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fotocommunity Magazin - - Portfolio | Andreas Günther - Re­dak­ti­on: Sa­bi­ne Schnei­der

Wie bist Du zu die­ser Art Fo­to­gra e ge­kom­men?

Andre­as Gün­ther: Fo­to­gra­fiert ha­be ich ei­gent­lich schon im­mer, zu­nächst je­doch fast aus­schließ­lich im Sin­ne der ty­pi­schen Er­in­ne­rungs­fo­to­gra­fie im Ur­laub und im pri­va­ten Um­feld. Aus­stel­lungs­be­su­che und Fo­to­bü­cher brach­ten mich dann aber zu­neh­mend da­zu, nicht in ers­ter Li­nie die per­sön­li­che Er­in­ne­rung oder das „Schö­ne“und Spek­ta­ku­lä­re zu the­ma­ti­sie­ren, son­dern mich mit Phä­no­me­nen und ver­meint­lich ba­na­len Er­schei­nun­gen mei­ner all­täg­li­chen Le­bens­welt aus­ein­an­der­zu­set­zen und so die Welt zu zei­gen, wie sie eben auch ist.

Wie wür­dest Du Deinen Stil be­schrei­ben?

Andre­as Gün­ther: Si­cher­lich kann man mei­nen Stil als ei­nen do­ku­men­ta­ri­schen be­schrei­ben. Das rei­ne Do­ku­men­tie­ren – et­wa der Häu­ser, die ja zum Teil schon ab­ge­ris­sen sind – ist aber nur ein Teil- aspekt mei­ner Fo­to­gra­fie. Min­des­tens eben­so wich­tig ist es mir, mit mei­nem Stil, mit der ge­wähl­ten Bild­spra­che be­stimm­te äs­the­ti­sche Wir­kun­gen zu er­zie­len. Die Fo­to­gra­fi­en sol­len nicht nur die Wirk­lich­keit ab­bil­den – wo­bei da ja oh­ne­hin un­klar ist, in­wie­weit Fo­to­gra­fi­en das über­haupt kön­nen –, son­dern sie sol­len die Darstel­lung der „Rea­li­tät“auch in ei­ne ar­ti­fi­zi­el­le bild­li­che Ebe­ne trans­for­mie­ren, so­dass es dann in glei­chem Ma­ße um das Bild als Bild wie um das Ab­ge­bil­de­te geht. Vie­le mei­ner Auf­nah­men wir­ken in der Art ih­rer Darstel­lung fast über­trie­ben streng und sach­lich, nüch­tern und la­ko­nisch, oft liegt auch ei­ne lei­se an­ge­deu­te­te Me­lan­cho­lie über ih­nen. Genau das ist be­ab­sich­tigt. Ich ver­mei­de be­wusst ech­te „Hin­gu­cker“, die so­fort die Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen wür­den. Statt­des­sen stre­be ich ei­ne Gleich­be­rech­ti­gung und ein Gleich­ge­wicht zwi­schen den ver­schie­de­nen Bild­ele­men­ten an. Bei den „Wohn­häu­sern“sorgt die Zen­tral­per­spek­ti­ve na­tür­lich schon an sich für ei­ne ge­wis­se Fo­kus­sie­rung, aber auch für ein Gleich­ge­wicht in der Bild­kom­po­si­ti­on. Grund­sätz­lich sol­len mei­ne Fo­to­gra­fi­en den Ein­druck er­we­cken, dass ich als Bild­au­tor ein Stück weit in den Hin­ter­grund tre­te. Viel­leicht ver­gleich­bar mit ei­nem Wis­sen­schaft­ler, der sich den Din­gen mit kri­ti­scher Dis­tanz nä­hert. Die Bild­ge­stal­tung soll sich als sol­che nicht schon auf den ers­ten Blick in den Vor­der­grund drän­gen. Ent­spre­chend sol­len die Bil­der dem Be­trach­ter Frei­hei­ten in der Les­art las­sen, sie sol­len ihn ein­la­den, auf Ent­de­ckungs­tour zu ge­hen und sich die Bil­der selbst zu „er­ar­bei­ten“. Aus die­sem Grund ver­ge­be ich in der Re­gel auch kei­ne Bild­ti­tel, die ei­ne Les­art oder mög­li­cher­wei­se ein­deu­ti­ge Hin­wei­se auf ei­ne Bild­aus­sa­ge vor­ge­ben wür­den.

