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fotocommunity Magazin - - Portfolio | Thomas Döring - Re­dak­ti­on Sa­bi­ne Schnei­der

Ur­sprüng­lich woll­te Tho­mas Dö­ring ein­fach nur „schö­ne Fo­tos“ma­chen. Sie soll­ten dem Mo­del, ihm selbst und im Ide­al­fall vi­el­leicht noch ein paar Be­trach­tern auf Fo­to­gra­fie­sei­ten im In­ter­net ge­fal­len. Nach ei­ner gan­zen Zeit ka­men plötz­lich An­fra­gen für Ver­öf­fent­li­chun­gen in Bü­chern und Fach­ma­ga­zi­nen, teil­wei­se so­gar aus den USA, der Ukrai­ne und Aus­tra­li­en. Und im­mer wie­der wer­den einzelne Bil­der ge­kauft. Mit die­sem Er­folg hat­te Dö­ring ei­gent­lich nie ge­rech­net. Er ist am­bi­tio­nier­ter Hob­by­fo­to­graf, dem es bei sei­nen Akt­fo­to­gra­fi­en weniger um die Ero­tik als um den äs­the­ti­schen Aus­druck mit­tels Licht und Po­sen geht.

Shoo­ting-vor­be­rei­tung

Sei­ne Vor­be­rei­tun­gen zum Shoo­ting be­ginnt er üb­li­cher­wei­se ei­ni­ge Wo­chen vor dem ei­gent­li­chen Ter­min, bei ei­nem Vor­ab­tref­fen mit dem Mo­del. „Ge­ra­de bei Akt­fo­to­gra­fie hal­te ich es für wich­tig, dass sich Fo­to­graf und Mo­del nicht erst we­ni­ge Mi­nu­ten vor dem ers­ten Bild ken­nen­ler­nen“, er­klärt Tho­mas Dö­ring. Ers­tens muss die be­rühm­te Che­mie stim­men, und ei­ne ge­wis­se ge­gen­sei­ti­ge Sym­pa­thie soll­te vor­han­den sein, um beim Shoo­ting gu­te Er­geb­nis­se zu er­zie­len. Zum an­de­ren ist es für die meis­ten Mo­del­le we­sent­lich an­ge­neh­mer, den Fo­to­gra­fen vor dem Shoo­ting zu­min­dest schon ein Stück weit ken­nen­ge­lernt zu haben, als sich kurz nach An­kunft im Stu­dio vor ei­nem prak­tisch völ­lig frem­den Men­schen ent­klei­den zu müs­sen. „Und drit­tens weiß ich sel­ber auch ganz ger­ne, mit wem ich es zu tun haben wer­de“, er­gänzt Dö­ring. Teils fin­det er sei­ne Mo­dels auf Por­ta­len wie „Mo­del-kar­tei“. Zu­meist aber han­delt es sich eher um Zu­falls­be­kannt­schaf­ten, die er ein­fach auf ein Shoo­ting an­ge­spro­chen hat, et­wa die Sitz­nach­ba­rin bei ei­nem Kon­zert oder in der Piz­ze­ria oder die Be­die­nung in der Kn­ei­pe. Es kommt aber auch vor, dass Freun­din­nen der Mo­dels sich für ein Shoo­ting ge­mel­det haben.

Die Bild­ide­en

Oft sind es an­de­re Bil­der und Fo­to­gra­fie­sei­ten, die ihn zum Nach­ma­chen in­spi­rie­ren. „Die ge­zeig­te Po­se und/ oder Licht­set­zung pas­se ich dann mei­nen Vor­stel­lun­gen an“, er­klärt er. Dann gibt es Bild­ide­en, die sich ganz plötz­lich und zu­fäl­lig er­ge­ben. So ist die Idee im Bild mit dem Was­ser­glas ent­stan­den, als ein­mal auf ei­nem Tisch ein Wein­glas stand und in et­was Ab­stand da­hin­ter zu­fäl­lig ein Bild in rich­ti­ger Hö­he hing. Frei­lich er­ge­ben sich man­che Auf­nah­men auch ein­fach spon­tan, wenn das Mo­del ge­ra­de ei­ne Po­se „übt“und da­bei in ei­ne an­de­re Stel­lung kommt, die reiz­voll er­scheint.

