lau­rich: Ich ha­be ei­ne Platt­form ge­sucht, auf der ich Bil­der zei­gen, ver­glei­chen und von an­de­ren Fo­to­gra­fen ler­nen kann. Ich ha­be et­was ge­goo­gelt und bin schnell auf die fotocommunity ge­sto­ßen. Die fc-platt­form hat mich über­zeugt und bin seit­dem da­bei.

Holst Du Dir auch An­re­gun­gen in der fc?

Peg­gy Lau­rich: Ja, ich ver­fol­ge, wenn ich Zeit ha­be, ein paar mei­ner „Lieb­lings­fo­to­gra­fen“und ha­be mitt­ler­wei­le ei­ni­ge wirk­lich in­ter­es­san­te und gu­te Freun­de über die fc ge­fun­den.

Hast Du fo­to­gra sche Vor­bil­der, und wenn ja wel­che?

Peg­gy Lau­rich: Da­zu wür­de ich die Hoch­zeits­fo­to­gra­fin Nan­cy Ebert und die Kin­der­fo­to­gra­fin­nen Ele­na Shu­mil­o­va und Li­sa Hol­lo­way so­wie Neu­ge­bo­re­nen­fo­to­gra­fin Lau­ra Far­ris zäh­len. Sie in­spi­rie­ren mich, ich lie­be ih­re Blick­win­kel und das Spiel mit Licht, Per­spek­ti­ve und Schär­fe. Man kann von ih­nen so viel ler­nen.

Wie wür­dest Du Dei­ne per­sön­li­che Hand­schrift be­schrei­ben?

Peg­gy Lau­rich: Na­tür­lich und un­ge­stellt, herz­lich und le­ben­dig. Ich ver­su­che die Kin­der so ein­zu­fan­gen, wie sie sind.

...Wasch­tag... Das Kind woll­te wa­schen spie­len und ich ha­be es fo­to­gra­fisch ge­nutzt. Das Licht war lei­der sehr schwie­rig, und da­durch er­gab sich ei­gent­lich ei­ne eher un­pas­sen­de Ka­me­ra­ein­stel­lung für die­ses Bild. (95 mm Brenn­wei­te, Blen­de 3,5, 1/8000 s, IS

Tief ug Ein jun­ger Weiß­kopf­see­ad­ler (da­her noch kein wei­ßer Kopf) im Flug. (Ca­non 1D X, 400 mm, 1/ 50 s, Blen­de 3,2, ISO 100). ...Traum­zeit... Spät­som­mer, wun­der­vol­les Abend­licht von links. Ich lag auf dem Bo­den und mei­ne Toch­ter leicht er­höht, ich war im

...Sei­fen­bla­sen­plat­zen... Die Idee kam beim Fo­to­gra­fie­ren, und mei­ne Ni­kon D4 mach­te mir die­se Auf­nah­me mit ei­ner sehr schnel­len Se­ri­en­auf­nah­me mög­lich. Es war wind­still und der Wald im Hin­ter­grund per­fekt dun­kel. In Au­gen­hö­he auf­ge­nom­men. (75 mm Brenn­wei

...Freund­schaft... Bil­der­wunsch mei­ner Toch­ter: ihr Lieb­lings­pferd. Au­gen­hö­he und Licht von rechts. (86 mm Brenn­wei­te, Blen­de 3,5, 1/200 s, ISO 1250)

...jump... Dä­ne­mar­k­ur­laub. Das Bild war schon lan­ge in mei­nem Kopf, und die Kin­der hat­ten auch Lust da­zu; Sand/dü­nen und Wol­ken pass­ten. (85 mm Brenn­wei­te, Blen­de 5, 1/2500 s, ISO 320)

...ein Tag am Meer... Der Steg war ma­gisch und die Kin­der be­geis­tert, ich war wei­ter ent­fernt, un­ter­ge­hen­de Son­ne von links, leicht stür­misch. (200 mm Brenn­wei­te, Blen­de 2,8, 1/5000 s, ISO 100)

...ent­de­ckun­gen... Son­ne hin­ter mir und leicht die­sig. Ich lag auf dem Bauch, das Kind war ein­fach wun­der­bar ins Spiel ver­tieft. (85 mm Brenn­wei­te, Blen­de 3,2, 1/1600 s, ISO 100)

...Fa­mi­li­en­ban­de...... Sonn­tags­spa­zier­gang, klei­ner Hü­gel, Licht von rechts, tie­fer Standpunkt. Ich ha­be mich ge­freut, wie­der ein Sil­hou­et­ten­bild zu be­kom­men. (95 mm Brenn­wei­te, Blen­de 5, 1/5000 s, ISO 250)

...Schwes­tern... Licht von rechts hin­ter den Mäd­chen, Abend­licht und ich lag auf dem Bo­den. Die Mäd­chen hat­ten rum­ge­al­bert und in ei­nem sehr kur­zen stil­len Mo­ment ist das Bild ent­stan­den. (100 mm Brenn­wei­te, Blen­de 4, 1/400 s, ISO 125)

...le­send... Das Fens­ter hat­te mich schon ei­ni­ge Ta­ge ge­reizt, es fo­to­gra­fisch ein­zu­bin­den. Mei­ne Toch­ter hat­te sich dann auf mei­ne Bit­te zum Le­sen hin­ge­setzt. Fens­ter auf Au­gen­hö­he, Licht von links. (85 mm Brenn­wei­te, Blen­de 3, 1/100 s, ISO 400)

...love... Ein Por­trät beim Spa­zier­gang am Abend. Ich war auf Au­gen­hö­he. (200 mm Brenn­wei­te, Blen­de 3,5, 1/320 s, ISO 800)

...un­ter­wegs... Spa­zier­gang in der Alt­stadt. Die Si­tua­ti­on und auch der Kon­trast zum ro­ten Man­tel pass­te, Son­ne lei­der von Häu­sern ver­deckt. Ich ha­be mich tief ge­bückt, um den Blick­win­kel zu be­kom­men. (200 mm Brenn­wei­te, Blen­de 2,8, 1/800 s, ISO 100)

...duck dich... Spie­len am Bach und das ers­te Mal ei­ne selbst ge­bau­te Schleu­der in der Hand. Lei­der ziel­te er wirk­lich gera­de auf mich, aber eher, um sie mir zu zei­gen. Ich stand et­was er­höht, da­durch lie­gend auf dem Bauch auf­ge­nom­men. (75 mm Brenn­wei­te,

Peg­gy Lau­rich Peg­gy Lau­rich, Kauf­frau im Ein­zel­han­del, Mut­ter von drei Kin­dern, ver­hei­ra­tet und Fo­to­gra­fin aus Lei­den­schaft. www.fotocommunity.de/ fo­to­gra­fin/pann/1205447 www.flickr.com/pann-fo­to/

Aus­rüs­tung Ka­me­ras: Ni­kon D700 und Ni­kon D4 Ob­jek­ti­ve: AF-S 2,8/ 70-200 mm Nik­kor G II ED, AF-S 2,8/24-70 mm Nik­kor G ED, AF-S 1,4/ 85 mm Nik­kor G 1:1, AF 1,4/50 mm Nik­kor D, AF 2,8/ 20 mm Nik­kor D Zu­be­hör: Ni­kon Speed­light SB-900

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