Was macht für Dich die Fas­zi­na­ti­on dar­an aus?

Andre­as Gün­ther: Fas­zi­nie­rend ist für mich der im­mer wie­der neue Ver­such zu ver­ste­hen, war­um für mich be­stimm­te Fo­to­gra­fi­en äs­the­tisch funk­tio­nie­ren und an­de­re nicht, und die­se Er­kennt-

nis­se dann mög­li­cher­wei­se in die wei­te­re Ar­beit ein­flie­ßen zu las­sen.

Was sind Dei­ne Lieb­lings­mo­ti­ve?

Andre­as Gün­ther: Ei­gent­lich gibt es für mich kei­ne kon­kret be­nenn­ba­ren „Lieb­lings­mo­ti­ve“. Ich ha­be – über das ein­zel­ne Bild hin­aus – be­stimm­te Vor­stel­lun­gen da­von, wie mei­ne Fo­to­gra­fi­en äs­the­tisch wir­ken oder „funk­tio­nie­ren“sol­len. Da­nach ent­schei­det sich dann, was ich ger­ne fo­to­gra­fie­re und was we­ni­ger. Grund­sätz­lich aber mer­ke ich, dass ich mit mei­nem do­ku­men­ta­ri­schen Stil und mei­ner Ar­beits­wei­se da­zu ten­die­re, nicht das Ein­zig­ar­ti­ge oder das Be­son­de­re auf­zu­zei­gen, son­dern eher Din­ge, die es ei­gent­lich über­all gibt.

Was möch­test Du da­mit aus­drü­cken?

Andre­as Gün­ther: Wie be­reits ge­sagt, in­halt­lich möch­te ich in mei­nen Fo­to­gra­fi­en kei­ne ein­deu­ti­gen, pro­non­cier­ten „Bot­schaf­ten“trans­por­tie­ren, son­dern ei­ne mög­li­che Sicht­wei­se auf die Din­ge auf­zei­gen, viel­leicht ei­ne Art la­ko­ni­schen Kom­men­tar an­bie­ten, mehr ei­gent­lich nicht. Auf der bild­li­chen Ebe­ne geht es dann na­tür­lich schon um be­stimm­te Aus­drucks­qua­li­tä­ten, die mit mei­nem Stil zu­sam­men­hän­gen.

Hat die­se Art der Fo­to­gra e auch Deinen ei­ge­nen Blick auf die Welt ver­än­dert?

Andre­as Gün­ther: Ja, si­cher­lich. Vie­le mei­ner Fo­to­gra­fi­en brin­gen ja – das wün­sche ich mir je­den­falls – auch ei­ne Art „Dop­pel­bö­dig­keit“der Din­ge zum Aus­druck. So den­ke ich, dass ich ei­nen ge­naue­ren Blick auf vie­les ent­wi­ckelt ha­be und mich schnel­ler und häu­fi­ger fra­ge, was ei­gent­lich noch hin­ter dem steckt, was die Din­ge vor­ge­ben zu sein.

Hast Du fo­to­gra sche Vor­bil­der, und wenn ja wel­che?

Andre­as Gün­ther: Di­rek­te Vor­bil­der ha­be ich ei­gent­lich nicht, da man ja nicht be­wusst ver­sucht, je­man­dem nach­zu­ei­fern. Prä­gend für mei­ne Ar­beit

wa­ren und sind nach wie vor je­doch grund­sätz­lich ei­ni­ge Ver­tre­ter der New To­po­gra­phics und der so­ge­nann­ten „Düs­sel­dor­fer Schu­le“, aber auch Fo­to­gra­fen wie Joa­chim Brohm, Gerry Jo­hans­son und vie­le an­de­re ... .