Die rich­ti­ge Aus­rüs­tung

Bei der Aus­rüs­tung gilt für Dö­ring: we­nig, aber al­les un­ent­behr­lich. Das heißt: ei­ne CA­NON-DSLR und ein 4/24105 mm L IS USM-ZOOM. Auf sein 70-200-mm-ob­jek­tiv könn­te er am ehes­ten ver­zich­ten, da die lan­ge Brenn­wei­te im Stu­dio selbst an ei­ner Voll­for­mat­ka­me­ra nur sel­ten ver­wen­det wer­den kann, und die Of­fen­blen­de kaum be­nö­tigt wird. Aber der Funk­aus­lö­ser ist für ihn „Gold wert“, da das Syn­chron­ka­bel „ir­gend­wie im­mer zu kurz ist und im Weg rum­liegt“.

Das Shoo­ting

Fo­to­gra­fiert wird in ei­nem „ganz nor­ma­len Stu­dio“, ein gro­ßer, lee­rer Raum mit Pa­pier­hin­ter­grün­den und ein paar Blitz­köp­fen und Licht­for­mern. „Für mich macht den Reiz aus, aus die­sem ‚Nichts‘ mit­hil­fe ei­nes Mo­dels, ei­ner an­spre­chen­den Po­se und pas­sen­dem Licht­se­t­up ei­ne Fo­to­gra­fie ent­ste­hen zu las­sen“, er­klärt er. Für die Licht­si­tua­tio­nen ver­wen­det er sel­ten mehr als zwei Licht­quel­len. Ab­hän­gig von Po­se und ge­wünsch­tem Ef­fekt kom­men har­te (Wa­ben) oder wei­che (Soft­box, Strip­light) Licht­for­mer zum Ein­satz. Und ei­ne ein­fa­che Sty­ro­por­plat­te kann als Auf­hel­ler Wun­der wir­ken. „Vie­le Licht­si­tua­tio­nen sind ähn­lich, aber für das per­fek­te Er­geb­nis muss für je­de Po­se das Licht neu ein­ge­stellt oder po­si­tio­niert wer­den“– manch­mal nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter.

Auf­nah­me­tech­nik

Beim Auf­neh­men geht Dö­ring prag­ma­tisch vor, aber mit viel Ge­fühl. Da sind zwei Blitz­köp­fe mit 500 Ws, die üb­li­cher­wei­se zum Ein­satz kom­men, und ei­ner mit 1000 Ws, je­weils auf ei­nem Sta­tiv mit Rol­len. Die Licht­for­mer kön­nen dank Schnell­ver­schluss be­quem ge­tauscht wer­den, aber das will er na­tür­lich nicht nach je­dem Fo­to ma­chen. Al­so soll­te man sich zu Be­ginn des Shoo­tings schon ei­ne ge­wis­se Rei­hen­fol­ge der Po­sen über­le­gen, rät er.

Ka­me­ra­ein­stel­lun­gen

Der Weiß­ab­gleich an der Ka­me­ra ist bei je­dem Blitz­kopf an­ders, än­dert sich mit dem Al­ter der Blitz­röh­re, teil­wei­se so­gar mit der ge­wähl­ten Blitz­leis­tung. Statt lan­ge zu mes­sen, stellt Dö­ring die Ka­me­ra auf 5000 K als (Start-) Wert ein und nimmt even­tu­el­le Kor­rek­tu­ren beim Im­por­tie­ren der Roh­da­ten vor. Die Ka­me­ra steht auf ma­nu­ell. „Vie­le Ob­jek­ti­ve arbei­ten nur in ei­nem be­stimm­ten Blen­den­be­reich op­ti­mal.“Die ISO-ZAHL soll­te al­so so ein­ge­stellt wer­den, dass man bei der vor­han­de­nen Blitz­leis­tung in die­sem Blen­den­be­reich arbei­ten kann. Die Be­lich­tungs­zeit steht fix auf 1/125 s. „Die­se Syn­chron­zeit funk­tio­niert auch mit preis­wer­ten Blitz­köp­fen und Funk­aus­lö­sern, und bei Akt­fo­to­gra­fie sind üb­li­cher­wei­se kei­ne Be­we­gun­gen ein­zu­frie­ren.“Wenn die An­la­ge kür­ze­re Be­lich­tungs­zeit her­gibt, ist das na­tür­lich gut. Die ei­gent­li­che Be­lich­tung wird dann über die Blitz­leis­tung und die Blen­de der Ka­me­ra ein­ge­stellt. Die Blen­de wählt Dö­ring ab­hän­gig von ein­ge­stell­ter Blitz­leis­tung, Ab­stand und Win­kel des Blit­zes zum Mo­del, Bräu­nungs­grad der Haut, Re­fle­xi­ons­ei­gen­schaf­ten der Stu­dio­wän­de und an­de­ren Fak­to­ren. Sein Tipp: „Ich kann nur je­den Fo­to­gra­fen er­mu­ti­gen, sich nicht

