„… nicht län­ger als

Aus­rüs­tung

fotocommunity Magazin - - Portfolio | Roman Tripler - Re­dak­ti­on: Sa­bi­ne Schnei­der

Wie bist Du auf Idee ei­ner Kopf­stand-se­rie ge­kom­men?

Ro­man Tri­pler: Es war kei­ne Idee im her­kömm­li­chen Sinn, son­dern ein Akt von Lan­ge­wei­le mei­nes Soh­nes Lu­ke, der bei ei­nem Spa­zier­gang mei­ne Auf­merk­sam­keit für ein Mo­tiv zu sport­li­chen Ein­la­gen auf der Köl­ner Dom­plat­te nutz­te. Als ich das mit­be­kam, dreh­te ich mich zu ihm, mach­te ein Bild und war fas­zi­niert, mit wel­cher Leich­tig­keit er die­sen Kopf­stand zu ma­chen schien. Die Se­rie ist tat­säch­lich erst zu ei­ner ech­ten Idee ge­wor­den, als mein Sohn an an­de­ren Or­ten da­mit wei­ter ge­macht hat.

Es sind al­so al­les ech­te Kopf­stän­de? Was möch­test Du da­mit aus­drü­cken?

Ro­man Tri­pler: Ja. Seit sei­ner frü­hen Kind­heit kom­pen­siert Lu­ke Stress oder Lan­ge­wei­le mit Sport. Da­bei ist es ihm völ­lig egal, wo er sich ge­ra­de be­fin­det. Für ihn ist Be­we­gung gleich Glück. In ei­ner für ihn und uns als El­tern einst schu­lisch schwie­ri­gen Zeit, war es die Mög­lich­keit, den Kopf mit sei­nen Break­dance-mo­vies wie­der frei zu be­kom­men. Des­we­gen ha­be ich die Se­rie „Kopf­sa­che“ge­nannt.

Was fas­zi­niert Dich dar­an?

Ro­man Tri­pler: Die Lo­ca­ti­ons, an de­nen wir das ma­chen, sind Or­te, zu de­nen wir per­sön­li­che Be­zie­hun­gen oder Er­in­ne­run­gen ha­ben. Da­bei muss das nicht zwangs­läu­fig ei­nen tief­ge­hen­den Hin­ter­grund ha­ben. Es sind Or­te, die uns bei­spiels­wei­se durch die Ar­chi­tek­tur oder das Am­bi­en­te be­geis­tern, uns an ver­gan­ge­ne Er­eig­nis­se oder die Hei­mat er­in- nern, an ei­nen be­son­de­ren Mo­ment oder an ei­nen Ur­laub. Meist fin­det Lu­ke die­se Plät­ze, oft er­gibt es sich aber ein­fach, weil wir uns wohl zur rech­ten Zeit am rech­ten Ort be­fin­den.

Wie ent­ste­hen die Bil­der?

Ro­man Tri­pler: Spon­tan und schnell. So ein Shoot dau­ert manch­mal nicht län­ger als ei­ne hal­be Mi­nu­te. Das ist auch der Grund, war­um ich die Lust dar­an nicht ver­lie­re und nicht das Ge­fühl ha­be, al­les zu in­sze­nie­ren. Ich bin im­mer et­wa drei bis fünf Me­ter von ihm ent­fernt, fo­to­gra­fie­re auf sei­ner Brust­hö­he, al­so tief in der Ho­cke, und ach­te dar­auf, dass ich mit der Be­lich­tungs­zeit nicht un­ter 1/90 s lan­de, denn dann kann das Bild schon mal ver­wa­ckelt wer­den. Er hält den Kopf­stand lan­ge und ru­hig ge­nug, dass ich den Punkt, an dem er mög­lichst ge­ra­de ist, gut ab­pas­sen kann. Wäh­rend sei­ner Vor­be­rei­tung kom­po­nie­re ich be­reits den Aus­schnitt, denn schnei­den möch­te ich an­schlie­ßend so we­nig wie mög­lich.

Be­ar­bei­test du nach?

