„…sub­jek­tiv an­ge­eig­ne­te De­tail­wel­ten…“

fotocommunity Magazin - - Portfolio | Pelue -

Was fas­zi­niert Dich an abs­trak­ter Fo­to­gra e?

Pe­lue: Ich bin neu­gie­rig auf ein wohl­sor­tier­tes Ab­bild der Din­ge, die für mich Mo­ti­ve sind. Das ist ei­ne zwei­di­men­sio­na­le An­ge­le­gen­heit. Ein­mal geht es um ein Er­kennt­nis­in­ter­es­se: Über das Ab­bild der Welt sie bes­ser be­grei­fen kön­nen; zum zwei­ten for­dert mich die Har­mo­nie von Far­ben und For­men, um Aus­ge­wo­gen­heit wie Span­nung in ei­ner Bild­kom­po­si­ti­on zu er­zeu­gen. Den rich­ti­gen Schnitt an­zu­set­zen, ist ei­ne Her­aus­for­de­rung, die mich fas­zi­niert. Da ich im klas­si­schen Klein­bild­for­mat fo­to­gra­fie­re, aber Qua­dra­te aus­be­lich­te, muss ich rechts und links schnei­den. Die­se Re­duk­ti­on setzt Fan­ta­sie frei, es macht aber gleich­zei­tig das Ver­ste­hen der Bil­der kom­pli­zier­ter, weil es na­tür­li­chem Se­hen erst recht nicht ent­spricht. Ge­nau das fin­de ich so span­nend. Mei­ne Ar­bei­ten zei­gen al­so be­wusst sub­jek­tiv an­ge­eig­ne­te De­tail-wel­ten. Ich schaue so lan­ge durch den Su­cher, bis ich mir si­cher bin, auf das We­sent­li­che re­du­ziert zu ha­ben. Da­bei hat mein star­kes In­ter­es­se an abs­trak­ter Ma­le­rei im wei­tes­ten Sin­ne und an der Äs­t­he­tik des Bau­hau­ses mei­nen Blick auf die Din­ge we­sent­lich ge­prägt.

Wie bist Du zur Fo­to­gra e ge­kom­men?

Pe­lue: Mei­ne ers­te Ka­me­ra be­kam ich 1966 mit 12 Jah­ren. Sie hat mei­ne Vor­lie­be für das Qua­drat ge­prägt, es war ei­ne Ag­fa Iso-ra­pid, ein un­glaub­lich ein­fa­ches Ge­rät. Ich er­in­ne­re mich dar­an, wie sau­er ich war, wenn die Er­geb­nis­se nicht so wa­ren, wie ich sie ha­ben woll­te. Die Mo­ti­ve muss­ten im­mer ex­akt so plat­ziert sein, wie es mei­nem Ge­fühl von Rä­um­lich­keit ent­sprach. Im rich­ti­gen Le­ben bin ich kein Pedant, aber ich bin es im­mer dann, wenn ich durch den Su­cher schaue. Ob­wohl ich jetzt schon so lan­ge fo­to­gra­fie­re, gab es ei­nen Qua­li­täts­sprung erst mit mei­nem Um­stieg auf die di­gi­ta­le Tech­nik im Jah­re 2004, nach­dem ich jah­re­lang mit der le­gen­dä­ren Rol­l­ei 35 und dann mit zahl­rei­chen Spie­gel­re­flex­ka­me­ras von Mi­nol­ta und Ni­kon fo­to­gra­fiert ha­be. Seit die­ser Zeit sind mei­ne Ar­bei­ten so, dass ich sie auch öf­fent­lich zei­gen kann. Seit 2007 hat­te ich zahl­rei­che Aus­stel­lungs­pro­jek­te.

Wel­che Tei­le Dei­ner Aus­rüs­tung sind heu­te für Dich un­ent­behr­lich?

Pe­lue: Ich be­nö­ti­ge nur ei­ne Ka­me­ra mit Wech­sel­ob­jek­ti­ven. Ich muss mich frei be­we­gen kön­nen, mei­ne Sta­ti­ve nut­ze ich fast nie, sie blo­ckie­ren mei­ne Krea­ti­vi­tät. Ge­nau­so ver­stau­ben mei­ne Blitz­ge­rä­te. Fra­gen nach der Tech­nik lang­wei­len mich eher. Ich möch­te auch nicht wis­sen, mit wel­chem Pin­sel Pi­cas­so ge­malt hat. Ich be­nö­ti­ge zu­ver­läs­si­ges, so­li­des Hand­werks­zeug, das mir die Mög­lich­kei­ten ver­schafft, die ich für mei­ne Avail­able-light-fo­to­gra­fie be­nö­ti­ge.

Was sind Dei­ne Lieb­lings­mo­ti­ve und war­um?