Wel­che Tei­le Dei­ner Aus­rüs­tung sind für Dich un­ent­behr­lich und war­um?

Andre­as Gün­ther: Nicht ver­zich­ten möch­te ich auf die mit der Groß­for­mat­ka­me­ra ver­bun­de­ne, sehr lang­sa­me und be­däch­ti­ge, kon­zen­trier­te Ar­beits­wei­se so­wie auf die ho­he Auf­lö­sung des Groß­for­mats und die Ver­stell­mög­lich­kei­ten der Fach­ka­me­ra.

Du hast Dich im Jahr 2007 in der fc re­gis­triert. Wie bist Du zur fc ge­kom­men, und wel­che Funk­tio­nen der fc schätzt Du be­son­ders?

Andre­as Gün­ther: Auf die fc bin ich bei mei­nen Re­cher­chen zu Berg­bil­dern ge­sto­ßen, da ich da­mals öf­ter zum Berg­wan­dern und Berg­stei­gen in Nord­skan­di­na­vi­en und in den Al­pen war. Das war der ei­ne Grund da­für, mich in der fc an­zu­mel­den; der an­de­re war, mich mit an­de­ren über Fo­to­gra­fie aus­tau­schen zu kön­nen. Im Lau­fe der Zeit hat sich die fc für mich im­mer mehr zu ei­ner Mög­lich­keit ent­wi­ckelt, mei­ne Fo­to­gra­fi­en an­de­ren zu zei­gen, wo­bei der kom­mu­ni­ka­ti­ve Aus­tausch – auch we­gen Zeit­man­gels – zu­letzt sehr stark in den Hin­ter­grund ge­tre­ten ist.

Holst Du Dir auch An­re­gun­gen in der fc? Und wel­chen Ein uss hat die fc auf Dei­ne Fo­to­gra e?

Andre­as Gün­ther: An­re­gun­gen ho­le ich mir dort ei­gent­lich nicht ge­zielt oder be­wusst. Viel­leicht sind aber die Ein­flüs­se am stärks­ten, die man gar nicht be­wusst als sol­che wahr­nimmt. Die fc regt in je­dem Fall da­zu an, über Fo­to­gra­fie all­ge­mein, über ih­re ge­sell­schaft­li­che Be­deu­tung und die Mus­ter ih­rer Wahr­neh­mung nach­zu­den­ken.

Wohn­haus Köln-sürth

links

Wohn­haus Köln-bi­cken­dorf I

rechts

Aus­rüs­tung

Ka­me­ra 1: Groß­for­mat­ka­me­ra Plau­bel Pe­co Pro­fia, Rück­tei­le für Film­kas­set­ten 13 x18 cm und 4 x 5 Inch Ob­jek­ti­ve: Ro­den­stock Si­ro­nar­n 5,6/150 mm MC, Schnei­der­kreuz­nach Su­per­an­gu­lon 5,6/90 mm, Schnei­der­kreuz­nach Sym­mar 1:5,6/300 mm Com­pur elec­tro­nic 3

Ka­me­ra 2:

Ca­non 5D Mark II Ob­jek­ti­ve: Ca­non EF 4/24­105 mm IS USM, Tam­ron SP 2,8/24­70 mm, Ca­non EF 2/35 mm IS USM, Ca­non EF 1,4/50 mm, Ca­non EF 2/100 mm Zu­be­hör: Git­zo­sta­tiv, Be­lich­tungs­mes­ser Gos­sen Lu­na­six 3, Ein­stell­tuch, Ein­stell­lu­pe, di­ver­se Fil­ter, Draht­aus­lö­ser so­wie wei­te­res Zu­be­hör

Andre­as Gün­ther Andre­as Gün­ther, ge­bo­ren 1973, hat Mu­sik­wis­sen­schaft, So­zio­lo­gie und Ge­schich­te stu­diert. Zur Fo­to­gra­fie kam er als Au­to­di­dakt. Sei­ne Auf­nah­men ent­ste­hen ana­log mit ei­ner Groß­for­mat­ka­me­ra oder di­gi­tal im Klein­bild­for­mat. fc-fo­to­gra­fen­link

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