Ro­man Tri­pler: In der Nach­be­ar­bei­tung ma­che ich dann nicht mehr wirk­lich viel. Ich ha­be mir ei­nen Schwar­zweiß-pro­zess in Ado­be Lightroom er­ar­bei­tet, der mei­nen Vor­stel­lun­gen und dem Look al­ter Ana­log­auf­nah­men ent­spricht, und den nut­ze ich kon­se­quent bei na­he­zu al­len Bil­dern. War mei­ne Auf­nah­me gut, muss ich viel­leicht noch den Ho­ri­zont leicht nach­kor­ri­gie­ren, aber das war es dann auch.

Was plant Ihr mit Eu­rer Se­rie?

Ro­man Tri­pler: Lu­ke freut sich, dass die Se­rie im­mer um­fang­rei­cher wird und na­tür­lich auch über die Bil­der und de­ren Wir­kung auf an­de­re. Wenn wir füh­len, dass es so­weit ist, möch­te er mal ein Buch da­von ha­ben. Da ich in mei­nem Job auch Com­po­sings und Re­tu­schen ma­che, nimmt je­der erst mal an, dass wir schum­meln, aber Lu­ke be­weist den Skep­ti­kern ger­ne, dass dem nicht so ist.

Hat die­se Art der Fo­to­gra e Dei­nen Blick auf die Welt ver­än­dert?

Ro­man Tri­pler: Es gibt Bil­der, die mei­ne Sicht auf die Welt be­ein­flus­sen – die stam­men meist aus Re­por­ta­gen. Da ich mein Um­feld ger­ne dar­stel­len möch­te, wie es ist, se­he ich es eher als mein Ziel, an­de­ren un­ent­deck­te Ein­bli­cke zu er­mög­li­chen. Mir selbst

ha­ben die­se Auf­nah­men kei­ne wirk­lich un­ge­ahn­ten Er­kennt­nis­se ge­bracht. Viel­leicht da­hin­ge­hend, dass ich mich von Ge­fäl­li­gem weg­be­we­gen und Äs­t­he­tik eher als Hilfs­mit­tel und nicht als ein­zi­gen In­halt wäh­len soll­te. Ka­len­der­bild­chen sind schön, ich möch­te aber et­was Dau­er­haf­tes schaf­fen. Dar­an ar­bei­te ich.

Wie bist Du ge­ne­rell zur Fo­to­gra e ge­kom­men?

Ro­man Tri­pler: Es war ein lan­ger Pro­zess. Bil­der ha­ben mich schon im­mer fas­zi­niert. Von der Ma­le­rei bis hin zur Fo­to­gra­fie in­ter­es­siert mich al­les. Durch mei­ne Aus­bil­dung ha­be ich auch ei­nen neu­en Um­gang mit Bil­dern ge­lernt, und bis zu­letzt fas­zi­niert mich das Da­ge­we­se­ne im Bild, die­ser ein­zi­ge, un­wie­der­bring­li­che Mo­ment. Vor un­ge­fähr sie­ben oder acht Jah­ren ha­be ich dann nach dem Kauf ei­ner Spie­gel­re­flex­ka­me­ra auch die Tech­ni­ken ge­lernt, die über die Au­to­ma­tis­men der klei­nen Ka­me­ras hin­aus­ge­hen. Ver­mehr­te Be­su­che in Ga­le­ri­en und Mu­se­en so­wie Li­te­ra­tur und Re­por­ta­gen wur­den mehr und mehr mei­ne Ma­te­ria­li­en für In­spi­ra­tio­nen und Stu­di­en. Das reißt bis heu­te nicht ab.

Was sind Dei­ne Lieb­lings­mo­ti­ve?

Ro­man Tri­pler: Spe­zi­ell kann ich mich da nicht fest­le­gen. Ich mag Bil­der, die Er­kennt­nis­se brin­gen, sei es ge­schicht­lich, emo­tio­nal oder auch äs­the­tisch. Ein Bild, das mich be­son­ders er­wischt hat, ist das Foto Ke­vin Car­ter – Pu­lit­zer-preis­trä­ger von 1994 – auf dem ein su­da­ne­si­sches Mäd­chen im Be­griff ist, auf dem Weg zur Es­sens­aus­ga­be zu ver­hun­gern, und ein Gei­er ge­dul­dig hin­ter ihr war­tet. Es fühlt sich nicht rich­tig an, hier­bei von ei­nem Lieb­lings­mo­tiv zu spre­chen, aber solch ei­ne Kraft im Bild er­zeu­gen zu kön­nen, ist das, was mich da­zu treibt zu fo­to­gra­fie­ren.