Pe­lue: Mich in­ter­es­sie­ren gra­fi­sche Ele­men­te in al­len Din­gen und Ar­ran­ge­ments, die ich se­he. Die Welt bie­tet so viel Ord­nung, Kunst und ne­ben­bei be­merkt auch Hu­mor, Ku­rio­si­tä­ten und Poe­sie, ich will das al­les für mich ent­de­cken. Ich mag das kli­nisch Sau­be­re wie das Dre­cki­ge, die pe­dan­ti­sche Ord­nung wie das ver­stö­ren­de Cha­os, das le­ben­dig Ur­ba­ne wie das be­schau­lich Länd­li­che, das Erns­te wie das Ko­mi­sche. Und: Ich ha­be ei­ne eher sen­ti­men­ta­le Be­zie­hung zum Meer. Viel­leicht fo­to­gra­fie­re ich des­halb so oft in sei­ner Nä­he. Ei­ne Her­aus­for­de­rung ist seit gut zwei Jah­ren die Su­che nach Mo­ti­ven, die das Lee­re und Trost­lo­se zum The­ma ma­chen. Dies zu äs­the­ti­sie­ren und mich auf die­se Wei­se da­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen, übt ei­nen gro­ßen Reiz auf mich aus. Ich bin lei­der ein lau­si­ger Men­schen­fo­to­graf.

Wie gehst Du ein The­ma an?

Pe­lue: Ich fo­to­gra­fie­re seit Jah­ren Dau­er­se­ri­en, meist im Üb­ri­gen in (Groß-)städ­ten. Wie sie als Idee ent­stan­den sind, weiß ich im­mer noch nicht ge­nau, aber ganz si­cher sind sie of­fen­bar Aus­druck der in­di­vi­du­el­len Re­ak­ti­on auf Rei­ze mei­ner Um­ge­bung. Ich las­se mich trei­ben und neh­me mir für Ta­ge, die für die Fo­to­gra­fie re­ser­viert sind, nichts Be­son­de­res vor. Ich lau­fe stun­den­lang und las­se mich da­bei über­ra­schen. Manch­mal ent­ste­hen Ide­en für ei­nen wei­te­ren Be­such, manch­mal ha­be ich be­reits brauch­ba­re Er­geb­nis­se. Brauch­bar ist für mich ei­ne Ar­beit dann, wenn sie zu mei­nen Ide­en passt, wenn sie hand­werk­lich sau­ber ist und ich sie mir in ei­nem Buch oder an der Wand vor­stel­len kann. Ich ge­he sehr selbst­kri­tisch mit den Er­geb­nis­sen um.

Du hast Dich im Ja­nu­ar 2005 in der fc re­gis­triert. Wel­che Funk­tio­nen der fc schätzt Du be­son­ders?

Pe­lue: Be­son­ders mag ich das Schau­en nach dem, was ich selbst gera­de nicht fo­to­gra­fie­re. Der Blick über den Tel­ler­rand ist im­mer wie­der span­nend. Na­tür­lich kom­me ich oft ge­nug dann mit an­de­ren ins Ge­spräch. Nicht zu­letzt ha­be ich in­ter­es­san­te an­de­re Fo­to­gra­fen auch per­sön­lich ken­nen­ge­lernt.

Holst Du Dir auch An­re­gun­gen in der fc?

Pe­lue: Ich ho­le mir nicht be­wusst An­re­gun­gen, aber na­tür­lich se­he ich gu­te Auf­nah­men, an de­nen ich mir et­was Hand­werk ab­gu­cken kann.

Hast Du fo­to­gra sche Vor­bil­der?

Pe­lue: Vor­bil­der ha­be ich nicht, aber es gibt Fo­to­gra­fin­nen und Fo­to­gra­fen, die ich sehr schät­ze – auch dann, wenn sie ganz an­ders fo­to­gra­fier(t)en als ich. Ei­ne Fo­to­se­rie, die Ge­schich­te ge­schrie­ben hat und mich fas­zi­niert: die 1927 pu­bli­zier­te Fo­to­se­rie „Mé­tal“von Ger­mai­ne Krull. An­dré Ker­tész ist ein an­de­rer Na­me, der mich be­geis­tert, ge­nau­so wie Man Ray oder, ganz an­ders, Bernd und Hil­la Be­cher. Wie­der an­ders, aber auch an­re­gend: Gisè­le Freund, Aen­ne Bier­mann und un­term Strich: Es lohnt sich, bei den Klas­si­kern zu schau­en.

Was macht für Dich Dei­ne per­sön­li­che Hand­schrift aus?

Pe­lue: Das mö­gen an­de­re bes­ser be­ur­tei­len als ich selbst. Ich schnei­de si­cher nicht im­mer un­be­dingt da, wo an­de­re das tun wür­den. So er­rei­che ich den in­di­vi­du­el­len Grad der Abs­trak­ti­on, der zu mei­ner Bild­auf­fas­sung passt.

Fo­to­gra­fiert be­reits seit den 60er-jah­ren und ist fc-mit­glied seit 2005. Fo­to­gra­fi­sche The­men­schwer­punk­te: De­tails und Abs­trak­tio­nen www.fo­to­com­mu­ni­ty.de/ fo­to­graf/pe­lue/535294

Ber­lin 2014

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