RHYTH­MUS & LICHT

Bei Kon­zert­fo­to­gra e macht es die Mi­schung aus Be­we­gung und Licht mit der pas­sen­den Ka­me­ra­ein­stel­lung, um den rich­ti­gen Mo­ment auf den Chip zu brin­gen. fc-fo­to­graf Thorsten Murr hat sich auf Rock- und Blues­kon­zer­te spe­zia­li­siert und ver­rät sei­ne ganz priv

fotocommunity Magazin - - Portfolio | Thorsten Murr - Re­dak­ti­on Sabine Schnei­der

Ta­ke the light from the peop­le! Put it on me! I‘m the sin­ger!“Der ame­ri­ka­ni­sche Blues­sän­ger Mitch Ry­der hat es ein­mal bei ei­nem sei­ner Auf­trit­te auf den Punkt ge­bracht, als er die­se Wor­te den Be­leuch­tern zu­rief, denn die gro­ße fo­to­gra­fi­sche Her­aus­for­de­rung bei Kon­zer­ten sind die Licht­ver­hält­nis­se. „Es gibt Clubs, die sind so spär­lich aus­ge­leuch­tet, dass man die Band auch mit blo­ßem Au­ge kaum se­hen kann. Dann gibt es gro­ße Büh­nen, die strah­len in al­len Far­ben, aber die Mu­si­ker ste­hen im Dun­keln“, weiß Kon­zert­fo­to­graf Thorsten Murr. Ge­ne­rell ar­bei­tet Thorsten Murr im­mer mit den­sel­ben Ein­stel­lun­gen: die Blen­de ma­xi­mal of­fen und ei­ne Emp­find­lich­keit von ISO 500. Da­zu va­ri­iert er mit der Be­lich­tungs­zeit. Bei gu­tem Licht re­du­ziert er sie bis 1/400 s, bei schwa­chem Licht ver­län­gert er ma­xi­mal auf 1/80 s. Ein Han­di­cap bei län­ge­ren Be­lich­tungs­zei­ten sind die Be­we­gungs­un­schär­fen. Zu­dem sind Rock­mu­si­ker selbst in Be­we­gung. „Ein Trick ist es zu war­ten, bis der Mu­si­ker, zum Bei­spiel ein Gi­tar­rist, ans Mi­kro tritt und dort sein Ge­sicht ein paar Se­kun­den lang in der­sel­ben Po­si­ti­on hält“, ver­rät Murr. Al­ler­dings soll­te man dann dar­auf ach­ten, auf das Ge­sicht zu fo­kus­sie­ren, nicht auf das Mi­kro.

Aus­rüs­tung

Die meis­ten der ge­zeig­ten Auf­nah­men hat Murr mit sei­ner ers­ten Ni­kon und ei­ner licht­star­ken 35-mm-fest­brenn­wei­te auf­ge­nom­men. „Wer die Ni­kon D60 noch kennt, weiß, dass es nur drei Mess­fel­der gab und dass die Rau­sch­an­fäl­lig­keit ver­gleichs­wei­se hoch war“, er­in­nert sich der Fo­to­graf. Folg­lich blie­ben ihm da­mals nur Emp­find­lich­kei­ten von ma­xi­mal ISO 200 und Be­lich­tungs­zei­ten von 1/60 s bis 1/125 s, bei gu­tem Licht auch 1/160 s. Thorsten Murr ist kein Freund von gro­ßem Ge­päck. Sei­ne Aus­rüs­tung passt in ei­ne klei­ne Um­hän­ge­ta­sche. „Mir ist wich­tig, dass ich mich re­la­tiv frei be­we­gen kann und den Ob­jek­tiv­wech­sel auch auf engs­tem Raum hin­be­kom­me“, führt Murr aus. Seit drei Jah­ren fo­to­gra­fiert er mit ei­ner D7000, da­zu ein 35er- und ein 50er-ob­jek­tiv, bei­de mit 1,8 ma­xi­ma­ler Öff­nung. In grö­ße­ren Sä­len oder auf Open-air-kon­zer­ten nimmt Murr auch noch ein 85-mmOb­jek­tiv mit. Meist hat er ei­nen klei­nen Auf­steck­blitz in der Ta­sche für ein paar Af­ter-show-fo­tos am Si­gnier­tisch. „Wenn klar ist, dass nur die ers­ten drei Songs fo­to­gra­fiert wer­den dür­fen, neh­me ich zu­wei­len noch ei­ne zwei­te Ka­me­ra mit, um mir den Ob­jek­tiv­wech­sel zu spa­ren. Aber das ist eher sel­ten.“