Hast Du fo­to­gra sche Vor­bil­der, und wenn wel­che?

ja

Ro­man Tri­pler: Ja, es gibt sehr, sehr vie­le Fo­to­gra­fen, die mich be­geis­tern und aus de­ren Ar­bei­ten ich mei­ne Tipps ho­le. Ein Groß­teil die­ser Vor­bil­der war oder ist bei der Fo­to­agen­tur Ma­gnum wie zum Bei­spiel El­liott Er­witt, Ro­bert Ca­pa oder Hen­ri Car­tier-bres­son. Es gibt aber auch noch Tod Pa­pa­ge­or­ge, Ja­mes Nacht­w­ey, Fried­rich Sei­den­stü­cker, Il­se Bing, Anton Cor­bi­jn, Ro­bert Dois­neau und und und. Ich weiß gar nicht, wo ich an­fan­gen und auf­hö­ren soll.

Du hast Dich in der fo­to­com­mu­ni­ty re­gis­triert. Wie bist Du zur fc ge­kom­men und wel­che Funk­tio­nen schätzt Du be­son­ders?

Ro­man Tri­pler: Als die fo­to­com­mu­ni­ty online ging, mach­te das fix die Run­de. Da­mals ha­be ich mich gleich mit ei­nem Pseud­onym an­ge­mel­det, weil ich zu die­ser Zeit Com­po­sings so­wie di­gi­ta­le Ma­le­rei­en ge­macht ha­be und wis­sen woll­te, was an­de­re da­von hal­ten. Ich ha­be aber schnell die Freu­de an die­ser Art der Bil­der ver­lo­ren und mich 2004 wie­der ab­ge­mel­det. Mit mei­nem rich­ti­gen Na­men ha­be ich mich 2006 wie­der an­ge­mel­det. Seit­her bin ich mal mehr, mal we­ni­ger ak­tiv. Be­son­ders in­ter­es­sant fand ich, wie hilfs­be­reit vie­le Fo­to­gra­fen wa­ren und es ha­ben sich bis heu­te et­li­che rea­le Freund­schaf­ten dar­aus ent­wi­ckelt. Das ken­ne ich in die­ser Form bei kei­ner an­de­ren Platt­form.

Holst du Dir auch An­re­gun­gen in der fc?

Ro­man Tri­pler: Ja, aber es ist mitt­ler­wei­le lei­der deut­lich we­ni­ger ge­wor­den als frü­her, denn im Lau­fe der Zeit sind ei­ni­ge, mir wich­ti­ge Fo­to­gra­fen, ab­ge­wan­dert. Ich war auch schon kurz da­vor, weil mir manch­mal der Ton ei­ni­ger User miss­fal­len hat, aber so­wohl dem tol­len fc-team als auch ei­ni­gen Mit­glie­dern kann ich den Rü­cken ein­fach nicht keh­ren. Ich kann je­dem, be­son­ders Ein­stei­gern, nur den Tipp ge­ben, nicht zu viel auf die Mei­nung an­de­rer zu ge­ben. Wer sei­nen ei­ge­nen Weg ver­folgt und den freund­li­chen, auch manch­mal schmerz­haf­ten Tipps, ein of­fe­nes Ohr schenkt, wird sich rasch wei­ter­ent­wi­ckeln. Al­les, was laut und über­schwäng­lich ist, ist mit aus­rei­chend Ab­stand zu ge­nie­ßen – ob po­si­tiv oder ne­ga­tiv. Viel le­sen, viel an­se­hen, vie­le Un­ter­hal­tun­gen füh­ren und ein Au­ge für die Ge­scheh­nis­se der Welt zu ha­ben sind mir je­den­falls die lehr­reichs­ten Hel­fer.

Ro­man Tri­pler Ro­man Tri­pler, 38 Jah­re alt, wohn­haft in Hen­nef, ar­bei­tet als Art Di­rec­tor in ei­ner Wer­be­agen­tur in Köln und fo­to­gra­fiert seit vie­len Jah­ren in sei­ner Frei­zeit, fast aus­schließ­lich in Schwar­zweiß. Sein Ziel ist es, in der Fo­to­gra­fie sein Um

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