streng an die Exif-da­ten an­de­rer Bil­der zu hal­ten, son­dern zu üben und zu ler­nen. Die His­to­gramm­funk­ti­on der Ka­me­ra ist ei­ne gro­ße Hil­fe. Bild­wich­ti­ge Ele­men­te dür­fen nicht ab­sau­fen oder aus­rei­ßen. Soll das Bild spä­ter in Schwar­zweiß um­ge­wan­delt wer­den, wirkt es meist aus­ge­wo­ge­ner und har­mo­ni­scher, wenn die Auf­nah­me mög­lichst ei­ne Blen­de un­ter­be­lich­tet ist.“

Bild­kom­po­si­ti­on und -gestal­tung

Nor­ma­ler­wei­se wer­den lie­gen­de Po­sen im Qu­er­for­mat auf­ge­nom­men, eher auf­rech­te Stel­lun­gen im Hoch­for­mat. Aber es kann auch span­nend sein, mit die­ser „Re­gel“zu spie­len. Da bei Dö­rings Fo­to­gra­fi­en au­ßer dem Mo­del und vi­el­leicht ei­nem Stuhl oder ei­nem Kas­ten nichts im Bild ist, ist die Po­se der wich­tigs­te Aspekt im Hin­blick auf die Bild­ge­stal­tung. Oft bil­den sich mehr oder weniger par­al­le­le Li­ni­en oder in­ner­halb ei­nes Bil­des wie­der­ho­len sich geo­me­tri­sche For­men. Oder er ver­sucht durch leich­tes Än­dern der Po­se Wie­der­ho­lun­gen zu er­rei­chen, die be­wusst oder un­be­wusst den Be­trach­ter ein­neh­men. Auch den Bild­aus­schnitt wählt er spon­tan nach sei­nem ei­ge­nen Au­ge. „Grund­sätz­lich ist es im Zwei­fels­fall aber im­mer bes­ser, ei­nen grö­ße­ren Aus­schnitt zu wäh­len, den man spä­ter noch än­dern kann.“

Nach­be­ar­bei­tung

Tho­mas Dö­ring in­ves­tiert prin­zi­pi­ell sei­ne Zeit lie­ber in die Vor­be­rei­tung und das Shoo­ting als in die Nach­be­ar­bei­tung. Passt das Licht wirk­lich so? Ist die Po­se gut, oder muss et­was kor­ri­giert wer­den? Vi­el­leicht ei­ne Blen­de mehr oder weniger? Mit wach­sen­der Er­fah­rung kom­men sei­ne Fo­tos in­zwi­schen prak­tisch „fer­tig“aus der Ka­me­ra, den­noch durch­läuft je­des sei­ner Bil­der wei­ter­hin Pho­to­shop. Ma­xi­mal müs­sen aber fünf Mi­nu­ten da­für ge­nü­gen, um klei­ne Re­tu­schen durch­zu­füh­ren, wie Wä­sche­ab­drü­cke und Pi­ckel zu ent­fer­nen. Zum an­de­ren um die Auf­nah­men per Ka­nal­mi­xer und Gra­da­ti­ons­kur­ve in stil­vol­les Schwar­zweiß um­zu­wan­deln.

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