Das Shoo­ting

Als Kon­zert­fo­to­graf soll­te man be­müht sein, sich mög­lichst so durch die Leu­te zu be­we­gen, dass nie­mand un­nö­tig ge­stört wird. Wenn es vor ei­ner an­dert­halb Me­ter ho­hen Büh­ne oh­ne Fo­to­gra­ben vorn rich­tig voll und eng ist, bit­tet Murr die Um­ste­hen­den meist sehr freund­lich und höf­lich dar­um, ei­nen Song lang zwi­schen oder vor

ih­nen ste­hen zu dür­fen, um zum Bei­spiel den Drum­mer zu fo­to­gra­fie­ren. „Drum­mer und Key­boar­der sind im­mer ei­ne Her­aus­for­de­rung, weil sie hin­ten agie­ren. Beim Drum­mer kommt hin­zu, dass er zwi­schen sei­nen Be­cken und Sta­ti­ven oft kaum zu se­hen ist. Da muss man sei­ne Po­si­ti­on im­mer mal wech­seln und sich durch das Pu­bli­kum be­we­gen“, er­zählt Murr. Bei fla­chen Club­büh­nen ist das na­tür­lich kein Pro­blem. Man­che Bands und Ver­an­stal­ter er­lau­ben auch, dass man mal auf die Büh­ne darf, um zu fo­to­gra­fie­ren. „Das gibt tol­le Ein­sich­ten, und man kommt nä­her an die Leu­te ran. Der Reiz für mich ist aber ei­gent­lich, „Front of Hou­se“, al­so aus dem Pu­bli­kum her­aus zu fo­to­gra­fie­ren.

Kon­zert­re­geln

Bei grö­ße­ren Kon­zer­ten lässt sich Murr im Auf­trag des Fan­por­tals Deut­sche Mug­ge ak­kre­di­tie­ren, für das er auch Kon­zert­re­zen­sio­nen schreibt. Vor al­lem bei in­ter­na­tio­na­len Acts gibt es aber di­ver­se Ver­bo­te und Ein­schrän­kun­gen, wenn es ums Fo­to­gra­fie­ren geht. Oft gilt die Re­gel „Th­ree songs, no flash“. Murrs Tipp: „Man soll­te sich dar­an hal­ten, auch wenn sich die wirk­lich tol­len Sze­nen erst im wei­te­ren Ver­lauf des Gigs, im Fi­na­le oder wäh­rend der Zu­ga­ben er­eig­nen.“Man soll­te sich al­lein schon des­halb an die Re­geln hal­ten, um beim nächs­ten Mal wie­der auf der Lis­te zu lan­den. Na­tür­lich gibt es auch Tricks, die Ka­me­ra mit her­ein­zu­schmug­geln, oh­ne dass man auf der Lis­te steht. „Aber fein ist das nicht“, fin­det Murr und wun­dert sich: „Es ist schon ab­surd, dass Spie­gel­re­flex­ka­me­ras oft ver­bo­ten sind, nie­mand aber ein­schrei­tet, wenn zig Leu­te stun­den­lang ih­re Han­dys hoch­hal­ten, al­len die Sicht neh­men und fo­to­gra­fie­ren und fil­men, was das Zeug hält.“Auch bei ei­nem Open-air-kon­zert von Pe­arl Jam vor zwei Jah­ren war Murr ak­kre­di­tiert und stand im Gr­a­ben zwi­schen all den Fo­to­pro­fis von Agen­tu­ren und Ver­la­gen. Er er­zählt: „Ich glau­be, ich war der Ein­zi­ge im Fo­to­gra­ben, dem man sei­ne Freu­de über die Mu­sik an­mer­ken konn­te, weil ich nicht nur streng und wich­tig mei­ne Fo­tos ge­macht ha­be, son­dern auch noch mit­ge­rockt und ap­plau­diert ha­be.“Je­den­falls hat­te er Blick­kon­takt mit dem Le­ad­gi­tar­ris­ten Mike Mc­crea­dy – der grins­te, hol­te selbst ei­ne Ka­me­ra her­vor und fo­to­gra­fier­te Thorsten Murr!

Jür­gen Eh­le

Bernd „Kuh­le“Küh­nert

Hol­ger Klatt

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